Abstract 99. Jahrestagung der DOG, 29. 9. - 2. 10. 01 im ICC, Berlin

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Phytotherapie und Auge

Tost F.

Augenklinik, Ernst-Moritz-Arndt-Universität, Rubenow-Str. 2, D - 17487 Greifswald

Die Behandlung mit pflanzlichen Arzneimitteln befindet sich im Spannungsfeld zwischen klassischer Medizin, Gesellschaft und Gesundheitsökonomie. Einerseits werden verschiedene phytotherapeutische Präparate "nur nach allgemeiner Erfahr-ung" eingesetzt, ohne das die "Evidenz" bisher belegt werden konnte. Andererseits sind in der modernen Augenheilkunde originäre Phytotherapeutika wie Kokain-Augentropfen (Koka-Strauch), Pilocarpin (Pilocarpus jaborandi) oder Atropin (Atropa belladonna) breit akzeptierte Wirkstoffe. Aus klinisch-pharmakologischer Erfahrungsbeobachtung wurden erfolgreich Wirkstoffe für Arzneimittel abgeleitet. Hierzu gehört die Salicylsäure, welche im Salicin der Weidenrinde (Cortex salicis) enthalten ist und deren antiseptischen Eigenschaften lange bekannt sind.
In einer prospektiven, doppelt-maskierten Pilotstudie wurden 10 Patienten (17 Augen) mit einer akuten Blepharokonjunktivtis vor und nach Therapie mit 0,1% Salicylsäure oder einem Placebo untersucht. Eine Benetzungsstörung wurde zuvor durch Schirmer-Test, TAFT und Spaltlampenbiomikroskopie ausgeschlossen. Bei allen Probanden wurde eine zytomorphologische Verlaufskontrolle mit der Impressionszytologie durchgeführt.
Im Vergleich mit der Plazebo-Gruppe zeigte sich nach 0,1% Salicylsäureanwendung ein guter Heilungseffekt. Die Auswertung der Impressionszytologien ließ keine zytotoxische Wirkung der Behandlung auf die Bindehaut erkennen. Nach Plazeboapplikation kam es bei 1 Probanden zur Zunahme der desquamativen Bindehautmetaplasie.
Häufig liegen Phytopharmaka jedoch nicht als Einzelstoffen sondern in Form komplexer Mehrstoffsysteme vor. Diese enthalten außer dem Hauptwirkstoff Nebenwirkstoffe, welche durch Modifikation von Stabilität und Bioverfügbarkeit die pharmakologische Wirkung erheblich beeinflussen. Verschiedene Faktoren wie Klima, Region, Lagerung und Aufschlussverfahren entscheiden über die Qualität des Phytopharmakons. Die Prüfung zahlreicher Phytopharmaka in Bezug auf ihre Evidenz kann aufgrund der begrenzten Ressourcen vermutlich nicht gelingen. Außerdem ist eine evidenzbasierte Medizin sehr wohl auf die klinische Erfahrungs-beobachtung angewiesen. Das Bemühen um eine optimierte Pharmakotherapie darf deshalb nicht zu einer Einschränkung individueller Behandlungsmöglichkeiten führen. Zusammenfassend ist festzustellen, das Phytopharmaka nicht nur eine symptomatische, sondern auch eine kausale Therapie gestatten. Ihre Anwendung erreicht eine hohe Patientenakzeptanz und hat ein gutes Nutzen-Risiko-Verhältnis. Entgegen der allgemeinen Tendenz gehört die Phytotherapie jedoch in die Hand des Facharztes, um Schäden sicher zu vermeiden.




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