Hereditäre Optikusatrophien: Klinische Variabilität und der
Wert molekulargenetischer Diagnostik
1Kellner U., 2Pesch U. E., 2Baumann B., 1Jandeck C., 1Foerster M.
H., 2Wissinger B.
1Augenklinik, UKBF, FU Berlin, 12200 Berlin; 2Molekulargenetisches Labor,
Univ.-Augenklinik, Tübingen, Auf der Morgenstelle 15, 72076 Tübingen
Ziel: Analyse der Bedeutung molekulargenetischer Untersuchungen
bei Patienten mit hereditären Optikusatrophien.
Patienten und Methoden: Retrospektive Analyse der klinischen und
elektrophysiologischen Befunde von 25 Patienten, bei denen molekulargenetisch
die Ursache der Optikusatrophie in Mutationen im mitochondrialen Genom
(Leber´sche hereditäre Optikusneuropathie; LHON) oder im OPA1-Gen
(autosomal dominante Optikusatrophie; ADOA) begründet ist.
Ergebnisse: Bei 16 Patienten (10 Familien; LHON) ließen sich
mitochondriale Mutationen nachweisen, bei 9 Patienten (3 Familien; ADOA)
fanden sich Mutationen im OPA1-Gen. Die Expression der Erkrankung war
in beiden Gruppen sehr variabel. Der Erkrankungsbeginn lag in der LHON-Gruppe
zwischen 7 und 62 Jahren und in der ADOAGruppe zwischen 1 Jahr und 46
Jahren. Alle Patienten zeigten Farbsinnstörungen und pathologische
Veränderungen an der Papille. Visusminderung und Gesichtsfeldausfälle
waren sehr variabel. Im Muster- VEP fand sich bei LHON stets ein pathologischer
Befund, bei ADOA dagegen in einigen Fällen ein normaler Befund. Bei
einem Patienten mit LHON konnte durch absoluten Verzicht auf Alkohol-
und Nikotingebrauch eine Erkrankung des zweiten Auges vermieden werden.
Schlußfolgerung: Aufgrund der Variabilität der Krankheitsausprägung
ist die Familienanamnese und der klinische Befund nur begrenzt verwertbar.
Farbsinnstörung und Papillenbefund lassen den Verdacht auf eine hereditäre
Optikusatrophie aufkommen. Die molekulargenetische Analyse ist von erheblicher
Bedeutung für die korrekte Diagnose, die Behandlung (Alkohol- und
Nikotinverzicht bei LHON) und die genetische Beratung der Patienten.
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