Über den Untersuchungsaufwand zur Erarbeitung einer Indikation zur
Augenmuskeloperation bei Strabismus
Jokisch K., Haase W.
Augenklinik des Ak Barmbek, Rübenkamp 148, 22307 Hamburg
Einleitung: Eine exakte Durchführung der je nach Krankheitsbild
erforderlichen Untersuchungen ist unabdingbare Voraussetzung für
jeden Operationserfolg. Die immer wieder angeregte Diskussion um Kosten-
und Personaleinsparungen erfordert eine klare Dokumentation, dass ein
Mindestmaß an diagnostischem Aufwand nicht unterschritten werden
darf, um eine effiziente und effektive Therapie zu gewährleisten.
Methoden: Aus dem Krankengut der Sehschule wurden 15 Patienten,
die zur Augenmuskeloperation vorbereitet wurden, ohne Namenskenntis per
Zufallsverfahren ausgewählt. Die Untersuchungen, die zur Indikationsstellung
einer Augenmuskeloperation im konkreten Falle erforderlich waren, wurden
registriert und die benötigte Zeit wurde für jede Untersuchung
ermittelt.
Ergebnisse: Der präoperative Untersuchungsaufwand, der für
eine Augenmuskeloperation mindestens erforderlich ist, kann sowohl zeitlich
als auch inhaltlich in 3 Phasen unterteilt werden: Phase I: Monate bis
Wochen vor der OP: objektive Refraktionsbestimmung in Cycloplegie mindestens
zweimal im Abstand von 3 bis 4 Monaten; subjektive Refraktionsbestimmung,
Refraktionskorrektur mindestens 3 Monate vor der OP tragen, Visusprüfungen
und weitestgehende Sanierung einer eventuell bestehenden Amblyopie, Erhebung
des organischen Befundes, Abklärung des Allgemeinzustandes des Patienten,
Schielwinkelmessungen F/N, Prüfung von Binocularsehen, Motilität,
Akkomodation, Konvergenz, AC/A-Ratio, Fixation; Phase 11:2 Wochen vor
der Operation: Ermitteln von Visus, Fixation, Fundusbefund, Binocularsehen,
objektiver Refraktion, F/N Schielwinkelmessung bei Rechts- / Linksfixation
in 9 Blickrichtungen bei Vertikalabweichungen, horizontal in 3 Blickrichtungen
bei ausschließlicher Exo-oder Esodeviation, Prismenausgleich. Phase
III: 1 bis 2 Tage präoperativ: Ermitteln von Visus, Fixation, Fundusbefund,
Binocularsehen, Akkomodationsnahpunkt, Schielwinkelmessung F/N, Prismenausgleich.Diese
3 Phasen stellen ein Stufenprogramm dar, bei demjede Untersuchung auf
den bereits ermittelten Ergebnissen aufbaut. Der Untersuchungsaufwand
zur Diagnosefindung und Erstellung einer konkreten Indikation zur Augenmuskeloperation
variiert bei Patienten mit Strabismus in Abhängigkeit von der Schielform,
dem Alter und der Compliance der Patienten deutlich.
Diskussion: Da ein Mindestmaß an Untersuchungsaufwand für
eine effektive und effiziente Versorgung des Patienten nicht unterschritten
werden darf, sollte die Qualität der Leistung als wesentliches Kriterium
der Wirtschaftlichkeit erkannt werden und durch geeignete Bedingungen
realisierbar sein.
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