Form des neuretinalen Randsaumes und regionale Sichtbarkeit der retinalen
Nervenfaserschicht in Normalaugen von Südindern
1Nestel A., 2George R., 2Thomas R., 3Muliyel J. P., 1Jonas J. B.
1Universitäts-Augenklinik der Fakultät für klinischen
Medizin Mannheim der Universität Heidelberg; 2Department of Ophthalmology,
Christian Medical College, Vellore, Tamil Nadu, Indien; 3Department of
Community Health, Christian Medical College, Vellore, Tamil Nadu, Indien
Hintergrund: Der neuroretinale Randsaum ist das intrapapilläre
Äquivalent der Sehnervenfasern und damit der wichtigste intrapapilläre
quantitative Parameter zur Quantifizierung der Sehnervenfasern. Neben
der Größe ist insbesondere die Form des neuroretinalen Randsaums
von grundlegender Bedeutung für das Erkennen eines frühen Glaukomschadens.
Da die Papillenmorphologie vom ethnischen Hintergrund abhängt, war
das Ziel der vorliegenden Studie, in einer epidemiologisch basiert selektierten
Bevölkerungsgruppe Südindiens die Form des neuroretinalen Randsaums
zu untersuchen. Zusätzlich sollte die ophthalmoskopische Sichtbarkeit
der retinalen Nervenfaserschicht als zweiter Parameter zur Beurteilung
der Sehnervenfaseranzahl evaluiert werden.
Patienten und Methode: Die prospektive, epidemiologische, nicht
interventionelle Studie umfaßte 73 ophthalmologisch unauffällige
Bewohner einer Vorortes von Vellore in Tamil Nadu / Südindien. Die
Probanden wurden zufällig ausgewählt und gebeten, an einer allgemeinen
Augenuntersuchung teilzunehmen. Alle Probanden waren erwachsen mit einem
Altersbereich von 35 bis 65 Jahren. Sie waren Teil einer Bevölkerungs
basierten Selektion von Probanden, die 5 Jahre früher untersucht
worden war. Die Probanden der gegenwärtigen Studie bildeten eine
zufällig ausgesuchte Untergruppe, die für eine erneute Untersuchung
erneut zur Untersuchung gebeten worden war. Die Studiengruppe wurde mit
einer Gruppe von 50 kaukasischen Probanden verglichen. Für alle Probanden
wurden farbige Papillenstereophotographien angefertigt und untersucht.
Ergebnisse: Der neuroretinale Randsaum hatte eine charakteristische
Form. Er war signifikant (P<0,001) am breitesten am unteren Papillenpol,
gefolgt vom oberen Papillenpol, dem nasalen Papillenpol, und er war am
schmalsten in der temporalen Papillenregion. Die Randsaumform folgte damit
der sogenannten "ISN´T Regel". Die Form des neuroretinalen
Randsaums war statistisch (P>0,10) unabhängig von der Papillengröße,
der Fläche des neuroretinalen Randsaumes, der Exkavationstiefe, dem
Vorkommen und der Größe der Zonen Alpha und Beta der parapapillären
Atrophie, Alter, Seite, Geschlecht und Ametropie. Korrespondierend zur
Form des neuroretinalen Randsaumes war die Sichtbarkeit der retinalen
Nervenfaserschicht signifikant (P<0,01) am besten im temporal unteren
Bereich, gefolgt vom temporal oberen Bereich.
Schlußfolgerungen: Der neuroretinale Randsaum hat in Südindern
wie in Kaukasiern eine charakteristische Form entsprechend der "ISN´T
Regel". Diese Randsaumform ist unabhängig von den o.a. okulären
oder allgemeinen Parametern. Korrespondierend ist in der Regel die ophthalmoskopische
Sichtbarkeit der retinalen Nervenfaserschicht temporal unten besser als
temporal oben. Diese Befunde sind möglicherweise von Bedeutung für
die Glaukomdiagnostik von asiatischen Patienten.
|