Katarakt-bedingte Intelligenzänderung ein innovativer Aspekt
1Gerstmeyer K., 2Lehrl S., 1Augenklinik Minden (Minden) 2Friedrich-Alexander-Universität, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Bereich Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie (Erlangen)
Hintergrund: Im Rahmen des Projektes "vision intell" untersuchen wir den Einfluß einer Kataraktoperation auf die geistige Leistungsfähigkeit. Methoden: Untersuchungen von Patienten vor und nach Kataraktoperationen mit dem von uns entwickelten ophthalmologisch-psychometrischen Testsystem (OPT). Hierbei werden die flüssige Intelligenz mit dem Kurztest KAI gemessen und die prämorbide geistige Leistungsfähigkeit mit dem TPL bestimmt. Ergebnisse: 1. Bei Katarakt-Patienten minderte sich die aktuelle geistige Leistungsfähigkeit signifikant. 2. Bei den meisten Patienten unterschritt das flüssige Intelligenzniveau den Grad der kristallisierten Intelligenz. Lediglich bei Patienten einer Untersuchungsgruppe lag die aktuelle geistige Leistungsfähigkeit (IQ 95) höher als die prämorbide (IQ 91). 3. Die prämorbide Intelligenz lag bei allen Patienten auf praktisch gleichem, aber eher unterdurchschnittlichem Niveau (IQ 88-91). 4. Wenige Wochen nach erfolgreicher Operation stieg die flüssige Intelligenz relevant sowie statistisch signifikant an. Die aktuelle geistige Leistungszunahme läßt sich bei allen Patienten (Mittel: 73-79 Jahre) (siehe Punkt 2) nachweisen, d.h. auch die Patienten, mit präoperativ relativ hoher flüssiger Intelligenz steigerten sich nochmals. 5. Auffallend ist eine initial deutliche Steigerung der auditiv (!) geprüften Merkspanne gegenüber der visuell ermittelten Informationsverarbeitungs-geschwindigkeit. 6. Die Höhe der Intelligenzzunahme korreliert statistisch signifikant mit dem Grad der Visussteigerung. 7. Entscheidend ist das postoperative Niveau des Visus und nicht das Ausmaß der stärksten Verbesserung. Schlussfolgerungen: Die Änderung der geistigen Leistungsfähigkeit durch Katarakt und ihre Operation ist nicht nur für den betroffenen Patienten und sein soziales Umfeld relevant, sondern wegen der Häufigkeit der Katarakt auch von Bedeutung für andere wissenschaftliche Fachdisziplinen und von volkswirtschaftlichem und sogar gesellschaftlichem Interesse.
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