Histopathologische Effekte der photodynamischen Therapie in humanen Augen
Schlötzer-Schrehardt U., Viestenz A., Naumann G. O. H., Laqua H., Michels
S., Schmidt-Erfurth U.
Augenklinik der Universität Erlangen-Nürnberg, Augenklinik
der Medizinischen Universität Lübeck
Zielsetzung: Histopathologische Analyse der Auswirkungen der photodynamischen
Therapie (PDT) auf choroidale und retinale Strukturen in humanen Augen.
Methoden: An drei Augen von drei Patienten mit ausgedehnten malignen
Melanomen der Aderhaut, die eine Enukleation erforderlich machten, wurde
eine PDT mit Verteporfin (Visudyne) anhand von zwei Laserherden (Lichtdosen
50 J/cm2 und 100 J/cm2) in tumorfreien chorioretinalen Arealen durchgeführt.
Charakteristische Hypofluoreszenz-Areale liessen sich sowohl mit Fluoreszein-
als auch ICG-Angiographie nachweisen. Die Augen wurden eine Woche später
enukleiert und mittels Licht- und Elektronenmikroskopie untersucht.
Ergebnisse: Im Gegensatz zu den unbehandelten Kontrollarealen war
in den PDTArealen lichtmikroskopisch ein selektiver Verschluss der Choriokapillaris
erkennbar. Elektronenmikroskopisch sichtbare Veränderungen umfassten
eine Schwellung, Schrumpfung und Fragmentierung der vaskulären Endothelzellen,
deren Ablösung von der Basalmembran bis hin zur vollständigen
Destruktion des Endothels, weiterhin eine komplette Okklusion der Kapillarlumina
durch Fibrin, Thrombocyten und Zelldebris. Ansammlungen von Granulozyten
und Makrophagen waren in der Peripherie degenerierter Kapillaren zu erkennen.
Innerhalb der okkludierten Lumina konnte gelegentlich eine Reorganisation
neuer kleinerer Gefässkanäle durch verbliebene intakte Endothelzellen
beobachtet werden. Degenerative Veränderungen tiefer-liegender choroidaler
Gefässe und eine fokale vakuolige Degeneration des retinalen Pigmentepithels
konnte nur in den 100 J/cm2- Arealen, nicht aber in den 50 J/cm2-Arealen
beobachtet werden. Die Photorezeptorschicht war in allen PDT-Arealen intakt.
Schlußfolgerung: Eine PDT unter klinisch relevanten Bedingungen
induziert selektive Veränderungen des Choriokapillaris-Endothels,
die zu Verschluss und Thrombosierung der normalen Choriokapillaris führen,
ohne signifikante Veränderungen des retinalen Pigmentepithels und
der sensorischen Retina zu bewirken. Reparaturmechanismen im Sinne einer
Rekanalisation der physiologischen Choroidea lassen sich bereits nach
einer Woche beobachten.
|