Programm & Abstracts                 "Innovationen in der Augenheilkunde"

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Hornhautprotektion nach Putschkowskaya

Tost F., Hübner D., Clemens S.,
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde (Greifswald)

Trotz der wesentlichen Fortschritte in der modernen Transplantationsmedizin kann nicht immer mit der Erstversorgung eine optische Rehabilitation angestrebt werden, bspw. bei entzündlich, nekrotisierenden Hornhautprozessen mit umfangreichem Substanzverlust. In dieser Situation oder auch bei Patienten mit geringer Compliance und ungeregelter postoperativer Nachsorge kann der zuverlässige temporäre Defektverschluss hilfreich sein.
Methodik: Eine tektonische Hornhautaufnähung nach Putschkowskaja wurde im betrachteten Zeitraum von 1992 – 2002 an der Universitäts-Augenklinik in Greifswald bei 17 Patienten durchgeführt. Hierzu wurde ein korneosklerales Hornhauttransplantat in voller Dicke mit einem Durchmesser von 13 - 15 mm als „biologische Verbandslinse“ episkleral fixiert. Resultate: Die tektonische Hornhautaufnähung nach Putschkowskaja trägt durch die stabile Defektdeckung wirksam zum sofortigen Schutz des Sehorgans bei. Erst im Verlauf von Monaten kommt es allmählich zum Abbau der „biologischen Verbandslinse“. Bei einer Patientin mit neuentdeckter Rheumatoidarthritis gelang es die ursprünglich geplante Bindehautdeckung wegen der Vulnerabilität des Gewebes erfolgreich in eine Hornhautaufnähung nach Putschkowskaja umzuwandeln. Einzelne Transplantate heilen unter Vaskularisation ein. Die längste Nachbeobachtungszeit betrug über 10 Jahre. In der Regel wird das aufgenähte Transplantat im Intervall stumpf abgetragen. Unter dem Volltransplantat kommt es regelmäßig zur Abheilung, allerdings in Abhängigkeit von der Art des Grunddefektes oft mit einer Vaskularisierung und Konjunktivalisierung der betroffenen Hornhautoberfläche.
Diskussion:
Bevorzugte medizinische Indikationen sind ausgedehnte aggressive nekrotische Prozesse und Hornhautulzerationen bei rheumatischen, oft noch nicht therapierten, Grunderkrankungen. Die „biologische Verbandslinse“ bleibt über einen gewissen Zeitraum semitransparent und ermöglicht damit die teilweise biomikroskopische Kontrolle des Abheilungsprozesses. Das Verfahren gestattet den erfolgreichen Einsatz von Hornhauttransplantaten, die den Qualitätskriterien für eine optische Keratoplastik nicht genügen.
Schlussfolgerung: Die tektonische Hornhautaufnähung nach Putschkowskaja ermöglicht den zuverlässigen und stabilen Verschluss großflächiger korneoskleraler Wunddefekte. Das Verfahren bietet gerade bei Patienten mit eingeschränkter Kooperationsfähigkeit an, da der Abbau der „biologischen Verbandslinsen“ bei adäquater operativer Ausführung äußerst langsam und erst nach Abheilung des darunter liegenden Primärprozesses erfolgt.

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