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Als Sehbehinderter Fahrrad fahren?
Wilhelm H., Endres B., Eberhard-Karls-Universität Tübingen, Universitäts-Augenklinik, Abt. II, Neuroophthalmologische Ambulanz (Tübingen)
Hintergrund: Das Fahrradfahren ermöglicht es, auch ohne Führerschein unabhängig mobil zu sein. Für Sehbehinderte gibt es aber weder Vorschriften noch Richtwerte zur Fahrradtauglichkeit. Ziel unserer Studie war es, dazu Informationen zu gewinnen. Methode: An 346 selektierten Patienten aus unserer Sprechstunde für degenerative Netzhauterkrankungen wurden Fragebögen zum Fahrradfahren verschickt bzw. in der Sprechstunde ausgegeben und danach der bei uns erhobene Befund mit den Antworten der Patienten in Beziehung gesetzt. Selektionskriterien waren die Diagnose einer Retinitis pigmentosa oder Makuladegeneration, Alter von 14 bis 60 Jahren, keine zusätzliche Behinderung. Insgesamt lagen uns schließlich 232 beantwortete Fragebögen vor. Wir teilten die Patienten in 2 große Gruppen ein, solche mit reduzierten Visus und solche mit eingeengtem Gesichtsfeld. Jede dieser Gruppen wurde weiter in 5 Schweregrade unterteilt (siehe Tabelle, bei den Gesichtsfeldern wurde hier der horizontale Durchmesser ausgewertet). Ergebnisse: Die folgende Tabelle zeigt den prozentualen Anteil der Radfahrer (unterteilt nach Unfallfreien oder mit Unfällen aufgrund schlechten Sehvermögens). Visus >0,6 >0,4-0,6 >0,2-0,4 >0,1-0,2 ≤0,1 Fährt problemlos 50 40 67 33 15 Fährt mit Unfällen 25 33 22 53 35 Fährt nicht mehr 25 27 11 14 50 Gesichtsfeld >90° 60-89° 40-59° 20-39° <20° Fährt problemlos 40 41 17 18 8 Fährt mit Unfällen 40 27 42 26 25 Fährt nicht mehr 20 32 42 56 67 Schlussfolgerungen: Vergleicht man den Anteil derjenigen, die ohne Stürze und Unfälle Fahrrad fahren, so findet man eine kontinuierliche Verschlechterung proportional zur Abnahme des Sehvermögens. Für die Sehschärfe zeigt sich dieser Sprung besonders deutlich ab Gruppe 4 (Visus unter 0,2), beim Gesichtsfeld ab Gruppe 3 (unter 60°). Das Gesichtsfeld scheint für das Radfahren wichtiger zu sein.
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