Abstract 99. Jahrestagung der DOG, 29. 9. - 2. 10. 01 im ICC, Berlin

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Beeinträchtigung der Sicherheit im Schiffsverkehr durch Alkoholeinfluß: Einflüsse auf das visuelle System

1Grütters G., 1Reichelt J. A., 3Grütters M., 2Ritz-Timme S., 2Kaatsch H. J.

1Univ.-Augenklinik, Hegewischstraße 2, D-24105 Kiel, 2Institut für Rechtsmedizin, Arnold-Heller-Straße 12, D-24105 Kiel, 3Med. Univ.-Klinik, Schittenhelmstraße 12, D-24105 Kiel


Hintergrund: Es gibt es derzeit keinen verbindlichen Grenzwert für die Blutalkoholkonzentration (BAK), ab denen eine Fahruntüchtigkeit im Schiffsverkehr angenommen werden kann. Ziel unseres interdisziplinären Projektes mit Internisten, Psychologen und Rechtsmedizinern war die Erarbeitung von Datenmaterial, um medizinisch gesicherte Grenzwerte vorzuschlagen. Das visuelle System nimmt hierbei eine Schlüsselrolle in der Wahrnehmung ein.
Methoden: Bei den Probanden handelte es sich um Kapitäne (n=9) der Seeschifffahrt, die im Schiffssimulator (Bereich Nautik, Fachhochschule Hamburg) im nüchternen und alkoholisierten Zustand realitätsnahe Anforderungen erfüllen mußten. Vor, während und nach den simulierten Fahrten wurden einerseits die nautische Leistung, andererseits vegetative und psychologische Daten bewertet. Als ophthalmologische Parameter wurden erhoben: Visus, Binokularfunktion, Farbensehen und Akkommodationsbreite.
Ergebnisse: Die erreichte BAK lag in einem Bereich von 0,51-1,12‰ bei Fahrtantritt, wobei sich alle Probanden im alkoholisierten Zustand den Anforderungen vollständig gewachsen fühlten. Während dieser Fahrten zeigten alle Kapitäne nautische Fehler bzw. Fehleinschätzungen von Gefahrensituationen. Es fanden sich keine wesentlichen Beeinträchtigungen hinsichtlich des Visus und der Binokularfunktion. Bei 8 der 9 Probanden nahm die Akkommodationsbreite durchschnittlich um 16,7% ab, 3 Probanden zeigten vermehrt Fehler beim Farblegetest, bei 4 alkoholisierten Kapitänen war die hierfür benötigte Zeit deutlich verlängert.
Schlußfolgerungen: Eine abschließende Auswertung aller Daten zeigte, daß bei den getesteten BAK die subjektive Einschätzung von Gefahren und die Führungstätigkeit im Simulator inadäquat waren. Veränderungen der Parameter des visuellen Systems können neben psychologischen und vegetativen Veränderungen als Ursache für Fehler bei den nautischen Anforderungen aufgefaßt werden. Eine Reduktion der Leistungsfähigkeit aller Probanden bei einer durchschnittlichen BAK von 0,78‰ belegt das hohe Risikopotential von Alkohol im Schiffsverkehr.



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