3. Zusammenkunft der Julius-Hirschberg-Gesellschaft
(XVII. JHG-Zusammenkunft)
mit der
Société Francophone d’Histoire de l’Ophthalmologie
Luxemburg
2.–5. Oktober 2003

Abstracta

in der Reihenfolge des Vortragsprogramm s




Jacques Voinot (Chaponost)
Der Collyrienstempel von Dalheim (Luxembourg)

Im meinem Inventar von 1999 werden 314 Collyrienstempel aufgezählt. Die
Bezeichnung „Collyrienstempel“ ist besser als die vorher angewandte
(Okulistenstempel), sie entspricht genauer der Anwendung dieser Gegenstände.
Der Collyrienstempel von Dalheim wurde im Jahre 1855 gefunden, in meinem
Inventar trägt er die Nummer 108. Er ist im Musée d‘Histoire et d‘Art von
Luxemburg aufbewahrt. Es ist ein unregelmäßiger Stein, nur eine seiner Seiten
trägt eine lesbare Inschrift, die andere Seite wurde beschädigt oder ist zum Teil
verwischt.

Dr. J. Voinot, 4 rue Ferroussat, F-69630 Chaponost

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Aloys Henning (Berlin)
Zu astronomischen Abstraktionen des Homo erectus bilzingslebenensis vor
370000 Jahren

In Beiträgen zur XV. Zusammenkunft der JULIUS-HIRSCHBERG-GESELLSCHAFT
2001 in Hamburg und anlässlich der Erweiterung des Berliner Medizinhistorischen
Museums um den Nachlass Albrecht von Graefes zur 100. Tagung der Deutschen
Ophthalmologischen Gesellschaft 2002 wurde vom Autor die referierte universale
lunare Semiotik des Auges mit dem Hinweis kommentiert, dass augenscheinlich
schon vor 370.000 Jahren paläolithische Menschen eines Nicht-sapiens-Typs in
Thüringen einen achtundzwanzigtägigen Mondkalender aufgezeichnet haben.
Seine Anordung mit gegen 90° ansteigenden und anschließend wieder abfallenden
Strichen, die mutmaßlich der zu- und abnehmenden beleuchteten Fläche
einesMondzyklus folgen, ergeben einen erstaunlichen Einblick in geistige
Fähigkeiten dieses Hominiden, der als erster Mensch nach unserem Verständnis
von Kulturgeschichte gilt (Mania 1998). Der Versuch, die Bemühungen des
paläololithischen homo erectus um die Stabilisierung seiner ökologischen Situation
mit Hilfe kalendarischer Beobachtungen zu begreifen, ergibt womöglich einen
historisch wesentlichen Aufschluss zur lunaren Konnotation des Auges und
wichtige Folgerungen.

Dr. med. A. Henning, Spandauer Straße 104 K, D-13591 Berlin


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Gerhard Keerl (Düsseldorf)
Das Buch des Tobias – eine apokryphische Geschichte um Erblindung und
Heilung

Das zentrale Ereignis im Buche des Tobias ist Tobias‘ Erblindung und Heilung.
Zusammen mit mehreren anderen Kapiteln aus vorchristlicher Zeit ist es seit dem
Trienter Konzil (1546) unter den „Apokryphen„ für die Bibel der Katholischen Kirche
kanonisiert worden. Im Kanon enthaltene Schriften haben für den Gläubigen echten
Offenbarungscharakter. In den mehr als zweitausend Jahren, in denen man sie
kennt, ist jedoch der geistliche Wert der Apokryphen umstritten. Das hebräische
Alte Testament enthalt sie nicht. In den reformierten Kirchen wurde um ihre
Einordnung bis in die jüngere Vergangenheit heftig und kontrovers bis zur
Forderung nach Ausmerzung gestritten. Für uns günstigerweise kam der
Reformator Luther zu einem Kompromiss. Er erachtete sie nicht des Kanons für
würdig, beließ sie jedoch als Anhang zum AT. So blieb Tobias in der Lutherbibel
(seit 1534) erhalten und dies in der Übersetzung aus dem griechischen Urtext.
Besonders reizvoll ist, dass unabhängig von allen theologischen Argumenten
Luthers Beschäftigung mit dem Gegenstand interessante Folgen brachte. Durch
einen Fehler, der sich aus seiner Übersetzung der griechischen Wortbedeutung
ergab und durch seine – verständlicherweise – unvollständigen Kenntnisse der
Anatomie des Auges kam es zu einer Fehldiagnose bezüglich der Erblindung. Aus
einer Hornhauttrübung war eine Linsentrübung entstanden. Diesen Fehler wiederum
verwertete ein Jahrhundert später kein anderer als Rembrandt für seine
Zeichnungen und Gemälde. In Unkenntnis von Luthers Irrtum konnte er damit und
durch seine persönlichen Beziehungen zur Amsterdamer Chirurgengilde die zu
seiner Zeit übliche Technik der Staroperation anschaulich überliefern.

Dr. med. G. Keerl, Droste-Hülshoffstraße 2, D-40474 Düsseldorf

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André Bouzas (Athen)
Alkmeon von Krotone, ein berühmter Arzt der vor-hippokratischen Epoche

In der süditalienischen Stadt Krotona blühte zur Epoche des großen Griechenlands
eine Medizinschule, der gegen 500 vor Chr. Alkmeon, ein Schüler von Pythagoras,
angehörte.
Alkmeon hat grundlegende wissenschaftliche Forschungen in Anatomie und
Embryologie durchgeführt. Er hat Tiere seziert, sowohl tote wie auch lebendige.
Als erster hat er die Theorie entworfen, dass das Gehirn das Zentrum der Sinne
und der Hauptsitz der Seele und der Intelligenz sei. Bis dahin und sogar noch
später, während der klassischen Zeit des antiken Griechenlands, wurde das Herz
als das vorherrschende Zentrum aller Aktivitäten des menschlichen Körpers
angenommen.
Alkmeon hat besonders die Empfindungsorgane, ausgenommen das Gefühl,
studiert. Er hat viel für die Anatomie des Auges getan. Er fragte sich, ob das Auge
das Sehorgan sei, ob es die Bilder reflektiere, ob es aktiv oder passiv sei. Er hat
den Nervus opticus beschrieben, mit seiner Konsistenz und seiner Konnexion mit
dem Gehirn. Er hat auch die Nerven beschrieben, welche die verschiedenen
Organe mit dem Hirn verbinden, wie auch die Venen und Arterien. Er hat eine
Theorie des Schlafes und des Todes entwickelt.
Viele seiner Kenntnisse gingen später verloren. Wegen seiner eindrucksvollen,
wissenschaftlichen Persönlichkeit übte Alkmeon einen großen Einfluss auf seine
Schüler und seine Nachfolger aus. Durch seine Epigonen wird er als der erste
Vater der Medizin, aber auch als der erste Anatom und Embryologe des
menschliche Körpers betrachtet.

Prof. Dr. A. Bouzas, 59 rue Skouffa, GR-10672 Athen


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Franz Daxecker (Innsbruck)
Heilpflanzen bei Augenerkrankungen im Wiener Dioskurides

Die wertvolle Handschrift in Bibelmajuskel entstand im Jahr 512 und wurde der
Prinzessin Juliana Anikia gewidmet. Sie enthält 383 Beschreibungen und
Abbildungen von Heilpflanzen, Mineralien und Tieren, die sind zum größten Teil
dem Standardwerk „De materia medica„ des Arztes Dioskurides Pedanios (1. Jh.
n. Chr.) entnommen worden sind. Viele der alphabetisch geordneten Pflanzen
dienten als Heilmittel bei Augenerkrankungen: Das Frühlings-Adonisröschen
lindert Augenentzündungen; Aronstab vertreibt Verdunklungen auf der Pupille;
Echter Hornmohn: der Saft hilft bei beginnenden Augenleiden; Sellerie ist ein Mittel
gegen Augenentzündungen; Wilder Lattich vertreibt Schmerzen und entfernt
Hornhautnarben; Erdrauch macht einen guten Visus und reizt zu Tränen;
Tausendguldenkraut: der Saft mit Honig vermischt vertreibt Verdunklungen auf der
Pupille; die Griechische Bohne ist ein Mittel bei blutunterlaufenen Augen,
Staphylomen, Augenvorfall und Ödemen (Morbus Basedow); Safran hilft bei
Conjunctivitis; Gebauter Lotus vertreibt Nebel und Flecken von den Augen;
Schlafmohn hilft bei Augenentzündungen; Kretisches Glaskraut: als Umschlag mit
Graupen gegen Augenentzündungen; Tamariske wirkt adstringierend und ist eine
Beigabe zu Augenmitteln; Schlangenknoblauch wirkt bei subkonjuntivaler Blutung;
Kleiner Salbei vertreibt Narben auf der Hornhaut; Gartenraute ist ein Mittel gegen
Fehlsichtigkeit; Gartenrose: die Abseihung der trockenen Blätter hilft bei
Augenschmerzen; Strauchartige Becherblume: die Blätter dienen als Umschlag bei
Augenverletzungen; die Blätter der Gemeinen Königskerze sind bei
Augenentzündungen einsetzbar; Linsen mit Steinklee oder Quitten und Rosenöl
heilen Augenentzündungen; Schöllkraut: mit Honig gekochter Saft verbessert das
Sehen; Erdfeige mit Honig eingestrichen ist ein Mittel gegen Fehlsichtigkeit,
Unterblutung der Augen und Hornhautnarben.

Prof. Dr. F. Daxecker, Univ.-Augenklinik, Anichstraße 35, A-6020 Innsbruck


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Gregor Wollensak (Berlin)
Die selige Ilga von Schwarzenberg

Heilige für Augenkrankheiten sind auch heute noch wichtig für viele Augenkranke,
so die heilige Ottilie im Elsaß, die heilige Lucia in Italien und die heilige Paraskevi
in Griechenland. Die selige Ilga aus Schwarzenberg im Bregenzerwald ist weniger
bekannt, wird aber bis heute als Patronin für Augenkrankheiten geehrt. Nach der
Legende entstammte sie dem Geschlecht der Grafen aus Bregenz und sie war die
leibliche Schwester des seligen Merboth von Alberschwende und des seligen
Diedo von Andelsbuch.
Wie diese verließ sie ihr elterliches Haus und zog in den Bregenzerwald, um sich
dem beschaulichen Leben zu widmen. Hoch oben auf dem Lorenapaß, nahm sie
Abschied von ihren Brüdern Merboth und Diedo an einer Stelle, wo aus hartem
Gestein eine Quelle sprudelt, welche auch bei großer Winterkälte nicht gefriert.
Ilga trug Wasser aus dieser Quelle in ihrer Schürze und brachte es zu ihrem
Einsiedlerhüttlein eine halbe Stunde von Schwarzenberg entfernt. Dabei
verschüttete sie etwas und sogleich entsprang an dieser Stelle eine Quelle, die
heute noch den Namen Ilgaquelle hat und häufig von Augenkranken besucht wird
ähnlich wie die Quelle am Wirkungsort ihres Bruders Merboth in Alberschwende.
Die Einsiedlerin starb in ihrer Zelle im Jahre 1115. Ihre Gebeine werden als Reliquie
in der Pfarrkirche von Schwarzenberg aufbewahrt.

Priv. Doz. Dr. G. Wollensak, Wildentensteig , D-14195 Berlin


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Christa Habrich (Ingolstadt)
Leonhart Fuchs (1501–1566) und die Augenkrankheiten

Leonhart Fuchs, ein humanistisch umfassend gebildeter Gelehrter, gehört zu den
„Vätern der Botanik„, die durch ihre Kräuterbücher diese Wissenschaft
begründeten. Als Professor für Medizin an den Universitäten Ingolstadt und
Tübingen befasste er sich mit Anatomie, Arzneimittellehre, Botanik und Chirurgie,
wobei er bestrebt war, die arabistischen Einflüsse in diesen Fächern zugunsten
einer hippokratisch-galenisch orientierten Reformmedizin zurückzudrängen. Zu
seinen frühen Schriften zählt eine „Tabula oculorum morbos comprehendens„, die
er offensichtlich für seine Studenten 1538 drucken ließ. Ein Jahr später erschien in
Straßburg ein deutscher Traktat unter dem Titel: „'Alle Krankheiten der Augen
durch den hochgelerten Doctor Leonhart Fuchsen zu Onoltzbach
zusammengezogen allen augen artzten hochnötig zu wissen„. Diese Schrift ist
wahrscheinlich durch den Drucker Heinrich Vogtherr publiziert worden, ohne dass
Fuchs die Erlaubnis erteilt oder auch davon gewusst hätte. Der Vergleich zwischen
der lateinischen und der deutschen Version zeigt, dass es sich bei letzterer um ein
Kompilat aus der „Tabula„ handelt. Neben der Schrift über die Augenkrankheiten
werden auch Arzneimittel aus der „Historia stirpium„ (1542) betrachtet, die Fuchs
gegen Augenleiden empfohlen hat.

Prof. Dr. Dr. Ch. Habrich, Deutsches Medizinhistorisches Museum,
Anatomiestraße 18, D-85049 Ingolstadt

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Robert F. Heitz (Strasbourg)
Jacque Daviels letzte Reisen

Gegen Ende des Jahres 1761 verspürte Jacques Daviel (1693–1762) Lähmungen
der Zunge, die seine Aussprache hemmten. Nach dem Winter wurde die Lage so
schlimm, dass er im April 1762 gezwungen war, sein Memoire an der Akademie
Royale de Chirurgie vorlesen zu lassen. Als er im September des Jahres in die
Gegend von Lyon gerufen wurde, beschloss er in Genf, seinen Freund Dr. Théodore
Tronchin zu Rat zu ziehen. Als er in Genf eintraf war er sehr geschwächt und
konnte sich kaum noch bewegen. Am 30. September verschied er im Hôtel des
Balances am Place Bel-Air im Alter von 69 Jahren. Dank des Comte de
Montpéraux, Vertreter des französischen Königs in Genf, konnte seine Leiche
nach Grand-Saconnex, damals französisches Gebiet, überführt werden, wo er am
1. Oktober 1762 in geweihter Erde im Kirchhof der Saint-Hippolyte Kirche bestattet
wurde.
Im Jahre 1884 haben Professor Georg Haltenhoff und die Schweizer
Ophthalmologische Gesellschaft ein Denkmal zur Erinnerung an Daviel an der
Mauer des Kirchhofes anbringen lassen. Das Monument wurde vom Architekten
Emile Reverdin entworfen und das Bildnis von Hugues Bovy gehauen. Die
Einweihung und Übergabe an die Gemeinde Grand-Saconnex wurde am 8. Oktober
1885 vorgenommen.
Nach mehr als einem Jahrhundert benötigte das Denkmal eine Renovierung,
welche von dem Verband „La Mémoire du Grand-Saconnex„ mit finanzieller
Unterstützung der JULIUS-HIRSCHBERG-GESELLSCHAFT und der Société
Francophone d‘Histoire de l‘Ophtalmologie vorgenommen wurde. Das renovierte
Denkmal wurde am 18. Oktober 2002 in Anwesenheit der kantonalen und lokalen
Behörden und einer Vertretung der mitwirkenden Gesellschaften eingeweiht.

Dr. med. Dr. phil. R. Heitz, 23 A rue Trubner, F-67000 Strasbourg

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Edouard Mawas (Chatou)
25 Jahrhunderte Kataraktoperation per Depression (bzw. Reklination)

Die Kataraktoperation mittels Depression (bzw.Reklination) hat etwa 2500 Jahre
Bestand gehabt. Die Länge dieser Dauer von Susruta bis zu Desmarres-Dupuytren
(1828) wird zu erklären versucht und ihr Überleben bis etwa 100 Jahre nach Daviel.

Dr. med. Edouard Mawas, 8 Avenue du Parc, F 78400 Chatou

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Jacques P. Chevaleraud (Paris)
Von Insel zu Insel, Francesco Antommachi (1789–1838), Allgemeinarzt in
Santa Helena und Augenarzt in Amerika


Die medizinische Assistenz für Napoleon Bonaparte auf Santa Helena war
schwierig. Der Arzt Pierre Maingaut wurde durch Corvisart vorgeschlagen, wollte
aber nicht ins Exil gehen. Der Irländer O‘Meara musste, auf Antrag des
Gouverneurs Hudson Love, sein Mandat abgeben und nach England zurückkehren.
Der Arzt Fourau de Beauregard, schon Leibarzt auf der Insel Elba, wurde vom
Gefangenen vorgeschlagen.
Der korsische Arzt Francesco Antommachi wurde von Madame Mère und vom
Kardinal Fesch bevorzugt, obwohl die Auskünfte über ihn nicht zu seinen Gunsten
ausfielen. Ab September 1819 behandelte er Napoleon und führte auch seine
Autopsie aus. In der Geschichte über die von Buron hergestellte Totenmaske
spielte er keine schöne Rolle.
Nach Europa zurückgekehrt, versuchte er sich in Paris niederzulassen. Im Jahre
1825 veröffentlichte er ein Gedächtnisbuch, das viele Fehler enthält. Im Jahre 1830
war er auf Seite der Polen. Im Jahre 1836 fuhr er nach Amerika und übte die
Ophthalmologie aus in New Orleans, in Mexiko und in Kuba. Anfang April 1838
starb er in Santiago de Cuba an Gelbfieber.

Prof. Dr. J. P.Chevaleraud, 25 rue Thiboumery, F-75015 Paris

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Denis Durand de Bousingen (Strasbourg)
Victor Stoeber (1803–1871): Die europäischen Wege eines Straßburger
Augenarztes


Der Straßburger Augenarzt Victor Stoeber, der 1845 den ersten französischen
Lehrstuhl für Augenheilkunde gründete, war auch ein begeisterter Reisender und
ein begabter Journalist. Anlässlich seinen Reisen schrieb er zahlreiche Berichte,
die die Entwicklung der Augenheilkunde und ihre Durchführung in vielen
europäischen Ländern darstellen.
1826 beschloss der kurz zuvor promovierte Stoeber, seine Ausbildung in den
größten medizinischen Zentren Europas zu ergänzen. In London erfuhr er, wie
Frankreich im Gebiet der Augenheilkunde weit hinter seinen Nachbarnländer lag.
Danach verbrachte er einige Monaten in Berlin bei von Graefe sowie in Wien bei
Jäger und Rosas. Die Erfahrungen, die er dort machte, halfen ihm, eine moderne
Abteilung für Augenkrankheiten in Strassburg auszubauen sowie die Lehre dieses
Faches einzuführen.
Stoeber war Mitglied der wichtigsten wissenschaftlichen Vereine Europas, und
nahm unter anderen an den Versammlungen der deutschen Naturforscher und
Ärzte sowie den internationalen Kongressen für Augenheilkunde regelmäßig teil. In
seinen Berichte beschrieb er die medizinische und ophthalmologische
Einrichtungen der Länder, die er während seiner Reisen besuchte, insbesondere
Deutschland, Österreich-Ungarn sowie Belgien, Italien und Großbritannien.
Durch seine Arbeiten und Veröffentlichungen versuchte Stoeber, Brücken zwischen
der französischen und der deutschen Augenheilkunde seiner Zeit zu bauen. Er
lobte die deutsche Wissenschaft, blieb aber ein engagierter französischer Patriot.
Seine letzten Briefe und Berichte, die kurz nach der Belagerung Straßburgs in
1870 und dem Anschluss Elsass-Lothringens an das Deutsche Reich geschrieben
wurden, sind aber von starker Deutschfeindlichkeit geprägt, als er in diesen
schweren Zeiten an seine Treue zu Frankreich zum letzten Mal erinnert.

D. Durand de Bousingen, 5, rue Saint Ignace F -67100 Strasbourg


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Hans Remky (München)
Tyndall

Der Tyndall ist in der Augenheilkunde wohlbekannt, aber kaum der Mann, dessen
Namen mit dem nach ihm benannten optischen Effekt verbunden ist.
John Tyndall, irischer Physiker (1820–1893) hatte 1848/49 in Marburg und in Berlin
studiert, war seinem Lehrer Bunsen und später Hermann und Anna Helmholtz
sowie anderen deutschen Physikern und Physiologen freundschaftlich verbunden.
Er lieferte wichtige Beiträge zu Wärme, Schall, Licht, Elektrizität und
Diamagnetismus und, als begeisterter Alpinist (Matterhorn!) zur Glaciologie; er
schrieb auch über Goethes Farbenlehre und sogar über die Tuberkulose. Von 1867
bis 1887 leitete er als Nachfolger von Faraday die Londoner Royal Institution.
Die Geschichte des Tyndall-Effektes beginnt mit der Frage, warum der Himmel
blau ist. Tyndall war durch meteorologische Beobachtungen in den Alpen hierfür
interessiert worden; vor ihm hatten Brewster und Stokes zu ihrer Klärung
beigetragen, kurz nach ihm hat Rayleigh die Bedingungen der Entstehung des
Tyndall-Effektes formuliert.

Prof. Dr. H. Remky, Arabellastraße 5, D-81925 München

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Hans Schadewaldt (Düsseldorf)
Morgagni und die Augenheilkunde

Giovanni Battista Morgagni, Prof. für Anatomie an der Universität Padua, war nicht
nur mit seinem Hauptwerk ,De cedibus et causis morborum‚ von 1761 der
Begründer der pathologischen Anatomie, sondern hat auch wie noch der junge
Virchow nebenher ärztliche Praxis ausgeübt. Von seiner Dissertation über die
Frauenheilkunde bei Morgagni von 1949, die auch sogleich ins Italienische
übersetzt wurde, hat sich der Verfasser bis heute stets mit Morgagnis Schriften
und Aufzeichnungen beschäftigt. Unter Übergehen der Morgagnischen Katarakt,
die ausführlich von Hans Remky in einer Monografie behandelt werden wird, werden
vor allem die klinischen Berichte über bestimmte Augenerkrankungen bei
Morgagni, wie sie 1998 von Luigi Cardia und Alfonso Montepara herausgestellt
wurden, erläutert.

Prof. Dr. H. Schadewaldt, Inst. für Geschichte der Medizin, Moorenstr. 5, D-40225
Düsseldorf


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Hans-Felix Piper (Lübeck)
Gelehrtenstreit unter Sinnes- und Schielforschern: Eine Auswahl aus den
letzten eineinhalb Jahrhunderten


Um ihre Ansichten zu stützen, berufen sich Sinnesphysiologen auf ihre Versuche,
Ophthalmologen auf ihre Beobachtungen am Auge. Beide beschreiten in der
Deutung der vielschichtigen Zusammenhänge nicht selten verschiedene Wege. So
setzten sich Hering und Fick 1898 in der Frage auseinander, ob die Netzhaut
ermüdbar sei. Der Gelehrtenstreit zwischen Ohm und Bartels begann um 1920 und
zog sich über 30 Jahre hin: War die Grundform des Augenzitterns eine
Kippschwingung oder ein sinusspuriges Pendeln? Dem Schieltheoretiker Weckert
traten 1939 gleich zwei ausgewiesene Kenner entgegen. Der erfahrene Kliniker
Harms und der Beherrscher des Schrifttums Jaensch hielten nichts von einer
Fehlanlage der Calcarina-Lippen. Über „Heilung„ des Schielens war Grimm mit
Harms verschiedener Meinung (1941). Dass sich die Gegner untereinander einigen,
ist selten; es gibt aber ein Beispiel dafür, dass viele kluge Köpfe zu einem Urteil
beitragen können: 1961 ließ der Vorsitzende auf der Deutschen
Ophthalmologischen Gesellschaft im Vortragsraum darüber abstimmen, ob eine
exzentrische Fixation von einer exzentrischen Einstellung zu unterscheiden sei
(Mackensen) oder nicht (Oppel). – Im Wechselspiel zwischen „Idee und
Wahrnehmung„ klärt dann die Zeit den wahren Sachverhalt.

Prof. Dr. H.-F. Piper, Im Brandenbaumer Feld 32, D-23564 Lübeck

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Manfred Jähne (Aue)
Beitrag sächsischer Ärzte zu Anatomie und Therapie von Erkrankungen der
ableitenden Tränenwege


Nach J. Hirschberg haben die Erkrankungen der ableitenden Tränenwege schon in
den ältesten Zeiten die Aufmerksamkeit der Wundärzte auf sich gezogen. In
diesem Beitrag sollen überwiegend die Leistungen sächsischer Wund- und
Augenärzte sowie Anatomen gewürdigt werden. Im „Augendienst„ (1583) von Georg
Bartisch (1535–1607) finden wir 29 Rezepturen gegen Augenflüsse. Unter den die
Anatomie des Tränenapparates und der Augenlider behandelnden Arbeiten nimmt
die Dissertationsschrift (1797) von Johann Christian Rosenmüller (1771–1820) in
Leipzig die erste Stelle ein. Ebenfalls in Leipzig empfahl der gebürtige Chemnitzer
Johann Zacharias Platner (1694–1747) bereits 1724 in seiner Publikation „De fistula
lacrimali„ erstmals die Exstirpation des Tränensackes bei nicht beeinflussbarer
Dacryocystitis. Karl Heinrich Weller (1794–1854) in Dresden griff ein durch Stahl
1702 eingeführtes Verfahren wieder auf: bei TNW-Stenose die Sondierung und
Bougierung mit verschieden starken Violinsaiten. Christian Georg Theodor Ruete
(1810–1867) beschäftigte sich ausgiebig mit der operativen Behandlung von
Tränenfisteln und Erkrankungen der „Tränenschläuche„. Er wendete auch die
Katheterisierung des Ductus nasolacrimalis durch den Naseneingang an.
Im Referat wird anhand der Publikationen dieser Mediziner auf ihre Leistungen
eingegangen und deren europaweite Bedeutung gewürdigt.

Dr. med. habil. M. Jähne, Semmelweis-Siedlung 8, D-08301 Schlema

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Frank Krogmann (Thüngersheim)
"Würzburg als Pflanz-Stätte der normalen und pathologischen Histologie
des Auges"


Diese ehrenden Worte der Würzburger medizinische Schule stammen von Julius
Hirschberg. Albrecht von Graefe würdigt als Pionier dieses Faches vor allem
Heinrich Müller (1820–1864). Die Errungenschaften jener Zeit – unter besonderer
Berücksichtigung von Heinrich Müller und weiterer Würzburger Wissenschaftler –
bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts werden im Überblick dargestellt.

F. Krogmann, Kirchgasse 6, D-97291 Thüngersheim

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Jutta Herde (Halle)
Zum 170. Geburtstag von Edwin Theodor Sämisch (1833–1909)

Der 170. Geburtstag von Edwin Theodor Sämisch am 30.9.2003 bietet Anlass, die
Herausgabe des ersten, 7 bändigen Handbuches für Ophthalmologie 1874–1880
von Graefe-Sämisch zu würdigen, war es doch einerseits zu der Zeit das erste
derartige Werk überhaupt und gab dieses andererseits englischen und
französischen u.a. Kollegen Anstoß zur Schaffung gleichwertiger
ophthalmologischer Literatur. Nach Absolvierung des Gymnasiums in seiner
Heimatstadt Luckau/Niederlausitz ging Sämisch zum Studium der Medizin nach
Berlin. War er 1858/59 bei A. von Graefe tätig, so wechselte er nun zu Alexander
Pagenstecher in Wiesbaden. Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Analyse des
umfangreichen klinischen Materials publizierte er zusammen mit seinem
Lehrmeister in einer Würzburger Zeitschrift Sämisch vervollständigte seine
Ausbildung auf dem Gebiet der Anatomie des Sehorgans bei Heinrich Müller in
Würzburg. Von 1862 ab war Th. Sämisch in Bonn tätig, das er bis auf wenige
Besuche von Kongressen und seiner Heimatstadt nicht mehr verlassen sollte. Die
1863 eröffnete private Augenklinik wurde 1873 als erste universitäre Augenklinik in
Bonn unter seiner Leitung gerührt. Hatte er den Neubau einer Augenklinik schon
fast aufgegeben, so war ihm die Einweihung der nach seinen exakten
Vorstellungen gebauten neuen Universitäts-Augenklinik 1903 nach nahezu 30-
jährigem Kampf eine gebührende Würdigung und Bestätigung seiner langjährigen
Arbeit. 1874/75 und 1880/81 versah er das Amt des Dekans sowie 1892/93 das
des Rektors. Neben der ausgefüllten klinischen und operativen Tätigkeit versah das
Lehramt mit hohem Pflichtgefühl. Der von Sämisch unterbreitete, von A. von Graefe
er akzeptierte Vorschlag zur Gründung einer allen Arbeiten Rechnung tragenden
Zeitschrift wurde von Zehender realisiert. Über der Herausgabe der 2. Auflage des
Handbuches ab 1898 in nun 14 Bänden erlag er seinem Herzleiden. Sein
besonderes Interesse galt den Erkrankungen der Konjunktiva, Sklera und Kornea.
Das Ulcus serpens geht auf ihn zurück. Mit dem Hauptwerk gelang den zwei
Freunden Graefe und Sämisch bereits eine tendenzielle Europäisierung der
Augenheilkunde.

Prof. Dr. J. Herde, Augenklinik der Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg,
Magdeburger Straße 8, D-06112 Halle

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Danny H.-K. Jokl (New York)
Hermann Ludwig Cohn (1838–1906)

Doktorarbeit bei Kirchhoff, Bunsen und Helmholtz (Chemie/Physik), danach
Medizin in Breslau wo er, nach der Augenheilkunde-Ausbildung bei Foerster, gleich
zu seinem Meisterwerk und lebenslangen Thema gekommen ist – nach
Untersuchung der Augen 10 060 Breslauer Schulkinder und mit tadellosen
Statistiken bewaffnet – dass es die schlecht beleuchteten, schlecht gebauten
Schulen sind, die für die immer mehr wachsende Myopie während der Schuljahre
verantwortlich seien.
Verachtet von Kollegen und Bürokraten konnte er durch mehr als 300
Publikationen allmählich seine Ideen durchsetzen und wurde sogar von Stadt und
Kaiser ausgezeichnet.
Seine Thesen, die zwischenzeitlich an Bedeutung verloren hatten, haben durch
moderne Forschung wieder an Wichtigkeit gewonnen.

Prof. D. Hirsch-Kauffmann Jokl, M.D., New York Medical College, Columbia
University, One Stone Place, Bronxville; NY 10708, USA

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Peter Kober (Schwelm)
Dr. Ludwic Lazarus Zamenhof – ein gefährlicher Augenarzt

Am 15. Dezember 1859 wurde in der im damaligen Russisch-Polen gelegenen
kleinen Stadt Bialistok Ludwic Lazarus Zamenhof als ältester Sohn des
Sprachlehrers für Deutsch und Französisch, Marcus Zamenhof und seiner Frau
Rosalie geboren.
Die Sprachenvielfalt in seinem Geburtsort (Russisch, Deutsch, Polnisch,
Weißrussisch, Jiddisch und Hebräisch) und die – wie er bald meinte – daraus sich
ergebende Feindschaft und Ablehnung der Bewohner ein und derselben Stadt und
im weiteren Sinne auch der Völker untereinander ließen den Schüler schon daran
denken, eine Sprache zu schaffen, die von allen Menschen leicht erlernt werden
könnte, sich aus Bestandteilen vieler großer Sprachen zusammensetzen sollte,
über eine einfache Grammatik verfügen müsste und so es den Völkern ermöglichen
könnte, leichter Wege zur Verständigung und zur Versöhnung zu finden.
In Moskau und Warschau studierte Z. Medizin und wandte sich – nach einem
kurzen Intermezzo in einem kleinen Ort Litauens als Landarzt, dann der
Augenheilkunde zu, deren Kenntnisse er sich zuerst in Warschau am Jüdischen
Krankenhaus, dann 1886 in Wien aneignete. Er praktizierte – oft unter ärmlichsten
Verhältnissen – an verschiedenen Orten des Zarenreiches, zuletzt aber bis zum
Lebensende 1917 in Warschau.
Neben seiner ärztlichen Tätigkeit aber gehörte sein ganzer Arbeitseinsatz seiner
Idee, der "Linguo Internacia" oder dem jetzt so genannten "Esperant", ein Name,
den er als Pseudonym für seine erste Veröffentlichung dieser Sprache gewählt
hatte.
Eine "Geheimsprache" war der zaristischen Regierung seiner Zeit allerdings mehr
als suspekt und auch außerhalb der Grenzen Russlands fand die sich schnell
ausbreitende Idee der Esperantisten in einer Zeit des angespannten Nationalismus
nicht nur Freunde – wenn auch bald viele Anhänger, unter anderen auch Emil Javal!
So wurde Dr. Zamenhof für viele mit seiner Idee und Erfindung ein Hoffnungsträger
menschlicher Verständigung – für sehr viele aber ein „gefährlicher Augenarzt„,
Internationalist, Verschwörer und Unterwühler nationaler Identitäten.
Zwei um die Sonne kreisende Asteroiden tragen heute die Namen des
Menschenfreundes Zamenhof und "seines" Esperanto.

Dr. med. P.Kober, Kirchstraße 2, D-58332 Schwelm

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Gerhard Holland (Kiel)
Der Augenarzt und Medizinhistoriker Albert Esser

Albert Esser (1885–1972) wurde in Düsseldorf geboren, studierte nach Besuch des
Königlich-humanistischen Gymnasiums in Düsseldorf zunächst ein Semester Jura
und dann Medizin in Bonn, Berlin, München, Freiburg und Heidelberg, wo er 1909
das Staatsexamen bestand und im gleichen Jahr zum Dr. med. promovierte.
Anschließend erfolgte in Düsseldorf die Ausbildung zum Augenarzt in der
Augenklinik Dr. Rieke und in der Moorenstraße unter Prof. Krauss. Von 1914–1919
war Esser Sanitätsoffizier. 1919 ließ er sich als Augenarzt in Düsseldorf nieder und
heiratete 1922 die Augenärztin Dr. med. Hella Rieth, mit der er eine gemeinsame
Augenarztpraxis betrieb. Von 1926–1930 studierte Esser neben seiner Tätigkeit als
Augenarzt Sanskrit in Bonn und Köln und promovierte 1930 zum Dr. phil. mit dem
Thema „Die Ophthalmologie des Bhavaprakasa„. 1940 erfolgte die Habilitation an
der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg. 1946 wurde Esser zum
Honorarprofessor an der Medizinischen Akademie Düsseldorf ernannt und vertrat
bis 1961 die Medizingeschichte. 1953 wurde er Mitglied der Deutschen Akademie
der Naturforscher Leopoldina, 1959 Ehrenmitglied der Deutschen
Ophthalmologischen Gesellschaft.
Esser schrieb rund 150 wissenschaftliche Arbeiten zunächst philosophischen,
allgemeinärztlichen und Ophthalmologischen Inhaltes, seit 1926 fast
ausschließlich medizinhistorische Arbeiten mit überwiegend Ophthalmologischen
Themen. Schwerpunkte seiner Arbeit waren die Ophthalmologie in der
Sanskritmedizin und in der Antike. Esser verfasste drei bedeutende Monographien:
1. Cäsar und die julisch-claudischen Kaiser im biologischen-ärztlichen Blickfeld. 2.
Das Antlitz der Blindheit in der Antike. 3. Geschichte der Deutschen
Ophthalmologischen Gesellschaft. Nach Julius Hirschberg und Hugo Magnus war
Albert Esser der dritte bedeutende deutsche Historiker der Augenheilkunde. Im
Anhang erfolgt eine Zusammenstellung aller von Albert Esser publizierten
historischen Arbeiten mit Beziehung zur Augenheilkunde.

Prof. Dr. G. Holland, Esmarchstraße 51, D-42105 Kiel

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Gottfried Vesper (Leipzig)
Claude Monet und seine Augenerkrankung

Claude Monet (1840–1926) ist in der Kunst einer der bedeutendsten Vertreter des
Impressionismus.
1912 wurde bei Monet Grauer Star in beiden Augen festgestellt.
Sehprobleme traten mit zunehmender Linsentrübung bei ihm auf. Im Jahre 1923
wurde der Graue Star am rechten Auge operiert. Nach dem chirurgischen Eingriff
hatte Monet Farbsinnstörungen.

MR Dr. med. G. Vesper, Harnackstraße 9, D-04317 Leipzig

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Dieter Schmidt (Freiburg)
Das wissenschaftliche Werk von Rolf Schmidt (1906–1982)

Nach der Reifeprüfung in seiner Geburtstadt Eilenburg studierte Rolf Schmidt
Medizin in Jena, Göttingen und Innsbruck. Das medizinische Staatsexamen
bestand er in Jena (1931). Die Approbation als Arzt erhielt er 1932. Nach seiner
Promotion in Jena 1932 wurde er Assistenzarzt an der Univ.-Augenklinik Freiburg i.
B. bei dem bedeutenden Ophthalmologen Professor Walter Löhlein. Später wurde
er Oberarzt an der Univ.-Augenklinik unter Professor Wilhelm Wegner. 1936
erfolgte die Habilitation über herpetische Erkrankungen der Hornhaut. Im November
1941 wurde er zum außerplanmäßigen Professor ernannt. Er war Leiter von
Augenabteilungen von Kriegs- und Reservelazaretten während des 2. Weltkrieges
in Russland und in Frankreich. Nach dem Krieg war er leitender Arzt von
Augenabteilungen der Krankenhäuser in Kirn/Nahe und Bad Kreuznach. Er führte
seine augenärztliche Tätigkeit bis 1981 in Bad Kreuznach aus. Von seinen
Publikationen ist die kritische Beurteilung zu Maßnahmen bei erblichen
Augenkrankheiten hervorzuheben: Der Auffassung namhafter deutscher Augenärzte
zu Beginn der 40er Jahre, eine Sterilisation bei allen Patienten mit kongenitalem
grauen Star (Katarakt) bzw. mit angeborenem Glaukom vorzunehmen, widersprach
Schmidt in seinen Publikationen entschieden. Er widersetzte sich der Auffassung
seiner Kollegen und stellte heraus, dass keinesfalls bei allen Augenkrankheiten
eine Sterilisation vorzunehmen sei. Damit hatte er sich nicht nur gegen
augenärztliche Meinungen, sondern auch gegen die damals geltenden Gesetze
ausgesprochen. Seine umfangreichen, insgesamt mehr als 50 Publikationen
(Originalarbeiten und Vorträge) befassten sich vorwiegend mit Hornhaut- und
Netzhauterkrankungen (Amotio retinae, retinalen Durchblutungsstörungen,
tuberkulösen Erkrankungen), den Sehnervenschäden, der Spektralanalyse zum
Nachweis von intraokulären Metallen, der Lesefähigkeit in vertikaler Richtung, den
toxischen Augenschäden, den Augenverletzungen, dem Blindenwesen und
gutachterlichen Fragen der Kraft- und Motorradfahrer. An bedeutungsvollen
Publikationen ist die erstmalige Mitteilung über hereditäre Hornhauttrübungen bei
Gelenkleiden anzuführen. Außerdem berichtete er erstmals über den autosomal
dominanten Erbgang des Axenfeld-Rieger-Syndroms. Bedeutungsvoll sind die
Berichte über die streifenförmige Keratitis superficialis herpetica. Er fügte den kurz
zuvor von dem Dermatologen Behçet erhobenen Befunde augenärztliche
Beobachtungen bei der rezidivierenden Hypopyon-Iritis hinzu. Diese
Veröffentlichungen (1937, 1940) waren deshalb von großer Bedeutung, da hiermit
Augenveränderungen des später als Morbus Behçet bezeichneten Krankheitsbildes
eindeutig herausgestellt wurden. Zusätzliche Mitteilungen über Augenkrankheiten
wie beispielsweise über seltene Druckschädigungen des Sehnerven (1953) werden
auch heute noch als wesentlich in der Differenzialdiagnose von
Optikuserkrankungen herausgestellt.

Prof. Dr. D. Schmidt, Univ.-Augenklinik, Kilianstraße 5, D-79106 Freiburg

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Frank Wilhelm (Halle/Saale)
Zur Geschichte der Hornhautkonservierung

Heute ist es in vielen Ländern fast zur Selbstverständlichkeit geworden, dass bei
Notwendigkeit einer Hornhauttransplantation Spendermaterial zur Verfügung steht.
Fast vergessen sind die Probleme der Anfänge – obwohl heute immer noch zu
wenig Transplantate zur Verfügung stehen.
Seitdem Eduard Zirm 1906 erstmals über die erfolgreiche Transplantation einer
menschlichen Hornhaut berichtete, bestand das Problem der Bereitstellung von
Spendermaterial. Zirm hatte bekanntermaßen die Hornhaut eines lebenden
Spenders verwendet. Der Erste, der die Hornhäute Verstorbener zur
Transplantation einsetzte, war Filatov. Er war es auch, der erstmals Bulbi in einer
feuchten Kammer vorrätig hielt und damit die Hornhauttransplantation nicht mehr
als Notfalleingriff durchführte. Die Spenderbulbi wurden damals im Eisschrank
gekühlt gelagert. 1944 gründete T. Paton in den USA die erste Augenbank in den
USA.
Durch diese Möglichkeit fand die Keratoplastik-Operation eine rasche Verbreitung,
beispielsweise durch Castroviejo in Amerika und durch Löhlein in Deutschland.
Löhleins Schüler Günther begann 1958 in Greifswald nach sorgfältiger
biomikroskopischer Untersuchung des Spenderauges die isolierte Hornhaut in
flüssigen Medien – anfangs Patientenserum – zu lagern. Durch McCarey und
Kaufman wurde 1974 ein Medium eingeführt, das weltweit die erste sichere
Hornhautkonservierung über 84 Stunden hinaus möglich machte. Dabei wurde die
Kornealscheibe bei + 4° C in das als MK-Medium bekannte Zellkulturmedium
gebracht, welches durch Dextran und antibiotische Zusätze ergänzt wurde. Von
diesem Medium leiten sich letztlich alle heute gebräuchlichen
Hornhautkonservierungsmedien für die Kurzzeitkonservierung bei + 4° C ab.
Summerlin berichtete 1973 erstmals über die Lagerung der Spenderhornhaut unter
physiologischen Bedingungen – in der Organkultur. Damit wurde eine zuverlässige,
aber auch sehr aufwendige Methode der Hornhautkonservierung vorgestellt, welche
heute klinisch etabliert ist und eine Lagerung bis zu 35 Tagen erlaubt. In den USA
wurde die Methode von Doughman und in Europa von Sperling klinisch realisiert.
Eine Weiterverbreitung fand das Organkulturverfahren in Europa durch die
Etablierung der Hornhautbank in Amsterdam durch Pels und Schuchard. Böhnke
eröffnete mit diesem Verfahren 1981 die erste deutsche Hornhautbank in Hamburg.
Kurze Zeit später entstanden auch die ersten Hornhautbanken in Österreich (durch
Grabner in Wien) und der Schweiz (durch Schimmelpfennig in Zürich). Danach
folgten Aachen (1989), Kiel (1991) und Greifswald (1992). Schließlich wurde 1995
die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Hornhautbanken gegründet. Im Jahre 1997
wurde das Transplantationsgesetz verabschiedet und damit eine rechtliche
Grundlage für die Gewinnung von Spenderhornhäuten geschaffen.
Prof. Dr. F. Wilhelm, Univ.-Augenklinik der Martin-Luther-Universität Halle-
Wittenberg, Magdeburger Straße 8, D-06097 Halle

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Martin Wenzel und Stéphanie Langefeld (Trier)
Die moderne Kataraktchirurgie; Von Frankreich über Österreich in alle
Welt


Bis zur zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war Frankreich das unbestrittene
Zentrum der modernen Ophthalmologie. Als die Kaiserin Maria Theresia eine
Blephachochalasis (Ptosis?) erlitt, traute sie keinem ihrer Wiener Augenärzte eine
adäquate Therapie zu, sondern ließ sich auf Anraten von van Swieten aus Paris
den dort sesshaften deutschsprachigen Operateur J. Wenzel kommen. Um ihren
Leidensdruck nicht offen bekannt zu geben, erfolgte die Einladung offiziell zur
Behandlung des Stars bei einer Freundin. Nur aus den veröffentlichten OPBerichten
von Wenzel erfahren wir von der Behandlung der Kaiserin.
Maria Theresia war von seinen operativen Leistungen so angetan, dass sie sich
persönlich um eine operative Ausbildung von Wiener Ärzten durch J. Wenzel
einsetzte und es dauerte einige Jahre, bis dann endlich J. Barth erfolgreich von J.
Wenzel zum Operateur ausgebildet worden ist. Bei dieser Ausbildung war G. J.
Beer als junger Gehilfe anwesend. Später weigerte sich Barth, andere Kollegen
weiterzubilden, so dass sich viele Jahre später G. J. Beer autodidaktisch,
basierend auf seinen Beobachtungen in seiner Jugend, als Armenaugenarzt an
Staroperationen wagte, und langsam erfolgreich wurde. Im Gegensatz zu seinen
Zeitgenossen bot er sich dann den Medizinstudenten in Wien als Lehrer an, so
dass er ungezählte Operateure ausgebildet hat. Die Medizinische Fakultät konnte
nicht umhin, ihn nach langen Querelen mit dem ersten Lehrstuhl für
Augenheilkunde zu betrauen. Dies war die Keimzelle für die universitäre
Ophthalmologie zumindest in Mitteleuropa. Noch A. von Graefe, der durch F. Arlt,
einem „Enkel” als Schüler von Beer für die Ophthalmologie geworben wurde, lobte
die Operationsberichte von Wenzel als nützlich für seinen operativen Alltag.

Prof. Dr. M. Wenzel, Augenabt. des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder,
Nordallee 1, D-54292 Trier

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