XX. Zusammenkunft der Julius-Hirschberg-Gesellschaft
28. – 30. September 2006 Straßburg/Strasbourg

Abstracta

in alphabetischer Reihenfolge der Vortragenden des Programms

 


Udo Hennighausen (Weddingstedt):
Das individuelle Trauma als Ursache für eine rhegmatogene Netzhautablösung – ein medizinhistorischer Rückblick

Hintergrund: Fast hundert Jahre lang wurde die Lehrmeinung, ein indirektes Trauma könne zu einer Netzhautablösung führen, diskutiert bis sie endgültig im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts verlassen wurde.

Methoden: Die erreichbare, überwiegend deutschsprachige Literatur wurde mit der Fragestellung untersucht, ob die jeweils vertretene Auffassung eher im Sinne einer Erklärung oder Verteidigung einer Lehrmeinung zu sehen war, oder ob sie eher auf der Basis der „evidence based medicine“ beruhte.

Ergebnisse: Diejenigen, die das „Axiom vom indirekten Trauma als Ursache einer Netzhautablösung“ befürworteten, führten meistens den zeitlichen Zusammenhang als Beweis an, jene, die dieses „Axiom“ ablehnten, überprüften dieses entsprechend der evidence based medicine mit den zu der jeweiligen Zeit wirklich gesicherten Kenntnissen über die Pathogenese der Netzhautablösung.

Schlussfolgerung: Die Auffassung, ein indirektes Trauma könne zu einer Netzhautablösung führen, entstand in der „Frühzeit der Diagnostik und der Vorzeit der Therapie“ dieser Erkrankung und konnte erst mit zunehmender Kenntnis ihrer Pathogenese abgelegt werden.

Dr. med. Udo Henninghausen, Pommernring 18, D-25795 Weddingstedt

 

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Aloys Henning
Zur Ikonographie der Westfront von Notre Dame (Paris) und Semiotik des Hortfundes von Nebra

Seit 1996 wurde wiederholt anhand semantischer Aspekte des Auges seine weibliche bzw. lunare Semiotik bei JHG-Zusammenkünften referiert und weiter entwickelt, zuletzt als „semiotic key to paleolithic astronomy“ anlässlich des 15. SOE Kongresses in Berlin 2005. Mit diesem fundierten „Schlüssel“ wird die ,nur‘ 3600 Jahre alte astronomische Semiotik des Hortfundes von Nebra an der Unstrut verstehbar, insbesondere seine astronomisch fundierte „Überausstattung“ – in der Sprache der Archäologen, neben der gut bekannten astronomischen Botschaft seiner seit ihrer Raubgrabung 1999 berühmt gewordenen „Himmelsscheibe“ vom Mittelberg über der Unstrut. Sie signalisiert Herrschaft wie die „Überausstattungen“ sogenannter „Fürstengräber“ der Jüngeren Frühen Bronzezeit in seiner Nähe (Leubingen und Helmsdorf). Ihre astronomische Semiotik findet sich ikonographisch als theologische Legitimation von Herrschaft an der Westfront von Notre Dame in Paris.

Dr. med. Aloys Henning, Spandauer Straße 104K, D-13591 Berlin

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Jutta Herde (Halle):
Zur Geschichte der Lidchirurgie

Die Anfänge der Lid- und plastischen Chirurgie sind sowohl bei dem römischen Enzyklopädisten Cornelius Aurelus Celcus (25 v.Chr. bis ~ 50 n.Chr.) als auch in Indien vor 2000 Jahren (Susruta-Handschrift) belegt, wenngleich von Hippokrates (460–370 v. Chr.) vier Augenoperationen überliefert wurden. Von den 21 von Celsus beschriebenen Operationen sind hier vor allem die Entropium-Op., das Ausschneiden von kleinen Blasen und Geschwülsten, die Trennung von verwachsenen und am Augapfel fest gewachsenen Lidern, die Behandlungsmethoden der Haarkrankheiten und die Defektdeckung durch seitliche Hautverschiebung von Interesse. Aus Indien datieren die ersten Rhinoplastiken zur Behebung des zur Bestrafung von Vergehen gesetzlich sanktionierten Nasenabschneidens (Indische Methode). 1442 führte Branca auf Sizilien eine andere Rhinoplastik durch (italienische Methode), die im 16. Jahrhundert von Tagliacozzi in Italien übernommen wurde. Erwähnte Bartisch zwar in seinem Buch 1583 die Behandlung der Haarkrankheit, des Ektropiums, der verwachsenen Lider und der Blepharochalasis, so blieben seine Anmerkungen ohne Resonanz. Paulus v. Aegina (4. Jh.) empfahl die Loslösung und Herbeiziehung von Haut zur Verbesserung verstümmelter Ohren. 1755 berichtete Jaques Daviel an die Royal Society in London über erfolgreiche Tumorresektion. In Deutschland avanzierte Carl Ferdinand von Graefe mit den ersten Rhino- und Blepharoplastiken 1809,1811, 1816 und 1818 zum Begründer der Blepharoplastik (Deutsche Methode). Ungeklärt bleibt jedoch das jahrhundertelange Ausbleiben der Weiterentwicklung der Lidchirurgie. Die eigentliche Entwicklung der Lid- und plastischen Chirurgie setzte im 18. und besonders im 19./20. Jahrhundert ein. Eduard Zeis schrieb 1838: „Die plastische Chirurgie schafft das Lebensglück“. Fast zeitgleich mit C. F. von Graefe entwickelte C. H. Dzondi 1818 in Halle die Bildung eines neuen Unterlides aus der Wange. Diese Operationsverfahren wurden abgewandelt und weiterentwickelt von C. G. Fricke (1828), Jüngken (1828), Dieffenbach (1834, 1845–48), A. Burow (1838), Lisfranc, von Ammon, Chelius, Beck, Blasius, Baumgarten u. a., aber auch in Amerika (Miller 1906/07, Kolle 1911 u. a.), in Frankreich (Bourguet, Tessier, Nöel, Passot u. Cloure) und in England (J. R. Wolfe) verbessert, wobei die Erkennung der anatomischen und pathophysiologischen Zusammenhänge zum Vorteil gereichten. In der letzten Hälfte des 20. Jh. wurden die Operationsmethoden mit den technischen Möglichkeiten unter Berücksichtigung der anatomisch-physiologischen und individuellen Gegebenheiten optimiert (Fox, Hughes, Hübner, Tenzel, Cutler, Beard , Jones u. a.)

Ektropium – Entsprechend der ursprünglichen Erklärung des Ektropiums mit Erschlaffung und Verlängerung des gesamten Lides durch Verkürzung der Lidhaut wurden kurative Maßnahmen vorgenommen: Heftpflaster (Fabr. Ab Aquapedente, Bernstein), Cauterium potentiale (St. Yves, Rhazes, Avicenna), Cauterium actuale (Hippokrates, Celsus, Guy de Chauliac, Percy, Beer, von Graefe), Skarifikation der Augenlidbindehaut (Cooper, Scarpa, Quadri), Ausschneiden von Bindehaut (Anthyllus, P. von Aegina, Severin u. a.); Inzisionen und Ausschneiden der äußeren Lidhaut (Celsus, P. von Aegina, Paré, Guillemeau, Thevenin, Heister, Dzondi); durchschneiden des ganzen Augenlides, Erweiterung der Wundränder mit Leinwand u. Heftpflaster (Bernstein, Weller); dreieckförmige Lidausschneidung; Tarsorrhaphie nach von Walther, Methode nach Dieffenbach, Jäger, von Ammon, Adams, Argyll Robertson und Verhoff, Szymanowski, Terson, Meller, Kuhnt-Szymanowski. Im 20. Jahrhundert: Methoden von Weiner, von Blaskovics, Imre, Fox, Smith, Schäfer, Anderson et al., Tse et al. In der 2. Hälfte des 20. Jh. wurden die Op.-Verfahren der letzten 150 Jahre verfeinert abgewandelt, mit besserer mikrochirurgischer und Nahttechnik und größerem Verständnis der pathophysiologischen Grundlagen ausgebaut.

Entropium – die sogenannte Haarkrankheit und das Entropium wurden im Altertum, ja sogar bis Mitte des 19. Jh., ähnlich chirurgisch behandelt. Wie beim Ektropium handelte es sich im Fall des Entropiums ebenfalls um recht barbarisch anmutende Methoden bis auf die z. T. bis in unsere Zeit angewendete Methode von Celsus, wofür er bereits auf genaue Dosierung hinwies. Die Entwicklung der Entropium-Operationsverfahren vollzog sich von der Kauterisation, dem Ausschneiden oder Ätzen gewucherten Gewebes über die Kanthotomie und Kantholyse, Adhaesiv-Strips, Nähte zur horizontalen und vertikalen Lidverkürzung. Auch hier setzte der Ausbau und die Verbesserung der chirurgischen Verfahren im 19. Jahrhundert ein (Bell, von Ammon, A. von Graefe, Jaesche). Bis Ende des 20. Jh. waren ca. 200 verschiedene Operationsmethoden bekannt. Hervorragendes leisteten Fox, von Blaskovics, Birch-Hirschfeld, Wheeler, Wies, Quickert, Smith, Jones, Beard u. a.

Prof. Dr. med. Jutta Herde, Univ. –Augenklinik, Ernst-Grube-Straße 50, D-06120 Halle

 

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Danny Hirsch.Kauffmann-Jokl (Bronxville):
Die Amerika-Reise von Julius Hirschberg im Jahre 1905

1905 wurde Professor Julius Hirschberg als Ehrengast der amerikanischen medizinischen Gesellschaft (AMA) nach Portland (Oregon) eingeladen.

Die mit dem Zug quer durch ganz Amerika unternommene Reise gab ihm die Möglichkeit, sich sowohl mit früheren deutschsprachigen jetzt in Amerika niedergelassenen Professoren wie Hermann Knapp und Kaspar Pischel, als auch mit den seinerzeit zukünftigen großen Figuren der amerikanischen Augenheilkunde, die ihre weitere klinische Ausbildung in Deutschland verbracht hatten – wie Weeks, de Schweinitz, Verhoeff, Jackson und Barkan – treffen zu können.

Hirschbergs geschriebene Erinnerungen stellen die Entwicklung der amerikanischen Augenheilkunde dar und zeugen von der persönlichen Hochachtung ihn gegenüber sowie der Anerkennung der deutschen Ausbildungsstätten.

Prof. Dr. med. Danny Horsch-Kauffmann Jokl, 1 Stone Place, Bronxville, NY 10708, USA

 

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Gerhard Holland (Kiel):
Über die anatomische Beschreibung beziehungsweise über die Abbildungen des menschlichen Auges von Johann Gottfried Zinn und von Samuel Thomas Soemmering

1755 erschien von Johann Gottfried Zinn (1727–1759) die „Descriptio anatomica oculi humani iconibus illustrata“ und 1801 von Samuel Thomas Soemmering (1755–1830) die „Abbildungen des menschlichen Auges“. Beide Werke fanden zum Zeitpunkt des Erscheinens höchste Anerkennung und gelten jeweils als beste Arbeit der beiden Autoren. Nach Schilderung des Lebensweges von Zinn und Soemmering werden diese beiden Bücher besprochen, die Unterschiede diskutiert, insbesondere die Kritik Soemmerings an Zinn. Doch insgesamt gibt es viele Gemeinsamkeiten zwischen Zinn und Soemmering: Beide studierten Medizin in Göttingen, beide hatten von Anfang an eine Vorliebe für Anatomie. Zinn war Lieblingsstudent von Albrecht von Haller, der von 1736 bis 1753 Professor für Anatomie, Chirurgie und Botanik in Göttingen war. Soemmering verehrte Albrecht von Haller, dessen Werke er schon als Student aufmerksam las. Heinrich August Wrisberg (1739–1808) kann als Bindeglied zwischen Zinn und Soemmering angesehen werden. Er war Nachfolger von Jokann Georg Roederer als Professor der Geburtshilfe und Anatomie in Göttingen. Während Roederer Zinn, als dieser Professor für Botanik in Göttingen war, maximal behinderte und ihm keine Möglichkeit gab, seine anatomischen Studien fortzusetzen, hat Wrisberg, der u. a. 1772 eine Arbeit über die Pupillarmembran schrieb, bereits den Studenten Soemmering besonders gefördert und wurde sein Doktorvater. 1780 hat Wrisberg die 2. Auflage von Zinns „Descriptio anatomica oculi humani“ herausgegeben. So können Soemmerings „Abbildungen des menschlichen Auges“ gewissermaßen als Fortsetzung der Arbeit von Zinn, der bereits im Alter von 32 Jahren starb, angesehen werden. Am Ende des Vortrages wird noch einmal auf die Bedeutung von Zinn und Soemmering in der Wissenschaftsgeschichte und speziell in der Augenheilkunde hingewiesen.

Prof. Dr. med. Gerhard Holland, Esmarchstraße 51, D-24105 Kiel

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Manfred Jähne (Aue):
Dr. Gerd Sommer (1905–1988), Augenarzt in Zittau: Wegbereiter der Keratoprothetik
in Deutschland – Zu seinem 100. Geburtstag

Einer der bedeutendsten Augenärzte in Sachsen in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts war Dr. Gerd Sommer im ostsächsischen Zittau. Sommer war 54 Jahre Leiter der Privat-Augenklinik Dr. Sommer und über 20 Jahre zusätzlich Chefarzt der Augenabteilung des Kreiskrankenhauses Zittau mit je 40 Betten. Er verhalf rund 30.000 Patienten durch Augenoperationen wieder zum Sehen.

Sommer überblickte immer den neuesten Stand der Fachliteratur und der Operationsmethoden. Allen Fortschritten in der Augenheilkunde stand er sehr aufgeschlossen gegenüber. Auch die Wiege der Okulopression stand in Zittau.

Dr. Sommer erlangte seine größte Bedeutung in der Hornhautchirurgie. Seine Lieblingsoperation war die perforierende Keratoplastik. In den Jahren 1968 bis zu seinem Tode 1988 hatte sich die Sommersche Augenklinik zum sogenannten Keratoprothetik-Zentrum in der ehemaligen DDR entwickelt. Er implantierte über 100 Keratoprothesen nach Cardona und 12 Osteo-Odonto-Keratoprothesen nach Strampelli, welche der Zittauer Feinmechanikermeister Siegfried Deutschmann in hoher Präzision herstellte. Noch heute gibt es zahlreiche dankbare, gut sehende von Sommer operierte Keratoprothesen-Träger.

Aus der Feder von Sommer stammen 25 Publikationen in ophthalmologischen Fachzeitschriften, darunter befassten sich diejenigen in seinen letzten Jahren mit der Weiterentwicklung der Keratoprothetik. Die von Sommer ausgebildeten Augenärzte erhielten von ihm vor allem das Rüstzeug für einen guten Operateur.

Es ist sein Verdienst, dass sich 2 seiner Schüler habilitieren konnten, 3 seiner Schüler wurden Chefärzte an Augenkliniken von Schwerpunkt-Krankenhäusern (früher Bezirkskrankenhäuser) und 3 Leitende Ärzte an Augenabteilungen von Kreiskrankenhäusern. Unter diesem Aspekt kann man wohl von einer Sommerschen Schule sprechen. Im hohen Alter wurden ihm einige Ehrungen zu teil.

PD Dr. med. habil. Manfred Jähne, Seminarstraße 22e, D-08289 Schneeberg

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Paulus T. V. M. de Jong (Amsterdam):
Die Erstbeschrebungen des gelben Flecks und die nachfolgenden Hypothesen über die Ätiologie ihrer altersbedingten Degeneration

Die Erstbeschreibung des gelben Flecks war von Buzzi im Jahre 1782. Soemmering hat 10 Jahre später darüber berichtet. Drusen sind das Merkmal der altersbedingten Makuladegeneration und der Begriff „Drusen“ stammt aus dem Jahre 1854 von Heinrich Müller. Die Erstbeschreibung der altersbedingte Makuladegeneration war von Hutchinson, 1874: „Zymmetrische zentraler Erkrankung des Aderhautes und des Netzhautes in senilen Personen.“ Die wichtigsten Hypothesen über die Aetiologie der altersbedingten Makuladegeneration, wie veröffentlicht in ihrer Namensgebung, werden demonstriert.

Prof. Dr. med. Paulus T. V. M. de Jong, Pr. Margrietstraat 44, NL-1077 LA Amsterdam

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Guido Kluxen:
Alfred Leber (1881–1954): Ophthalmologischer Schauplatz Südsee und Indonesien
1910–1940

Alfred Leber (1881–1954) gilt als der Begründer der Tropenophthalmologie, der das Fach Augenheilkunde als erster mit der Tropenmedizin in Ausbildung und Forschung verknüpfte. Sein von ihm während der ersten Südsee-Expedition beschriebener ‚South Pacific Fundus’ bei einer Filarieninfektion durch Wuchereria bancrofti muss heute kritisch diskutiert werden. Der bekannte Maler Emil Nolde begleitete ihn auf seiner zweiten Südsee-Expedition 1913/14. Auf der Heimreise traf Leber den fränkischen Dichter Max Dauthendey und beide konnten durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges nicht nach Deutschland zurückkehren, sondern mussten im neutralen Niederländisch Indien (Indonesien) bleiben. Dauthendey starb an Malaria in Lebers Klinik in Malang auf Java 1918. Leber wurde als Deutscher in Malang 1940 unter Arrest gestellt, interniert und 1942 nach Indien deportiert, wo er blieb.

Prof. Dr. med. Guido Kluxen, Brückenweg 1, D-42929  Wermelskirrchen

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Frank Krogmann (Thüngersheim):
Bestände für den Ophthalmohistoriker im Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien

Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien stellt als Abteilung des Österreichischen Staatsarchivs aufgabenbedingt einen abgeschlossenen Archivfonds dar. In diesem werden eine Reihe von Archivalien verwahrt, die auch für den Ophthalmohistoriker von Interesse sein können, wie z. B. der Bestand von Ärzteprivilegien, die aus der Zeit des Hl. Römischen Reiches Deutscher Nation datieren. Aber auch Unterlagen aus dem 19. und beginnenden 20. Jahrhundert über die Verleihung von Lehrkanzeln für Augenheilkunde in Österreich, über Teilnahme an internationalen Kongressen, über Auszeichnungen an verdiente Augenärzte etc. sind aufschlussreich und werden im Vortrag vorgestellt.

Frank Krogmann, Kirchgasse 6, D-97291 Thüngersheim

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Erik Linner und Torsten Olsson (Göteborg):
Die Entwicklung eines neuen Instruments für Applanationstonografie mit konstantem Augendruck vor 25 Jahren

In den Jahren 1950 und 1951 hat Grant die Methode der Tonografie publiziert. Ein Schiötz-Tonometer wurde für 4 Minuten am Auge angelegt, und die Lage des Tonometerstiftes konnte kontinuierlich gemessen werden. Die Zunahme des entfernten Kammerwasservolumens und der sinkende Augendruck wurden kalkuliert. Diese Methode hat sich als klinisch sehr wichtig gezeigt, obschon verschiedene Fehlerquellen die Bedeutung für den individuellen Patienten einschränkten.
Um die Genauigkeit zu verbessern sind viele Versuche nachher durchgeführt worden, um z. B. den Augendruck konstant beizubehalten oder eine zunehmende Applanationsfläche zu gebrauchen. In den achtziger Jahren wurden neue, elektronische Messinstrumente zugänglich und deshalb wollten wir ein neues Instrument entwickeln. Der Originalkopf am Goldmann Tonometer wurde durch einen neuen, tranparenten Kopf mit einer ebenen vorderen Fläche von 9 mm Durchmesser und mit einem elektronischen Drucksensor im Zentrum ersetzt. Die Applanationskraft konnte von Anfang an bei Hand verändert werden, aber nachher sollte dieser Kraft von dem Sensorsignal automatisch bestimmt werden. Die Applanationsfläche konnte fotografisch gemessen werden, und die Volumenveränderungen im Auge wurde als ein Teil einer Sphäre berechnet.
Versuche an enukleierten Menschen- und Schweineaugen sowie an Menschenaugen in Situ zeigten, dass dieses Instrument geeignet war, um Augendruck, Pulsamplitude, Applanationskraft und Applanationsfläche unabhängig von einander unter einem konstanten Augendruck zu messen.

Dieses Instrument konnte als ein für Tonografie unter konstantem Augendruck geeigneter Prototyp angesehen werden, aber gewisse Verbesserungen mit Hilfe von neuen technischen Fortschritten sind vorgesehen.

Prof. em. Dr. med. Erik Linner, Abt. Ophthakmologie der Univ. Göteborg
Lilla Danska vägen 6, S-41274 Göteborg
Prof. em. Torsten Olsson, Abt. Signal und Systeme, Chalmers Univ. für Technologie Göteborg

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Hans-Felix Piper (Lübeck):
Dauer im Wechsel. Goethes Betrachtungen, auf Krankheiten übertragen, im Lichte alter und neuer Erkenntnisse

Goethe legt zwei zeitliche Maßstäbe an die Natur sowie an das menschliche Leben an. Den Raum beschreibt er als Anfang und Ende. Lassen sich diese Schöpfungsmuster auch auf die Krankheitslehre übertragen? Wir überblicken eine jahrhundertlange wissenschaftliche Forschung. Der fortschreitende Stand der Erfahrungen lässt immer andere Schwerpunkte aufscheinen, während das Bild an sich dasselbe ist. Und die Genforschung bringt das schwankende Bild auf einen Punkt.

Dem einstigen Arbeitsgebiet des Vortragenden angemessen, soll Dauer im Wechsel an zwei Ausprägungen der Schielkrankheit beleuchtet werden: der Amblyopie und dem Nystagmus. Im Gedicht wird der Vergleich mit einer Welle angezogen – er wird hier übernommen; jeweils fünf Abschnitte zeitlicher Erkenntnisse und sich ablösender Schwerpunkte werden herausgestellt. Die Spanne reicht von der Einzelbefundsammlung bis zum wohlerwogenen Eingriff. Die Frauen und Männer, die zurück- und vorausschauend zu neuen Ufern vordrangen, waren – bewusst oder unbewusst – dem Goetheschen Leitspruch verpflichtet.

Prof. em. Dr. med. Hans-Felix Piper, Im Brandenbaumer Feld 32, D-23564 Lübeck

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Hans Remky und Andreas Remky (München und Aachen):
KCE

1.     Beschreibung des Krankheitsbildes und dessen Benennungen
19. Jahrhundert: Kératite pointillée DESMARRES 1847, Keratitis punctata superficialis E. SEITZ 1852, E. FUCHS 1898
20. Jahrhundert: Keratoconjunctivits epidemica (LÖHLEIN-SMITMANS 1940), epidemische Conjunktivo-Keratitis (Grüter 1940)
2.     Epidemien
       a. Asien: Japan seit 1894. Java 1912, Indien 1920m 1929; China 1936
       b. Amerika: USA seit 1936, größte Epidemien 1941/42;
                          Mexico 1948, Canada 1951
       c. Europa: seit 1930/31, größte Epidemien 1938/39, 1952/54
3.     Erreger
       Adenoviren (8 und andere Serotypen)
       Influenzaviren (Geflügelpest Newcastle 1927)
4.     Verbreitungsquellen
       Augenärztliche Praxis und Klinik, Tonometer
       Metallurgie: Werften, Autoindustrie, Traumata?
5.     Differentialdiagnosen
       a. Keratitis nummularis DIMMER 1905
       Macular Keratitis KIRKPATRICK 1920
       b. Conjonctivite aiguë avec follicules BEAL 1907
       Swimmingbath-Conjunctivitis DERRICK 1943
       Pharyngo-Conjunctivalfieber PARROTT 1954
6. Therapie
       a. symptomatisch
       b. Virocid. Virostase, Immunisierung?

Prof. Dr. med. Hans Remky, Biedersteinerstraße 57, D-80802 München
PD Dr. med. Andreas Remky, Kallenhof 44a, D-52074 Aachen

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Dieter Schmidt (Freiburg):
Portraitköpfe aus Stein an den Freiburger Chirurgischen und Medizinischen Universitätskliniken

Mit dem Bau des Freiburger Klinikums (1926–1931) wurden die Portraitköpfe von bedeutenden Ärzten der Medizingeschichte an der Fassade der Chirurgischen und Medizinischen Universitätsklinik angebracht.

An der Chirurgischen Klinik sind von links nach rechts die Portraitköpfe von Guy de Chauliac (1298–1368), Ambroise Paré (1510–1590), Joseph Lister (1827–1912), Ernst von Bergmann (1836–1907) und Albert Christian Theodor Billroth (1829–1894) und an der Medizinischen Klinik von links nach rechts ebenfalls 5 Portraitköpfe angebracht worden: Hippokrates von Kos (460 v. Chr.–375), Paracelsus (Theophrastus, Bombastus von Hohenheim, 1493–1541), Hermann van Boerhaave (1668–1738), Johann Lukas Schönlein (1793–1865) und Hermann Nothnagel (1841–1872).

Im Einzelnen wird die Bedeutung der genannten Ärzte früherer Jahrhunderte, die Grundlagen für die heutige Medizin und damit auch für die Augenheilkunde schafften, dargestellt.

Prof. Dr. med. Dieter Schmidt, Univ.-Augenklinik, Killianstraße 5, S-79106 Freiburg

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Sibylle Scholz

Sybille Scholtz (Ettlingen):
Leben und Werk von Otto Wichterle, Erfinder der weichen Kontaklinse

Professor Otto Wichterle war einer der Begründer der modernen Kontaktoptik und leistete einen wesentlichen Beitrag zur aktuellen Ophthalmologie. Dank seiner Arbeit genießen heute weltweit Millionen von Menschen die Korrektur ihrer Fehlsichtigkeit durch Kontaktlinsen oder Intraokularlinsen aus HEMA bzw. hydrophilem Acryat.

Dieser Vortrag gibt einen Überblick über das Leben und den Einfluss des 1913 geborenen tschechischen Chemikers Otto Wichterle auf die Ophthalmologie. Die wesentlichen historischen Daten, die zur Entwicklung von HEMA als erstem wasserhaltigem Material für Kontaktlinsen führten, werden vorgestellt.

Wichterle war ein bemerkenswerter Forscher, der Harold Ridley der weichen Kontaktlinse. Trotz der zunehmenden Akzeptanz von modernen refraktiv-chirurgischen Eingriffen haben weiche Kontaktlinsen auch heute noch ihren festen Platz in der Korrektur von Sehfehlern.

Dr. sc. hum. Sibylle Scholtz, Rudolf-Plank-Straße 31, D-76275 Ettlingen

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Sabine Veits-Falk (Salzburg):
Dr. Rosa Kerschbaumer-Putjata (1851–1923). Biographische Forschungen über eine Augenärztin in Österreich, Russland und Amerika

Der Augenärztin Dr. Rosa Kerschbaumer gelang es 1890 – zehn Jahre bevor Frauen in der Habsburgermonarchie zum Medizinstudium zugelassen wurden – aufgrund einer Sondergenehmigung Kaiser Franz Josephs als erste Frau in Österreich als Ärztin zu praktizieren.

Die gebürtige Russin hatte in Zürich und Bern Medizin studiert, 1876 promoviert und sich in Wien bei Ferdinand von Arlt, Hubert Sattler und Ernst Fuchs auf Augenheilkunde spezialisiert. 1878 gründete sie mit ihrem Ehemann, Dr. Friedrich Kerschbaumer, eine private Augenheilanstalt in der Stadt Salzburg, in der auch Patientinnen und Patienten des St.-Johanns-Spitals behandelt wurden und die damit auch Vorgängerin der Augenabteilung des größten Salzburger Krankenhauses war. Nachdem Rosa Kerschbaumer aufgrund einer „allerhöchsten kaiserlichen Entschließung“ 1890 die rund 60 Betten umfassende Augenklinik alleine leiten konnte, trennte sie sich von ihrem Mann und führte die Heilanstalt erfolgreich weiter.

Sechs Jahre später verließ Rosa Kerschbaumer Salzburg und ging nach Russland zurück, wo sie in St. Petersburg an der medizinischen Akademie unterrichtete und von 1897 bis 1903 auf Augenheilkunde spezialisierte Wanderkliniken entlang der Transsibirischen Eisenbahn leitete. 1903 wurde sie Leiterin der Augenklinik in Tiflis (Georgien). Von 1907 bis 1911 lebte und arbeitete sie in Wien, dann wanderte sie im Alter von 60 Jahren nach Amerika aus. Ab 1915 praktizierte sie in Los Angeles und war auch am Good Samaritan Hospital tätig. Die rastlose Ärztin starb 1923 in Los Angeles.

Rosa Kerschbaumer war nicht nur eine Pionierin unter den ersten Ärztinnen Europas, sie deckte das ganze Spektrum der praktischen und theoretischen Augenheilkunde ab: Sie praktizierte, forschte, publizierte und lehrte. Bis 1905 soll sie 64.000 Patientinnen und Patienten behandelt und über 15.000 Menschen operiert haben. Mit ihren wissenschaftlichen Publikationen und Vorträgen trug sie auch zur Weiterentwicklung der Augenheilkunde bei. So fand ihr im Jahr 1900 in Leipzig erschienenes Buch „Das Sarkom des Auges“ in Fachkreisen große Beachtung. Darüber hinaus nahm sie an Sitzungen der Ophthalmologischen Gesellschaft in Heidelberg teil, war Mitglied der Kaukasischen Medizinischen Gesellschaft und der Medical Society of the State of California und reiste auch zu den großen internationalen Kongressen für Ophthalmologie (z. B. 1888 nach Heidelberg, 1900 referierte sie in Utrecht).

Ein großes Anliegen war Rosa Kerschbaumer auch eine Verbesserung der Rechte der Frauen. In Publikationen und Vorträgen forderte sie wiederholt die Zulassung von Frauen zum Medizinstudium und beschäftigte selbst auch immer junge Ärztinnen, wenn sie leitende Positionen innehatte.

In meinem Vortrag möchte ich einige Teilergebnisse meiner biographischen Forschungen über Rosa Kerschbaumer vorstellen, die auch Gegenstand einer Publikation aus der Schriftenreihe des Stadtarchivs Salzburg sein werden.

Mag. Dr. phil. Sabine Veits-Falk, Stadtarchiv Salzburg, Glockengass 8, A-5020 Salzburg

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Gottfried Vesper (Leipzig):
Johann Heinrich Tischbein d. Ä. (1722–1789) – über seine Visusverschlechterung

Tischbein war ein sehr bedeutender Hofmaler, einer der größten Porträtisten des 18 .Jahrhunderts und Professor der Akademie Collegium Carolinum in Kassel.

Mit zunehmendem Alter kam es zu Sehverschlechterung, insbesondere Gesichtsfeldeinengung, was ihm bei seiner Tätigkeit Schwierigkeiten bereitete.

SR Dr. med. Gottfried Vesper, Harnackstraße 9, D-04317 Leipzig

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Ralf Vollmuth (Würzburg):
Augenheilkundliches im medizinisch-pharmazeutischen Werk des Straßburger Publizisten Walther Hermann Ryff (um 1500–1543)

Hermann Ryff wurde um 1500 in Straßburg geboren und gilt mit seinem etwa 200 Ausgaben und Auflagen umfassenden Gesamtwerk als einer der wirkungsstärksten, zugleich aufgrund seiner kompilatorischen Arbeitsweise aber auch umstrittensten medizinisch-pharmazeutischen Publizisten der frühen Neuzeit.

Auch augenheilkundliche Inhalte sind in seinem Werk reichlich zu finden. – So veröffentlichte Ryff um 1548 in Würzburg eine augen- und zahnheilkundliche Schrift unter dem Titel ‚Nützlicher bericht / wie man die Augen vnd das Gesicht / wo das selbig mangelhafft / bloede / dunckel oder befinstert. Scherpfen / gesundt erhalten / stercken vnd bekrefftigen soll. [...]’.

Dieser ‚Nützliche Bericht’ besteht neben den zahnheilkundlichen Teilen aus einem ophthalmologischen Abschnitt, der zunächst im Sinne eines prophylaktischen Ansatzes zur Gesunderhaltung der Augen und der Sehkraft stark diätetisch geprägt ist und die Lebensführung entsprechend in den Mittelpunkt rückt. Einschlägige Rezepte und therapeutische Maßnahmen wie etwa Augenwasser und Augentropfen runden die Schrift ab.

Vorgestellt und in den historischen Kontext gesetzt werden aber auch ophthalmologische Ausführungen in anderen Werken Ryffs wie in der ‚Großen Chirurgie’ (1545) oder der pharmazeutischen Schrift ‚Confect Büchlin vnd Hauß Apoteck’ (1544), um hierdurch die für ihre Zeit meist repräsentativen Schriften dieses Straßburger Autors als Quelle zu erschließen.

PD Dr. med. dent. Ralf Vollmuth, Inst. für Gesch. der Medizin der Univ. Würzburg, Oberer Neubergweg 10a, D-97074 Würzburg

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Gregor Wollensak (Berlin):
Der berühmte Okulist Eisenbarth von Oberviechtach

Der Doktor Eisenbarth ist jedem bekannt aus dem beliebten Spottlied. Es hat ihn aber tatsächlich gegeben. Johann Andreas Eisenbarth wurde am 27. März 1663 in Oberviechtach geboren. Er ging bei seinem Schwager, dem Bamberger Okulisten, Stein- und Bruchschneider Alexander Biller in die Lehre. 1684 legte er in Salzburg seine Gesellenprüfung ab. 1685 ging er nach Altenburg, wo er dem Okulisten Johann Heinigken assistierte. Später heiratete er dessen Tochter Catharina Elisabetha Heinigken und machte sich selbständig. In den darauffolgenden Jahrzehnten wirkte Eisenbarth neben seiner Arbeit in Altenburg als Wanderarzt vor allem in Sachsen, aber auch bis nach Berlin, Stettin, Danzig und Breslau. 1701 traf er in Frankfurt den noch jungen Heister, der später Medizinprofessor in Helmstedt wurde. 1704 siedelte er von Altenburg nach Magdeburg um, wo er das Bürgerhaus „Zum goldenen Apfel“ erwarb. Von Magdeburg aus wirkte er in Berlin, Bremen, Hannover, Kassel bis nach Koblenz. 1716 heilte er in Stargard erfolgreich eine Augenverletzung des Oberstleutnant von Grävenitz. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er 1722 Anna Rosina Albrecht. Am 11. November 1727 verstarb Eisenbarth auf einer seiner Arztreisen an einem Schlaganfall in Hannoversch-Münden.

PD Dr. med. Gregor Wollensak, Wildentensteig 4, D-14195 Berlin


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