Programm & Abstracts                 "Innovationen in der Augenheilkunde"

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Neuroprotektion in der Augenheilkunde

Lagrèze W.,
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Augenklinik (Freiburg)

Unter Neuroprotektion versteht man den Versuch, bei Erkrankungen des zentralen Nervensystems den Untergang von Neuronen mittels bestimmter Pharmaka aufzuhalten. Da Netzhaut und Sehnerv biochemisch und mikrostrukturell eng mit dem zentralen Nervensystem verwandt sind, lassen sich die Prinzipien der Neuroprotektion auf die Augenheilkunde übertragen. Die Einsatzmöglichkeiten der Neuroprotektion sind theoretisch vielfältig, da bei vielen Erkrankungen mit Verlust retinaler Neuronen entweder gar keine oder nur eine suboptimale Therapie existiert. In den meisten Fällen schwinden Neurone durch Apoptose. Will man diesen Vorgang aufhalten, kann man einerseits die Faktoren hemmen, welche Apoptose auslösen und andererseits die Stoffwechselkaskade der Apoptose selber unterbrechen. Für sehr viele verschiedene Substanzen konnte bis heute in vitro eine neuroprotektive Wirkung auf retinale Neuronen nachgewiesen werden. Dies sind z.B. Glutamat-Rezeptor-Antagonisten, Glutamatfreisetzungs-Hemmer, Stickstoffoxidsynthetase-Hemmer, Fänger freier Radikale, Caspase-inhibitoren und neurotrophe Faktoren. Ein Teil dieser Substanzen erwies sich ebenfalls in vivo in Tiermodellen als neuroprotektiv. Was sind die Gründe, dass Neuroprotektion bisher nur im Labor funktioniert hat, sich aber noch nicht in der Klinik etablieren konnte? 1) Tierexperimentelle Daten lassen sich nicht ohne weiteres auf den Menschen übertragen. 2) Tiermodelle spiegeln nur selten die Pathomechanismen beim Menschen exakt wider. 3) Bei vielen Tierversuchen wurden die Substanzen in hoher Dosierung systemisch gegeben, teilweise mit beträchtlichen Nebenwirkungen, welche bei Patienten nicht akzeptabel wären. 4) In den Versuchen wurde nie eine vollständige Neuroprotektion erzielt, sondern immer nur ein gewisser Prozentsatz der Neuronen gerettet. Ob solche Effekte klinisch relevant sind, bleibt abzuwarten. 5) Da die Effekte möglicherweise klein sind, müssen klinische Studien sehr viele Patienten umfassen, um die notwendige statistische Power zu erreichen. 6) Da die Patienten bei akuten Erkrankungen, wie z. B. dem Zentralarterienverschluss, fast immer zu spät für eine neuroprotektive Bandlung in die Klinik kommen, eignet sich Neuroprotektion eher für chronische Erkrankungen wie z. B. das Glaukom. 7) Die zu messenden Variablen, wie Visus oder Gesichtsfeld, sind subjektiv und unterliegen erheblichen Messschwankungen. Trotz dieser Schwierigkeiten sind im letzten Jahr mehrere klinische Studien begonnen worden. Die Ergebnisse stehen noch aus.

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