Die Epidemiologie und Charakterisierung von operativ versorgten perforierenden
Augenverletzungen an einer Universitäts-Augenklinik
Jakobczyk-Zmija M., Spraul C. W., Stahl B., Wagner P., Lang G. K.
Universitäts-Augenklinik Ulm
Hintergrund: Ziel dieser Studie ist die Charakterisierung von
perforierenden Augenverletzungen an einer Universitäts-Augenklinik.
Hierbei sollen insbesondere die für die Visusentwicklung entscheidenden
Parameteren herausgearbeitet werden, um so eine prognostische Einordnung
zu ermöglichen.
Methode: Es wurden retrospektiv alle Unfälle mit perforierenden
Augenverletzung, die in der Universitätsaugenklinik Ulm in den Jahren1990
bis 1994 versorgt wurden analysiert. Hierbei wurden jeweils folgende Charakteristika
erfasst: Alter und Geschlecht der Verletzten, Tätigkeit bei der die
Verletzung sich ereignete, Art der Verletzung in Bezug auf verletzte anatomische
Strukturen, Komplikationen, Anzahl der notwendigen operativen Engriffen,
Visusentwicklung und Grad der Minderung der Erwerbsfähigkeit.
Ergebnisse: In dieser Studie wurden 283 Augen mit perforierenden
Verletzungen bei 280 Patienten untersucht. Das Risiko einer solchen Verletzung
war unter den 21-bis- 30-jährigen Patienten (23%, n=65) und unter
Männern (81%, n=228) am größten. Die meisten Verletzungen
passierten zu Hause (n=161, 57%), gefolgt vom Arbeitsplatz (n=119, 43%).
47,4 % aller untersuchten Verletzungen beschränkten sich auf die
vorderen Augenabschnitte und 52,6% betrafen die hinteren Augenabschnitte.
Bei 59,0% war die Linse mitverletzt, bei 38,5% die Netzhaut beteiligt
und bei 30,0% lag ein intraokularer Fremdkörper vor. Bei den Vorderabschnittsverletzungen
lag ein signifikant besserer Endvisus (50% sahen bei der Entlassung 0,5
und besser) im Vergleich zu den Hinterabschnittsverletzungen (30,9% sahen
bei Entlassung 0,5 und besser und 42,3% schlechter als 0,1).14 Augen wurden
innerhalb von 2 Wochen nach der Verletzung enucleiert. Die Entwicklung
einer sympathischen Ophthalmie wurde in unserer Studie nicht beobachtet.
Es zeigt sich im Beobachtungszeitraum eine Abnahme der Phtisisentwicklung
sowie der Enuckleationshäufigkeit.
Schlußfolgerungen: Perforierende Augenverletzungen sind nach
wie vor eine wichtige Ursache für eine vermeidbare meist monokulare
Visusreduktion, wobei über die Hälfte dieser Verletzungen sich
zu Hause ereignen. Die Darstellung der häufigsten Gefahrenquellen
in Bezug auf perforierende Augenverletzungen soll der Prävention
derartiger Verletzungen dienen. Dies gilt im besonderen Maß für
die Gruppe von Verletzungen, die sich im Rahmen der Berufsausübung
ereignen, sowie bei Sport- und Freizeitaktivitäten, als auch im Straßenverkehr.
Trotz verbesserten Operationstechniken und Einführung der pars-plana-Vitrektomie
bleibt die Prognose bei perforierenden Augenverletzungen unsicher. Es
zeigt sich im Beobachtungszeitraum eine Abnahme der Phthisisentwicklung
sowie der Enukleationshäufigkeit. Diese Studie konnte die Bedeutung
des "Ocular Trauma Classification Systems" für die Prognose
der perforierenden Verletzungen bestätigen.
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