Abstract 99. Jahrestagung der DOG, 29. 9. - 2. 10. 01 im ICC, Berlin

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Neuritis Nervi Optici als Primärsymptom einer frühen Neurosyphillis

Koop G., Schmidt W., Discher T.

Zentrum für Augenheilkunde, Friedrichstr. 18, 35392 Gießen

Einleitung: Die Differentialdiagnose der Papillitis mit akuter Visusminderung umfaßt ein weites Spektrum ophthalmologischer, neurologischer und internistischer Erkrankungen. Systemische Infektionskrankheiten wie Syphillis gehören zu den selteneren Ursachen, obwohl eine Neurolues bei bis zu 2,45 % der Uveitiden Ursache ist und die Neuinfektionsrate in den USA 1991 bei 17.3 / 100.000 Einwohner lag.
Patient / Kasuistik: Wir berichten über einen 59 Jahre alten Mann, der sich aufgrund einer akuten Visusminderung rechts erstmalig am 5.1.2001 vorstellte. Zeitgleich waren ihm eine diffuse Alopezie und eine Hörminderung, sowie ein makulopapulöses Exanthem der Hände und des Rückens aufgefallen. Der Patient hatte weder ophthalmologische noch sonstige Vorerkrankungen. Bei Aufnahme betrug der bestkorrigierte Visus 0,5, es bestand ein nasal betontes Papillenödem und eine deutliche Rotentsättigung rechts, sowie im Gesichtsfeld ein relatives Zentralskotom. Neurologisch auffällig war eine Abschwächung der Archillessehnenreflexe sowie eine vorwiegend lymphozytäre Liquorpleozytose (19/µl). Serologisch ergab sich neben Seronarben einer Hepatitis B die Diagnose einer aktiven Lues-Infektion. Die übrige serologische Diagnostik inklusive HIV und HCV war negativ.
Ergebnis: Bereits während der Therapie mit 3 x 10 Mio E. Penicillin G i.v. über 16 Tage kam es zu einer Visuserholung auf cc 1,0 rechts bei noch bestehender Papillenprominenz. Diese war bis zur letzten Kontrolle am 13.2.01 deutlich rückläufig. Eine serologische Kontrolle zeigte einen Rückgang der Luestiter.
Diskussion: Der vorliegende Fall zeigt die Relevanz infektionsserologischer Diagnostik bei unklarer Papillitis und Neuritis nervi optici. Obwohl seit Einführung der antibiotischen Therapie die Inzidenz der Syphillis stetig rückläufig ist, sollte die diesbezügliche Diagnostik bei unklarer Papillenschwellung und Visusminderung nicht versäumt werden, da bei frühzeitiger Erkennung und adäquater Therapie eine vollständige Visuserholung und Rückbildung der Papillenveränderungen ohne weiteres möglich ist.




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