Uveitis und interne Ophthalmoplegie bei Windpocken
Heger T., Dithmar S., Kolling G. H.
Univ.Augenklinik, INF 400, 69120 Heidelberg
Hintergrund: Eine interne Ophthalmoplegie im Zusammenhang mit
einer Varizelleninfektion ist sehr selten. In der Literatur sind nur wenige
Einzelberichte bekannt geworden. Nur vereinzelt wurde bei diesen Patienten
eine pharmakologische Testung durchgeführt.
Kasuistik: Ein 5-jähriger Patient stellte sich mit einseitig
lichtstarrer Pupille links vor. 3 Monate zuvor hatte sich im Zusammenhang
mit einer Windpockenerkrankung eine Uveitis anterior des linken Auges
entwickelt. Sie hatte sich unter kortisonhaltigen Augentropfen und Mydriatika
rasch zurückgebildet. Die Pupille blieb jedoch auch nach Absetzen
der Medikamente dauerhaft weit. Es fand sich keine direkte oder indirekte
Lichtreaktion auf diesem Auge, außerdem bestand ein Verlust der
Akkommodation. Der Akkommodationsnahpunkt lag links bei 16 cm, rechts
bei 7 cm. Die objektive Refraktion ergab R +2,0sph, L +4,0sph/-0,5cyl/160o.
Der Fernvisus betrug links ohne Korrektur 0,16; mit Korrektur 1,0. Im
Nahbereich erreichte der Patient mit einer Addition von +3,0sph einen
Visus von 1,0. Eine Läsion des M. sphincter konnte pharmakologisch
ausgeschlossen werden (Pupillendurchmesser-reduktion nach 1 %- igem Pilocarpin
links von 8 auf 2 mm, rechts von 5 auf 4 mm). Die linksseitige Pilocarpin-Hypersensitivität
ist durch eine Denervierung des M. sphincters zu erklären. Die Testung
mit Cholinesterasehemmer (Physiostigmin) sprach für eine postganglionäre
Parasympathikusschädigung (Pupillendurchmesserreduktion nach lokaler
Anticholium®-Gabe links von 8 auf 6, rechts von 5 auf 2,5 mm). Der
Patient erhielt eine Brille mit linksseitigem Bifokalglas, mit der er
gut zurechtkommt.
Schlußfolgerung: Intraokulare Beteiligungen einer Varizelleninfektion
sind sehr selten. Es ist bei dem Patienten anzunehmen, daß es zu
einer Virusinfektion des Gangion ciliare gekommen ist, welche zunächst
zu einer entzündlichen Reaktion (Uveitis) und dann zu einer postganglionären
parasympathischen Nervenfaserschädigung führte. Diese resultierte
in dem klinischen Bild einer Ophthalmoplegia interna. Im Einklang mit
den wenigen in der Literatur bekannten ähnlichen Fallberichten ist
von einer irreversiblen Nervenschädigung auszugehen.
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