Einfluß von Lerneffekten auf das Ergebnis von Farbsinnprüfungen
mit dem Farbtest Roth 28-hue (E) desaturiert
Schröder A., Kreutz M, Meyer M., Winter R., Erb C.
Augenklinik der Medizinischen Hochschule Hannover, Carl-Neuberg Str.1,
D - 30625 Hannover
Fragestellung: Inwieweit beeinflussen Lerneffekte das Ergebnis
von Farbsinnprüfungen mit dem Farbtest Roth 28-hue (E) desaturiert.
Patienten und Methoden: Untersucht wurden insgesamt 65 Probanden,
die in 2 Altersgruppen (Gruppe1: n = 35, 20-39 Jahre; Gruppe 2: n = 30;
40-59 Jahre) aufgeteilt wurden. Als Ausschlußkriterien galten Augen-
und Allgemeinerkrankungen. Neben dem ophthalmologischen Status (Sehschärfe,
Augeninnendruck, Cup/Disc-Ratio, Fundus) wurde der Farbtest Roth 28-hue
(E) desaturiert angewendet. Dieser wurde monokular jeweils für das
rechte und linke Auge unter folgenden Standardbedingungen durchgeführt:
Hintergrund war ein schwarzer Karton, die Beleuchtung bestand aus 2 Fluoreszenzlampen
(Osram L36W/12 LDL Daylight). Die Lichtstärke betrug 2000 lux. Die
Farbsinnuntersuchungen wurden zu verschiedenen Meßzeitpunkten (T0-4)
nach durchschnittlich 5, 15, 32 und 189 Tagen bei jedem Probanden wiederholt.
Ergebnisse: Die ophthalmologischen Untersuchungen waren bei allen
Probanden unauffällig. Die Ergebnisse im Farbtest Roth 28-hue (E)
desaturiert zeigten einen unterschiedlichen Lerneffekt in beiden Gruppen.
In Gruppe 1 zeigte sich ab dem Meßzeitpunkt T1 (1. Wiederholung
nach 5 Tagen) eine stabile Fehlersumme über den gesamten Zeitverlauf,
während dieses in der Gruppe 2 erst ab dem Meßzeitpunkt T2
(2. Wiederholung nach 15 Tagen) erreicht wurde. In der Gruppe 2 kam es
zu einem erneutem Anstieg der Fehlersumme zum Meßzeitpunkt T4 (4.
Wiederholung nach 189 Tagen). Über den gesamten Zeitraum gab es weder
in Gruppe 1 noch in Gruppe 2 einen statistisch signifikanten Unterschied
zwischen den rechten und linken Augen.
Schlußfolgerung: Bei der Anwendung des Farbtest Roth 28-hue
(E) desaturiert muß ein altersabhängiger Lerneffekt berücksichtigt
werden. Bei Patienten zwischen 20-39 Jahren reicht eine Wiederholung,
bei Patienten zwischen 40-59 Jahren sind zwei Wiederholungen notwendig,
um ein stabiles Ergebnis zu erzielen. Zudem sollte bei Patienten zwischen
40-59 Jahren eine Kontrolluntersuchung nicht in zu großen Abständen
erfolgen.
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