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In etwa der Hälfte der Fälle finden sich bei Patienten mit
der Ersterkrankung einer Optikusneuritis im Kernspintomogramm Entmarkungsherde,
wie sie typisch für die Multiple Sklerose (MS) sind. Zu diesem Zeitpunkt ist
der Patient von seiner Sehstörung abgesehen in aller Regel beschwerdefrei. Er
ist aber bedroht von einer Erkrankung, deren Verlauf sich kaum vorhersagen lässt.
Seit der 2000 publizierten CHAMPS-Studie ist klar, dass sich durch die frühe
Interferon-Therapie von Patienten mit Optikusneuritis das Auftreten weiterer
klinischer und kernspintomographischer Krankheitszeichen der MS zumindest
deutlich hinauszögern lässt. Diese Behandlung ist aufwändig und mit
Nebenwirkungen verbunden. Es wurden dazu Richtlinien veröffentlicht, die
allerdings in der Diskussion stehen. Weitgehende Einigkeit herrscht über den Einsatz der
Hochdosis-Steroidtherapie bei der Optikusneuritis mit Veränderungen im
Kernspintomogramm. Die Dosis und Applikationsmodalitäten unterscheiden sich von
Klinik zu Klinik allerdings deutlich.
Die Sicht auf die schubförmig verlaufende MS, die ja sehr häufig
mit einer Optikusneuritis beginnt, hat sich verändert. Durch
Kernspintomographie-Studien weiß man, dass die Schäden auch ohne klinisch
fassbare Schübe fortschreiten, so dass ein therapeutischer Nihilismus, wie er
noch vor 10 Jahren vertretbar war, heute nicht mehr am Platz ist. Die Frage ist
aber: Wer sollte ab welchem Krankheitsstadium mit welchem Medikament und wie
lange behandelt werden? Nicht alle Information, die wir zur Beantwortung dieser
Frage im Einzelfall brauchen, sind heute verfügbar. Die Grundlagenforschung
muss und wird uns neue Erkenntnisse vermitteln, es werden neue Therapieformen
diskutiert werden, was heute noch richtig wahr kann sich rasch als überholt
erweisen.
Dieses Symposion mit Klinikern und
Grundlagenwissenschaftlern soll klar stellen, welche therapeutischen Optionen es
für einen Patienten mit Optikusneuritis heute gibt. In aller Regel wird sich
ein solcher Patient in die Hand eines Augenarztes begeben, der die richtige
Diagnose stellen, beraten und die Weiterbehandlung in die Wege leiten muss. Die
Therapieentscheidung muss in jedem Einzelfall sorgfältig abgewogen werden. Eine
enge Zusammenarbeit zwischen Hausarzt, Neurologen und Augenarzt ist unerlässlich,
denn die Betreuung eines Patienten mit Optikusneuritis ist eine Aufgabe, die nur
interdisziplinär wirklich gut gelingen kann. Das Anliegen des Symposions ist,
dafür die Voraussetzungen zu schaffen.
In
approximately 50% of all patients with the first manifestation of an optic
neuritis, MRI scans show demyelinating lesions characteristic of multiple
sclerosis (MS). Usually, apart from the visual loss patients are free from any
complaints. But they are at risk for a disease with a virtually unpredictable
course.
In 2000
the CHAMPS study showed that by early interferon treatment of patients with
optic neuritis the occurrence of further manifestations of multiple sclerosis
could be delayed considerably, at least. This treatment is expensive and has
side effects. Guidelines have been published; however, they are being discussed
permanently.
There is
consent about the use of high dose methylprednisolone in patients with optic
neuritis showing MR lesions. However, dosage and application modalities differ
markedly between hospitals.
Our view
of the relapsing remitting MS starting frequently with optic neuritis has
changed. MRI studies revealed that damage of brain tissue continues even in
absence of clinically manifest symptoms. Therefore, therapeutic nihilism, being
justifiable 10 years ago, is no longer tenable. The question is: Who has to be
treated at which stage of the disease with which drug and how long? Not all
information necessary to answer these questions is currently available in each
single case. Basic science must and will reveal new knowledge, new therapy
modalities will be discussed, and what is adequate today may be out-dated
tomorrow.
This
symposium with clinicians and basic scientists shall clarify the therapeutic
options available for a patient with
optic neuritis today. As a rule, such patients will attend an ophthalmologist
primarily, who has to establish the diagnosis and to initiate adequate further
treatment. The therapeutic decision has to be considered carefully in each
single patient. A close cooperation between family doctor, neurologist and
ophthalmologist is imperative, because the care of a patient with optic neuritis
is a task that can be mastered only interdisciplinarily. To establish the
prerequisites for such an interdisciplinary solution is the purpose of this
symposium.
References
Chan, A., Rieckmann, P., Gold, R.: Die Immunmodulatorische
Frühtherapie der Multiplen Sklerose. Nervenheilkunde 20:237-243 (2001)
Intramuscular
interferon beta-1a therapy initiated during a first demyelinating event in
multiple sclerosis. CHAMPS Study Group. N Engl J Med. 2000 Sep
28;343(13):898-904.
CHAMPS
Study Group. Interferon beta-1a for optic neuritis patients at high risk for
multiple sclerosis.Am J Ophthalmol 2001 Oct;132(4):463-471
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