Abstract 99. Jahrestagung der DOG, 29. 9. - 2. 10. 01 im ICC, Berlin

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Neue Aspekte zur funktionellen Anatomie der ableitenden Tränenwege und zur Physiologie des Tränenwegsepithels

1Schaudig U., 2Paulsen F., 3Thale A.

1Augenklinik und Poliklinik, Universitäts-Klinikum-Eppendorf, Martinistrasse 52, 20246 Hamburg; 2Institut für Anatomie, Christian Albrechts Universität , Olshausenstrasse 40, 24098 Kiel; 3Augenklinik, Christian Albrechts Universität, Hegewischstrasse 2, 24105 Kiel Der Abfluß der Tränenflüssigkeit durch die ableitenden Tränenwege ist trotz einer Vielzahl von Theorien bislang nicht eindeutig geklärt worden. Ein seit langem bekannter Gefäßplexus um den Tränensack und den Ductus nasolacrimalis wurde weitgehend vernachlässigt. Neuere Untersuchungen der Struktur dieses kavernösen Schwellkörpers weisen auf eine Funktion beim Tränentransport hin: Elektronenmikroskopische Untersuchungen zeigen Sperrarterien, Kapazitätsvenen und Drosselvenen, die jeweils durch Öffnung oder Verschluß des arteriellen Zustroms und venösen Abstroms den Gefäßplexus an- oder abschwellen lassen und so das Lumen der Tränenwege öffnen oder schließen können. Ein neuronales Netzwerk zur Regulation dieses Gefäßplexus konnte mit verschiedenen neuronalen Markern (NSE) und Neuropeptdiden (substance p, neuropeptid y u.a.) nachgewiesen werden. Die Funktion der Tränenwegsepithelien ist erst in den letzten Jahren eingehend untersucht worden. Dabei ließen sich eine Vielzahl spezifischer und unspezifischer Abwehrmechanismen finden. So produzieren die oberflächlichen Epithelzellen und auch die seromukösen Drüsen, die sich im Bereich des Tränensackes finden lassen, das antimikrobiell wirksame Peptid Lysozym, Lactoferrin und Phospholipase A2 (PLA2). Lysozym spaltet die Glykosidverbindung der Muraminsäurereste in der Zellwand insbesondere von grampositiven Bakterien und verstärkt die antibakterielle Wirkung von Komplement und T- Zellen gegen gramnegative Organismen. Das Eisen-bindende Protein Lactoferrin reduziert den Gehalt von für Bakterien verfügbarem freien Eisen und hat sowohl bakteriostatische als auch bakterizide Wirkung. Das Kalzium - abhängige sekretorische PLA2 wurde als ein wichtiger Anteil der antimikrobiellen Abwehr der Tränenflüssigkeit gegen grampositive Organismen erkannt und erfüllt diese Aufgabe offenbar auch innerhalb des Tränenwegssystems. Das Epithel der Tränenwege verfügt damit über antimikrobielle Abwehrmechanismen, die denen der intestinalen Schleimhaut ähnlich sind. Hinzu kommt ein erst in letzter Zeit auch in der Wand der Tränenwege nachgewiesenes spezifisches immunologisches Abwehrsystem. Dieses als "TALT" (tearduct-associated lymphoid tissue) bezeichnete Gewebe und die Regulationsmechanismen der antimikrobiellen Abwehr des Tränenwegsepithels sind derzeit Gegenstand weiterer Forschung.




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