Robert
Heitz (Strasbourg):
Die Kontaktbrille von Adolf Eugen Fick (1887
In September 1887
legte August Eugen Fick, Augenarzt und Privatdozent in Zürich,
dem Archiv für Augenheilkunde eine originelle Arbeit mit dem Titel
„Eine Contactbrille" vor. Es handelt sich dabei um einen
Bericht über seine Arbeiten, die zur Entwicklung der Kontaktlinsen
geführt haben. Der Artikel wurde im März 1888 in der deutschen
und englischen Ausgabe der Archive veröffentlicht.
Fick nahm zunächst
Versuche an Kaninchenaugen vor. Danach hat er Augenabdrucke von Leichenaugen
gemacht. Er probierte die sklerale Kontaktlinse bei sich selbst und
bei ihm nahestehenden Personen aus. Schließlich ließ er
von Prof. Abbe aus Jena Sklerallinsen herstellen, die er auf die Augen
von 6 seiner Patienten auflegte. Davon wiesen 5 einen irregulären
Astigmatismus und Hornhautnarben auf. Der sechste Fall war ein Keratokonus.
Die guten Ergebnisse ermutigten ihn, seine Studien weiterzuführen.
A. E. Fick hatte Schwierigkeiten bei der Herstellung der Linsen, die
damals kein Optiker anfertigen wollte.
A. E. Fick wurde
durch seinen Onkel väterlicherseits, den Physiologen A. Fick, u.
a. Erfinder eines Tonometers, beeinflusst. A. E. Fick hatte in Zürich
eine Augenarztpraxis eröffnet, wo er auch von 1887 bis 1914 Privatdozent
der Augenheilkunde und der Physiologie war. Er verstarb im Jahre 1937
im Alter von 85 Jahren. (English)
Dr. med. Dr. phil.
R. F. Heitz, 23 A rue Trubner, F-67000 Strasbourg
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Aloys Henning
(Berlin):
Zur Geschichte von Joseph Hillmers Familie in Hainburg
Aus dem Taufeintrag
seines Sohnes Johann Joseph von 1752 im Register der Berliner reformierten
Französischen Kirche (Hugenotten) wurde 1999 der niederösterreichische
Geburtsort Hainburg des Okulisten Joseph Hillmer bekannt (vgl. Mitt.
JGH 2 (2001) S. 68). Archivfunde der Hainburger Stadtarchivarin Erna
Frank belegen die Geschichte der Hillmers als Hainburger Bader von 1685
bis 1750. Nach der Entsetzung Wiens von der türkischen Belagerung
1683 wurde der „Bader Meister" Leonhard Hillmer 1685 auf
einer günstig erworbenen Brandstätte des von den Türken
niedergebrannten Hainburg sesshaft. Als Bader in Hainburg, das vor der
Belagerung Wiens über zwei Bader für etwa 4000 Einwohner (heute
6500) verfügte, waren Leonhard Hillmer (gest. 1713) und sein Sohn
Ferdinand (geb. 1787) angesehene Bürger mit wichtigen Stadtämtern.
Ihre sozialen und Besitzverhältnisse lassen sich mit Joseph Hillmers
Biographie als Okulist vergleichen. Sie erscheint teilweise als sozialer
und ökonomischer Aufstiegsversuch. Die ersten ophthalmiatrischen
Kenntnisse verdankte er augenscheinlich seinem Stiefvater, dem Feldscher
Andreas Bucher, der nach dem Tod von Joseph Hillmers Vater Ferdinand
1730 die Witwe Elisabeth, geb. Zimmermann aus Neusiedl am See, des Baders
und Wundarztes heiratete und die Praxis übernahm. Mit dem Tode
Buchers, der 1750 im Alter von 60 Jahren starb, erlosch die Hillmersche
Bader-Praxis in Hainburg. Nach dem Tod Elisabeth Buchers 1755 gibt es
keine Archivalien mehr zur Familie Hillmer in Hainburg. (English)
Dr. med. A. Henning,
Spandauer Straße 104 K, D-13591 Berlin
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Jutta Herde (Halle):
Zur
Geschichte der Mydriatika
Tierische, mineralische
und vor allem pflanzliche Substanzen wurden seit dem Altertum für
Heilzwecke eingesetzt. Bei der Suche nach und der Anwendung von schmerzlindernden
Mitteln wurde bei einigen, besonders bei den Solanaceae, gleichzeitig
Pupillenerweiterung beobachtet. Celsus gebrauchte als erster den Terminus
Mydriasis. Galen erkannte die mydriatische Wirkung verschiedener pflanzlicher
Gifte. Älteste Überlieferungen sind aus Griechenland. Italien.
Persien. Ägypten. Indien und Südamerika belegt. Im ältesten
Buch der Heilkunde – Papyrus Ebers (um 1600 J. v. Chr.) –
fand zumindest Mandragora als „dja-dja" Erwähnung. Mandragora
(Alraune – Gift des Gottes Ra), Hyoscyamus niger und albus (schwarzes
und weißes Bilsenkraut). Datura, Stramonium (Engelstrompete, Stechapfel)
waren bereits Dioscurides, Plinius d. Ä., Celsus, Galen u. a.,
jedoch Atropa (Tollkirsche) nur Theophrast bekannt. Empfahl Plinius
d. Ä. Einträufelung von Anagallis-Saft vor dem Starstich,
so wendeten Dioscurides und Celsus Umschläge mit Bilsenkrautblättern
bzw. Einreibungen in der Schläfenregion an. Die von den alten Griechen
verwendeten Opium- und Hyoscyamus-Gemische lehnte Galen ab und bevorzugte
solitäre Substanzen. Das Kokain nahm seinen Ausgang bei den alten
Kulturvölkern Südamerikas. Auf Galen geht der Satz „Für
Blauäugige der Saft des Nachtschattengewächses eingeträufelt,
macht schwarze Augen“ zurück. Eine Darstellung der Atropa
Belladonna ist sowohl bei Hildegard von Bingen im 12. Jh. als auch bei
Leonhart Fuchs 1542 zu finden. Die Wirkung von Atropin dokumentierte
John Ray 1686. Im 16. Jahrhundert wurde der Terminus bella donna (schöne
Frau) in Venedig von Matthioli wegen der kosmetischen Verwendung geprägt.
Linne etablierte 1737 den Gattungsnamen Atropa (Unabwendbare) auf Grund
seiner Systematisierung des Pflanzenreiches und der angestellten Beziehung
dieses Giftes zu den Moiren (Schicksalsgöttinnen) Klotho, Lachesis
und Atropos. Der von Klotho gesponnene und von Lachesis gewebte Lebensfaden
wird von Atropos durchschnitten. Die systematische klinische Erforschung
erfolgte unabhängig 1796 von J. Ch. Loder in Jena. 1799/1800 von
K. von Himly in Göttingen, 1776 von Reimarus und Daries in Hamburg
sowie 1819 von R. Runge in Jena. Mit den von Karl von Himly vorzugsweise
mit Hyoscyamus durchgeführten zahlreichen Untersuchungen (Collyrium
probatorum) begann die wissenschaftlich begründete klinische Anwendung
der Mydriatika. Der Name Mydriatika wurde von Himly inauguriert. Er
stellte elf Indikationsgruppen für die Anwendung auf. In England
wurden Mydriatika vorzugsweise durch Paget 1801 sowie durch Saunders
und Wishart 1809 bekannt. Die Übersetzung von Himlys Publikation
ins Französische sorgte für die Verbreitung in Frankreich.
Die kristalline Reindarstellung des Atropins gelang 1831 durch den Apotheker
Mein. J. Liebig analysierte die chemische Zusammensetzung. Geiger und
Hesse isolierten 1833 Atropin, Hyoscyamin und Daturin aus den Pflanzen.
Der unkontrollierte Wirkstoffgehalt der anfangs benutzten unreinen Pflanzensäfte,
die bekannten Nebenwirkungen dieser „Gift- und Hexenstoffe"
sowie die schlechte Verträglichkeit der ersten Zubereitungen veranlasste
viele Augenärzte zur restriktiven Anwendung. Den Durchbruch in
der klinischen Anwendung erbrachte die Herstellung des reinen schwefelsauren
Atropins, die Begründung der Wirkung des Atropins durch A. von
Graefe sowie die synthetische Herstellung. (English)
Prof. Dr. J. Herde,
Augenklinik der Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg, Magdeburger
Straße 8, D-06112 Halle
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Gerhard Holland
(Kiel):
Von der seitlichen fokalen Beleuchtung zur modernen
Gullstrand perfektionierte
mit seiner 1911 auf der 37. Versammlung der Deutschen Ophthalmologischen
Gesellschaft in Heidelberg vorgestellten Nernstspaltlampe die sog. seitlich
fokale Beleuchtung als Untersuchungsmethode des Auges. Danach begann
die Erfolgsgeschichte der eigentlichen Spaltlampe mit ihren vielfältigen
Anwendungsmöglichkeiten in der Untersuchung, in der Dokumentation
und in der Therapie des Auges. Aus der Frühphase der Entwicklung
der Spalttampe sind vor allem der Physiker Otto Henker und die Augenärzte
Leonhard Koeppen und Alfred Vogt und die Firma Zeiß-Jena zu nennen.
Im Besitz der Medizin- und Pharmaziehistorischen Sammlung der Christian-Albrechts-Universität
Kiel befinden sich je eine Spaltlampe von Gullstrand-Henker (1916),
Comberg (1933), Goldmann (1940) und Littmann (1950). Diese Spaltlampen
sind ein besonderer Schwerpunkt unserer Betrachtungen. (English)
Prof. Dr. G. Holland,
Esmarchstraße 51, D-42105 Kiel
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Manfred Jähne
(Aue)
„Alles kommt vom Bergwerk her“ – Auf
den Spuren von Berufskrankheiten im sächsischen Erzgebirge vor
über 400 Jahren
Aufgrund seiner
reichen Erzvorkommen war Sachsen im Montanwesen im 15. bis 18. Jahrhundert
führend in Europa. Obwohl der Schneeberger Lungenkrebs als älteste
Berufskrankheit der Welt und der Feuerstar erst 1925 als Berufskrankheiten
anerkannt wurden, besitzen beide Berufskrankheiten im Erzgebirge eine
fast 500-jährige Krankheitsgeschichte und fanden bereits 1537 bei
Paracelsus (1493–1541) Beachtung. Sein Büchlein: ,Von der
Bergsucht oder Bergkranckheiten, drey Bücher‘, darf als erste
Monographie einer Berufskrankheit der Berg- und Hüttenarbeiter
gewertet werden. Möglicherweise beschrieb dieser auch die Mercuria
lentis (Quecksilber-Intoxikation der Linse).
Somit kann Paracelsus
als „Erstbeobachter" von drei Berufskrankheiten gelten. Wir
fanden auch die erste chronikalische Literaturangabe zum Feuerstar und
zur Ergophthalmologie 1699 in der Chronik des erzgebirgischen Scheibenberger
Pfarrers Christian Lehmann sen. (1611–1688), posthum 1699 in Leipzig
herausgegeben, noch 40 Jahre vor der Erstbeschreibung des Feuerstares
von Lorenz Heister (1683–1758). Vor diesem Hintergrund werden
Fluch und Segen des Bergbaues, das sächsische Medizinalwesen früherer
Jahrhunderte und insbesondere die Problematik des Feuerstars eingehend
beschrieben. (English)
Dr. med. habil.
M. Jähne, Semmelweis-Siedlung 8, D-08301 Schlema
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Frank Krogmann
(Thüngersheim):
Tiroler Augenärzte – ein Exportschlager par excellence
Tirol darf für
sich in Anspruch nehmen, eine Reihe von bedeutenden Augenärzten
hervorgebracht zu haben. Diese waren entweder in Tirol geboren worden
oder hatten in Tirol ihre fachspezifische Ausbildung genossen bzw. ihre
ersten Berufsjahre absolviert. Später waren diese dann in anderen
Ländern Österreichs oder im Ausland tätig. Im Vortrag
werden eine Reihe von ihnen vorgestellt. Aufgrund ihrer bedeutenden
Leistungen dürfen sie zu Recht als ein „Exportschlager“
par exellence bezeichnet werden. (English)
F. Krogmann, Kirchgasse
6, D-97291 Thüngersheim
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Andreas Mettenleiter (Würzburg):
130 Jahre Privat-Augenkliniken in Würzburg (1840–1972)
Mit der Einrichtung
einer provisorischen Augenklinik durch den Chirurgen und Ophthalmologen
Heinrich Adelmann (1807–1883) im Jahre 1840 in seiner Privatwohnung
beginnt in Würzburg eine Ära prosperierender augenärztlicher
Kliniken. Während Friedrich Anton von Troelsch (1829–1890)
in seiner 1857 eröffneten Augenklinik bald überwiegend ohrenärztliche
Patienten behandelte, vermachte Robert von Welz (1814–1878) seine
1855 begründete Klinik nach seinem Tod der Würzburger Hochschule,
die dort die erste Universitäts-Augenklinik einrichtete. In den
späten 1860er Jahren entstanden die beiden Kliniken von Friedrich
Christian Helfreich (1842–1927) und Adam Bäuerlein (1840–1923);
letzterer verkaufte seine Privatklinik 1898 an Karl Arens (1860–1930).
Die 1901 von Wilhelm Apetz (1872–1956) eröffnete Klinik wurde
bis 1972 von dessen Sohn Heinrich (1908–1990) fortgeführt.
Die Blütezeit der Würzburger Augenkliniken lag in der Zeit
von 1860 bis etwa 1920, als zeitweise bis zu vier ophthalmologische
Privatinstitute nebeneinander bestanden. Die Geschichte dieser Spezialkliniken
spiegelt auch die rasante Entwicklung des Faches in der zweiten Hälfte
des 19. Jahrhunderts wieder. (English)
Dr. med. Andreas
Mettenleiter, Institut für Geschichte der Medizin der Universität
Würzburg, Oberer Neubergweg 10a, D-97074 Würzburg
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Hans-Felix Piper
(Lübeck):
Alfred Wilhelm Volkmann (1801–1877): als Sinnesphysiologe
gerügt – gewürdigt – genannt
Volkmann lehrte
in Leipzig, Dorpat, Halle und hinterließ Arbeiten zur Anatomie
und Physiologie des Gesichtssinnes. Selbst ein echter Naturforscher,
ließ er philosophische Deutungen anklingen und stellte „Die
Physiologie als Gegnerin von der Lehre des Materialismus und von der
Identität des Leibes und der Seele“ dar (1838). Sinnreiche,
aber einfach gestaltete Vorlagen, die er sich am Arbeitsplatz aufbaute
und seinen Lesern zur Nachahmung empfahl, dienten ihm zur Klärung
scheinbar widersprüchlicher Beobachtungen. Zwei seiner Hauptwerke
erschienen 1836 und 1863/64; in diesem Zeitraum hatte er manche Schlussfolgerung
abändern müssen. Seine Fachkollegen gingen nicht gerade glimpflich
mit ihm um:
Burow glaubte, ihm Fehler und sogar Unwahrheit nachzuweisen (1842),
Panum meinte, dass die Seele in der Physiologie nichts zu suchen habe
(1861), und Hering warf ihm mangelnde Literaturkenntnis vor (1864).
Erst von Helmholtz erteilte ihm den Ritterschlag und nannte ihn 1867
in seinem Handbuch der physiologischen Optik 58-mal. Heute – 150
Jahre später – hat er im deutschsprachigen Schrifttum seinen
festen Platz. Er beschrieb gegensinnige Verrollung der Senkrechtempfindung
zwischen den Augen, die Irraditation in Grenzgebieten der Helligkeit,
maß die Geschwindigkeit von Augenbewegungen und baute das Tachistoskop,
das Makroskop u. a. Sein Name muss als unverzichtbar gelten. (English)
Prof. Dr. H.-F.
Piper, Im Brandenbaumer Feld 32, D-23564 Lübeck
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Hans Remky (München):
Auf dem Weg zur Keratotopographie: Ophthalmometrie, Kerato-Skopie-Metrie
1600–1930
OPHTHALMOMETER nannten
im 18. Jahrhundert französische Ärzte Geräte zur anatomischen
Vermessung des Augapfels, 1854 HELMHOLTZ seinen Apparat zur Augapfelvermessung
in situ. Als KERATOMETRIE bezeichnete 1873 CUIGNET die von ihm erfundene
Skiaskopie.
Die 1619 von SCHEINER
beschriebene KERATOSKOPIE wurde 1927 von BREWSTER als klinische Methode
empfohlen. Von 1838 an sind wichtige Versuche zur Quantifizierung keratoskopischer
Befunde unternommen worden, z. B. von KOHLRAUSCH und von SENFF, die
1854 ihren Höhepunkt mit dem Ophthalmometer von HELMHOLTZ und dessen
späterer Modifikation von COCCIUS erreichten.
1880 hatte mit PLÁCIDO
eine Renaissance der Keratoskopie begonnen, die über die Geräte
von JAVAL und SCHIÖTZ zur KERATOFOTOGRAFIE führte; deren Entwicklung
setzte zunächst Verbesserungen der erstmals 1881 versuchten keratometrischen
Fotografie voraus, um die sich dann besonders GULLSTRAND, EEGGELET,
DEKKING und AMSLER verdient gemacht haben. Der Schritt zur Keratofotografie
gelang dann 1984 mittels Computer- und Videotechnik; die Plácido-Scheibe
blieb unentbehrlich. (English)
Prof. Dr. H. Remky,
Arabellastraße 5–9, D-81925 München
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Dieter Schmidt
(Freiburg):
Wilhelm Manz (1833–1911), erster Lehrstuhlinhaber der Univ.-Augenklinik
Freiburg (1868)
Wilhelm Manz, geboren
am 29.5.1833 in Freiburg, besuchte das Gymnasium und wurde 1851 als
Student in Freiburg immatrikuliert. Er legte 1855 sein medizinisches
Staatsexamen in Freiburg ab und bereiste zur Ergänzung seiner Ausbildung
Prag, Wien, und Paris in den Jahren 1856/57.
Im Sommer 1857 besuchte er die Augenklinik des Albrecht von Graefe in
Berlin. Manz promovierte in Freiburg 1858 über „Die Akkommodation
des Fischauges“. 1861 erfolgte die Habilitation. Er arbeitete
sowohl am Physiologischen Institut und anschließend als Prosektor
im Anatomischen Institut Freiburg bis 1866.
1868 erhielt Manz
den Lehrstuhl für Augenheilkunde, 1871 wurde er zum ordentlichen
Professor ernannt. Damit hatte Freiburg als eine der ersten Universitäten
in Deutschland einen Lehrstuhl für Augenheilkunde erhalten. 1877
wurde die Augenklinik fertiggestellt, als eine der ersten Augenkliniken
Deutschlands. Manz war mehrfach Dekan der Fakultät und wurde 1886
zum Prorektor der Universität gewählt und erhielt den Titel
Hofrat. 1901 im Alter von 68 Jahren legte er sein Amt als Ordinarius
nieder. Am 20.4.1911 starb er.
Sein wissenschaftliches
Werk umfasst zahlreiche Veröffentlichungen über die Entwicklungsgeschichte
des Auges sowie über Missbildungen des Sehorgans (einschließlich
zwei größerer Handbuchartikel 1875). Er fertigte Wachsmodelle
der Entwicklungsgeschichte des Auges zum besseren Verständnis an.
Von .ihm stammten
die ersten Publikationen über Tuberkel in der Aderhaut (1858, 1863,
1881, 1895). Er prägte den Ausdruck „Retinitis proliferans“
(1880).
Manz veröffentlichte
seine Beobachtungen über Kolobome der Iris und Chorioidea (1876),
kongenitalen Mikrophthalmus (1880), und Kolobom des Sehnerven (1891)
sowie über das Auge der hirnlosen Missgeburten (1870). Manz beobachtete
eine Zyklitis bei angeborenem Irismangel (1875). Schließlich befasste
Manz sich mit Orbitafrakturen (1866). Bedeutend sind auch seine experimentellen
Studien über die Beziehung zwischen erhöhtem intrakraniellen
Druck und Optikusschädigung (1870). Zudem veröffentlichte
er wichtige klinische Beobachtungen wie beispielsweise die diphtherischen
Akkommodationslähmungen (1870), die melanotische Geschwulst der
Hornhaut (1871), syphilitische Augenkrankheiten (1872, 1874), Degeneration
des Sehnerven (1882), die Schulmyopie (1883), metastatischer Krebs der
Chorioidea (1885), rezidivierende Okulomotoriuslähmung (1885, 1889),
den klinischen und histologischen Befund beim Zentralarterienverschluss
(1891) und markhaltige Nervenfasern der menschlichen Netzhaut (1894).
(English)
Prof. Dr. D. Schmidt,
Universitäts-Augenklinik Freiburg, Kilianstraße 5, D-79106
Freiburg
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Ulrich Schönherr,
F. Stahnisch, A. Bergua (Linz):
Albert Neissers Stereoscopischer Medicinischer Atlas (1895–1906)
– Eine außergewöhnliche fotografische Sammlung auf dem
Gebiet der Augenheilkunde
Bildliche Darstellungen
und Fotografien von Augenkrankheiten nehmen in der Didaktik der Augenheilkunde
wie auch in der ophthalmologischen Forschung seit jeher einen hohen
Stellenwert ein. Vor diesem Hintergrund beabsichtigt das vorliegende
Editionsprojekt, den wissenschaftlich kommentierten Reprint eines der
frühesten stereoskopischen Atlanten der Augenheilkunde herauszugeben
(A. Bergua, F. Stahnisch, U. Schönherr: Albert Neissers Stereoscopischer
Medicinischer Atlas).
Es handelt sich
um die Reproduktion der wahrscheinlich ersten stereoskopischen Aufnahmen
über Augenerkrankungen weltweit, die zwischen 1895 und 1906 unter
der Leitung des Breslauer Medizinprofessors Albert Neisser (1855-1916)
sowie mit Beteiligung mehrerer deutschsprachiger Ophthalmologen als
Stereoscopisch-medicinischer Atlas in Kassel und Leipzig herausgegeben
wurden. Weltweit sind nur noch wenige dieser Atlanten erhalten, wobei
sie tatsächlich erstaunliche 3D-Fotografien von Augenerkrankungen
zeigen, wie sie in den Kliniken der westlichen Welt inzwischen nicht
mehr gesehen werden können. Damit sind sie von großem Wert
für die medizinische Aus- und Fortbildung.
Die zeitgenössischen
Augenärzte, welche die fotografierten PatientInnen in ausgewiesenen
Universitätskliniken des deutschen Sprachraums behandelten, haben
ungewöhnliche Krankheitsfälle primär für didaktische
Zwecke aufgenommen und festgehalten. Unter Verwendung einer neuen, im
19. Jahrhundert entstandenen technischen Visualisierungsmethode, der
Fotografie, dokumentierten sie die Krankheiten ihrer PatientInnen. Die
ausgezeichnete realistische Wiedergabefähigkeit prädestinierte
die fotografische Methode nach der Vorstellung der Ophthalmologen dazu,
die belastenden Folgen von Augenkrankheiten adäquat zu übermitteln.
Zugleich bekam die ophthalmologische Fotografie in diesem Kontext vielfältige
neue Anwendungsgebiete zugeschrieben. Neben ihrem Einsatz in der Forschung
sollten fotografische Abbildungen das kranke Auge auch für diagnostische
und gerichtsmedizinische Zwecke in PatientInnenakten dokumentieren sowie
für Unterrichtszwecke zur Verfügung stellen. Die Dokumentation
geschah oft in langfristigen zeitlichen Untersuchungs- und Aufnahmefolgen,
damit die individuellen Krankheitsverläufe besser verdeutlicht
werden konnten. Leopold Heine (1870-1940) aus der Universitäts-Augenklinik
zu Breslau hielt deshalb im Vorwort zur elften Folge des Neisserschen
Atlasses fest, dass den damaligen Ophthalmologen gerade die Augenpräparate
für eine Darstellung in natürlicher Größe gut geeignet
schienen, weil diese sich nun in ihrer normalen Größe und
in ihren natürlichenTiefenverhältnissen darstellen ließen
und für den fotografischen Blick leicht zugänglich wären.
Prof. Dr. U. Schönherr,
Primarius der Augenabteilung des Konventhospitals der Barmherzigen Brüder,
Seilerstätte 2, A 4021 Linz
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Jean-François
Thurloy (Le Treport):
Carl Adolph von Basedow
Carl Adolph von Basedow wurde 1799 in Dessau geboren. 1822 wurde er
an der Universität Halle diplomiert. Im selben Jahr lässt
er sich als Arzt in Merseburg nieder. In den Jahren 1823/1824 wird er
Kreisphysikus. Er starb 1854 an einer fieberhaften Infektion nach einer
Sektion. Im Jahre 1840 veröffentlicht er in der „Wochenschrift
für die Gesammte Heilkunde“ Beobachtungen unter dem Titel
„Exophthalmus durch Hypertrophie des Zellgewebes in der Augenhöhle“
Fälle von vier Patienten, die eine eigentümliche Krankheit
hatten, und zwar mit den Symptomen Kropf, Herzklopfen (Palpitatio cordis,
Tachycardie) und Exophthalmus. Zwei Drittel seines Beitrages beschreiben
diese spezifische Charakteristik. In seiner Praxis hatte er Patienten
mit Exophthalmus gesehen, aber ohne diese spezifischen Zeichen. Er stellte
fest, dass nicht das Auge größer, sondern das Gewebe, das
sich in der Orbita befindet, dichter wird. In der klinischen Beschreibung
erklärt er, dass der Exophthalmus so groß wird, dass die
Sklera oberhalb und unterhalb der Hornhaut sichtbar wird. Das typische
Zeichen ist der Gesichtsausdruck der Patienten, deren Augen von den
Lidern nicht bedeckt werden, auch nicht im Schlaf. Zur Ätiologie
dieser Krankheit meint Basedow, dass sie von einer Hypertrophie des
Fettgewebes in der Orbita komme und die Ursache im Blutkreislauf liege.
Diese Art von Exophthalmus nennt Basedow „Glotzaugencachexie“.
Dieser Ausdruck deutet einen anämischen Ursprung der Krankheit
an. Basedow war nicht der erste, der diese Symptomatologie beobachtet
hat.
Schon 1825 findet
sich in den Werken des Arztes Calleb Hillier Parry (1733-1822) unter
dem Titel „Collections from the unpublished medical writings“
eine Andeutung. 1835 veröffentlicht der Arzt Robert James Graves
(1797-1853) aus Dublin einen Beitrag im „The London medical and
surgical Journal“ unter dem Titel „New observed affection
of the thyroid gland in females“. Er beschreibt die gleichen Symptome.
Graves und Parry heben besonders den Kropf und die Palpitationen hervor.
Die Namen von Graves und von Basedow werden heute beide angewandt, um
die Krankheit zu bezeichnen. „Morbus Basedow“ und „maladie
de Basedow“ sind im nicht-englisch-sprechenden Europa in Gebrauch,
während „Graves’s disease“ in den angelsächsischen
Ländern verwendet wird. Im Gegensatz dazu ist die Exophthalmie
dieser Krankheit als „Basedowsche Exophthalmie“ bekannt.
Manche erkennen in diesem Unterschied eine Frage der Priorität.
So bei Trousseau, der bei der Diskussion über den exophthalmischen
Kropf 1862 an der Académie Impériale de Médecine
in Paris den Namen von Graves vorschlägt, um die neue Krankheit
zu bezeichnen. Andere schließen nur auf das sprachliche Empfinden.
Basedow aber ist derjenige, der die Krankheit mit seiner symptomatischen
Trias („Merseburger Trias“) beschrieben hat und den Exophthalmus
als erstes Symptom der Krankheit gesehen hat.
J.-F. Thurloy, 24
rue de Paris, F-76470 Le Treport
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Gottfried Vesper
(Leipzig):
Charlotte
von Lengefeld (1766–1826) – eine Augenoperation am Ende
ihres Lebens
Charlotte von Lengefeld
ist meist nur als Gattin des berühmten deutschen Dichters Friedrich
von Schiller bekannt. Schiller war häufig krank und sie unterstützte
ihren Mann sehr bei seiner schriftstellerischen Tätigkeit. Als
sie fast 60 Jahre alt war verschlechterte sich ihre Sehleistung erheblich.
Eine Augenoperation war wegen einer Starerkrankung erforderlich. Wenige
Tage danach verstarb sie am 09.07.1826 an einem höchstwahrscheinlichen
Schlaganfall. (English)
MR Dr. med. G. Vesper,
Harnackstraße 9, D-04317 Leipzig
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Ralf Vollmuth (Würzburg):
Georg Friedrich Louis Stromeyer und seine Bedeutung für
die Augenheilkunde. Ein Beitrag anlässlich seines 200. Geburtstags
Vor 200 Jahren,
am 6. März 1804, wurde in Hannover Georg Friedrich Louis Stromeyer
geboren, der den Aufschwung der Heilkunde im 19. Jahrhundert in verschiedenen
Bereichen wesentlich mitprägte. Der Sohn des königlichen Leibchirurgen
Christian Friedrich Stromeyer besuchte von 1821-23 die chirurgische
Schule in Hannover und studierte danach in Göttingen sowie Berlin,
wo er 1826 promovierte. Stromeyer unternahm während des Studiums
und nach dem Examen ausgedehnte Studienreisen (unter anderem nach Wien,
Paris und London), um so sein Wissen zu vervollständigen. –
Im Zuge dieser fundierten Ausbildung wurde Stromeyer auch von einer
Reihe bedeutender Augenärzte unterrichtet und geprägt: Karl
Himly in Göttingen, Carl Ferdinand Graefe in Berlin, Anton Rosas
und Friedrich Jaeger in Wien.
Ab 1828 praktizierte
Stromeyer in Hannover, er lehrte darüber hinaus an der chirurgischen
Schule und gründete 1829 eine orthopädische Anstalt. Mit der
von ihm 1831 eingeführten subkutanen Myo- und Tenotomie der Achillessehne
wurde Stromeyer international bekannt. 1838 erhielt er den Lehrstuhl
für Chirurgie in Erlangen, er wechselte 1841 nach München
und 1842 nach Freiburg. 1848 wurde Stromeyer nach Kiel berufen und folgte
Bernhard Langenbeck als Professor für Chirurgie und Generalstabsarzt
der schleswig-holsteinischen Armee nach.
1854 kehrte Stromeyer
als Generalstabsarzt in seine Heimat zurück und erneuerte in den
folgenden Jahren das Militär-Sanitätswesen der königlich
hannoverschen Armee. Er nahm 1866 am Deutschen Krieg teil und wirkte
1867 in verantwortlicher Position an der Reformierung des preußischen
Kriegssanitätswesens mit.
Dass Louis Stromeyer,
der am 15. Juni 1876 in Hannover starb, als einer der großen Ärzte
seiner Zeit in der Medizingeschichte seinen Platz gefunden hat, ist
vor allem darin begründet, dass er zu den bedeutendsten deutschen
Kriegschirurgen zählt und als Mitbegründer der orthopädischen
Chirurgie gilt. Doch darüber hinaus hat er noch andere medizinisch-chirurgische
Disziplinen nicht nur unterrichtet, sondern um eine Reihe von Erkenntnissen
und Verfahren bereichert – so auch die Ophthalmologie:
Stromeyer hatte
in seiner 1838 in Hannover erschienenen Arbeit „Beiträge
zur Operativen Orthopädik oder Erfahrungen über die subkutane
Durchschneidung verkürzter Muskeln und deren Sehnen“ nach
Versuchen an Leichen eine Schieloperation durch Muskelschnitt beschrieben,
die 1839 erstmals von Johann Friedrich Dieffenbach am Menschen erprobt
wurde und in den folgenden Jahren vielfach zur Durchführung kam.
Im Jahre 1844 wurde Stromeyer gemeinsam mit Dieffenbach hierfür
durch die Pariser Akademie der Wissenschaften ausgezeichnet.
Beachtung fand ferner
das Werk „Das Korektom, ein neues Instrument für die künstliche
Pupillenbildung und für die Extraction des angewachsenen Staares"
aus der kurzen Münchner Zeit Stromeyers (1842), so dass eine Würdigung
der Leistungen Louis Stromeyers für die Augenheilkunde anlässlich
seines 200. Geburtstags mehr als geboten erscheint.
Dr. med. dent. R.
Vollmuth, Institut für Geschichte der Medizin der Universität
Würzburg, Oberer Neubergweg 10a, D-97074 Würzburg
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Gregor Wollensak (Berlin)
Die heilige Hemma von Gurk
Hemma, Gräfin
von Friesach-Zeltschach, wurde um 980 in Kärnten geboren. Frühzeitig
verlor sie Ihre Eltern und wuchs danach bei Verwandten in Bayern auf.
Hemma heiratete später Graf Wilhelm an der Sann und hatten zwei
Söhne, Wilhelm und Hartwik. Sie war begütert, da ihr die Gold-
und Silbergruben in Zeltschach gehörten. Als bei einem Aufstand
der Bergknappen ihre Söhne Ruhe und Ordnung herstellen wollten,
wurden sie von den Aufständischen erschlagen. Ihr Gemahl nahm hierfür
blutige Rache und schlug den Aufstand nieder. Da hierbei auch Unschuldige
den Tod fanden, beschloss Graf Wilhelm als Sühne nach Rom zu pilgern.
Auf dem Rückweg von Rom verstarb er jedoch unerwartet. St. Hemma
ließ sich nicht verbittern und beschloss, eine Kirche und ein
Frauenkloster in Gurk zu bauen, deren Aufbau sie persönlich überwachte.
In der Folgezeit stiftete sie noch 9 weitere Pfarrkirchen und das Männerkloster
in Admont. Sie verstarb am Peter- und Paulstag 1045. Im 12. Jahrhundert
wurde ihr in Gurk eine wunderschöne Krypta mit hundert weißen
Marmorsäulen erbaut, in der auch ihr Steinsarkophag liegt. 1938
wurde sie u.a. wegen zahlreicher Wunderheilungen, dabei auffallend viele
Heilungen von Blindheit, von Papst Pius XI. heilig gesprochen. In Gurk
wird auch heute noch an vier Tagen im Jahr ein Augensegen mit dem Ring
der heiligen Hemma erteilt.
Priv. Doz. Dr. med.
G. Wollensak, Wildentensteig , D-14195 Berlin
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Franz Daxecker
(Innsbruck):
Christoph Scheiner und seine Untersuchungen zur physiologischen
Optik des Auges
Geboren wurde Scheiner
am 25. Juli 1573 in Wald, Schwäbisch-Österreich, er war also
habsburgischer Untertan. 1595 trat er in die Gesellschaft Jesu ein.
Ab 1610 war er Professor für Astronomie in Ingolstadt. Ende 1617
wurde er von Erzherzog Maximilian III. nach Innsbruck gerufen und blieb
auch unter seinem Nachfolger Leopold V. Scheiner wurde Bauleiter des
ersten Jesuitenkirchen-Neubaues in Innsbruck. Die Kirche stürzte
1626 ein. Der Bischof Erzherzog Karl von Österreich erbat sich
Christoph Scheiner als Beichtvater. Scheiner kam 1622 nach Neisse und
1624 nach Rom, wo er bis nach dem Ende des Galilei-Prozesses 1633 blieb.
Er starb am 18. Juli 1650 in Neisse an einem apoplektischen Insult.
Christoph Scheiner
erfand 1603 den Pantografen, beschrieb 1612 die Sonnenflecken („Apelles-Briefe“)
und geriet in einen Prioritätsstreit mit Galilei. Er fasste 1614
die damals bekannten Weltsysteme zusammen, darunter befand sich das
kopernikanische System, deswegen wurde er vom Generaloberen Aquaviva
ermahnt bei der Lehre der „Alten“ zu bleiben. Er baute Sonnenuhren
und erforschte die elliptische Gestalt der Sonne beim Auf- und Untergang.
In dem Buch „Oculus hoc est: Fundamentum opticum“ (Innsbruck
1619) befasste er sich mit der physiologischen Optik des Auges und in
seinem Hauptwerk „Rosa Ursina sive Sol“ (Rom 1630) mit den
Sonnenflecken und dem Vergleich zwischen der Optik des Auges und der
des Fernrohres.
In den erwähnten
Büchern beschrieb er den nasalen Abgang des Sehnerven, die Akkommodation,
die Lichtreaktion der Pupille, die Pupillenverengung bei der Akkommodation,
den Sehwinkel, die Strahlenkreuzung, die Brechungsindizes, maß
den Krümmungsradius der Hornhaut und erfand den „Scheiner-Versuch“
zum Nachweis der Ametropie. Er bewies das umgekehrte Netzhautbild.
Scheiner blieb Anhänger
des geozentrischen Systems. Es gibt Hinweise, dass Scheiner im Herzen
an das heliozentrische Weltsystem glaubte, aber wegen des Gelübdes
des Gehorsams die Meinung der Kirche verteidigen musste. Scheiner gehörte
nach der Verurteilung Galileis zu den „Gewinnern“. Galileis
„Dialog“ ist heute ein Klassiker der Wissenschaftsgeschichte.
Scheiners 1651 postum erschienenes Werk „Prodromus“, in
dem er neuerlich das geozentrische Weltsystem verteidigt und Brüche
in der Beweisführung Galileis aufzeigt, ist kaum mehr bekannt.
Prof. Dr. F. Daxecker,
Univ.-Augenklinik, Anichstraße 35, A-6020 Innsbruck
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