Chorioretinale Anastomosen als ungünstiger Prognosefaktor bei photodynamischer
Therapie
Kusserow C., Michels S., Schmidt-Erfurth U.
Klinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Lübeck,
Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck
Ziel: Dokumentation chorioretinaler Anastomosen bei neovaskulärer
altersbedingter Makuladegeneration (AMD) und Korrelation des Befundes
mit dem funktionellen und angiographischen Ergebnis nach photodynamischer
Therapie (PDT).
Methode: 212 Patienten mit neovaskulärer AMD und Indikation
zur PDT bei vorwiegend klassischer chorioidaler Neovaskularisation (CNV)
wurden ophthalmoskopisch und angiographisch auf das Vorliegen einer chorioretinalen
Anastomose untersucht. Eine konventionelle PDT mit Verteporfin nach empfohlenem
Standardprocedere wurde durchgeführt. Der prä- und postoperative
Befund nach 3 und 6 Monaten und bei einigen Patienten 1 Woche post PDT
wurde mittels zentralem Sehschärfetest (ETDRS), Ophthalmoskopie sowie
Fluorescein (FA)- und Indozyaningrün-Angiographie (ICGA) dokumentiert.
Ergebnisse: Bei 6% (n=12) aller Augen mit CNV und klassischer PDT-Indikation
lag primär eine chorioretinale Anastomose vor. Der durchschnittliche
Visusverlust innerhalb der ersten 6 Monate nach Therapie lag bei 3 Zeilen
im Sinne einer ausbleibenden Visusstabilisierung nach PDT-Studienkriterien.
Ein Visusanstieg war bei keinem Patienten dokumentierbar. Die angiographische
Größe der CNVMembran zeigte eine signifikante Progredienz trotz
komplikationsloser PDT. Im angiographischen Befund eine Woche nach PDT
fehlte der sonst charakteristische, initiale Verschluß der CNV mit
homogener Hypofluoreszenz. Die Anastomose war in allen Fällen in
der ICGA nachweisbar, bei zahlreichen Augen auch ophthalmoskopisch oder
mittels optischer Kohärenztomographie (OCT).
Diskussion: Eine chorioretinale Anastomose ist ein relativ häufiger
Zusatzbefund bei vorwiegend klassischer CNV. Das Vorliegen einer Anastomose
scheint ein ungünstiger prognostischer Faktor bei photodynamischer
Therapie zu sein. Visusverlauf und angiographische Progredienz sind in
dieser Patientengruppe schlechter als nach Studienerfahrungen zu erwarten.
Bei klinischem Verdacht auf ein chorioretinales Shuntgefäß
sollte eine ICG-Angiographie und/ oder OCT zum verbindlichen Nachweis
geführt und die Indikation zur PDT diskutiert werden.
|