Heinz Fischer (Cloppenburg):
Moderne Augenheilkunde im Nordwesten Deutschlands
Als in der 2. Hälfte
des 19. Jahrhunderts Albrecht von Graefe in Berlin die Augenheilkunde
zu reformieren und modernisieren begann, wurde das auch gleich im Nordwesten
Deutschlands bekannt. So besuchte aus Oldenburg, Hauptstadt des damaligen
Großherzogtums, der Militärarzt Dr. Dode-Emken Müller
die Fortbildungskurse von v. Graefe in Berlin und entschloss sich danach,
sich gänzlich der Augenheilkunde zu widmen. Dr. Müller war
gebürtiger Jeverländer. Nach seinen Studien in Tübingen,
Würzburg und Gießen und einer Fortbildung an den Kliniken
in Zürich, trat er 1848 als Arzt in das oldenburgische Heer ein.
Hier durchlief er alle Ränge bis zum Oberstabsarzt. 1856 eröffnete
er am Theaterwall in Oldenburg eine private Augenklinik. Seine privatärztliche
Tätigkeit war als Militärarzt von den politischen Ereignissen
der Zeit abhängig. Aus dem deutseh-französischen Krieg kehrte
er erst 1873 zurück. Seine Tätigkeit als Augenarzt in privater
Praxis hat darunter sehr gelitten. Bis zu seiner Pensionierung 1894
war er außerdem Leibarzt der oldenburgischen Fürsten und
Chef des Militärhospitals. Er starb plötzlich bei einer Visite
im evangelischen Krankenhaus in Oldenburg, 74-jährig, 1896. Hier
praktizierte er nach seiner Pensionierung. Der Landschaftsmaler Prof.
Paul Müller-Kaempf, Gründer der Künstlerkolonie Ahrenshoop
auf dem Darß, ist sein Sohn.
Dr. med. Heinz Fischer, Bahnhofstr.
47, D-49661 Cloppenburg
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Josef
Haslbeck (Neumarkt):
Ein alter Augenarzt berichtet
Über den Wiederbeginn der medizinischen Ausbildung an der Julius-Maximilians-Universität
nach dem 2. Weltkrieg.
Dr. med. Josef Haslbeck,
Karl-Speier-Str. 41, D-92318 Neumarkt
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Robert
Heitz (Strasbourg):
Die Erfindung der Kontaktlinsen durch August Müller (1887–89)
Am 28. Februar 1889 beschrieb
August Müller, in seiner Inaugural-Dissertation der Medizinischen
Fakultät in Kiel das Ergebnis seiner 1887 begonnenen Untersuchungen
zur dioptrischen Korrektion seiner Myopie mit einem Kontaktlinsensystem.
Drei Linsen wurden 1932 von August Müller an das Deutsche Museum
in München übergegeben. Diese Linsen entsprechen denjenigen,
die er in seiner Doktorarbeit beschrieben hat. Der Lebenslauf von August
Müller (1864–1949) wird beschrieben.
Dr. med. Dr. phil. R. F.
Heitz, 23 A rue Trubner, F-67000 Strasbourg
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Jutta
Herde (Halle):
Carl Ernst Theodor Schweigger – Leben und Werk
Carl Ernst Theodor Schweigger
wurde am 28.10.1830 in Halle/Saale geboren. Er entstammt einer berühmten
wissenschaftlichen Familie. Nach Absolvierung des Pädagogiums widmete
er sich dem Studium der Medizin in Erlangen und Halle, das er 1852 mit
der Promotion „De fistula ani“ abschloss. Während der
anschließenden, bis 1855 währenden Tätigkeit an der
Medizinischen Klinik unter Peter Krukenberg befasste sich Schweigger
vorzugsweise mit der zu der Zeit noch nicht zum Allgemeingut der Untersuchungstechniken
zählenden Auskultation und Perkussion, womit er sich auch habilitierte.
1856 wurde er zum Privatdozenten ernannt. Noch im gleichen Jahr begab
er sich zu einem der führenden Ophthalmopathologen, Heinrich Müller
zu Würzburg. Die hier gewachsene Begeisterung für die Augenheilkunde
gab Anlass zur Fortführung der Ausbildung bei Albrecht von Graefe
in Berlin. Die sechsjährige Tätigkeit bei A. v. Graefe war
sowohl klinisch als auch wissenschaftlich und schrift-stellerisch sehr
erfolgreich, so dass er 1864 als a. o. Professor die Graefesche Klinik
verließ. Schweigger begab sich nun auf eine große Studienreise
nach Utrecht, London und New York. Sich in New York niederzulassen,
scheiterte an der fehlenden Akzeptanz des amerikanischen Lebens durch
seine Frau. 1867 nach Berlin zurückgekehrt, praktizierte er zunächst
in der Stadt. 1868 nahm er den Ruf als dirigierender Arzt der UniversitätsAugenklinik
in Göttingen an. Ab Frühjahrssemester 1871 wurde Schweigger
in gleicher Funktion für die Abteilung für Augenkranke der
Charité Berlin als Nachfolger für seinen 1870 verstorbenen
Lehrer Albrecht von Graefe, aber erst 1873 zum ordentlichen Professor
berufen. Die Bemühungen um eine selbständige separate Klinik
und Poliklinik für Augenheilkunde zogen sich über Jahre hin.
Nach Interimslösungen auf Schweiggers Eigeninitiative in Form von
Erwerb von Grundstücken zur Unterbringung der Augenklinik erfolgte
1881 der Umzug in die neugebaute Augenklinik in der Ziegelstrasse. urückSchweiggers
schriftstellerisches Werk umfasst ein weitgefächertes Spektrum
von Themen. Hervorzuheben sind sein in sechs Auflagen erschienenes „Handbuch
der speziellen Augenheilkunde“(1871–1893), die Monographien
über den Augenspiegel, zur Lehre des Strabismus, Erfolge der Schieloperationen,
die Staroperation, über Glaukom, die Sehproben, über den Zusammenhang
der Augenheilkunde und Allgemeinleiden u. a. Schweigger war es nicht
vergönnt, seiner Zielstellung gemäß das Lehramt bis
zum vollendeten 70. Lebensjahr auszuführen. Die seit 1899 aufgetretene
progrediente Muskeldystrophie zwang ihn zur Niederlegung seiner Tätigkeit
1899. 1905 erlag er dem schweren Leiden. Anlässlich des 100. Todestages
von Carl Schweigger die Leistungen dieses bescheidenen, aber für
die Augenheilkunde stark engagierten Mannes zu würdigen, ist Anliegen
dieser Arbeit.
Prof. Dr. med. Jutta Herde,
Univ.-Augenklinik, Ernst-Grube-Str. 40,
D-06120 Halle/Saale
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Gerhard
Holland (Kiel):
Über das Auge des Horus
Am Anfang war der Mythos,
die Geschichte von Osiris und Isis, der Kampf zwischen Seth und Horus,
bei dem Horus ein Auge verlor, erstmalig schriftlich überliefert
in den sog. Pyramidentexten auf den Wänden von fünf Pyramiden
in Saqqara vor mehr als 4000 Jahren. Aus dem „Auge des Horus“
wurde das Udjat, seine bildliche Darstellung in typischer, immer wiederkehrender
Form. Die ersten Darstellungen finden sich auf Särgen des Mittleren
Reiches, später besonders zahlreich in den Nekropolen des Neuen
Reiches von Theben West, an den Wänden z.B. über sogenannten
Scheintüren, auf Stelen, Särgen, auf Barken, als Bestandteil
kunstvoller Schmuckstücke und auf den Vignetten des Totenbuches.
Letzteres ist eine Quelle – der vielfältigen Bedeutungen
des „Auge des Horus“. Auf diese Bedeutungen, den Bedeutungswandel
bis in unsere Zeit wird besonders eingegangen. Heute findet sich das
Udjat nur noch als beliebtes Souvenir und in abgewandelter Form auf
dem Rezeptformular amerikanischer Ärzte.
Prof. Dr. med. Gerhard Holland,
Esmarchstr. 51, D-24105 Kiel
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Guido
Kluxen (Wermelskirchen):
Entdeckung der okulären Onchozerkose in Afrika und Mittelamerika
Die okuläre Onchozerkose
wurde zuerst 1915/1916 von Rodolfo Robles und Pancheco-Luna in Guatemala
entdeckt. Die ersten Augenbefunde sind Bestandteil der Trias, die auch
‚Morbus Robles‘ genannt wird: 1. Filariose durch den Fadenwurm
Onchocerca in Amerika, 2. Küstenerysipel, eine allergische Gesichtsquellung
durch den Fadenwurm, 3. Conjunctivitis und Iritis als Befall des vorderen
Segments des Auges. Die ersten Untersucher der Onchozerkose in Afrika
1874-1930 stellten keine ernsthafte, die Erkrankung begleitende Augenaffektion
fest. Die Mitteilungen über Beobachtungen in Mittelamerika durch
Rodolfo Robles und E´mile Brumpt 1917/1919 regten einige Tropenspezialisten
an, auf Augenerkrankungen bei der afrikanischen Onchozerkose zu achten;
aber es waren offensichtlich keine zur Erblindung führenden vorhanden.
Nur Ouzilleau und Mitarbeiter hatten 1921 in einem einzigen Fall unter
16 Onchozerkose-Infizierten unter 27 Bewohnern eines Dorfes nahe Brazzaville
eine Keratitis gefunden. Erst 1930/1931 stellte Jean Hissette in einem
Onchozerkoseherd am Sankuru/Belgisch Kongo fest, dass bis zu 20 % der
Onchozerkosekranken dort blind waren und 50 % der Dorfbewohner unter
Augenkomplikationen litten. Zwei Jahre später fand er einen weiteren
Herd am Ue´le mit der gleichen Pathologie. Während Hissette
den Pathomechanismus der Erblindungen klärte und damit die Kenntnisse
über die offensichtlich erst sehr spät manifest gewordene
okuläre Onchozerkose in Afrika revolutionierte – man spricht
seitdem von Flussblindheit und meint die okuläre Onchozerkose in
Afrika – zweifelte die belgische Kolonialverwaltung an den Befunden
des kleinen Doktors aus dem Kasai. Die Harvard Expedition mit amerikanischen
Tropenmedizinern unter Richard Pearson Strong wurde daraufhin auf Kosten
der Belgier organisiert, die die Befunde Hissettes kontrollieren sollte.
Dieser reiste mit den Amerikanern nochmals zum Sankuru und zeigte ihnen
‚seine’ Flussblinden. Die Amerikaner bestätigten schließlich
im American Journal of Tropical Medicine (1938) alle bereits von Hissette
(1932) erhobenen Befunde, die auch die Chorioretinitis der hinteren
Augenabschnitte mit einschloss.
Die neuen Befunde über
die afrikanische Flussblindheit ließen sehr schnell erkennen,
dass sie in vielen Teilen Schwarzafrikas (West-, Zentral- und Ostafrikas)
vorkamen. 1944 unternahm der Engländer Harold Ridley eine Expedition
in einen Onchozerkoseherd im Norden der Goldküste (Ghana) während
seiner Militärzeit im Zweiten Weltkrieg und kam zu ähnlichen
Ergebnissen wie Hissette im Kongo. Er schrieb eine Monographie Ocular
Onchocerciasis (1945) und wurde damit viel erfolgreicher als Hissette
oder die Harvard African Expedition, um sich in der Wissenschaft durchsetzen
zu können.
Prof. Dr. med. Guido Kluxen,
Brückenweg 1, D-42929 Wermelskirchen
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Peter
Kober (Schwelm):
Der Klub der Anomalen
Der Klub der Anomalen, so
nannten sich in etwas ironischer Art die Augenärzte, die für
ihre Tätigkeit bei deutschen Eisenbahnen schon 1912 mit dem von
Nagel 1905 konstruierten Anomaloskop zur quantitativen Erfassung von
Störungen der Farbwahrnehmung ausgerüstet worden waren.
Eine Betreuung der bei den
deutschen Eisenbahnen, die erst 1924 zur „Deutschen Reichsbahn“
zusammengefasst wurden, Beschäftigten durch Bahnärzte hatte
es schon seit der Mitte des 19. Jh. gegeben.
Erst gegen Ende des 19. Jh.
erkannte man immer mehr die Notwendigkeit, insbesondere die Personen,
die im Fahrdienst der Bahnen beschäftigt waren, auch auf ihre Sehfunktion
hin zu untersuchen und zu überwachen.
So wurden zusätzlich
Bahnaugenärzte zu einer ständigen Einrichtung bei der Betreuung
des Bahnpersonals. Sie brachten Kenntnisse der Sehfunktionen als arbeitsmedizinischen
Beitrag zur Sicherheit des Schienenverkehrs ein und erschlossen damit
schon früh der Augenheilkunde ein Feld von praktischer Bedeutung
jenseits der kurativen Medizin. Es waren Ophthalmologen mit bekannten
Namen, die hier Normen setzten, die auch heute bei der Bahn noch beachtet
werden.
Die heutige Verkehrsophthalmologie,
die inzwischen viel mehr umfasst, als allein den Schienenverkehr ist
in ihrer Entwicklung doch eng mit diesem frühen arbeitsmedizinischen
Bereich der Ophthalmologie verbunden.
Dr. med. Peter Kober, Zamenhof-Weg
4, D-58332 Schwelm
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Frank
Krogmann (Thüngersheim):
Würzburg – „Höhepunkt seines Schaffens“:
Carl von Heß (1863–1923)
Carl von Heß starb
1923 in München als Ordinarius für Augenheilkunde an der Universität
der bayerischen Landeshauptstadt. Seine zwölf Jahre, die Heß
in Würzburg verbracht hat, sollten jedoch den „Höhepunkt
seines Schaffens“ bilden. Im Vortrag werden die wissenschaftlichen
Leistungen dieses herausragenden Ophthalmologen gewürdigt
Frank Krogmann, Kirchgasse
6, D-97291 Thüngersheim
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Andreas
Mettenleiter (Würzburg):
Augenheilkunde aus Hausmeisterperspektive – Die Würzburger
Universitäts-Augenklinik in den Tagebuchaufzeichnungen Otto Seidels
Ein ungewöhnliches und
aufschlussreiches Dokument zur Geschichte der Würzburger Universitätsaugenklinik
am Röntgenring (damals Pleicherring) stellen die in Familienbesitz
befindlichen Tagebücher, Erinnerungen und Fotos Otto Seidels (1890-1976)
dar. Seidel, der nach Gymnasialbesuch, Aushilfstätigkeiten und
Militärdienst bei den Würzburger Neunern 1913 als Hausmeister,
Faktotum und Laborassistent in die Klinik eintrat und dort bis zu seiner
Pensionierung 1955 arbeitete (seit 1929 auch wohnte), erweist sich als
aufmerksamer und kritischer Chronist des Krankenhauses und seiner Direktoren.
Reservelazarettalltag in beiden Weltkriegen (u. a. Gasverletzte), Studentenausbildung,
Forschungsschwerpunkte, aber auch die wechselhaften Geschicke der Klinik
nach dem März 1945 werden so lebensnah wie akribisch aus der Warte
des Zeitzeugen geschildert.
Dr. med. Andreas Mettenleiter,
Institut für Geschichte der Medizin,
Oberer Neubergweg 10a, D-97074 Würzburg
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Hans-Felix
Piper (Lübeck):
Johannes Ohm (1880–1961). Ein Hirschbergschüler,
an dessen Beobachtungen an Schielenden erinnert sei
Von Julius Hirschberg, an
dessen Berliner Augenklinik er von 1905–1907 arbeitete, wurde
ihm das Gebiet der Augenbewegungsstörungen nahegebracht. 1908 in
Bottrop i. W. niedergelassen, widmete er sich in seiner „Knappschaftspraxis“
der Erforschung des Bergarbeiternystagmus und weiterer Bereiche der
„Augenzitterkunde“. Aber auch zur Schielkrankheit verdanken
wir ihm wichtige Erkenntnisse.
Unter selbstgefertigten Untersuchungsgeräten
seien genannt: Hebelnystagmographie, Blickfeldmessungen, Doppelaugenspiegel
und objektive Sehschärfenbestimmung. Ihm begegneten an Schielenden
1. frühkindlich auftretend Einwärts-, Höhenabweichung
und Augenzittern (heute frühkindliches Schielsyndrom); 2. Unterformen
des Schrägschielens (heute unterschieden im horizontalen und vertikalen
Außenblickfeld); 3. spät auftretendes Schielen und Nystagmus
(heute normosensorisches Spätschielen). Schielschwachsichtige Augen
wiesen unverwechselbare Besonderheiten des optokinetischen Nystagmus
selbst und dessen Löschung durch den schwellennah ausgelösten
Fixationsreflex auf.
Eigenwillige Auffassungen
von einer einheitlichen Lenkung der beidäugigen Zusammenarbeit
befremdeten: Im Falle jedweder Störung läge ihr Ursprung im
„Hauptaugenmuskelsender“, den er im Vestibulariskerngebiet
annahm und zum „Erzeuger des Schielens“ aufwertete. Den
Begriff „Lateralisierung“ mit Betonung des einen Auges zog
er zur Erklärung der anomalen Korrespondenz einerseits und als
Ergebnis eines Kampfes zwischen gegen- und gleichsinnigen Zugkräften
zur Klärung der Schielabweichung andererseits heran. Prof. Dr.
Dr. h. c. Johannes Ohm hat seinem Lehrer Hirschberg als Augenzittern-
aber auch als Schielforscher Ehre gemacht.
Prof. em. Dr. med. Hans-Felix
Piper, Im Brandenbaumer Feld 32, D-23564 Lübeck
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Hans
Remky (München):
Immunologie des Auges: 1903–1912
„Ursprünglich,
d. h. vor etwa dreissig Jahren, bildete die Bakteriologie einen winzigen
Abschnitt der Botanik“ sagte Robert Koch 1909 in seiner Antrittsrede
vor der Berliner Akademie der Wissenschaften. Mit der stürmischen
Entwicklung der Bakteriologie im letzten Viertel des XIX. Jahrhunderts
entstand auch die Immunitätslehre; das Wesen der Immunitaät
schien durch die Forschungen von Emil von Behring (1890) und von Paul
Ehrlich (1891) geklärt zu sein. Humoral- und zellularpathologische
Theorien konkurrierten bis zu den vermittelnden Ansichten von Ilja Metschnikoff
und von Paul Ehrlich (Seitenkettentheorie).
1902 prägten Charles
Richet und Paul Portier den Begriff „Anaphylaxie“, 1903
führte Clemens Frhr. von Pirquet die Bezeichnung „Allergie“
ein. 1903 erschienen die Monographien „Immunität bei Infektionskrankheiten“
von Metschnikoff und „Die Antikörper" von Emil Frhr.
von Dungern.
E. von Dungern hatte im letzten
Abschnitt seines Buches die intraokulare Bildung von Antikörpern
beschrieben, im gleichen Jahre berichtete, in der Festschrift zum 60.
Geburtstage von Robert Koch, Paul Uhlenhuth über die Organspezifität
des Linseneinweißes. Mit der Erkenntnis der Sonderstellung des
Auges mit seinen Schrankensystemen begann die Erforschung der Immunologie
des Auges, die schnell riesige Fortschritte machte: 1981 haben Gilbert
Smolin und G. Richard O’Connor in ihrer Monographie „Ocular
Immunology“ allein für die Einleitung der Einführung
in die Immunologie 305 Quellenangaben gemacht – unter überwiegender
Berücksichtigung der Literatur nach 1970.
Zu den Forschungsthemen gehörten
1903–1912 die Antikörper im Kammerwasser, die Anaphylaxie
und die Organspezifität von Augengeweben.
E. von Dungern hatte 1903
im Tierexperiment, Alfred Leber 1906 beim Patienten intraokulare Bildung
von Antikörpern nachweisen können, deren kameraler Spiegel
den des Blutserums manchmal sogar übertraf, und die bei Untersuchungen
von Franz Schieck im Kammerwasser früher als im Serum erscheinen
konnten. Bedeutung erlangten solche Gegebenheiten 1953: Prinzip der
vergleichenden Serologie von Hans Goldmann. Die Anaphylaxie wurde von
Charles Nicolle 1908, von Carl Hubert Sattler 1909, von R. Kümmell
1911 und von Karl Wessely 1911 untersucht, aus deren Ergebnissen wichtige
Erkenntnisse für verschiedene Erkrankungen des Auges entstanden.
Organspezifische Antikörper gegen Linseneiweiss wurden 1906 auch
von Carl Hess und Paul Römer gefunden – und mit der Kataraktentstehung
in Verbindung gebracht; die beiden letzt genannten Autoren wiesen auch
Antikörper gegen Netzhautstäbchen nach (Makuladegeneration?).
Anton Elschnig entdeckte Antikörper 1910/11 des Uvea-Pigmentes
und stützte auf diesen Befund eine neue Theorie der sympathischen
Ophthalmie, sein Schüler Ernst Kraupa 1912 Antikörper gegen
Hornhautparenchym. 1910 hatte Walther Löhlein die aktive Immunisierung
von Hornhaut-Transplantatempfängern vorgeschlagen und damit einen
Weg angedeutet, der 1960 Peter Brian Medawar zum Nobelpreis führen
sollte.
Ohne Anspruch auf Vollständigkeit
werden einige Ergebnisse und Theorien der Jahre 1903–1912 diskutiert.
Prof. Dr. med. Hans Remky,
Biedersteinerstr. 57, D-80802 München
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Dieter
Schmidt (Freiburg)
Das wissenschaftliche Werk von Theodor Axenfeld (1867–1930),
Lehrstuhlinhaber in Rostock und Freiburg
Theodor Paul Polykarpos Axenfeld
wurde am 24.6.1867 als Sohn des evangelischen Pfarrers in Smyrna geboren.
Er wuchs in Bad Godesberg auf, bestand 1885 die Reifeprüfung in
Bonn und studierte in Bonn Medizin von 1885 bis 1890. Nach dem Staatsexamen
arbeitete er an mehreren Instituten (Physiologie, Pathologie und Hygiene
mit Bakteriologie). 1894 wurde er Assistenzarzt der Univ.-Augenklinik
in Marburg. 1895 habilitierte er sich mit dem Thema „Über
die eitrige metastatische Ophthalmie“ in Marburg. 1896 wechselte
er nach Breslau und 1897 wurde er auf den Lehrstuhl für Augenheilkunde
nach Rostock und bereits 1901 nach Freiburg berufen. Zahlreiche Veröffentlichungen,
die ihn international bekannt machten, zeugen von seiner umfangreichen
präzisen wissenschaftlichen Tätigkeit. Er galt als kenntnisreicher
Arzt, erfahrener Operateur sowie als tüchtiger, kreativer Wissenschaftler
und erfreute sich allgemeiner Beliebtheit. Zahlreiche Verbindungen knüpfte
er zur internationalen Ophthalmologie. Viele seiner Schüler kamen
aus dem Ausland. Neben seinem Hauptarbeitsgebiet, den bakteriellen Augenerkrankungen,
widmete er sich intensiv allgemein-ophthalmologischen Themen, insbesondere
den Erkrankungen des vorderen Augenabschnitts, dem Glaukom, den operativen
Techniken, neuroophthalmologischen- sowie Netzhaut- und Orbitakrankheiten.
Er verfasste mehrere bedeutende Bücher. Sein Name wird heute noch
in Zusammenhang mit Augenerkrankungen genannt (Embryotoxon corneae posterius;
„Axenfeld-Anomalie“ und „Axenfeld-Schürenberg-Syndrom“).
Er entdeckte ein Diplobakterium (Hämophilus lacunatus, „Morax-Axenfeld“)
und beschrieb eine Veränderung des vorderen Augenabschnitts, die
als „Axenfeld-Schlinge“ bekannt wurde.
Prof. Dr. med. Dieter Schmidt,
Univ.-Augenklinik, Killianstr. 5, D-79106 Freiburg
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Gottfried
Vesper (Leipzig):
Die Netzhaut-Erkrankung des Malers Edgar Degas (1834–1917)
Edgar Degas, ein sehr bedeutender
Künstler des 19. Jahrhunderts, hatte für einen Maler ungewöhnlich
schlechte Augen. Von etwa dem 40. Lebensjahr an litt Degas an zunehmenden
Sehbeschwerden, Folge einer sich verschlechternden Netzhauterkrankung.
Schließlich war er gezwungen die Malerei stark einzuschränken.
Seit 1890 fertigte er vorwiegend Skulpturen.
San.-Rat Dr. med. Gottfried
Vesper, Harnackstr. 9, D-04317 Leipzig
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Gregor
Wollensak (Berlin):
Ernst Alban – Augenarzt und Dampfmaschinenbauer
Ernst Alban wurde am 7.2.1791
in Neubrandenburg geboren. Schon in seiner Kindheit war er an mechanischen
Problemen wie z. B. bei Windmühlen interessiert. 1810 begann er
das Studium der Theologie in Rostock. Damals schrieb er auch eine Tragödie
über „Aeneas in Carthago“. 1811 wechselte er zum Fach
Medizin zunächst in Rostock, dann Berlin, Greifswald und Göttingen,
wo er auch Himlys Vorlesungen hörte. 1815 eröffnete er eine
Praxis in Rostock, wo er sich u.a. in Augenheilkunde spezialisierte.
1816 schrieb er seine Habilitation „Versuch einer Anleitung zur
richtigen Gesundheitspflege der Augen für den Nichtarzt“.
Von 1815 bis 1817 hielt er Vorlesungen über Augenheilkunde in Rostock.
Er operierte auch erfolgreich ca. 72 Katarakte. Angeregt durch den Erfolg
von Dampfmaschinen in England, begann Alban über Hochdruckdampfmaschinen
zu arbeiten und ging schließlich 1825 selbst nach England, um
dort wertvolle Erfahrungen zu sammeln. 1827 zog Alban nach Stubbendorf
in der Nähe von Rostock, wo er verschiedenste Entwürfe für
Dampfmaschinen, hydraulische Pressen, Mühlen und Bohrmaschinen
entwickelte und in Dinglers Polytechnischem Journal veröffentlichte.
1829 eröffnete er die erste Maschinenfabrik Mecklenburgs auf dem
Gut Klein Wehnendorf, wo er vor allem landwirtschaftliche Maschinen
baute. 1840 errichtete er eine neue, größere Maschinenfabrik
in Plau, wo er Hochdruckdampfmaschinen, Textilmaschinen, Feuerwehrgeräte,
Werkzeugmaschinen und landwirtschaftliche Maschinen herstellte. 1845
wurde sein dampfgetriebener Raddampfer „Alban“ auf dem Plauer
See in Betrieb genommen. Am 13.6.1856 verstarb Ernst Alban infolge mehrerer
Schlaganfälle.
PD Dr. med. Gregor Wollensak,
Wildentensteig 4, D-14195 Berlin
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