Abstract 99. Jahrestagung der DOG, 29. 9. - 2. 10. 01 im ICC, Berlin

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Ungewöhnlicher Netzhautbefund bei Zieve-Syndrom

Groß C., Bohl B., Herfurth S.

Universitätsaugenklinik, Rubenowstraße 2, 17487 Greifswald


Hintergrund: Das Auftreten einer Hämolyse bei alkoholtoxischem Leberschaden in Verbindung mit einer sekundären Hyperlipidämie wird als Zieve-Syndrom bezeichnet. Über damit in Zusammenhang stehende Netzhautveränderungen wurde bisher nicht berichtet.
Falldarstellung: Ein 44-jähriger Diabetiker stellte sich zur Routinekontrolle beim Augenarzt vor. Anamnestisch bekannt war eine Fettleberhepetitis bei jahrelangem Äthanolabusus. Seit einem Monat bestand eine vermehrte Übelkeit mit Erbrechen. Die Sehschärfe war bds. gut (1,0 / 0,8). Funduskopisch imponierten bds. weiß erscheinende Netzhautgefäße sowie peripapillär multiple Cotton-wool-Herde mit vereinzelten Blutungen. Paraklinisch waren ein hochgradig lipämisches Serum und eine schwere Anämie auffällig. Der Patient wurde zur weiteren Behandlung stationär in der internistischen Abteilung aufgenommen. Nach Ausschluß von gastrointestinalen Blutungsquellen wurden zwei Erythrozytenkonzentrate transfundiert. Die extrem erhöhten Cholesterin- und Triglyzeridwerte im Serum konnten durch Einstellung auf einen Cholesterinsyntheseenzymhemmer und ein Fibrat deutlich reduziert werden. Die Kontrolluntersuchung des Augenhintergrundes drei Wochen nach Therapiebeginn zeigte eine regelrechte Gefäßfüllung und in Rückbildung befindliche Cotton-wool-Herde. Einen Monat später ließ sich kein pathologischer Netzhautbefund mehr feststellen.
Schlußfolgerung: Die beobachteten Netzhautveränderungen sind auf die Kombination von schwerer Anämie und Hyperlipidämie zurückzuführen und waren wegweisend für die weitere internistische Diagnostik. Nach Behandlung der Grunderkrankung waren die Veränderungen ohne funktionelle Beeinträchtigung komplett reversibel.



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