Programm & Abstracts                 "Innovationen in der Augenheilkunde"

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Bedeutung des episkleralen Gefäßbettes für die Kammerwasserabflussregulation

1Selbach J. M., 2Steuhl K. P.,
1Universität-Gesamthochschule Essen, Zentrum für Augenheilkunde (Essen)
2Universität-Gesamthochschule Essen, Zentrum für Augenheilkunde, Abt. für Erkrankungen des vorderen Augenabschnitts (Essen)

Ob und wie der Augeninnendruck bzw. der Kammerwasserabfluss reguliert wird, ist bislang nicht geklärt. In den letzten Jahren gab es jedoch neue Erkenntnisse, die auf einen möglichen nervösen Regulationsmechanismus des Kammerwasserabflusses schließen lassen. Der Abfluß über den sog. konventionellen Abflußweg ist abhängig vom Druckgradienten zwischen Augeninnendruck und episkleralem Venendruck. Die Bedeutung des episkleralen Gefäßsystems für die Regulation des Augeninnendrucks ist bis heute nicht geklärt. Die genaue Wechselwirkung zwischen erhöhtem episkleralen Venendruck (EVD) und erhöhtem Augendruck (IOD) ist schwer vorhersagbar. Nach der Goldmann-Gleichung sollte eine direkte Korrelation zwischen beiden bestehen. In Versuchen jedoch, bei denen bei Probanden durch Stauung der Halsgefäße der EVD erhöht wurde, stieg der Augeninnendruck nur um 80% des EVD-Anstiegs. Chronische Erhöhung des IOD verursacht durch erhöhten EVD kann einen glaukomatösen Optikusschaden verursachen. Dies scheint für Glaukome zu gelten, die u.a. mit folgenden Erkrankungen assoziiert sind: Carotis-Cavernosus-Fistel, Sinus cavernosus Thrombose, Endokrine Orbitopathie, Sturge-Weber-Syndrom etc. In mehreren Studien konnten Änderungen des EVD mit körperstellungsabhängigen IOD-Veränderungen korreliert werden. Jedoch war die IOD-Veränderung zahlenmäßig nicht gleich der EVD-Erhöhung. Es wurden Versuche unternommen, den EVD bei Patienten mit Hochdruck-Glaukom zu messen. Die Ergebnisse variierten zwischen “keinem Unterschied” bei normalen und Glaukomaugen und niedrigerem EVD bei Glaukomaugen. All dies deutet darauf hin, daß hier Regulationsmechanismen beteiligt sind und nicht lediglich ein passives System vorliegt. Die episkleralen Gefäße zeigen zudem morphologische Besonderheiten, die sie von anderen Gefäßen unterscheiden. Mittels immunhistologischer, rasterelektronenmikroskopischer und endoskopischer Methoden haben wir das episklerale Gefäßsystem verschiedener Spezies untersucht. Es fällt auf, daß es kaum Kapillaren gibt, jedoch zahlreiche arteriovenöse Anastomosen und ein ausgedehntes Netz von Venolen, deren Wand zirkulär angeordnete Muskelzellen enthält. Auffällig ist zudem eine dichte vasokonstriktive und vasodilatative Innervation der Venen. In tierexperimentellen Untersuchungen bei Kaninchen konnten wir zeigen, daß durch vasoaktive Substanzen wie Epinephrin oder Nitroprussid-Natrium provozierte Änderungen des Gefäßdurchmessers den episkleralen Venendruck sowie den Augeninnendruck beeinflussen können. Umgekehrt bewirken eine Augeninnendruckerhöhung oder -senkung ausgeprägte Änderungen der Strömungsverhältnisse und Durchmesser der episkleralen Gefäße. Es wird daher vermutet, daß Änderungen des Venendurchmessers den episkleralen Venendruck und konsekutiv den Kammerwasserabfluß beeinflussen können.

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