XXI. Zusammenkunft der Julius-Hirschberg-Gesellschaft
6. Oktober 2007 in Halle / Saale

Abstracta

in alphabetischer Reihenfolge der Vortragenden des Programms


in alphabetischer Reihenfolge der Vortragenden des Programms

Jörg Draeger (Hamburg):
Die historische Entwicklung der Schwerelosigkeitsforschung

Zwar glaubte man seit dem frühesten Beginn des Ballonfahrens, hier bereits einen Schritt zur „Schwerelosigkeit“ getan zu haben.
Dies gilt aber eben nicht für den Zustand unseres Körpers, insbesondere die schwerkraftabhängige Verschiebung der großen intrakorporalen Flüssigkeitsmengen. Hier war es zuerst der Beginn der bemannten Raumfahrt, der zu ganz neuen Erkenntnissen führte und neue Forschungsmöglichkeiten eröffnete.
„Fluid shift“ ist die Bezeichnung für die sehr rasch einsetzende Verschiebung der Flüssigkeit entlang der Z-Achse des Körpers. Nach Erreichen der Schwerelosigkeit ist der Flüssigkeitsstrom von den Füßen zum Kopf hin gerichtet.
Dies zu untersuchen und präzis zu quantifizieren, war zunächst nicht möglich. Es fehlten sowohl die Möglichkeiten zur irdischen Simulation wie auch Geräte zur möglichen nicht invasiven Messung am Körper.
Schon 1970 machten wir die ersten Experimente an der damals noch kleinen Zentrifuge des Flugmedizinischen Institutes in Bonn. Die ersten ausführlichen Messungen fanden dann anlässlich der Deutschen Raumfahrtmission Spacelab D1 (1985), Deutsch-Russische MIR-Mission (1992) und Spacelab D2-Mission (1993) statt. Dabei ergaben sich in ihrer Größenordnung unerwartete Messwerte: Bereits wenige Minuten nach Erreichen der Schwerelosigkeit stieg z.B. der Augeninnendruck um mehr als 100%. Die faszinierende Entwicklung dieser Techniken und Apparate, die dabei gewonnenen Erkenntnisse aus dem Zeitraum der letzten 40 Jahre werden dargestellt.

Prof. em. Dr. med. Jörg Draeger, Univ.-Augenklinik, Martinistraße 52, 20251 Hamburg

Zurück


Sabine Fahrenbach (Leipzig):
Über die „Blutentziehung durch den Heurteloupschen Apparat“

In der Augenheilkunde wurde bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Aderlass als Therapeutikum eingesetzt. Neben Blutegeln (Hirudo medicinalis) wurde dabei auch der „Heurteloupsche Apparat“ benutzt. Über seine Beschaffenheit und die Indikationen für seine Anwendung soll berichtet werden.

Dr. phil. Sabine Fahrenbach, Karl-Sudhoff-Institut für Geschichte der Medizin und Naturwissenschaften der Univ. Leipzig, Käthe-Kollwitz-Straße 82, D-04109 Leipzig

Zurück


Robert Heitz (Straßburg):
Wie in Halle a. Saale die ersten gaspermeablen Kontaktlinsen ausprobiert wurden

In den Jahren 1918–1923 wurden durch den Physiker Albert Wiegand (1882–1932 ) und die Firma Zeiss mehrere Patente zur Herstellung von „Kontaktbrillen aus Zelluloid“ angemeldet. Die klinischen Versuche mit diesen ersten gaspermeablen Kontaktlinsen wurden von Wilhelm von Clausen (1878–1961) an der Universitäts-Augenklinik Halle durchgeführt.

Dr. med. Dr. phil. Robert Heitz, 23 A, rue Trubner, F-67000 Strasbourg

Zurück


Aloys Henning (Berlin):
Zu Adligen Okulisten aus Geldern im 17. Jahrhundert in Sachsen und Berlin

Im April 2006 machte eine genealogische Anfrage eine im Mittelalter hochadlige Familie aus Zutphen in Geldern medizinhistorisch bekannt. Infolge der Unterdrückung der Niederlande durch Alba (Zutphen 1572) wurden von Sütphens als protestantische Exulanten am Fläming in Herzberg an der Schwarzen Elster ansässig. Bis 1673 haben sie 100 Jahre hindurch neun Okulisten hervorgebracht und ausgebildet neben wenigstens fünf weiteren, die nicht ihres Namens waren. Sie schließen für die Geschichte der Augenheilkunde in Sachsen und Brandenburg eine bisher bestehende Lücke zwischen Georg Bartisch (1583–1607), beginnend mit dessen Sohn Tobias Bartisch in Dresden, und Johann Andreas Eisenbarth (1668–1727). Ihre kaiserlichen Privilegierungen rechtfertigen einen ihrer und Bartischs Vorgänger, Heinrich Vogtherr den Älteren (1490–1556), Künstler (Formschneider, Maler, Drucker) und Hofaugenarzt König Ferdinands I. ab 1550, den Julius Hirschberg als Kurpfuscher diskriminiert hat bei Außerachtlassen seinerzeitiger augenärztlicher Bildungsmöglichkeiten. (Seine Ehrenrettung haben maßgeblich Vogtherrs Nachfahren, Dres. med. Hermann und Susanne Vogtherr 1997 bewirkt, in: NUNTIA der JHG, II/1997, S. 39–42). Eisenbarth gehört als reisender Operateur in die Zeit des Übergangs von Privilegien für reisende Chirurgen und Zunftordnungen für niedergelassene zu Regelungen wie des preußischen Medizinaledikts 1718. Sie ersetzten Meisterprüfungen für niedergelassene Barbier-Chirurgen durch vom Souverain erlassene Approbationsordnungen – in Berlin nach vorausgegangenen Kursen am Collegium Medico-chirurgicum; sie ließen noch landesweite Privilegierungen zu. Okulisten wie Joseph Hillmer und John Taylor haben solche Privilegia nicht besessen. Vor allem Taylors Titelkollektionen erweisen ihn als historisches Relikt nach Einführung landesweiter Medizinalordnungen.

Dr. med. Aloys Henning, Spandauer Straße 104K, D-13591 Berlin

Zurück


Jutta Herde (Halle):
Zur Geschichte der Lidchirurgie

Die Anfänge der Lid- und plastischen Chirurgie sind sowohl bei dem römischen Enzyklopädisten Cornelius Aurelus Celcus (25 v.Chr. bis ~ 50 n.Chr.) als auch in Indien vor 2000 Jahren (Susruta-Handschrift) belegt, wenngleich von Hippokrates (460–370 v. Chr.) vier Augenoperationen überliefert wurden. Von den 21 von Celsus beschriebenen Operationen sind hier vor allem die Entropium-Op., das Ausschneiden von kleinen Blasen und Geschwülsten, die Trennung von verwachsenen und am Augapfel fest gewachsenen Lidern, die Behandlungsmethoden der Haarkrankheiten und die Defektdeckung durch seitliche Hautverschiebung von Interesse. Aus Indien datieren die ersten Rhinoplastiken zur Behebung des zur Bestrafung von Vergehen gesetzlich sanktionierten Nasenabschneidens (Indische Methode). 1442 führte Branca auf Sizilien eine andere Rhinoplastik durch (italienische Methode), die im 16. Jahrhundert von Tagliacozzi in Italien übernommen wurde. Erwähnte Bartisch zwar in seinem Buch 1583 die Behandlung der Haarkrankheit, des Ektropiums, der verwachsenen Lider und der Blepharochalasis, so blieben seine Anmerkungen ohne Resonanz. Paulus v. Aegina (4. Jh.) empfahl die Loslösung und Herbeiziehung von Haut zur Verbesserung verstümmelter Ohren. 1755 berichtete Jaques Daviel an die Royal Society in London über erfolgreiche Tumorresektion. In Deutschland avanzierte Carl Ferdinand von Graefe mit den ersten Rhino- und Blepharoplastiken 1809,1811, 1816 und 1818 zum Begründer der Blepharoplastik (Deutsche Methode). Ungeklärt bleibt jedoch das jahrhundertelange Ausbleiben der Weiterentwicklung der Lidchirurgie. Die eigentliche Entwicklung der Lid- und plastischen Chirurgie setzte im 18. und besonders im 19./20. Jahrhundert ein. Eduard Zeis schrieb 1838: „Die plastische Chirurgie schafft das Lebensglück“. Fast zeitgleich mit C. F. von Graefe entwickelte C. H. Dzondi 1818 in Halle die Bildung eines neuen Unterlides aus der Wange. Diese Operationsverfahren wurden abgewandelt und weiterentwickelt von C. G. Fricke (1828), Jüngken (1828), Dieffenbach (1834, 1845–48), A. Burow (1838), Lisfranc, von Ammon, Chelius, Beck, Blasius, Baumgarten u. a., aber auch in Amerika (Miller 1906/07, Kolle 1911 u. a.), in Frankreich (Bourguet, Tessier, Nöel, Passot u. Cloure) und in England (J. R. Wolfe) verbessert, wobei die Erkennung der anatomischen und pathophysiologischen Zusammenhänge zum Vorteil gereichten. In der letzten Hälfte des 20. Jh. wurden die Operationsmethoden mit den technischen Möglichkeiten unter Berücksichtigung der anatomisch-physiologischen und individuellen Gegebenheiten optimiert (Fox, Hughes, Hübner, Tenzel, Cutler, Beard , Jones u. a.)

Ektropium – Entsprechend der ursprünglichen Erklärung des Ektropiums mit Erschlaffung und Verlängerung des gesamten Lides durch Verkürzung der Lidhaut wurden kurative Maßnahmen vorgenommen: Heftpflaster (Fabr. Ab Aquapedente, Bernstein), Cauterium potentiale (St. Yves, Rhazes, Avicenna), Cauterium actuale (Hippokrates, Celsus, Guy de Chauliac, Percy, Beer, von Graefe), Skarifikation der Augenlidbindehaut (Cooper, Scarpa, Quadri), Ausschneiden von Bindehaut (Anthyllus, P. von Aegina, Severin u. a.); Inzisionen und Ausschneiden der äußeren Lidhaut (Celsus, P. von Aegina, Paré, Guillemeau, Thevenin, Heister, Dzondi); durchschneiden des ganzen Augenlides, Erweiterung der Wundränder mit Leinwand u. Heftpflaster (Bernstein, Weller); dreieckförmige Lidausschneidung; Tarsorrhaphie nach von Walther, Methode nach Dieffenbach, Jäger, von Ammon, Adams, Argyll Robertson und Verhoff, Szymanowski, Terson, Meller, Kuhnt-Szymanowski. Im 20. Jahrhundert: Methoden von Weiner, von Blaskovics, Imre, Fox, Smith, Schäfer, Anderson et al., Tse et al. In der 2. Hälfte des 20. Jh. wurden die Op.-Verfahren der letzten 150 Jahre verfeinert abgewandelt, mit besserer mikrochirurgischer und Nahttechnik und größerem Verständnis der pathophysiologischen Grundlagen ausgebaut.

Entropium – die sogenannte Haarkrankheit und das Entropium wurden im Altertum, ja sogar bis Mitte des 19. Jh., ähnlich chirurgisch behandelt. Wie beim Ektropium handelte es sich im Fall des Entropiums ebenfalls um recht barbarisch anmutende Methoden bis auf die z. T. bis in unsere Zeit angewendete Methode von Celsus, wofür er bereits auf genaue Dosierung hinwies. Die Entwicklung der Entropium-Operationsverfahren vollzog sich von der Kauterisation, dem Ausschneiden oder Ätzen gewucherten Gewebes über die Kanthotomie und Kantholyse, Adhaesiv-Strips, Nähte zur horizontalen und vertikalen Lidverkürzung. Auch hier setzte der Ausbau und die Verbesserung der chirurgischen Verfahren im 19. Jahrhundert ein (Bell, von Ammon, A. von Graefe, Jaesche). Bis Ende des 20. Jh. waren ca. 200 verschiedene Operationsmethoden bekannt. Hervorragendes leisteten Fox, von Blaskovics, Birch-Hirschfeld, Wheeler, Wies, Quickert, Smith, Jones, Beard u. a.

Prof. Dr. med. Jutta Herde, Univ. –Augenklinik, Ernst-Grube-Straße 50, D-06120 Halle

Zurück


Jutta Herde (Halle):
Schicksale berühmter Ophthalmologen

Die edelste Zielstellung eines jeden Augenarztes, die Sehfunktion aller Patienten zu erhalten bzw. wieder herzustellen, ist nicht immer erreichbar. Mehrere berühmte Augenärzte wurden von einem harten Los getroffen, worüber hier zu berichten ist. Sogar Albrecht von Graefes Tochter Olga ereilte eine allmählich sich ausbreitende Erblindung.
Karl Himly (1772–1837), der 1800 den Terminus Ophthalmologie inaugurierte, in Göttingen studierte und zum a.o. Professor ernannt wurde, kam nach 5-jährigem Ordinariat in Jena in gleicher Funktion nach Göttingen zurück. Himly edierte zusammen mit Johann Adam Schmidt die erste augenärztliche Fachzeitschrift der Welt, „Ophthalmologische Bibliothek“. Offensichtlich bestanden mit dem ebenfalls an der Göttinger Universität tätigen und Vorlesungen zur Augenheilkunde abhaltenden K. J. Langenbeck Kontroversen. Himly wählte 1837 den Freitod in der Leine.
Alexander Pagenstecher (21.4.1828–31.12.1879), ein v. Graefe-Schüler, hatte nach glänzender Ausbildung in Wiesbaden eine private Augenklinik geschaffen. Wurden mehrere seiner Schüler Ordinarien, so wurden ihm selbst zahlreiche Auszeichnungen zuteil. Wegen rezidivierender Lungenaffektionen machte er die Jagd zu seinem Hobby. Die am rechten Auge von H. Pagenstecher wegen eines Glaukomanfalles vorgenommene Operation war erfolgreich. Er starb bei der Rückkehr von einer Jagd, zwei Tage nachdem sich zufällig das Gewehr entlud, an den Verletzungsfolgen.
Emile Javal (5.5.1839–1907) gelangte erst nach einem Bergbauingeneur-Studium zur Medizin, um der 17 Jahre jüngeren, an fürchterlichem Strabismus leidenden Schwester helfen zu können.

Prof. Dr. med. Jutta Herde, Univ. –Augenklinik, Ernst-Grube-Straße 50, D-06120 Halle

Zurück


Gerhard Holland (Kiel):
Der Ophthalmologe Hugo Magnus – der britische Staatsmann William Ewert Gladstone und der Farbensinn

Vor 100 Jahren starb in Breslau Hugo Magnus, Ophthalmologe, Medizinhistoriker und Schriftsteller. In einem kurzen Nachruf im Zentralblatt für Augenheilkunde schreibt Julius Hirschberg, daß unter seinen zahlreichen Leistungen sich Anfechtbares, Brauchbares und Vortreffliches finde. Die 1877 erschienene Abhandlung "Die geschichtliche Entwicklung des Farbensinnes" zählt Hirschberg zu den anfechtbaren Leistungen. Doch es ist gerade dieses Werk, daß Magnus damals in Europa bekannt machte. Magnus vertritt die Theorie, daß sich das Farbensehen langsam von Null bis zur vollen Wahrnehmung entwickelt habe und stützt diese Theorie mit sprachwissenschaftlichen Argumenten. Magnus zitiert in seiner Arbeit W. E. Gladstone, der 1858 in seinen "Studien über Homer und das homerische Zeitalter" auch die Farbwahrnehmung der Menschen zur Zeit von Homer an Hand des Farbvokabulars in der Odyssee und Ilias analysiert und zu einem ähnlichen Ergebnis wie Magnus kommt: Der Farbensinn zu jener Zeit war noch unterentwickelt. Magnus schickt Gladstone seine Arbeit, dieser veröffentlicht daraufhin eine eigene Arbeit über den Farbensinn, die auf Veranlassung von Magnus 1878 ins Deutsche übersetzt wurde. Gut drei Jahre korrespondieren Magnus und Gladstone miteinander. Ihre Ansichten blieben jedoch nicht unwidersprochen. 1999 veröffentlicht Elizabeth Henry Bellmer in Annals of Science eine längere Arbeit zu diesem Thema. Ausführlich bespricht sie die Arbeiten von Magnus und Gladstone, erwähnt ihre Korrespondenz, bringt die Gegenargumente zahlreicher Autoren aus den Jahren 1877-1878 und sagt zum Schluß: Die Theorie von Magnus und Gladstone und die Antwort darauf verkörpere einen kleinen Einzelaspekt der damaligen Debatte zum Darwinismus.

Prof. Dr. med. Gerhard Holland, Esmarchstraße 51, D-24105 Kiel

Zurück


Gerhard Keerl (Düsseldorf):
Carl von Linné, "Princeps botanicorum" - aber auch Arzt und medizinischer Hochschullehrer

Die bekanntesten Verdienste des vielseitigen Naturforschers Carl v. Linné sind die von ihm während seiner Lebenspanne mehrfach erweiterte Publikation über das System der Natur ("Systema naturae") und die Einführung der binären Nomenklatur in das Tier- und Pflanzenreich. Neben noch anderen bearbeiteten Gebieten ist seine intensive Beschäftigung mit medizinischen Belangen weniger bekannt.
Obgleich schon als Kind der Botanik verfallen und von ihr "besessen" sein ganzes Leben. begann er das Studium mit dem Fach der Medizin. Auch seine Promotion erfolgte zum Doktor der Medizin. Daß er bis zu seinem Tode Botanik und Medizin verquicken konnte wurde durch den Lehrstuhl an der Universität Uppsala (ab 1741), der damals noch beide Fächer in Personalunion vereinigte, ermöglicht.
Erstaunlich ist, daß dennoch über seine medizinische Tätigkeit erst 100 Jahre nach seinem Tode eine zusammenfassende Arbeit erschienen ist (E. A. Hjelt). Im folgenden soll an Linnés Wirken als Arzt und seine allgemein- medizinischen Aktivitäten im Jahre seines 300. Geburtsjubiläums erinnert werden.

Dr. med. Gerhard Keerl, Droste-Hülshoffstraße 2, D-40474 Düsseldorf

Zurück


Guido Kluxen (Wermelskirchen):
„The Mosquito Man“: Der Augenarzt Dr. Carlos Juan Finlay (1833–1915)

Carlos Juan Finlay’s Verdienst sei in knappen Worten zusammen gefasst: Er entdeckte die Übertragung des Gelbfiebers durch einen bestimmten Moskito und ersann eine sichere Methode, die Krankheit auszulöschen. Von 1881 an wurde er durch den Zusatz „The Mosquito Man“ bei der Nennung seines Namens belächelt. Trotzdem kam seine Arbeit im Jahre 1900 zu hohem Ansehen. Er hatte als erster 1881 behauptet, dass Gelbfieber von einem Moskito von einem erkrankten Opfer auf eine gesunde Person übertragen wurde. Er identifizierte den Überträger sogar genau: Aëdes aegypti. In dem kurzen Spanisch-Amerikanischen Krieg von 1898 in Kuba fielen nur relativ wenige Soldaten, doch 5.000 starben an Infektionskrankheiten. Sehr gefürchtet war Gelbfieber, dem 85 % der U.S. amerikanischen Opfer erlagen. Für die U.S. Armee war die Ursache des Gelbfiebers mysteriös, weshalb eine militärische Kommission (häufig „The Reed Commission“ genannt - nach ihrem Leiter Walter Reed) gegründet wurde, die die Aufgabe hatte, die Ursache und Verbreitung des Gelbfiebers herauszufinden. Zwei Theorien mussten gegeneinander abgewogen werden: Schmutz oder Aëdes ? In einem Lager außerhalb Havannas führte Walter Reed mit seinen Assistenten James Caroll, Aristide Agramonte und Jesse Lazear die erforderlichen Experimente durch, die bewiesen, dass die Verbreitung durch die Moskitos und nicht durch den Schmutz und Kontamination erfolgte. Nach diesen schnellen und bewunderten Experimenten der „Reed Commision“  waren Finlay’s Ansichten über die Gelbfieberübertragung auf einmal akzeptiert. Carlos Juan Finlay kamen ab sofort Ehrungen in Fülle zuteil, doch in den Vereinigten Staaten war man der Ansicht, dass alleine der „Reed Commission“ das Verdienst der Entdeckung von Ursache und Übertragung des Gelbfiebers zukäme und man versucht noch heute, Finlay’s Anteil daran zu ignorieren.

Prof. Dr. med. Guido Kluxen, Brückenweg 1, D-42929  Wermelskirchen

Zurück


Peter Kober (Schwelm):
Ein Heilbringer für seine Patienten (und seine Stadt):
Friedrich Hermann Leuw (1792–1861)

Der Wundarzt 2. Klasse, Friedrich Hermann de Leuw aus Dinslaken am Niederrhein, Feldscher während der Napoleonischen und Freiheitskriege, eröffnete ab 1814 eine Praxis in Gräfrath am Rande des Bergischen Landes. Sein Hauptinteresse galt der Behandlung von Augenkrankheiten und er erlangte im Laufe der Zeit einen geradezu legendären Ruf sowohl in Deutschland, als auch weit darüber hinaus, besonders in England.
Der Erfolg seiner Tätigkeit und damit sein Ruf muss – bedingt durch die im Grunde noch recht mangelhaften Kenntnisse und die noch sehr geringen Möglichkeiten operativer Eingriffe, in erster Linie auf dem Einfluss seiner Persönlichkeit beruht haben, weniger auf den tatsächlichen Heilerfolgen.
Für den Ort Gräfrath war sein Wirken ein wirtschaftlicher Segen. Doch blieb er zeitlebens nur Wundarzt und konnte nur an einer Universität außerhalb Preußens promoviert werden. An Orden, Titeln und Ehrungen fehlte es ihm nicht, aber es ist uns von seiner Tätigkeit kein irgendwo gedrucktes Werk, theoretischer oder praktischer Natur, überliefert. Er bewegte sich zwischen schon wissenschaftlich fundierter Medizin und eben doch  noch Scharlatanerie – mit überraschend großem Erfolg.

Dr. med. Peter Kober, Kirchstraße 2, D-58332 Schwelm

Zurück


Frank Krogmann (Thüngersheim):
Heinrich Adelmann (1817–1884) und seine ophthalmologischen Zeichnungen

Heinrich Adelmann lehrte bereits vor Gründung der Würzburger Universitäts-Augenklinik vorwiegend Augenheilkunde an der Universität Würzburg.
Aus seinem Nachlass stammt ein Buch mit insgesamt 228 eigenhändig von ihm angefertigten anatomischen Zeichnungen der vorderen Augenabschnitte. Der Großteil der Zeichnungen stammt aus den Jahren 1835-1837 soweit eine Datierung angegeben wurde.
Aufgrund testamentarischer Bestimmung Adelmanns wurde das Buch an die Universitätsaugenklinik Würzburg übergeben. 2006 wurde das Buch digitalisiert. Die vorliegende digitale Version stellt die Zeichnungen in höchster Qualität dar – einige von ihnen werden im Vortrag präsentiert.

Frank Krogmann, Kirchgasse 6, D-97291 Thüngersheim

Zurück


Hans Remky (München):
Albrecht von Haller (1708-1777) de circulo arterioso nervi optici ad curationem myopiae per remotionem lentis

Vor dem Bericht über die genannten Themen wird der Versuch gemacht, HALLER's Leben und Werk zu würdigen, gestützt auf Auszüge seines riesigen Publikationsverzeichnisses und auf Biographien des XVIII. Jahrhunderts.
HALLER's anatomisches Hauptwerk enthält 1754 die Zeichnung eines Injektionspräparates, das auch einen Gefässkranz um die Eintrittsstelle des Sehnerven erkennen lässt, HALLER schreibt die Priorität dieser Entdeckung seinem Schüler ZINN zu, hat aber nicht wie dieser frühere Beobachtungen holländischer Autoren erwähnt.

Prof. Dr. med. Hans Remky, Biedersteinerstraße 57, D-80802 München

Zurück


Dieter Schmidt (Freiburg):
Alfred Huber (1918–2006)

Mit Alfred Huber haben wir im vergangenen Jahr einen der bedeutendsten und international angesehendsten Neuro-Ophthalmologen der zweiten Hälfte des 20. und des Beginns des 21. Jahrhunderts verloren. Als vorbildliche Persönlichkeit wurde er in seiner freundlichen, gebildeten, bescheidenen und liebenswürdigen Art stets geschätzt. In der Schweiz gilt er als der „Vater der Neuro-Ophthalmologe“. Er war international sehr beliebt. In den USA nannten ihn viele Kollegen „Uncle Freddy“.
Alfred Huber war ein hervorragender Kenner und Lehrer der Ophthalmologie, dessen Bücher und Aufsätze ihn weiterhin überleben werden. Er promovierte 1943 in der Univ.-Augenklinik Zürich bei Herrn Professor Alfred Vogt. In der Zeit von 1943 bis 1950 war er Assistenzarzt und Oberarzt der Univ.-Augenklinik Zürich unter der Leitung von Herrn Professor Marc Amsler. 1949 befand sich Alfred Huber mehrere Monate lang am „Institute of Ophthalmology“ in London bei Sir Stewart Duke-Elder.
Von 1950–1951 war er Assistenzarzt an der Neurochirurgischen Univ.-Klinik Zürich unter der Leitung von Herrn Professor Hugo Krayenbühl. 1954 erfolgte die Habilitation mit der Schrift über die Augensymptome bei Hirntumoren; 1963 wurde er Titularprofessor für Ophthalmologie an der Universität Zürich. Bis in das hohe Alter betreute Alfred Huber seine Patienten und war konsiliarisch in den Züricher Universitäts-Kliniken tätig.
Alfred Huber gehörte der Redaktionskommission der „Klinischen Monatsblätter für Augenheilkunde“ an und war Herausgeber und Mitbegründer der internationalen Zeitschrift „Neuro-Ophthalmology“. Als langjähriger Sekretär der Schweizerischen Ophthalmologischen Gesellschaft war er an der Organisation der Treffen beteiligt.
Alfred Huber war Begründer mehrerer wissenschaftlicher Vereinigungen. Er hielt zahlreiche Gastreferate auf internationalen Kongressen.
Alfred Huber war zusammen mit Professor Adolph Neetens aus Belgien und Professor Tom Hedges aus den USA Mitbegründer der größten neuro-ophthalmologischen Vereinigung INOS 1976 (International Neuro-Ophthalmological Society) und der EUNOS (European Neuro-Ophthalmological Society). Die Gründung der EUNOS erfolgte in Zürich 1993. Alfred Huber nahm an allen Tagungen dieser Gesellschaften bis zuletzt teil und hielt dort jedesmal wichtige Vorträge.
Alfred Huber hielt zahlreiche internationale Gastvorträge in den USA, Kanada, Japan und Europa. 1968 wurde er mit dem „Franceschetti-Liebrecht-Preis“ der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft und 1972 mit dem „Alfred-Vogt-Preis“ der Schweizerischen Ophthalmologischen Gesellschaft ausgezeichnet.

Prof. Dr. med. Dieter Schmidt, Univ.-Augenklinik, Killianstraße 5, S-79106 Freiburg

Zurück


Gottfried Vesper (Leipzig):
Über Anton Graff (1736–1813)

Anton Graff, ein Schweizer Maler aus Winterthur, kommt nach Deutschland, wird in Dresden Hofmaler, vorwiegend Porträtarbeiten. Sehverschlechterungen sind 1802 dokumentiert. Eine Augenoperation des Grauen Stares wird 1803 vermutet. In den späteren Jahren allmählich fast vollständige Erblindung.

SR Dr. med. Gottfried Vesper, Harnackstraße 9, D-04317 Leipzig

Zurück


Zur JHG-Homepage