Abstract 99. Jahrestagung der DOG, 29. 9. - 2. 10. 01 im ICC, Berlin

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Stereosehen: Neurophysiologie und Klinik

Neugebauer A.

Zentrum für Augenheilkunde, Abteilung für Schielbehandlung und Neuroophthalmologie, Joseph-Stelzmann-Str. 9, 50933 Köln

Seit der Einführung des Stereoskops in der Mitte des 19. Jahrhunderts durch Wheatstone hat es eine Fülle von Untersuchungen zur Testung der Tiefenwahrnehmung gegeben. Mittels psychophysischer Untersuchungsanordnungen wurde insbesondere die Stereoschwelle als ein wesentlicher Parameter des Tiefensehens untersucht. In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts erarbeitete Ogle Konzepte, die eine Differenzierung der stereoskopischen Wahrnehmung in zwei Kategorien nahelegten: Es wurde die qualitative Grobstereopsis der quantitativen Feinstereopsis gegenübergestellt. In den 60er Jahren führte Julesz die Random-Dot Stereogramme zur Testung der Stereopsis ein. In der Folge kam es zur Formulierung eines Modells, welches die sogenannte Lokalstereopsis von der Globalstereopsis abgrenzte. Hierbei wurde auch von nicht-zyklopischer und zyklopischer Stereopsis gesprochen. Tyler bemühte sich um die Klärung dieser Begrifflichkeiten und die Analyse der Phänomene der globalen Stereopsis. Mit den enormen Möglichkeiten der Neurophysiologie, die in den 60er und 70er Jahren erwuchsen, wurden die bis dahin im wesentlichen psycho-physischen Untersuchungsansätze um neurophysiologische Methoden erweitert. Barlow postulierte disparitätssensitive Neurone. Die Arbeiten Poggios lieferten Aufschluss über verschiedene stereosensitive Neuronenpopulationen. In den 80er Jahren gelang die differenzierte Analyse der visuellen Afferenz unter Beachtung der Eigenschaften des magnozellulären und des parvozellulären Verarbeitungssystems. Die Einbindung der bisherigen Konzepte zum Stereosehen in die Konzepte zum magnozellulären und parvozellulären afferenten System gelang Tyler. Tychsen erarbeitete Modelle, die eine neurophysiologische Sicht auf Phänomene des pathologischen Binokularsehens erlaubten. Das Referat schildert die Befunde der wesentlichen Arbeiten zur oben skizzierten Theoriebildung und bemüht sich mit der Zusammenfassung der Befunde neuerer Arbeiten um eine Standortbestimmung im Hinblick auf die neurophysiologischen und pathophysiologischen Theorien zum Stereosehen.




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