Programm & Abstracts                 "Innovationen in der Augenheilkunde"

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Ansprache der Präsidentin der DOG
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Frau Prof. Dr. Gabriele Lang
Gehalten während der Eröffnungsveranstaltung der Jubiläumstagung



Hohe Festversammlung!

Die Jubiläumstagung gibt uns Anlass auf die Vergangenheit der Gesellschaft zurückzublicken, aber auch eine Standortbestimmung der Gegenwart vorzunehmen und in die Zukunft zu schauen.

Historie

In ihrer 145-jährigen Geschichte blickt die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft, als älteste ärztliche Fachgesellschaft der Welt, auf eine lange Tradition zurück.
Zu den Gründern gehören die weltbekannten Ophthalmologen Albrecht von Graefe und Frans Cornelius Donders. Zusammen mit Hermann Ludwig Ferdinand von Helmholtz waren sie die Wegbereiter der modernen Ophthalmologie und die Begründer der Augenheilkunde als selbständiges Fach in Deutschland Mitte des 19. Jahrhunderts.

Albrecht von Graefe wurde nur 42 Jahre alt, aber er erlangte als Augenarzt Weltruhm. 1866 wurde von Graefe zum ersten ordentlichen Professor für Augenheilkunde in Deutschland ernannt. Er führte den von Helmholtz erfundenen Augenspiegel in die medizinische Praxis ein, stellte das erste brauchbare Tonometer vor, entwickelte die Iridektomie zur operativen Behandlung des Glaukoms und verbesserte die Technik der Kataraktextraktion. Er klärte den Zusammenhang zwischen Stauungspapille und Hirntumoren und eine Vielzahl von Augenbefunden, Untersuchungs- und Behandlungsmethoden sind nach ihm benannt.
Donders schlug die Abbildung eines Gitters auf der Makula vor, wurde damit zum Initiator des Refraktometers und verhalf der objektiven Refraktometrie zum Durchbruch. Er legte besonderen Wert auf den internationalen Charakter der Gesellschaft.
Von Helmholtz erfand 1850 den ersten Augenspiegel und eröffnete mit dem Blick auf den Fundus völlig neue diagnostische Möglichkeiten. Er erforschte die Leitungs-geschwindigkeit von Nerven und das Farbensehen.

Die Gründungsväter der DOG haben weitblickend erkannt, dass es entscheidend ist, sich zu organisieren und die Ophthalmologie gemeinsam in die Zukunft zu tragen.
Derzeit zählt die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft 4200 Mitglieder. Unsere Aufgabe ist es, einer langen Tradition folgend, auch heute noch, Wegbereiter der Fortschritte der Augenheilkunde in Deutschland zu sein. Als wissenschaftliche Gesellschaft der deutschen Augenärzte sind die Ziele insbesondere die Förderung der Qualität der Forschung, der Lehre und der ophthalmologischen Versorgung.

Aufbruch

Sie haben sicher bemerkt, dass sich die DOG in den letzten Jahren spürbar nach innen und nach außen erneuert hat. Die Außendarstellung wird auch sichtbar an dem neuen Corporate Design.

Die Zukunftsorientierung der DOG ist an mehreren Entwicklungen der letzten Jahre erkennbar. Eines der deutlichsten Zeichen der Erneuerung der Gesellschaft ist meines Erachtens, dass nach 145-jährigem Bestehen nun erstmals eine Frau die Präsidentin der Gesellschaft ist und das im Jubiläumsjahr der 100. Tagung. An dieser Stelle möchte ich Ihnen allen nochmals herzlich für das mir entgegengebrachte Vertrauen und die uneingeschränkte Unterstützung während dieses Jahres danken.

Spannungsfeld zwischen Gesundheitspolitik, Ökonomie und Evidenz

Wie sieht die Gegenwart und die Zukunft der DOG und der Augenheilkunde in Deutschland aus? Wir befinden uns in einem Spannungsfeld zwischen gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen, ökonomischen Zwängen, medizinischer Evidenz und steigender Erwartungshaltung der Patienten. In der heutigen Zeit kann sich daher meines Erachtens auch eine Gesellschaft wie die DOG nicht mehr alleine auf wissenschaftliche Aktivitäten beschränken.

Besorgniserregend sind derzeit im wesentlichen zwei Entwicklungen – erstens die uns vorgegebenen gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen und zweitens der Ärzteschwund und das Nachwuchsproblem im Fach Augenheilkunde.
Kommen wir zunächst zu den gesundheitspolitischen Aspekten.

Das Gesundheitswesen stellt in Deutschland einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar. Derzeit sind 12% der Erwerbstätigen, also über 4 Millionen Menschen, im Gesundheitswesen beschäftigt. In den Kassen der gesetzlichen Krankenversicherungen fehlen, wie Sie wissen, augenblicklich über 2,4 Milliarden Euro. Das bedeutet, dass politische Rahmenbedingungen auf eine Kosteneinsparung abzielen mit Instrumenten wie der Einführung eines Fallpauschalengesetzes für die stationäre Krankenversorgung oder von Disease Management Programmen für chronisch Kranke. Die Verkündigung pauschalierter Honorierung nach den australischen Diagnosis Related Groups stellt ein wesentliches Problem speziell für das Fach Augenheilkunde dar. Besonders ungünstig wirkt sich die geplante Umsetzung der diagnosebezogenen pauschalierten Honorierung für operative Leistungen im Bereich der stationären Krankenversorgung von Universitätsaugenkliniken und anderen Augenkliniken der Maximalversorgung aus. Die Komplexität und die Schwierigkeitsgrade von stationär durchgeführten Operationen können mit den existierenden Codes nicht angemessen abgebildet werden. Die zur Verfügung stehenden Instrumente erlauben keine differenzierte Beurteilung erbrachter Leistung und damit auch keine Kalkulation adäquater Honorierung. Die gesundheitspolitischen Entwicklungen leiten einen Verdrängungsprozess unter den Kliniken ein. Bei einer eins zu eins Umsetzung droht ein Sterben von Augenkliniken. Es wird in Zukunft zunehmend um das wirtschaftliche und politische Überleben von Abteilungen und Kliniken gehen. Um diese aktuellen Probleme vorzutragen, war der Vorstand der DOG vor drei Monaten zu Gesprächen im Bundeskanzleramt und Bundesgesundheitsministerium.

Die Organe der Selbstverwaltung haben die Sachlage nicht ausreichend mit den medizinischen Dachgesellschaften und Berufsverbänden erörtert und die Verhandlungen sind wegen unüberbrückbarer Interessensunterschiede am 24.06.2002 gescheitert. Der Vorstand der DOG ist nicht grundsätzlich gegen die Einführung pauschalierter Honorierung. Unabdingbare Voraussetzungen dafür sind aber eine Überarbeitung und Anpassung der australischen DRG-Gruppen an deutsche Verhältnisse und an die moderne Augenheilkunde, von einem 100% Ansatz pro DRG-Fallgruppe abzusehen, zusätzlich Sonderentgelte und Ergänzungsfinanzierungen einzuführen und die Verkündigung des Fallpauschalengesetzes bis zur Anpassung auszusetzen.

Wen wundert es, dass angesichts der aktuellen Entwicklungen die Ärzte den Spaß an der Arbeit verlieren. Es werden zunehmend Anforderungen in fachfremden Bereichen an sie gestellt. Unser primär ethisch orientiertes Berufsbild unterliegt den Rahmenbedingungen einer Gesundheitspolitik im steten Wandel. Ökonomische Zwänge drängen uns in betriebswirtschaftliche Verantwortung. Die Implementierung neuer, gesetzlich verankerter Abrechnungs- und Finanzierungssysteme erfordert, vorhandene Mittel effektiver einzusetzen und die Ablaufprozesse zu optimieren. Wir werden plötzlich gezwungen zu prozessorientierter Denkweise und müssen uns viel mehr als früher nach markt- und betriebswirtschaftlichen Erfordernissen richten. Wir werden konfrontiert mit für uns ungewohnten Forderungen wie Analyse der Wertschöpfungskette, Geschäftsprozessoptimierung, Prozessorientierung oder kontinuierliche Reorganisation. Diese Herausforderungen zwingen uns zur Einführung von Admittationsmethoden. Viele Ansprüche kommen dabei gleichzeitig auf uns zu.

Der steigende ökonomische Druck gepaart mit technischen Entwicklungen in Diagnostik und Therapie führt zu einer Beschleunigung der Zeitabläufe mit kürzeren Liegezeiten und zum Verlust von Menschlichkeit in der Patientenbetreuung.

Eine rezente Entwicklung, die zu einer erheblichen Bürokratisierung geführt hat, ist die Pflicht zur Qualitätssicherung. Kooperation, Transparenz und Qualität in der medizinischen Versorgung sind Erfordernisse der Zukunft. Qualitätssicherung medizinischer Leistungen ist eine sinnvolle und nach dem SGB V auch notwendige Maßnahme. Die Problematik der Implementierung der Qualitätssicherungspflicht in der stationären Krankenversorgung ist, dass die Einführung personal- und kostenneutral umgesetzt werden muss. Das heißt in der Praxis, dass die zusätzliche bürokratische Arbeit in Kliniken überwiegend auf Ärzte abgewälzt wird. Nach Beurteilung des Zentrums für Krankenhausmanagement beanspruchen die zu erledigenden Verwaltungsaufgaben für einen Krankenhausarzt jetzt bereits 40% der Arbeitszeit. Es werden ärztliche Fähigkeiten und Arbeitszeit, die für Forschung, Lehre und Krankenversorgung benötigt würden, durch Administrations- und Dokumentationsaufgaben verbraucht. Von jungen Kollegen kommen verständliche Kommentare wie: „Dafür habe ich nicht Medizin studiert“. Diese Bindung der ärztlichen Arbeitskraft durch Bürokratisierung führt zu einem Engpass an Ärzten. Die Situation wird noch verschärft durch das neue Arbeitszeitgesetz, dessen Umsetzung einen höheren Personalbedarf erfordert.

Die notwendige Forderung ist, dass gesetzliche Vorgaben, die zu einer gewaltigen Bürokratieexplosion und Mehrbelastung der Ärzte führen, nicht personalneutral umgesetzt werden dürfen. Dringend erforderlich ist eine Arbeitsprozessoptimierung mit effektiver Entlastung der Ärzte von administrativen Aufgaben durch Verwaltungsreferenten, Dokumentare, Sekretärinnen, Arzthelferinnen usw.

Nachwuchsproblem

Kommen wir nun zum Thema Ärzteschwund und Nachwuchsproblem im Fach Augenheilkunde. Noch vor drei Jahren bestand eine Ärzteschwemme und Kollegen hatten Niederlassungsprobleme. Auf frei werdende Ausbildungsstellen bewarben sich genügend Interessenten. Nun gehen überraschend schnell, so wie in europäischen Nachbarländern, auch dem deutschen Gesundheitswesen die Ärzte aus.

Uns fehlen heute in deutschen Kliniken bereits mehr als 15.000 Ärzte. 10% der Ausbildungsstellen in Deutschland im Fach Augenheilkunde sind nicht zu besetzen.
Als ein weiterer Faktor muss berücksichtigt werden, dass die Ärzteschaft mit einem Durchschnittsalter der Augenärzte von 49 Jahren in Deutschland überaltert ist. Bereits 2004 schließen weniger junge Kollegen ihre Ausbildung mit der Facharztprüfung für Augenheilkunde ab, als ältere Kollegen in Rente gehen.

Dies führt dazu, dass bereits in zwei Jahren nicht nur wirtschaftlich ungünstigere Regionen Nachwuchsprobleme haben, sondern generell die zeitgerechte und kompetente ophthalmologische Versorgung in Deutschland nicht mehr gewährleistet werden kann. Zusätzlich werben Nachbarländer wie England, Schweden oder Frankreich deutsche Ärzte im Mittel- und Unterbau ab. Darüber hinaus sind Länder wie z. B. die Schweiz für junge Kolleginnen und Kollegen attraktiv geworden aufgrund der besseren Bezahlung und der seit 01.06.2002 in Kraft getretenen Vereinbarungen zur Erleichterung der Migration.

Woher kommen diese für manchen unerwarteten Nachwuchsprobleme in Deutschland?
Eine wesentliche Ursache des Nachwuchsproblems resultiert daraus, dass von den Medizinstudenten 20% während des Studiums abspringen und 20% nach dem Examen nicht mehr in die Krankenversorgung gehen. Sie kehren der kurativen Medizin den Rücken, da alternative Berufsfelder in Bereichen wie Unternehmen, Pharmaindustrie, Versicherungen, Medizinischer Dienst oder Qualitätsmanagement lukrativer sind. Von rund 12.000 Absolventen des Medizinstudiums kommen nur noch etwa 7.000 auf dem krankenversorgenden Arbeitsmarkt an. Das entspricht einem Verlust von 40%. Noch vor 10 Jahren lag die Verlustquote bei 3% und vor 5 Jahren wurde das Problem der Arbeitslosigkeit von Ärzten diskutiert.

Weshalb ist das Studium und der Beruf des krankenversorgenden Arztes, eines einst freien Berufsstandes, so unattraktiv geworden?
Die Studienbedingungen in Deutschland werden von Studenten als unbefriedigend angesehen. Sie kritisieren veraltete Unterrichtsmethoden und zu wenig Praxisbezug. Wir alle tragen Verantwortung für den Nachwuchs und müssen Anreize setzen, um wieder mehr junge Ärztinnen und Ärzte für eine Tätigkeit im kurativen und wissenschaftlich-akademischen Bereich der Augenheilkunde zu gewinnen. Studienanfänger im Fach Humanmedizin gibt es noch immer genügend. Das bedeutet, dass wir uns überlegen müssen, wie das Medizinstudium attraktiver gestaltet werden, wie problem- und handlungsorientiertes Lernen vermittelt und mehr praktischer Unterricht angeboten werden kann.

Wo liegen die Probleme nach Abschluss des Studiums?
Junge Ärzte betrachten die Zukunftsperspektiven in Kliniken und Praxen aus folgenden Gründen als zunehmend unattraktiv.
Unzureichende Personalausstattung und Arbeitsverdichtung führen zu Überforderungen der Ärzte, da immer mehr Arbeit in weniger Zeit geleistet werden muss. Die Ärzte gehören noch immer zu einer ausgebeuteten Berufsgruppe. Nicht alle Überstunden werden trotz des Urteils des Europäischen Gerichtshofs vom 3.10.2000 bezahlt. Es wird an Krankenhäusern sogar versucht durch Herabgruppierung der Dienststufe Gelder für geleistete Überstunden einzusparen. Ein Arzt im Praktikum leistet vom Arbeitspensum genau so viel wie ein Assistenzarzt, bekommt jedoch viel weniger Gehalt. Die Änderung der Approbationsordnung, die 2003 in Kraft tritt, führt viel zu spät, nämlich erst im Jahr 2009, zu einer Abschaffung des „Arzt im Praktikum“.

Die Bürokratie wird auf dem Rücken der Ärzte ständig aufgebläht, statt den Arztberuf auf Kernkompetenzen zu konzentrieren.
Gravierend sind vor allem aber auch fehlende Perspektiven für junge Kolleginnen und Kollegen. Reglementierung und Budgetierung führen zu zunehmenden Frustrationen unter den Kollegen, ebenso wie unterschiedliche Honorare in Ost und West. Jede dritte Arztpraxis in Deutschland lohnt sich wirtschaftlich nicht mehr.

Wir erleben seit 20 Jahren eine Entwertung ärztlicher Arbeitsleistung. Betrachtet man die Zeit und Kosten der Ausbildung und die Verantwortung der Mediziner, so steht die Leistungshonorierung nicht in Relation zur erbrachten Arbeit, wenn z.B. ein Arzt für eine notfallmedizinische Versorgung eines Patienten weniger bekommt als ein Schlüsseldienst, der eine verschlossene Türe öffnet. Diese Tatsache hat, wie sie alle wissen, zu Streiks der Mediziner in Frankreich geführt.

Um den Arztberuf in Deutschland wieder attraktiv zu machen sind die Grundvoraussetzungen mehr Arbeitsqualität, adäquate Arbeitszeiten und bessere Vergütung.

Ein letztes Problem, das ich gerne als Hochschullehrerin noch ansprechen möchte und das aufgrund der Hochschulpolitik nicht verwundert, ist der Schwund von Nachwuchswissenschaftlern in den Kliniken. Die nicht unerheblichen Leistungen, die wir an Universitätskliniken in Bezug auf Fort- und Weiterbildung erbringen, bleiben bisher völlig unberücksichtigt. Durch suboptimale Förderung unseres begabten wissenschaftlichen Nachwuchses und die sich verschlechternden Perspektiven wird auch die wissenschaftliche Karriere für junge Kollegen immer unattraktiver. Der akademische Nachwuchs sieht sich durch Entwicklungen wie die Einführung von Juniorprofessuren um berufliche Chancen gebracht. Aufgrund der begrenzt zur Verfügung stehenden Stellen würde in Zukunft einer breiten wissenschaftlichen Basis der Boden entzogen werden.
Betrachtet man Verantwortung und Leistungspensum so schrecken Festgehalt, zeitlich begrenzte Verträge und drohender Wegfall der finanziellen Beteiligung des akademischen Mittelbaus in Form von Poolgeld junge Leute ab den Weg einer akademischen Karriere einzuschlagen. Die Abwanderung kompetenter Wissenschaftler von Universitäten hat bereits begonnen.

Forderungen von Hochschulmitarbeitern sind breite Förderung und Motivation unseres wissenschaftlichen Nachwuchses durch Erhaltung der Habilitation neben der Juniorprofessur, Schaffung von beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten und Dauerstellen und Beibehaltung finanzieller Leistungsanreize.

Solidarisierung

Wir alle sind Zwängen der Politik, Gesetzgebung und Zuständigkeiten der Selbstverwaltungsorgane unterworfen. Notgedrungen müssen wir uns auf die sich ständig ändernden Rahmenbedingungen flexibel einstellen. Um Lösungsansätze für die derzeitigen Probleme zu finden, brauchen wir Augenärzte auch mehr Verantwortungsbewusstsein und mehr Zusammenhalt. Leider gibt es immer wieder Alleingänge ophthalmologischer Gruppierungen und Verbände die darauf abzielen, einzelnen Gruppen Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Dies mag verständlich sein, ist aber in vieler Hinsicht kontraproduktiv und kurzsichtig.

Sehbehindert im übertragenen Sinn ist auch derjenige, der bestimmte Entwicklungen der Zeit und die Notwendigkeit der Solidarisierung von ophthalmologischen Berufsgruppen nicht sehen will. Wir müssen weg von der Haifischkultur und statt dessen eine Gruppenkultur entwickeln. Solidarisierung unter den Augenärzten ist nötig, um für alle eine win-win Situation anzustreben. Dabei ist es meines Erachtens wichtig, dass wir uns gemeinsam diesen Problemen stellen und unsere Interessen vertreten. Wir müssen vor allem auch die Öffentlichkeit auf dringende Probleme unseres Fachgebietes aufmerksam machen und versuchen, Gehör bei Politikern, Krankenhausvertretern und Kassenvertretern zu erhalten.
Um die Zukunft des Faches Ophthalmologie an Universitäten, in Kliniken und in Praxen zu sichern, brauchen wir Erneuerung und müssen selbst dazu beitragen.

Warum ist das Auge rund? Es ist rund, damit unsere Gedanken, die um das Auge kreisen, ihre Richtung ändern können. Wir sollten uns bemühen, dass der Arztberuf, der bei Meinungsumfragen der Bevölkerung in Deutschland noch immer als der angesehenste Berufsstand gilt, für die Ärzte wieder an Attraktivität gewinnt.

Traditionsbewusst und zukunftsorientiert brauchen wir Visionen, so wie unsere Vorväter, die das Fach Augenheilkunde begründet haben, und wir brauchen Leute, die bereit sind, diese Visionen zu verwirklichen. Denn wie bereits Ralph Waldo Emerson festgestellt hat, macht die Welt dem Platz, der weiß wohin er geht. Und so bin ich überzeugt, dass wir gemeinsam die aktuellen Probleme unseres Faches bewältigt können und bewältigen werden.

Internationale Orientierung

In der Zeit der zunehmenden Globalisierung ist es ein besonderes Anliegen des Präsidiums der DOG, die deutsche Augenheilkunde in Europa und weltweit angemessen zu repräsentieren. In naher Zukunft gilt es nicht nur in wissenschaftlicher, sondern auch in berufspolitischer Hinsicht Deutschland in einem europäischen Gremium gut zu platzieren. Dies kann nur in Gemeinschaft mit anderen deutschen Gesellschaften erfolgen. Wir können uns sachlich und fachlich auseinandersetzen, aber wir müssen unsere Aktionen harmonisieren, unsere Kompetenz bündeln und die Augenärzte in Europa zusammenführen.

Lassen sie mich abschließen mit einem frohen Blick auf die Ereignisse, die in den kommenden acht Jahren die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft erwarten. Wir begehen gerade ein Jubiläum, die 100. Tagung der DOG. 2007 feiert die Gesellschaft ihren 150. Geburtstag.

Zweimal wird die DOG in den nächsten 8 Jahren Gastgeber für internationale Kongresse sein. 2005 wird in Berlin der Europäische Kongress der Augenärzte stattfinden. 2010 sind wir im Auftrag des International Council of Ophthalmology mit der Ausrichtung des XXXI. International Congress of Ophthalmology betraut. Wir werden nicht nur unsere wissenschaftlichen Leistungen unter Beweis stellen sondern auch zeigen, dass wir weltoffen und gastfreundlich sind. Mit keinem anderen Ereignis wird die deutsche Ophthamlologie soviel Beachtung in der Welt finden.

Auch aus historischer Sicht haben wir mit dem International Council of Ophthahlmology von der ersten Stunde an Gemeinsamkeiten. 1857 wurde nicht nur die DOG gegründet, sondern es fand auch der erste Weltkongress der Augenärzte statt. Von Graefe und Donders trafen sich vom 3.-5.9.1857 mit 10 anderen Ophthalmologen in Heidelberg um ihr Wissen auszutauschen, aber auch um Beiträge für den ersten International Congress of Ophthalmology vorzubereiten. Danach reisten unsere Gründungsväter zum ersten Weltkongress, der am 13.09.1857 in Brüssel begann. Bereits 1888 war die DOG erstmals in Heidelberg Gastgeber für den VII. Weltkongress unter dem Vorsitz von Frans Donders. Den XX. Weltkongress richtete die DOG unter der Präsidentschaft von H.K. Müller 1966 in München aus.

Doch nun zurück zur Gegenwart. Die Jubiläumstagung stellt traditionsgemäß ein wissenschaftliches Forum für alle Augenärzte dar. Sie dient aber nicht nur dem wissenschaftlichen Gedankenaustausch sondern auch der Fortbildung. Es werden Innovationen und Fortschritte in der Augenheilkunde dargestellt und in Bezug zu Bewährtem gesetzt.

Zur 100. Tagung hat die Programmkommission ein herausragendes, aktuelles wissenschaftliches Programm und ein breit gefächertes Fortbildungsangebot mit namhaften nationalen und internationalen Referenten aus 33 Ländern zusammengestellt. 844 Autoren berichten über innovative Entwicklungen und aktuelle Themen. Zur Jubiläumstagung treffen sich ophthalmologische Generalisten und Spezialisten, ein ideales Umfeld zum regen beruflichen Gedankenaustausch und zu stimulierenden Gesprächen mit dem Anspruch auf hohe Qualität, Seriosität und Aktualität.

Wir wollen aber auch kollegiale und freundschaftliche Kontakte pflegen nach dem Vorbild der drei Freunde von Graefe, Donders und von Helmholtz.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen noch einen interessanten Verlauf des Kongresses.

Es gilt das gesprochene Wort.