Hornhautkomplikationen nach haematopoetischer Stammzelltransplantation
Mittelviefhaus H., Auw-Hädrich C.
Universitäts-Augenklinik Freiburg, Killianstrasse 5, D-79106 Freiburg
Einleitung: Nach einer haematopoetischen Stammzelltransplantation
treten häufig schwere Benetzungsstörungen der Augen auf, die
auf ein Sjögren artiges Syndrom (SAS) zurück zu führen
sind und mit einer Graft-versus-Host (GvH) Erkrankung der Patienten einhergehen.
Wir berichten über Hornhautkomplikationen bei Patienten mit SAS.
Patienten und Methode: Bei 50 Patienten (9 bis 65 Jahren, m=42±11J)
mit Sjögren artigem Syndrom nach haematopoetischer Stammzelltransplantation
wurden Blinkfrequenz und BUT bestimmt, und Schirmer-I, Fluoreszein-und
Bengalrosatest durchgeführt. Bei klinischem Verdacht auf eine GvH
Reaktion gegen die Bindehaut erfolgte eine Bindehautbiopsie.
Ergebnisse: Bei sechs Patienten mit GvH Reaktion gegen die Haut,
die Leber, den Darm bzw. die Bindehaut traten schwere Hornhautkomplikationen
auf. Zwei Patienten (# 1,2) mit GvH Reaktion gegen die Bindehaut entwickelten
während einer lokalen immunsuppressiven Behandlung eine herpetische
Keratitis, eine Patientin (#3) ein trophisches Hornhautulcus und eine
Patientin (#4) eine zentrale Hornhautdelle mit irregulärem Astigmatismus
und Visusabfall. Bei einem Patienten (#5) kam es während der Behandlung
mit einer therapeutischen Kontaktlinse unter lokaler Immunsuppression
zu einem bakteriellen Hornhautulcus und schließlich zur Enukleation.
Die sechste Patientin (#6) entwickelte während einer rasch progredienten
GvH Erkrankung eine pseudomembranöse Konjunktivitis mit Hornhautulzeration.
Diskussion: Wenn nach einer haematopoetischen Stammzelltransplantation
eine GvH Erkrankung auftritt, so erhöht dies das Risiko für
Komplikationen am Auge. Als Folge einer agressiven Ausdehnung der GvH
Reaktion auf Bindehaut- oder Tränendrüsengewebe können
Hornhautschäden entstehen. Häufig werden diese erst durch eine
lokale immunsuppressive Therapie verursacht. Dabei können nicht nur
Infektionen sondern auch trophische oder toxische Hornhautschäden
hervorgerufen werden (1). Deshalb empfehlen wir bei einer lokalen immunsuppressiven
Therapie von Patienten mit haematopoetischer Stammzelltransplantation
enge augenärztliche Kontrollen. - (1) Kachi S et al. Unusual corneal
deposit after the topical use of cyclosporine as eyedrops. (2000) AJO
130:667-669.
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