Umweltfaktoren bei der AMD: Daten aus epidemiologischen Studien
Hense H.-W.
Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin, Bereich Klinische
Epidemiologie, Universitätsklinikum Münster
Hintergrund: Die AMD ist eine degenerative Erkrankung der Makula,
die sich mit zunehmendem Alter progredient manifestiert und die häufigste
Ursache für eine Erblindung älterer Menschen in den westlichen
Industrienationen darstellt. Obwohl der natürliche Verlauf in verschiedenen
epidemiologischen Untersuchungen beschrieben wurde ist die spezifische
Pathogenese der Erkrankung noch unzureichend verstanden.
Vorkommen: In aktuellen epidemiologischen Studien wurden definierte
Protokolle zur Analyse und Klassifizierung der AMD verwandt, was die externe
Validität und Vergleichbarkeit gegenüber früheren Studien
wesentlich erhöhte. Die hierbei gefundenen Daten zur AMD-Prävalenz
waren in allen Studien erstaunlich ähnlich. Die Prävalenz einer
frühen AMD betrug bei Personen über 75 Jahren bis zu 35% und
die einer späten AMD etwa 5 bis 8 %. Die Neuerkrankungsraten für
die AMD lagen z.B. in der Beaver-Dam-Studie ab dem 60. Lebensjahr bei
1% über 5 Jahre und stieg auf über 5% bei Personen jenseits
der 75 an. Epidemiologische Daten zu Prävalenz und Inzidenz der AMD
in Deutschland liegen bisher nicht vor.
Umwelt- und Risikofaktoren: Die Assoziation zwischen einer AMD
und verschiedenen Faktoren wurde in zahlreichen Studien untersucht. Rauchen
war der häufigste und stärkste beobachtete Risikofaktor einer
AMD. Die Reduktion antioxidativer Schutzmechanismen wurde dabei als Ursache
angenommen So wurde kürzlich auch über die Assoziation von Rauchen
und geringeren Konzentrationen an makulärem Pigment berichtet. Da
die Netzhaut besonders empfindlich für oxidative Schäden ist,
können höhere Konzentrationen an antioxidativen Substanzen protektiv
wirken. So wurden in einer französischen Untersuchung erhöhte
Konzentrationen antioxidativer Enzyme im Plasma in Assoziation mit einer
späten AMD gebracht. Das makuläre Pigment, im wesentlichen die
nur diätetisch verfügbaren Carotenoide Lutein und Zeaxanthin,
bilden einen wichtigen antioxidativen Schutzmechanismus für die zentrale
Netzhaut. Verschiedene epidemiologische Studien stützen die Annahme,
daß verminderte Konzentrationen an makulärem Pigment häufiger
mit der Ausprägung einer AMD assoziiert sind. Da diese Substanzen
einen potentiell beeinflußbaren Prognosefaktor darstellen, erfolgt
die Analyse dieser Zusammenhänge gegenwärtig in einer Reihe
prospektiver Untersuchungen.
Ausblick: Die Schwierigkeit, relevante Risikofaktoren in der Umwelt
zu identifizieren ist wahrscheinlich durch spät einsetzende, relativ
geringe Prävalenz und Inzidenz mit langsamer Progredienz bedingt.
Langfristig angelegte Beobachtungsstudien großer Patientengruppen
werden helfen, Risiko- und Prognosefaktoren der AMD genauer zu charakterisieren.
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