Abstract 99. Jahrestagung der DOG, 29. 9. - 2. 10. 01 im ICC, Berlin

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Neue morphologische Aspekte der Regulation des Kammerwasserabflusses

Selbach J. M., Kremmer S., Steuhl K. P.

Universitäts-Augenklinik Essen, Hufelandstr. 55, 45122 Essen

Es ist nicht bekannt, wie im Detail der Kammerwasserabfluß reguliert ist. Zahlreiche morphologische wie physiologische Untersuchungen haben gezeigt, daß neben dem Ziliarmuskel (ZM) auch Skleralsporn (SS) und Trabekelwerk (TW) kontraktile Elemente besitzen, die auf den Kammerwasserabflußtrakt einwirken. Es konnte in vitro gezeigt werden, daß z.B. durch Cholinergika der Abflußwiderstand durch Kontraktion des TW erhöht wird, während eine z.B. durch Nitro-Präparate induzierte Relaxation des TW den Widerstand vermindert. Korrespondierend dazu besteht eine differenzierte efferente Innervation dieser Region. Wir zeigten im TW und SS von Primaten die Existenz von cholinergen und nitrergen (NO) Nerven. Über cholinerge Nervenfasern ist nach diesen Ergebnissen eine simultane Kontraktion von ZM, SS und TW möglich. Demgegenüber finden sich NO-positive Nervenfasern nur in SS und TW, was darauf hinweist, dass bei erschlafftem ZM durch Relaxation von Sporn- und Trabekelzellen das TW eigenständig erweitert werden kann. Desweiteren wurden im Bereich des SS und TW Nervenendigungen beschrieben, die in Kontakt mit dem elastischen Netzwerk des Trabekelwerks stehen, Substanz P enthalten und elektronenmikroskopisch verschiedenartige Vesikel und zahlreiche Mitochondrien aufweisen. Diese Nervenendigungen ähneln afferenten Mechanorezeptoren in anderen Geweben und es wird vermutet, daß sie Spannungs- oder Druckänderungen registrieren. Die Bedeutung des episkleralen Gefäßsystems für die Regulation des Augeninnendrucks ist bisher nicht geklärt. Die episkleralen Gefäße zeigen Besonderheiten, die sie von anderen Gefäßen unterscheiden. Es gibt kaum Kapillaren, aber zahlreiche arteriovenöse Anastomosen sowie ein ausgedehntes Netz von Venolen, deren Wand zirkulär angeordnete Muskelzellen enthält. Auffällig ist zudem eine dichte vasokonstriktive und vasodilatative Innervation der Venen. In tierexperimentellen Untersuchungen bei Kaninchen konnte gezeigt werden, daß durch vasoaktive Substanzen wie Epinephrin oder Nitroprussid-Natrium provozierte Änderungen des Gefäßdurchmessers den episkleralen Venendruck sowie den Augeninnendruck beeinflussen können. Umgekehrt bewirkt eine Augeninnendruckerhöhung ausgeprägte Änderungen der Strömungsverhältnisse in den episkleralen Gefäßen. Weitere Untersuchungen müssen zeigen, inwieweit diese Systeme bei verschiedenen Glaukomformen gestört sind und Pharmaka hier u.U. ansetzen können.




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