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Geschichte Zur Geschichte der DOG Die Erneuerung der Heilkunde im vorigen Jahrhundert, ihre naturwissenschaftliche Orientierung ging aus von Männern, welche, zum Teil noch von der Naturphilosophie herkommend, unbefriedigt von der bisherigen Auffassung und Methode ihrer Wissenschaft waren und mit Feuereifer den neuen Weg beschritten, der sie in ein Neuland hineinzuführen versprach. An der Spitze dieser glänzenden Reihe stand Johannes Müller (1801-1858), der gleichbedeutend als genialer Forscher, wie als begeisternder Lehrer einen großen Schülerkreis um sich sammelte. Auch die Ophthalmologie nahm an der neubelebten und frisch durchpulsten Entwicklung teil. Ophthalmologisch-physiologische Untersuchungen hatte bereits Johannes Müller angestellt und dabei unter anderem das Gesetz der spezifischen Sinnesenergie statuiert; Brücke, der zum Vier-Freundes-Kreise Helmholtzens gehörte, hatte 1847 seine aufsehenerregende anatomische Beschreibung des menschlichen Auges veröffentlicht und sich mit optischen Studien befaßt; dabei war er nicht weit von der Lösung des Augenspiegelproblems entfernt gewesen, wie auch Johannes Evangelista Purkinje, der schon in den dreißiger Jahren des Jahrhunderts den Bedingungen des Pupillenaufleuchtens und des Augenspiegels nachgegangen war, und das Innere eines Augenmodells erhellt gesehen hatte. Damals beschäftigten ihn zahlreiche physiologische Fragen des Sehorgans, so die Spiegelbilder der Linse, die Aderfigur und andere subjektive Sehphänomene, die durch Druck, Licht und Schatten hervorgerufen werden. Ernst Wilhelm Weber, der älteste der drei in der Wissenschaft bekannten Brüder, die, wie wenig später auch der bedeutende Karl Ludwig, Anhänger der physikalisch-induktiven Forschungsmethode waren, hatte auch schon früher Wertvolles zur physiologischen Optik beigetragen. Der bedeutendste unter allen Forschern der neuen Richtung war aber der ebenfalls aus dem Müller-Kreise hervorgehende Hermann Ludwig Ferdinand von Helmholtz (1821 bis 1894). Er gab der Ophthalmologie mit der Erfindung des Augenspiegels dasjenige Instrument, mit dem das sich soeben als selbständige Wissenschaft von der Chirurgie lösende Fach in einer jähen Aufwärtsbewegung ungeahnte Erfolge erzielte, in deren intuitiven Vorausschau Albrecht von Graefe beim erstmaligen Erblicken des erleuchteten Augenhintergrundes seherisch ausrief: "Helmholtz hat uns eine neue Welt erschlossen. Was wird da zu entdecken sein!". Helmholtzens zweites Geschenk an die Ophthalmologie war das Standardwerk "Physiologische Optik", mit dem er die physikalische Lehre vom Auge von Grund auf reformierte und erweiterte. Auf dem gleichen Gebiet arbeitete auch Franz Cornelius Donders (1818-1889) in den Niederlanden, der mit seinen Beiträgen über die Augenbewegungen, über die Verwendung von zylindrischen und prismatischen Gläsern bei Fehlsichtigkeit, über die Akkommodation und die Unterscheidung der Presbyopie von der Hyperopie das physikalische Gebiet des Sehorgans ebenfalls bahnbrechend bearbeitet hatte. Als Dritter erscheint zur selben Zeit jener begnadete Kliniker der Ophthalmologie, der kraft seines Genius und dank seines hohen Arzttumes die Augenheilkunde zu einer Höhe führte, die ihn zum Wohltäter der gesamten Menschheit werden ließ: Albrecht von Graefe (1828 bis 1870).
Wie menschlich beglückend und wissenschaftlich folgenreich diese edle Männerfreundschaft auch von Graefes Seite empfunden wurde, erfährt man durch seine Briefe an den Freund. In ihnen glänzen Worte, die das unermüdliche geistige Streben beider Naturen als eine innere Notwendigkeit aufleuchten lassen: "Dein großes Wort, Wissen ist uns Nutzen, Lernen aber ist Wonne", schreibt der jüngere an den älteren, "fällt mir mit Zentnerlast auf die Seele. Wie fühle ich es mit Dir...". Die Geistesverwandschaft zwischen Graefe und Donders erklärt sich weiterhin aus einer Veranlagung, die beiden gemeinsam war: beide waren Forschertypen romantischen Gepräges. Hingegen war Helmholtz eine ausgesprochen klassische Natur und aus dieser geistig-seelischen Differenz mag es sich herleiten, daß Graefe zu ihm eine andere, distanziertere, kühlere Haltung einnahm als zu Donders, obwohl er Helmholtz dem Alter nach näher stand als seinem Freunde Donders. Die Bedeutung des Dreigestirns Helmholtz-Donders-Graefe für die Augenheilkunde dokumentierte sich symbolisch in jenem historisch denkwürdigen Akt, bei dem Helmholtz aus der Hand Donders die Graefe-Medaille als erster Träger empfing; es war ein Augenblick äußeren und inneren Glanzes, als durch diese Handlung die neue Augenheilkunde allen sichtbar gleichsam gekrönt wurde. Daß neben diesen Sternen erster Größe am Himmel der Ophthalmologie auch Sterne zweiter und dritter und noch höherer Ordnung mit bedeutenden und beachtenswerten Leistungen und Verdiensten leuchtete, ist natürlich. Die damalige Zeit war für strebende Talente und wissenshungrige Köpfe günstig und ist aus diesem Grunde reich an größeren und kleineren Namen. Er selbst (Graefe) verspürte bei seinen ständig wachsenden Erfahrungen und Erkenntnissen und den stets neu auftauchenden Problemen das dringende Verlangen, sich mit Gleichgesinnten und Gleichstrebenden auszusprechen, mit ihnen Beobachtungen und Gedanken über Erfolge, Aufgaben und Ziele in gegenseitigem Geben und Nehmen auszutauschen, um auf diesem Wege der Wissenschaft und der leidenden Menschheit so viel schenken zu können, wie er es vermochte. So tauchte in ihm der Gedanke auf, mit seinen Freunden, welche mit ihm durch denselben Beruf und dasselbe Bestreben verbunden waren, zusammenzukommen, um sich in zwangloser Form und in freundschaftlichem Geiste über alles auszusprechen, was sie beruflich, aber auch menschlich bewegen mochte. Die Zusammenkunft sollte der Wissenschaft, der Freundschaft und der Erholung dienen. Was aus der Verwirklichung dieser Gedanken, Wünsche und Absichten hervorging, war die "Ophthalmologische Gesellschaft" in Heidelberg, die heutige "Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft". Wohl die älteste Nachricht stammt aus der Mitte des Jahres 1856. Im Juni dieses Jahres schrieb Graefe an seinen Freund Adolf Weber, der im Herbst 1854 sein Schüler geworden war: "ich habe daran gedacht, ob es nicht zu verwirklichen wäre, daß gewisse eifrige Jünger der Ophthalmologie sich alljährlich an einem schönen Punkte, z. B. Heidelberg, träfen und einige Zeit des Beisammenseins, z.T. in wissenschaftlichen Bestrebungen und Mitteilungen, z.T. in harmloser Muße verbrächten". Wohl infolge der Ansetzung des ersten internationalen ophthalmologischen Kongresses in Brüssel auf das Jahr 1857 nahm dieser Plan in demselben Jahre konkrete Gestalt an, denn "wir beschlossen", so schreibt Horner in seiner Autobiographie, "auf v. Graefes Anregung, uns vor der Brüsseler Zusammenkunft irgendwo zu treffen und gemeinsam den Rhein hinunterzureisen" zum Besuche des Kongresses. Und Graefe selbst schreibt Ende August 1857 an Donders, er reise morgen von Berlin nach Würzburg, "dann einen oder zwei Tage in Heidelberg, wo Arlt und eine Anzahl ophthalmologischer Freunde herkommen... Unser Aufenthalt ist Hotel Schrieder." Die Zusammenkunft der Freunde kam am 3. bis 5. September zustande und dies ist die Urzelle der Heidelberger Tagung.. "Das war eine Versammlung Weniger, es waren unserer 12 Personen, die hier zusammenkamen", so führt Horner, der selbst auch erschienen war, im Jahre 1881 aus. In seiner Autobiographie spricht er von etwa "fünfzehn Augenärzten". Donders erwähnt 1886 aus der Zahl der Teilnehmer Zehender aus Rostock, Alexander Pagenstecher aus Wiesbaden und Adolf Weber. Weiterhin nennt Zehender in der Liste der Vortragenden Arlt aus Wien, Kussmaul aus Heidelberg, Schiel und Schmauss, wohingegen Donders die beiden erstgenannten irrtümlich erst im folgenden Jahre 1858 zu der Gesellschaft stoßen läßt. Wer die restlichen Teilnehmer gewesen sind, ist nicht mehr zu ermitteln. ...so führte Horner 1881 aus: "Der Erfolg der Zusammenkunft war aber allseitig so befriedigend, daß jeder erfreut und erfrischt und mit Kenntnissen bereichert zurückkehrte und daß man sich nicht anders trennen konnte als mit dem bestimmten Wunsche, im nächsten Jahr in ähnlicher Weise wieder zusammenzukommen". 1857 waren die Redner Arlt, Graefe, Horner, Kussmaul, Alexander Pagenstecher, Schiel, Schmauss und Adolf Weber. Von den insgesamt zwölf Vorträgen hielten Arlt zwei und Graefe vier. Der Inhalt aller Vorträge bezog sich auf Anatomie, Physiologie, Pathologie und Therapie. Arlt sprach über anatomische Verhältnisse des Auges und über die Nachbehandlung der Staroperierten; Graefe über Pupillenreaktion auf Licht bei absoluter Amaurose; über Pupillenbewegung bei Oculomotorius-Lähmung durch Abducens-Kontraktion, über Inkongruenz der Netzhäute und zur Prognose der Amblyopien; Horner über Druckverband bei Episkleritis und über Pterygium-Operation. Kussmaul über den Einfluß der Carotis-Unterbindung auf das Auge. Pagenstecher berichtete über die Behandlung der Augenskrophulose mit der gelben Präcipitat-Salbe, die heute noch seinen Namen trägt; Schiel über Schwefelkohlenstoff als Betäubungsmittel bei Augenübeln; Schmauss über Eisen-Aloe-Behandlung bei Netzhautpigmentierung und Weber über Cornea artificialis. |
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