Programm & Abstracts                 "Innovationen in der Augenheilkunde"

Aktuelle Tagungsinformationen
   News and Updates

Anmeldung zur Tagung
   Registration
Hotelbuchung
   Hotel Registration
Grußwort
   Welcome address
Beteiligte Gesellschaften
   Societies involved
Eröffnung des Kongresses
   Opening Ceremony
Preise
   Awards
Wissenschaftliches Programm
   Scientific program
Posterpräsentationen
   Poster Presentation
Kurse
   Courses
Begleitende Veranstaltungen
   Collateral Events
Rahmenprogramm
   Social program
Jubiläumsparty
   Jubilee Party
DOG Information
   DOG Information
Allgemeine Informationen
   General Information
Autorenindex
   Index of Authors
Ausstellerliste
   Exhibitors
Sponsoren
   Sponsors
Teilnahmegebühren
   Registration fees
Impressum



DOG Homepage

Systematische Fehleinschätzung von Altersdemenzen durch kataraktbedingte Intelligenzminderung?

1Lehrl S., 2Gerstmeyer K.,
1Friedrich-Alexander-Universität, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Bereich Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie (Erlangen)
2Augenklinik Minden (Minden)

Hintergrund: Mehrere klinische Studien über zusammen viele tausend Personen stützen die Annahme, dass im Alter auftretende Sehminderungen ohne diagnostische Spezifizierung zu Intelligenzminderungen führen. Besonders betroffen ist die flüssige Intelligenz, die das aktuelle geistige Leistungsvermögen widerspiegelt. Weniger beeinträchtigt ist die gespeicherte Erfahrung (= kristallisierte Intelligenz). Im Alter kommt Katarakt häufig vor. Bei Senioren mit Katarakt hatten wir die flüssige Intelligenz direkt gemessen und erhebliche präoperative Minderungen und postoperative Anstiege objektiviert. Wegen der starken Intelligenzänderungen kam der Verdacht auf, dass bei nicht wenigen Senioren Katarakt-bedingte Intelligenzverluste mit dem Leitsymptom der Altersdemenz (Multiinfarkt-Typ, Alzheimer-Typ und Misch-Typ), der kognitiven Minderung, verwechselt und Schweregrad und Syndrom neuropsychiatrisch fehleingeschätzt würden. Wegen der Tragweite ist dieser Verdacht genauer zu prüfen.
Methode: Vergleich der beurteilten und psychometrisch gemessenen Symptomatik sowie Literaturrecherchen anhand Medline und SCI.
Ergebnisse: Wesentliche Bestimmungsmerkmale von Altersdemenzen nach dem ICD-10 überschneiden sich mit psychischen Merkmalen älterer Katarakt-Patienten. In dem Leitmerkmal, heute oft mit dem Test MMSE erhoben, deutet man die von uns im Mittel gefundenen Katarakt-bedingten IQ-Verluste als mittelschwere Demenz. Entsprechend sind Fehlzuordnungen zur Demenz zu erwarten, oder es wird bei bestehender Demenz eine wesentlich stärkere Ausprägung vorgetäuscht. Die recherchierten Publikationen gingen nicht auf Fehlzuordnungen "reiner" Katarakt-Patienten zur Altersdemenz ein, belegten aber statistische Assoziationen zwischen Katarakt- und Demenz-Vorkommen.
Schlussfolgerungen: Die kognitiven Verluste bei späterworbener Katarakt und die davon abhängigen Einbußen an Alltagsaktivitäten und sozialen Kontakten begünstigen die Fehldiagnose "Altersdemenz" und Überschätzung des Schweregrades. Wegen der großen Häufigkeit von Alters-Katarakt und Altersdemenz (ca. 25 % der 80-Jährigen) müssten die Fehleinschätzungen häufig sein. In derartigen Fällen könnten erfolgreiche Katarakt-Operationen die demenzielle Symptomatik innerhalb weniger Wochen mindern oder sogar beseitigen.

Zurück/Back