Programm & Abstracts                 "Innovationen in der Augenheilkunde"

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Neue Möglichkeiten der medikamentösen Therapie der diabetischen Retinopathie

Böhm B. O.,
Universität Ulm, Medizinische Klinik, Sektion Endokrinologie (Ulm)

Die Retinopathie ist die häufigste mikrovaskuläre Komplikation des Diabetes mellitus. Diese diabetesspezifische Folgeerkrankung wird durch einen Überschuss an pro-angiogenetischen Faktoren (unter anderem VEGF) zusammen mit einer Imbalance von Wachstumshormon und dem IGF-System gefördert. Zusätzlich fehlen anti-angiogenetische Faktoren, wie z.B. das Angiostatin oder auch PEDF, so dass die Angiogenese weiter gefördert wird. Vor diesem Hintergrund sieht man den Exzess permissiver Faktoren, wie die Verschiebung im Wachstumshormon-IGF-System als wichtige Promotoren der Poliferation bei der diabetischen Retinopathie. In Folge von Hyperglykämie und modifiziertem Wachstumsfaktorenmilieu sind inzwischen Veränderungen in Signalkaskaden beschrieben worden, hierzu zählt u.a. die Aktivierung des PKC-Weges. Zwei kleinere kontrollierte klinische Studien haben kürzlich den Effekt des langwirksamen Somatostatin-Analogons Octreotid als anti-angiogenetisches Prinzip bei der diabetischen Augenerkrankung untersucht. Während bei Vorliegen einer nicht-proliferativen DR oder auch frühen Phase der proliferativen Retinopathie Octreotid die Notwendigkeit einer Laserbehandlung signifikant reduzieren konnte, war das Somatostatin-Analogon auch in der Lage, nach Laserkoagulation eine weitere Progression der Retinopathie und damit den Visusverlust zu vermindern. Neuere Untersuchungen konnten jetzt nachweisen, dass im menschlichen Auge in situ Somatostatin gebildet wird und dass der beobachtete klinische Effekt über die Bindung von Octreotid an spezifische Somatostatin-Rezeptoren auf den Neovaskularisationen direkt zu erklären wäre. Aktuell werden mehrere große internationale Prüfungen zur DR durchgeführt. Es soll der Effekt von langwirksamen Somatostatin-Analoga auf die diabetische Retinopathie untersucht werden. Zeitgleich erfolgen auch Prüfungen, die den klinischen Effekt einer pharmakologischen Inhibition des PKC-Weges untersuchen. Zusammenfassend darf man bereits in Bälde neue medikamentöse Ansätze zur Therapie der diabetischen Retinopathie erwarten. Der Stellenwert einer medikamentösen Therapie bei DR wird mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Ergänzung der bereits lange etablierten und gut validierten laserchirurgischen Maßnahmen sein.

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