Abstract 99. Jahrestagung der DOG, 29. 9. - 2. 10. 01 im ICC, Berlin

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Schwere Lidfehlstellungen durch Amnionstränge - eine Fallbeschreibung

Marx W., Klüppel M., Sundmacher R.

Augenklinik, Universitätsklinikum, Moorenstr. 5, 40225 Düsseldorf

Hintergrund: Amnionstränge kommen bei 1-2% aller missgebildeten Kinder vor. Man schätzt ihr Vorkommen auf 1 zu 1.300 bis 15.000 Schwangerschaften. Man vermutet Amnionstränge als gelegentliche Ursache isolierter Augenlid- und Augendefekte. Dies ist schwierig zu belegen, falls sich keine charakteristischen zusätzlichen Anomalien und Deformitäten zeigen oder tatsächlich ein Amnionstrang zu sehen ist.
Patient: Ein 1 Woche alter türkischer Junge wurde mit multiplen narbigen Hautveränderungen im Gesichtsbereich vorgestellt, die als Amnionstränge diagnostiziert wurden. Es zeigten sich auf der rechten Seite narbig verkürzte Oberund Unterlider mit mäßigem Ektropium des Unterlides und einem ausgeprägten Oberlidektropium, bei dem die Lidkante knapp unterhalb der Braue zu finden war. Im massiv geschwollenen Oberlidbereich waren Wimpern nur rudimentär vorhanden. Die Hornhautoberfläche zeigte sich wie das gesamte Auge regelrecht. Auf der linken Seite zeigte sich ein unauffälliger Lid- und Augenbefund. Ansonsten war das Kind gesund.
Methode: Im Alter von einem Monat war es durch intensive Oberflächenpflege zu einer Entquellung im Oberlidbereich gekommen. Es wurde zunächst in einem ersten Schritt die Rekonstruktion des Oberlides durchgeführt. Nach komplettem Lösen der narbigen Haut- und Orbikularisschichten wurde der entstandene Hautdefekt mit einem großen freien Hauttransplantat von retroaurikulär gedeckt. Im Verlauf der nächsten zwei Monate führte die narbige Unterlidverkürzung zusammen mit einem Compliance-Problem der Eltern zur Entstehung eines Ulcus e lagophthalmo im unteren Hornhautbereich, so dass in einer zweiten Operation das Unterlidektropium nach Freipräparation des Narbenareals und Deckung des entstandenen Hautdefekts mit einem zweiten freien Hauttransplantat korrigiert wurde.
Ergebnisse: Nach problemloser Wundheilung zeigte sich ein kompletter Lidschluss bei guter Levatorfunktion. Das Ulkus heilte narbig ab.
Schlußfolgerung: Amnionstränge können zu ausgedehnten isolierten Augenliddefekten führen. Ein zweizeitiges operatives Vorgehen konnte hier eine zufriedenstellende Lidstellung und einen ausreichenden Oberflächenschutz herstellen.



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