In-vivo Färbung epiretinaler Membranen und der Lamina limitans interna
mittels Trypanblau
1Mohr A., 2Melles G.
1Augenklinik St. Joseph-Stift GmbH , Schwachhauser Heerstraße 54
, D - 28209 Bremen; 2Netherlands Institute for Innovative Ocular Surgery
, Maaskantstraat 31, NL 3071 - MJ Rotterdam
Einleitung: Zur Identifizierung feiner epimakulärer Membranen
insbesondere der Lamina limitans interna scheint eine intravitreale Farbstoffapplikation
sinnvoll, um iatrogene Netzhautschäden bei der Präparation zu
vermeiden. Wir untersuchten erstmals, ob der in der Hornhaut- und Kataraktchirurgie
bereits angewandte Farbstoff Trypanblau auch in der Makulachirurgie hilfreich
sein könnte.
Patienten und Methode: Nach entsprechender Aufklärung der
Patienten wurde bei 4 Augen eine in-vivo Färbung vorgenommen. Es
handelte sich hierbei bei 2 Augen um eine Cellophanmakulopathie und jeweils
einmal um ein Makulaforamen Stadium 2a und um eine proliferative Membran
bei Diabetes mellitus Typ I. Nach sorgfältiger Vitrektomie mit Ablösung
der hinteren Glaskörpergrenzmembran wurde ein Flüssigkeit-Luft
Austausch durchgeführt. Danach wurde 0,1 ml einer 0,3% Trypanblau
- Lösung vor den hinteren Pol injiziert. Nach einminütiger Wartezeit
wurde der überschüssige Farbstoff unter weiterer Luftapplikation
entfernt. Um den Färbeeffekt zu beurteilen wurde anschliessend der
Glaskörperraum wieder mit BSS aufgefüllt.
Ergebnisse: Bei allen Augen zeigte am hinteren Pol eine blaugraue
Anfärbung epiretinaler Strukturen. Der Färbeeffekt ließ
während des Eingriffes nach und war nach ca. 10 Minuten praktisch
völlig verschwunden. Wahrend dieser Zeit liessen sich jedoch die
epiretinalen Membranen sicher identifizieren und entfernen. Auffällig
war dass kaum eine begleitende Anfärbung der Nervenfaserschicht eingetreten
war. Auch die Lamina limitans interna konnte noch ausreichend angefärbt
und entfernt werden. Eine besondere intensive Anfärbung ergab sich
bei der diabetischen Traktionsmembran. Hierdurch konnten Adhärenzen
wesentlich besser erkannt und deutlich schonender entfernt werden. Bereits
am ersten postoperativen Tag konnten ophthalmoskopisch keine Farbstoffreste
mehr erkannt werden. Entzündungsreaktionen oder andere Auffälligkeiten
konnten nicht festgestellt werden.
Zusammenfassung: Der als Vitalfarbstoff bereits zugelassene Farbstoff
Trypanblau scheint auch in der Makulachirurgie ein wertvolles Hilfsmittel
zur Vermeidung von Netzhautschäden zu sein. Der unterschiedliche
Färbeeffekt der epiretinalen Membranen dürfte Ausdruck verschiedener
Gewebeaffinitäten sein. Weitere Studien müssen beweisen, dass
keine biochemische Interaktion im Netzhautstoffwechsel durch die Farbstoffapplikation
eintritt.
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