Programm & Abstracts                 "Innovationen in der Augenheilkunde"

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Vorschlag für Definition und Klassifikation des primären Offenwinkelglaukoms basierend auf epidemiologischen Daten

de Jong P. T. V. M.,
The Netherlands Ophthalmic Research Institute, Academic Medical Center (Amsterdam)

Hintergrund: Seit Albrecht von Graefe eine "Blindheit mit Papillenexcavation" beschrieb und später im Jahr 1862 Donders die Erkrankung "Glaucoma simplex" nannte, gab es zahlreiche Ansätze, die Glaukome und speziell das primäre Offenwinkelglaukom (POWG) zu definieren und zu klassifizieren. Bisher ist der einzige akzeptierte internationale Standard als Teil einer Definition die obere Grenze des Normalbereiches des Augeninnendrucks von 21 mmHg. Mehr als die Hälfte der Patienten mit POWG haben jedoch nie einen erhöhten Augeninnendruck, so daß der Parameter Augeninnendruck seine Rolle als diagnostisches Kriterium langsam abgab und dafür die Rolle eines wesentlichen Risikofaktors für das POWG annahm. Alle größeren bevölkerungsbasierten epidemiologischen Studien über das POWG haben keine einheitlichen Kriterien für die Definition des POWG angewendet, so daß ein Vergleich der Daten zwischen den Studien nicht möglich ist. Dementsprechend unterscheiden sich die Angaben über die Prävelenz des Glaukoms in der gleichen Bevölkerungsgruppe um einen Faktor von 1-12. Das Ziel der vorliegenden Studie war, auf quantitativer Basis diagnostische Kriterien für das POWG zu schaffen und davon ausgehend eine epidemiologische Definition des POWGs abzuleiten.
Methoden: Die bevölkerungsbasierte Rotterdam-Studie besteht aus 7983 Menschen (Alter $ 55 Jahren), von den 6756 im ophthalmologischen Teil dieser Studie teilnahmen (6281 unabhängig lebende Menschen und 475 Menschen in Altersheimen). Die Kriterien für die Diagnose des POWGs basierten auf ophthalmoskopischen und semi-automatischen Imagenet-Bestimmungen der Papille mit den Parametern vertikales Excavations-Papillendurchmesserverhältnis (VCDR), minimale neuroretinale Randsaumbreite, Asymmetrie in der VCDR zwischen beiden Augen, und perimetrischen Untersuchungen mit der kinetischen Goldmann Perimetrie. Alle Kriterien für die Diagnose des POWGs wurden unabhängig voneinander untersucht.
Ergebnisse: Die mittlere VCDR betrug gemessen in ophthalmoskopischen Untersuchungen 0,3 und gemessen mit Imagenet-Untersuchungen 0,49. Die 97,5. Percentile für die VCDR betrug 0,7 entsprechend ophthalmoskopischen Untersuchungen, der Imagenetschnitt-Analyse, Untersuchungen mit dem Heidelberg Retinotomograph, und gemäß stereoskopischer Untersuchungen von Papillenfotografien. Bei einem Wert von über 0,7 schlagen wir vor, dies eine mögliche glaukomatöse Optikusneuropathie (GON) zu nennen. Die 99,5. Percentile für die VCDR betrug 0,8. Liegt der Wert der VCDR über 0,8, schlagen wir vor, dies eine wahrscheinliche GON zu nennen. Die Prävalenz von glaukomatösen Gesichtsfeldausfällen betrug 1,5%.
Definition und Klassifikation des primären Offenwinkelglaukoms: Entsprechend den Ergebnissen schlagen wir als Definition des definitiven POWGs vor: Vorliegen einer GON zusammen mit Vorliegen von glaukomatösen Gesichtsfeldverlusten in Augen mit offenem Kammerwinkel ohne anamnestische oder klinische Hinweise auf sekundäre Glaukome. Wir reden von einem wahrscheinlichen POWG wann entweder keine glaukomatösen Gesichtsfeldverluste vorliegen beziehungsweise wann kein Gesichtsfeldtest durchgeführt wurde in zusammenhang mit einem wahrscheinlichem GON, oder basierend nur auf glaukomatösen Gesichtsfeldausfällen ohne GON. Ein mögliches POWG liegt vor bei einer möglichen GON ohne glaukomatöse Gesichtsfeldauffälle.

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