Programm & Abstracts                 "Innovationen in der Augenheilkunde"

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Amnionmembrantransplantation und Keratoplastik

Seitz B., Ferreira de Souza R., Wenkel H., Hofmann-Rummelt C., Schlötzer-Schrehardt U., Naumann G. O. H.,
Friedrich-Alexander-Universität, Augenklinik (Erlangen)

Hintergrund und Ziele: Der Amnionmembran (AM) werden epithelialisierungsfördernde, antiinflammatorische und antiangiogene Eigenschaften nachgesagt. In einer experimentellen Studie konnte gezeigt werden, daß die AM selbst ein immunprivilegiertes Gewebe darstellt und diese Eigenschaft auf co-transplantierte Hornhäute übertragen kann, deren Alloimmunität dadurch deutlich abnimmt. Ziel dieses Referates ist es, die potentiellen Vorteile der AM-Transplantation (AMT) in Zusammenhang mit der Keratoplastik zu erläutern.
Methode: Die AM kann vor (Gruppe 1), simultan mit (Gruppe 2) und nach (Gruppe 3) der Keratoplastik transplantiert werden. Bei hochentzündlichen Augen, wie etwa bei Ulcus serpens bakterieller Genese (insbesondere auch auf dem Boden einer bullösen Keratopathie) oder akuter ulzerierender Keratouveitis herpetica wurde bei konservativ nicht beherrschbarem Epitheldefekt bisher eine Keratoplastik à chaud mit den bekannten immunologischen Nachteilen durchgeführt. Eine AMT nach der Sandwich-Technik (= Patch+Graft) nach intensiver antiinfektiöser Behandlung kann zum Abheilen des Ulcus führen, so daß im reizfreien Intervall (bevor es zum reparativen Einwachsen von Gefäßen kommt) eine perforierende Keratoplastik (PK) mit besserer Prognose erfolgen kann (Gruppe 1). Bei Neurodermitis, Limbusstammzellinsuffizienz (z.B. Aniridie), oder primär chronischer Polyarthritis kommt es nach der PK (insbesondere à chaud) oft zu Epithelheilungsstörungen. Hier kann ein simultaner AM-Patch direkt im Anschluß an die PK eine rasche und dauerhafte Epithelialisierung bewirken und immunologisch von Vorteil sein, ohne daß es zu einer längerfristigen optischen Beeinträchtigung des Transplantates kommt (Gruppe 2). Auch im Langzeitverlauf nach PK kann es zu persistierenden Epitheldefekten kommen. Wird auch nach Applikation von 100%-igem autologen Serum kein Epithelschluß erreicht, so bietet sich die AMT an, die - je nach Befund - mittels Graft, Patch oder Sandwich-Technik erfolgen kann (Gruppe 3).
Ergebnisse: In Gruppe 1 haben wir 15 Patienten vornehmlich mit ulzerierender Keratouveitis herpetica behandelt. Nach 20 Tagen bis 8 Monaten wurden die exzidierten pathologischen Hornhäute histologisch und ultrastrukturell untersucht, um Rückschlüsse auf das Wachtumsverhalten des Hornhautepithels in Relation zur AM zu gewinnen. In Gruppe 2 war bei 8 von 10 Augen mit Oberflächenproblemen der Epithelschluß nach Keratoplastik spätestens nach 4 Wochen komplett, und es ereignete sich bisher kein Rezidiv. In Gruppe 3 wurden im Mittel 14 Monate nach PK 4 Augen mit Graft, 8 mit Patch und 17 mittels Sandwich behandelt. Die primäre Erfolgsrate lag bei 88%, die Rezidivrate bei 15%.
Schlussfolgerungen: Die AMT kann einerseits dazu beitragen, eine notwendige PK in das reizfreie Intervall zu verschieben und zu einem elektiven statt à chaud Eingriff zu machen. Andererseits kann die simultane AMT bei drohenden Epithelheilungsstörungen die Prognose einer PK (à chaud) verbessern. Nicht zuletzt stellt die AMT auch bei therapieresistenten Epitheldefekten nach PK eine valide Option dar.

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