Bilaterale anteriore ischämische Optikusneuropathie nach akutem
Blutverlust
Zöller C.-C., Schmidt W.
Zentrum für Augenheilkunde, Friedrichstraße 18, D-35392 Gießen
Hintergrund: Es wird über den seltenen Fall einer beidseitigen
sektoriellen Optikusatrophie nach suizidversuchbedingter Anämie berichtet.
Patient: Ein 23-jähriger Mann stellte sich 10 Tage nach einem
Suizidversuch mit inferioren Gesichtsfeldausfällen beidseits vor.
In der Folge dieses Suizidversuchs durch Eröffnung der Aa. radiales
war es zu einem akuten Hämoglobinabfall auf 53 g/l gekommen.
Befunde: Bei der Erstuntersuchung lag der bestkorrigierte Visus
rechts bei 1,0 und links bei 1,2. Die Goldmann-Perimetrie zeigte rechts
einen fast kompletten Ausfall der inferioren Quadranten mit einem Zentralskotom
für die Prüfmarke I3 und links einen inferonasalen Quadrantenausfall.
Die Funduskopie ergab beidseits prominente randunscharfe Papillen. Der
sonographische Orbitabefund, die MRT und die neurologische Untersuchung
waren regelrecht. Es fiel eine Anisokorie (RA 7mm, LA 5mm) auf. Der Wechselbeleuchtungstest
war negativ. Im weiteren Verlauf über 9 Monate zeigte sich funduskopisch
und fluoreszensangiographisch rechts eine obere und links eine superotemporale
sektorförmige Optikusatrophie korrelierend zu den Gesichtsfeldausfällen.
Das rechtsseitige Zentralskotom war nicht reproduzierbar. Die weiteren
Kontrollen zeigten die Gesichtsfeldausfälle unverändert. Der
Visus betrug zuletzt beidseits 1,2.
Schlußfolgerung: Eine bilaterale anteriore ischämische
Optikusneuropathie ist eine seltene Komplikation einer Anämie durch
akuten Blutverlust und kann in persistierenden Gesichtfeldausfällen
ohne fovealen Sehschärfeverlust resultieren. Deshalb ist es wichtig,
neben den Angaben zur fovealen Sehschärfe auch die Symptomatik von
Gesichtsfeldausfällen zu beachten, um frühzeitig eine gezielte
Therapie einzuleiten.
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