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Interdisziplinäres
Symposium
Neuroophthalmologie: Unsöld, R.
Klinische Immunologie: Langer H. E.
Hämostaseologie: Zotz, R. B.
Referenten: Unsöld, Renate, Prof. Dr.
med. Neuro-Ophthalmologische Schwerpunktpraxis Blumenstr. 28, 40212
Düsseldorf
Langer, H. E., PD Dr. med. Rheumatologische
Schwerpunktpraxis Am Evangelischen Krankenhaus Fürstenwall 99, 40217
Düsseldorf
Zotz, R. B., PD Dr. med., Oberarzt Institut für
Hämostaseologie und Transfusionsmedizin Universität
Düsseldorf Moorenstr. 5, 40225 Düsseldorf
In den letzten Jahren
sind zunehmend Patienten mit Sehnervenerkrankungen zur Beobachtung
gekommen, bei denen eine initiale - vor einer genaueren Ursachenabklärung
- applizierte Steroidtherapie zu schweren, zum Teil irreversiblen
visuellen Funktionsverlusten und systemischen Komplikationen geführt hat.
Obwohl eine initiale Steroidtherapie - z. B. bei einer Papillitis,
Neuritis N. optici oder Apoplexia papillae - vielfach in der Literatur
empfohlen und in der Praxis verbreitet angewandt wird, häufen sich
Anhaltspunkte dafür, daß diese Vorgehensweise bei einer Reihe von
entzündlichen Sehnervenerkrankungen und bei einem hohen Prozentsatz von
ischämischen Optikopathien kontraindiziert ist. Initial wird erörtert, daß
die Neuritis N. optici nicht ein Krankheitsbild sui generis ist, sondern
unterschiedliche Ätiologien aufweist. So sind beispielsweise infektiöse
und parainfektiöse Sehnervenentzündungen im Rahmen von Infektionen mit
Borrelien, Clamydien, Mykoplasmen, neurotropen Viren, paraneoplastische
Entzündungen nicht zu unterscheiden. Die Unterscheidung zwischen direkten
infektionsbedingten bzw. durch die Immunantwort auf infektiöse Agenzien
bedingte Veränderungen ist klinisch nicht sicher zu treffen. Bei der
vorderen ischämischen Optikopathie handelt es sich ebenfalls nicht um ein
Krankheitsbild sui generis, sondern bei der Durchblutungsstörung im
Bereich des Zinn-Hallerschen-Gefäßkranzes um eine gemeinsame
pathogenetische Endstrecke ätiologisch und pathogenetisch sehr
unterschiedlicher zugrunde liegender Erkrankungen. In manchen Fällen ist
die Entscheidung zwischen einem primär entzündlichen Prozeß im Sinne einer
Vasculitis und einer Trombose innerhalb eines entzündeten Gefäßes im Sinne
eines ischämischen Prozesses nicht zu treffen. Ein typisches Beispiel ist
die Arteriitis temporalis, bei der eine Entzündung der Gefäßwand, als
deren Auslöser im übrigen auch verschiedene infektiöse Agenzien in der
Diskussion sind, mit Begleitthrombose zu einem Gefäßverschluß führt. Sie
ist klinisch von der nicht arteriitischen, d.h. nicht von einer
Riesenzellarteriitis ausgelösten Apoplexia papillae nicht sicher zu
unterscheiden. Die Analyse von mehreren hundert Patienten mit
nicht-arteriitischer vorderer ischämischen Optikopathie hat eine Vielzahl
unterschiedlicher Ätiologien erbracht. Häufig handelt es sich um komplexe
ätiopathogeneische Mechanismen. So spielen in einer großen Zahl von
prospektiv untersuchten Patienten etwa kardiogene Embolien mit einem
Prozentsatz von 15 - 20% eine wichtige Rolle. Ebenfalls zahlenmäßig
bedeutsam ist die Anzahl von Patienten mit angeborenen und erworbenen
Gerinnungsstörungen, die zwischen 5 -15% liegt. Häufig finden sich
Kombinationen aus Herzerkrankungen und Gerinnungsstörungen. In diesen
Fällen ist in der Regel die Gabe von Steroiden nicht indiziert. Auch bei
einer Reihe von Primärinfektionen, die mit Gerinnungsstörungen
einhergehen, kann die Gabe von Steroiden ohne die gezielte Behandlung des
Erregers und eine Verbesserung der Rheologie und der vermehrten
Aggregationsneigung der weiteren Thrombosierung von Gefäßen Vorschub
leisten. Es wird im einzelnen erörtert, warum in der Regel die
ophthalmologische Symptomatik allein zur Unterscheidung der Fälle, in
denen Steroide indiziert bzw. kontraindiziert sind, nicht ausreicht. Es
wird an konkreten Beispielen die ophthalmologische und internistische
Klinik entzündlicher und ischämischer Sehnervenbeteiligungen bei denen
Erkrankungen beschrieben, bei denen eine initiale Steroidgabe zu einer
Zunahme der Morbidität führt. Es werden ebenfalls Fälle gezeigt, in denen
nach initialer Klärung der wichtigsten Differentialdiagnosen eine
Steroidgabe sinnvoll und hilfreich ist. Die wichtigsten infektiologischen,
immunologischen und gerinnungspathologischen Parameter, die die Indikation
für oder gegen eine Steroidgabe auf eine klinisch verlässliche Basis
stellen, werden im einzelnen dargelegt und
diskutiert. |