Maligne epitheliale Tumore des Tränensackes - Synopsis mit Falldarstellung
Ungerechts R., Lang M., Emmerich K. H.
Augenklinik, Klinikum Darmstadt, Heidelberger Landstraße 379, 64297
Darmstadt
Die malignen Tumore des Tränensackes sind sehr seltene Erkrankungen,
die sich auf Einzelbeschreibungen beschränken.
Arten: Bei bösartigen Tumoren des Tränensackes unterscheidet
man epitheliale Tumore (54%) und nicht epitheliale Tumore (46%).
Klinische Zeichen: Als Leitsymptom findet man Epiphora und eine
schmerzlose Schwellung im Bereich des Tränensackes. Außerdem
kann eine sekundäre Dacryozystitis auftreten. Anfangs ist eine Tränenwegsspülung
oft noch möglich, wobei bei der Spülung eine Blutung auftreten
kann. Bei Ausbreitung über den Tränensack hinaus finden sich
häufig nasale Symptome, Infiltration von Weichteilgewebe, Haut und
Knochen sowie Lymphadenopathie. Zur Diagnosesicherung ist unbedingt eine
Biopsie erforderlich.
Kasuistik: In unserer Klinik stellte sich ein 55-jähriger
Patient vor, der seit einem Jahr über Epiphora klagte. Seit 2.5 Monaten
bestand ein reizfreier Tränensack Hydrops. Die Tränenwege waren
verzögert zur Nase spülbar. In der Dacryozystographie zeigte
sich eine Kontrastmittelfüllung bis zum oberen Drittel des Tränensackes.
Bei der darauffolgenden Dacryozystorhinostomie stellte sich beim Eröffnen
der Mukozele ein markiger Prozess dar. Histologisch zeigte sich ein invasives,
nicht verhornendes Plattenepithelkarzinom. Es wurde eine Resektion der
angrenzenden Strukturen durchgeführt, der Defekt sekundär gedeckt
und der Patient einer Radiatio zugeführt.
Zusammenfassung: Bei Tränensackhydrops mit fehlenden Entzündungszeichen
sollte als Ursache für eine Tränenwegsstenose an ein Tränensackkarzinom
gedacht werden. Hinweise dafür können eine lokale Infiltration
der orbitalen Knochen- und Weichteilstrukturen sowie Tumorwachstum außerhalb
des medialen Lidbändchens, Teleangiektasien oder blutiger Reflux
im Spülbefund sein. Die Therapie ist abhängig vom histologischen
Typ und vom Ausmaß der Tumorinvasion. Es sollte eine großzügige
lokale Exzision erfolgen und gegebenenfalls durch eine Radiatio ergänzt
werden.
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