"Refraktive" Kataraktchirurgie - PMMA-Linsen versus Faltlinsen
Kutschan A., Wiegand W.
Abteilung für Augenheilkunde, Klinikum Nord-Heidberg, Hamburg
Hintergrund: Die moderne Kataraktchirurgie erhebt den Anspruch,
das angestrebte refraktive Ergebnis bereits unmittelbar postoperativ zu
erreichen.
Methoden: Bei 104 konsekutiven Patienten, die über einen Skleratunnel
eine 6,0mm PMMA-Linse und bei 70 konsekutiven Patienten, die über
eine temporale clear cornea Inzision eine 6,0mm Faltlinse ( Acrysof )
erhalten hatten, wurden Visus, Refraktion und Astigmatismus präoperativ,
am 1.-3. postoperativen Tag und bei einer Nachuntersuchung (NU) nach mindestens
5 Monaten bestimmt und mit der angestrebten Zielrefraktion verglichen.
Ergebnisse: Eine Abweichung von maximal ±1,0 dpt ( sphärisches
Mittel ) von der angestrebten Zielrefraktion trat am 1.-3. postoperativen
Tag bei 73,1% der PMMA-Linsenpatienten und bei 77,2% der Faltlinsenpatienten
auf. Bei der Nachuntersuchung hatten 76,0% der PMMA- und 85,7% der Faltlinsenpatienten
eine maximale Abweichung von ± 1,0 dpt, 88,5% der PMMA- und 98,6%
der Faltlinsenpatienten eine maximale Abweichung von ± 1,5 dpt
und 96,2% der PMMA- und 100 % der Faltlinsenpatienten eine maximale Abweichung
von ± 2,0 dpt von der Zielrefraktion. Die individuellen Änderungen
der Refraktion (sphärisches Mittel) zwischen dem 1.-3.postoperativem
Tag und dem Zeitpunkt der NU waren zum Teil erheblich und lagen bei 20,0%
der Faltlinsenpatienten und 16,3% der PMMALinsenpatienten über ±1,0
dpt. Keinerlei Änderungen der Refraktion (sphärisches Mittel)
zwischen 1. und 3. postoperativem Tag und NU zeigten lediglich 6,7% der
PMMA- und 12,8% der Faltlinsenpatienten.
Schlußfolgerung: Die moderne Kataraktchirurgie hat das Ziel
einer unmittelbar postoperativ vorhandenen stabilen Refraktion, die der
präoperativ geplanten Zielrefraktion entspricht, noch nicht erreicht.
Sowohl bei der Skleratunneltechnik mit PMMA-Linsen als auch bei der clearcornea-
Technik mit Faltlinsen treten im postoperativem Verlauf noch Refraktionsschwankungen
auf, die z.B. eine Brillenanpassung unmittelbar postoperativ nicht mit
ausreichender Sicherheit ermöglichen.
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