Programm & Abstracts                 "Innovationen in der Augenheilkunde"

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Schwerwiegender Verlauf und belastende Faktoren bei Optikus-Neuropathie durch Tuberkulostatika

1Frisch I. B., 2Kunze A., 1Castro A., 1Pavlovska V., 2Meinck H.-M., 1Krastel H.,
1Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Universitäts-Augenklinik (Heidelberg)
2Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Neurologische Klinik (Heidelberg)

Hintergrund: Die ungünstige Resistenzlage bei Mykobakterien erlaubt bislang keinen Verzicht auf Ethambutol. Lokale Risikofaktoren der Tuberkulostatika-Optikopathie sind jegliche (auch frühere) Optikopathien, systemische erhöhte Serumspiegel von Ethambutol, sowie alle weiteren toxischen Belastungen des Nervus opticus. Kritisch ist die Kumulation von Risiken.
Methode: Zur Verlaufskontrolle wurden Standard-Sehschärfe, Octopus 30 Grad Perimetrie, Farbflecktests, Kolling-Tafel und VEP eingesetzt.
Ergebnisse: Bei unserem 20-jährigen ostasiatischen Patient wurde die Lymphadenitis colli specifica durch eine Biopsie gesichert. Er benötigte eine 4-fach Therapie: Ethambutol, Rifampicin, INH und Pyrazinamid. Initialsymptom der Optikopathie war Blendung. Im Gesichtsfeld entwickelten sich bi-temporale Defekte. Die Magnetresonanztomographie blieb ohne Befund, so daß unter der Diagnose der paraxialen toxischen Optikopathie Ethambutol abgesetzt wurde. Trotzdem kam es zum fortschreitenden Verfall von Gesichtsfeld, Farbsinn und Sehschärfe (letztere bis zu 1/20). Daraufhin wurde auch INH und später sämtliche Tuberkulostatika abgesetzt. In den folgenden 30 Monaten erholte sich unter Vit. B6 und B12 langsam der des Visus auf 1,0 jeseits, der Farbsinn schrittweise von einer Rot/Grün-Störung über einen Blausinndefekt zu einem etwa normalen Muster der Farbfleckteste. Die Skotome verkleinerten sich, so daß schließlich keine Überlappung zwischen den Ausfällen im linken und rechten Auge mehr bestand.
Schlussfolgerungen: Kumulative Belastungen entstanden hier durch mehrere potentiell optikotoxische Substazen und die intravenöse Gabe mit hohen Serumspiegeln von Ethambutol. Dem ethnisch bedingten Mangel an Alkohol-Dehydrogenase kann eine Rolle zukommen. Das paraxiale Befallsmuster erschwerte die Detektion der Optikopathie. Wir empfehlen, Blendung als Verdachtssymptom für Tuberkulostatika-Optikopathie zu listen, niedrige Aktivität der Alkohol-Dehydrogenase als Risikofaktor. Wir raten zu regelmäßigen Visus- und axialen Farbsinnprüfungen sowie zum Gesichtsfeld- und paraxialen Farbsinn-Screening. Die Tafel nach Kolling kann für die beiden letzteren Screenings nützlich sein.

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