Programm & Abstracts                 "Innovationen in der Augenheilkunde"

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Telematik digitaler Fundusweitwinkelaufnahmen - Ein innovatives Verfahren zur verbesserten Verhütung von Blindheit bei Frühgeborenen

Lorenz B.,
Universität Regensburg, Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde, Abt. für Pädiatrische Ophthalmologie, Strabismologie und Ophthalmogenetik (Regensburg)

Problemstellung: Die akute Frühgeborenen-Retinopathie (RPM) ist Hauptrisiko für eine bleibende Seheinschränkung bis hin zur Erblindung. Ohne Therapie beträgt das Risiko für eine Netzhautablösung mit nachfolgender Erblindung im Stadium 3+ ca. 50%, mit zeitgerechter Lasertherapie nur wenige Prozent. Die Erkennung und Beurteilung der kritischen Netzhautveränderungen erfordern ein hohes Maß an Erfahrung mit den typischen Merkmalen der RPM. Mit dem derzeitigen Screening-Programm werden nicht alle behandlungsbedürftigen Fälle rechtzeitig erkannt. Abhilfe erscheint durch den Einsatz eines neu entwickelten digitalen Weitwinkelkamerasystems möglich mit anschließender Übermittlung der Bilddaten via ISDN an ein zentrales Expertenzentrum [1].
Material und Methode: In einem von der lokalen Ethikkommission genehmigten Pilotprojekt wird das telemathische Screening-Verfahren an 5 Perinatalzentren Ost- und Nordbayerns und dem Reading Center an der Universität Regensburg bezüglich seiner Sensitivität, Spezifität, Kosten-Nutzen-Effizienz, seines Potentials bei der Entwicklung verbesserter Therapiekonzepte und der Sinnhaftigkeit, in allen Perinatalzentren eine digitale Fundusdokumentation durchzuführen, geprüft. Alle Frühgeborenen mit einem Risiko für eine RPM werden entsprechend der Literaturempfehlung [2] augenärztlich untersucht. Die Untersuchungen erfolgen mit einer digitalen Weitwinkelkamera (RetCam120) sowie vergleichend mittels konventioneller indirekter Ophthalmoskopie. Die Untersuchungen werden in den Perinatalzentren außerhalb Regensburgs von den bereits bisher vor Ort tätigen niedergelassenen Augenärzten durchgeführt. Die Bilder werden lokal gespeichert und über 2 ISDN-Kanäle an das Klinikum der Universität Regensburg übermittelt. Die personenbezogenen Daten werden anonymisiert per email oder Fax verschickt. Die Daten werden mit Hilfe eines neu entwickelten Software-Programms analysiert.
Ergebnisse: Innerhalb des ersten Jahres wurden 192 Kinder untersucht. Alle behandlungsbedürftigen Stadien (7 Kinder) wurden erfaßt. Die Abbildung der Zone III (nach international gültigen Kriterien nicht behandlungsdürftig) war im Rahmen von Screening-Untersuchungen in der Regel nicht möglich. Die richtige Einschätzung proliferativer Stadien erfordert neben optimaler Abbildung große Erfahrung mit dem ophthalmoskopischen Bild. Die bisherige Zoneneinteilung erscheint ungenau. Die objektive Analyse der Veränderungen im Raum und über die Zeit kann Basis sein für die Erarbeitung neuer Behandlungskriterien und -formen.
Schlussfolgerungen: Telematik digitaler Fundusweitwinkelaufnahmen ist ein innovatives Verfahren, das die flächendeckende Erfassung behandlungsbedürftiger Stadien der RPM ermöglicht. Die zentrale Analyse der Bilddaten erhöht die Zuverlässigkeit der Einschätzung der Veränderungen und ermöglicht nicht nur eine standardisierte Behandlung, sondern kann darüber hinaus zu einer differenzierteren Beurteilung und (augenärztlichen und/oder neonatologischen) Therapie führen.
Bayerische Landesstiftung, Bayerische Sparkassenstiftung, DFG Lo 457/4-1,2
Literatur: 1) Lorenz,B., Bock,M., Müller,H.M., Massie,N.A. (1999) Telemedicine based screening of infants at risk for retinopathy of prematurity. Stud.Health Technol.Inform. 64:155-63: 155-163. 2) Clemens,S., Eckardt,C., Gerding,H., Grote,A., Jandeck,C., Kellner,U., Lorenz,B., Petersen,J., Seiberth,V., Stärk,N., Ulbig,M.W., Zubcov,A., Jorch,G., Pohlandt,F. (1999) Augenärztliche Screening-Untersuchung von Frühgeborenen. Ophthalmologe. 96 (4): 257-263.

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