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Charles-Bonnet-Syndrom
Menkhaus S., Behrens-Baumann W., Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Universitäts-Augenklinik (Magdeburg)
Hintergrund: Das Charles Bonnet Syndrom (CBS) bezeichnet das Auftreten von visuellen Halluzinationen bei psychopathologisch unauffälligen Menschen. Es tritt häufig bei älteren Patienten mit herabgesetzter Sehschärfe auf. Kasuistik: Es wird über drei Patienten im Alter von 75 bis 85 Jahren berichtet, die aufgrund einer altersbedingten Maculadegeneration bzw. in einem Fall wegen einer myopen Maculopathie eine herabgesetzte Sehschärfe hatten und optische Halluzinationen in Form von Ornamenten, Gerüsten und Köpfen meistens farbig schilderten. Dabei waren sich die Patienten der Unechtheit ihrer Wahrnehmung bewußt. Eine neurologische Untersuchung von 2 dieser Patienten war altersentsprechend unauffällig. Eine medikamentöse Therapie war in keinem der drei Fälle erforderlich. Diskussion: Verschiedene Untersuchungen haben ergeben, daß ungefähr 12 bis 13% der Menschen mit einer herabgesetzten Sehschärfe optische Halluzinationen in unterschiedlicher Häufigkeit wahrnehmen. Die Art der Halluzinationen zeigt eine große Variabilität. Bevor die Diagnose eines CBS gestellt wird, sollten neurologische sowie psychiatrische Erkrankungen ausgeschlossen werden. Das CBS hat in der Regel wenig Einfluß auf das Allgemeinbefinden der Patienten, dennoch sind die betroffenen Patienten froh, wenn sie erfahren, daß ihre Wahrnehmungen ein bekanntes Phänomen und kein Anzeichen einer mentalen Erkrankung sind. Sollte sich ein Patient durch die optischen Halluzinationen sehr beeinträchtigt fühlen, ist eine Therapie z. B. mit Carbamazepin in Zusammenarbeit mit einem Neurologen oder Psychiater zu erwägen. Schlussfolgerungen: Optische Halluzinationen bei Patienten mit reduzierter Sehschärfe treten häufiger auf als angenommen. Meistens sprechen die Patienten weder mit einem Arzt noch mit Anghörigen über ihre Wahrnehmungen aus Angst, für psychisch krank gehalten zu werden. Deshalb wird empfohlen, Patienten mit einer reduzierten Sehschärfe direkt nach optischen Halluzinationen zu befragen und sie gegebenenfalls über die Harmlosigkeit dieser Erscheinung aufzuklären. In der Regel können sich die Betroffenen mit dem Phänomen der optischen Halluzinationen arrangieren und benötigen keine medikamentöse Therapie.
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