98. Jahrestagung der DOG 2000

P 746

Aravind: Die größte Katarakt-Klinik der Welt

H. Baatz, K.-H. Velhagen

Einleitung: In der der dritten Welt und in den Schwellenländern stellt die Behandlung vermeidbarer Blindheit nach wie vor eine große Herausforderung dar. Die Bereitstellung einer angemessenen augenärztlichen Versorgung unter schwierigen sozioökonomischen Verhältnissen verlangt innovative Strategien um medizinische, technische, organisatorische und personelle Probleme zu lösen. Die Aravind-Augenkliniken in Südindien werden als Modell für eine effiziente und qualitativ hochwertige ophthalmologische Versorgung grosser Patientenzahlen vorgestellt.

Hintergrund: Bei einer Bevölkerungszahl von 966 Mio ist die Kataraktprävalenz in Indien 1,12 %, bzw. 11 Mio. Nach Schätzungen beträgt die Zahl der an Katarakt erblindeten Menschen (Visus < 1/20) 5 Mio. Die Inzidenz neuer Katarakte beträgt 2,5 – 4,2 Mio jährlich. Die Zahl der Kataraktoperationen in Indien liegt jedoch bei unter 2 Mio pro Jahr, also weniger als der Hälfte der jährlichen Neuerkrankungen.

Klinikleistung: 1999 wurden in den vier Aravind-Augenkliniken eine Gesamtzahl von 1.279.989 ambulanten Untersuchungen vorgenommen. Es wurden 183.171 Augenoperationen durchgeführt, wobei die Mehrzahl mit 151.716 Eingriffen Kataraktoperationen waren. Andere Eingriffe waren Trabekulektomien (1100), eindellende Netzhautchirurgie (1025), Glaskörperchirurgie (845), Keratoplastik (372), Chirurgie der Tränenwege (5423) und okuloplastische Chirurgie (1728). Obwohl sich die Aravind-Kliniken finanziell selbst tragen, werden zwei Drittel der Patienten umsonst behandelt. Um dem Problem einer niedrigen Akzeptanz medizinischer Leistungen bei der Landbevölkerung zu begegnen, wurden Programme für kommunale Reihenuntersuchungen zur Patientenrekrutierung eingeführt. In den Jahren 1993-1999 wurden 495 indische und 88 ausländische Ophthalmologen in der extrakapsulären Kataraktchirurgie mit Hinterkammerlinsenimplantation ausgebildet. 1992 wurden Einrichtungen zur Entwicklung und Produktion von ophthalmologischen Geräten und Materialien geschaffen, die zu einem für Entwicklungsländer angemessenen Preis angeboten werden könnnen. Dort werden IOLs, atraumatische Nähte, Viskoelastika, Ophthalmologica und andere medizinische Produkte hergestellt. Die großen Patientenzahlen gewährleisten günstige Bedingungen für die Durchführung epidemiologischer, pathogenetischer und therapeutischer Studien.

Diskussion: Obwohl sich die Organisationsstrukturen der Aravind-Kliniken vielleicht nicht ohne weiteres auf andere Länder übertragen lassen, können sie als Modell einer hocheffizienten ophthalmologischen Versorgung dienen.

Augenklinik der Charité, Humboldt Universität, Augustenburger Platz 1, D-13353 Berlin



Zurück