Klaus Bergdolt
Licht, Optik und Theologie bei Roger Bacon
Roger Bacon (1214–1292) war nicht nur ein bedeutender scholastischer Philosoph, sondern auch ein Pionier, was die Theorie des Sehens und der mittelalterlichen Optik bzw. Perspektive betraf. Seine Schriften, die vor allem auf Werken antiker und arabischer Gelehrter basierten, beeinflussten sowohl den theologischen Diskurs wie, wahrscheinlich über die Ausmalung der Franziskanerkirche von Assisi, die Kunsttheorie der Renaissance.
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Franz Daxecker
Heilpflanzen der Augenheilkunde im Kräuterbuch des Leonhart Fuchs
Der Arzt Leonhart Fuchs (1501–1566) war einer der Begründer der Botanik. Das „New Kreütterbuch” (1543) enthält die Beschreibung von ca. 830 Pflanzen, dargestellt in 515 Holzschnitten. 76 Pflanzen werden in der Augenheilkunde angewandt. Fuchs zitiert häufig Dioskurides, weniger oft Galen, Plinius d. Ä. und Avicenna. Er führt vor allem Pflanzen seiner Heimat an, z. B. Wermut, Haselwurz, Kamille, Breitwegerich, Portulak, Aloe, Gelber Enzian, Drachenwurz, Maiglöckchen, Augentrost, Tausengüldenkraut, Veilchen, Silberweide, Kornblume, Zwiebel, Fenchel, Mohn, Salbei, Weinraute, Rose, Tollkirsche, Lavendel, Thymian, Bilsenkraut, Baldrian, Schöllkraut. Nach Leonhart Fuchs wurde die Fuchsie benannt. Die im Kräuterbuch angegeben Pflanzen werden mit denen in anderen Heilkundebüchern verglichen: De Materia medica in der Übersetzung des Pietro Andrea Matthioli (1. Jh.), Macer floridus (11. Jh.), Codex medicina antiqua (13. Jh.). Sie werden meist in identer oder fast identer Zubereitung und Anwendung beschrieben.
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V. Harsch und Jörg Draeger
Vom Ballon zur Raumfahrtstation – Entwicklung der Anforderungen an das Sehvermögen der Piloten
Die rasante Entwicklung der Luft- und Raumfahrttechnik stellt auch an die Luft- und Raumfahrtmedizin, vor allem an die optische Wahrnehmung, immer neue Anforderungen. In der zivilen Luftfahrt waren es vor allem die immer größeren Passagierzahlen und längeren Flugstrecken, in der Militärluftfahrt die stetige technische Weiterentwicklung der Flugzeuge mit Strahltriebwerken, der Entwicklung von Kampfhubschraubern, aber auch der Perfektionierung des Krankentransportes in der Luft.
In der Raumfahrt vollzogen sich gewaltige Entwicklungen vom unbemannten Raumflug mit kleinen Flugkörpern bis schließlich zur Schaffung ständiger Weltraumstationen mit regelmäßigem Pendel flugverkehr zur Erde. Dies wird an historischen Beispielen dargestellt. Es ist selbstverständlich, dass diese ständig steigenden Anforderungen an die technische Leistung der Ballonfahrer, Piloten, Raumfahrer auch zu erhöhten Anforderungen an das Sehvermögen geführt haben.
Auf die Entwicklung dieser Anforderungsprofile im Hinblick auf Sehschärfe, Kontrastsehen, Farbsehen, aber auch Dunkeladaptation wird im Laufe dieser Entwicklung eingegangen.
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Balder P. Gloor
Wer war Theodor Bänziger jr., Pionier des Verständnisses der Mechanik des akuten Glaukoms und der Wirkung der Iridektomie?
1922 war Theodor Bänzigers „Die Mechanik des akuten Glaukoms und die Deutung der Iridektomie-Wirkung bei demselben“ in den Heidelberger Berichten erschienen, unabhängig von der zwei Jahre früher in den USA veröffentlichten bahnbrechenden Arbeit zum selben Thema Currans. Bänzigers Arbeit übertrifft die Arbeit Currans in ihrer Klarheit im Verständnis und der bildlichen Darstellung der Pathophysiologie des akuten Pupillarblockg/Winkelblockglaukoms und des Ausgleichs des Druckes zwischen Hinter- und Vorderkammer mittels kleiner Iridektomie. Der Vortrag unterscheidet sich zudem in seiner Sachlichkeit von den an derselben Sitzung vorgetragenen spekulativen Diskussionen der damaligen Glaukom-Päpste wie z.B. Hamburger und Elschnig grundlegend. Seine Arbeit wie auch diejenige Currans, der bis 1931 über ein Erfahrungsgut von 500 Fällen berichten konnte, blieb bis nach dem 2. Weltkrieg praktisch unbeachtet, bis sie dann ab 1952 in den USA als Pionierleistung voll gewürdigt und mit der Laseriridotomie heute ihre vollste Bestätigung fand. In der Schweiz und in Europa blieb Bänziger ein kaum Bekannter. So fragt diese Arbeit: Wer war Theodor Bänziger jr. und wie steht seine grundlegende Arbeit in der damaligen Glaukom-Landschaft bis sich die Unterscheidung des primären Glaukoms in Pupillarblock/ Winkelblock- und Offenwinkelglaukom erst etwa 30 Jahre später durchsetzte?
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Aloys Henning
Julien Offray de La Mettries klandestine Kritik an Joseph Hillmer 1748. Zur Zensur unter Friedrich II.
Am 21. Januar 1748 ernannte Friedrich II. den Okulisten Joseph Hillmer aus Hainburg bei Wien zum Augenarzt der königlichen Familie und zum ordentlichen Professor für den augenärztlichen Unterricht am Berliner Collegium Medico-chirurgicum. Vor Wahrnehmung seiner Professur wurden ihm zwei Jahre zum Reisen in Europa zur weiteren Qualifikation zugestanden. Hillmer war am 8. Januar in Berlin angekommen. Einen Tag zuvor erhielt Julien Offray de La Mettrie politisches Asyl vom preußischen König. Der Arzt und Philosoph aus Saint Malo wohnte zusammen mit dem Okulisten aus Niederösterreich im gleichen Berliner Hotel. Angesichts der königlichen Approbation Hillmers veröffentliche das Mitglied des Berliner Ober-Collegium Medicum Johann Carl Wilhelm Moehsen unter einem Pseudonym Kritik am Okulisten, nachdem er Augenzeuge der Hillmerschen Praxis in dessen Hotel wurde. Sie offenbarte seine Scharlatanerie. Analoge Kritik veröffentlichte La Mettrie als Libell aus zwei Lettres, die klandestin Autor, den kritisierten Okulisten und Orte tarnten, deren Pseudonyme literarisch bewanderten Lesern den wahren Autor zu erkennen ermöglichten, vor allem dem König! Für derartige klandestine Literatur gab es einen lukrativen Markt, nicht zuletzt unter dem Einfluß des Salons der Marquise du Châtelet in Paris, so auch in Salons in Potsdam und Berlin, beflügelt von Les Lumières. Moehsens Sendschreiben wurde konfisziert, als der beleidigte Hillmer sich an den König wandte und der Autor identifiziert war. La Mettries Lettre wurde nicht unterdrückt, nicht nur weil der Okulist mutmaßlich außerstande war, ihn zu verstehen. Die Kunst seiner literarischen Gattung erwies den freien Geist seines verfolgten Autors und dessen Vertrauen in den des Königs, wie umgekehrt des Herrschers in seinen Gast.
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Jutta Herde
Über die Quellen der Texte der Nahsehproben von Nieden
Sowohl im Alltag als auch in Wissenschaftsbereichen findet Vieles ohne Kenntnis des Ursprunges routinemäßig Verwendung. Die im deutschsprachigen Raum jedem Augenarzt wohl bekannten Nieden-Nahsehprobentafeln mit den anspruchsvollen, ausgefallenen, nicht unmittelbar auswendig lernbaren Texten wurden von Adolf Nieden (1846–1915) erstmalig 1882, in 2. und 3. ergänzter Auflage 1883 resp. 1899 herausgegeben. Weder vermerkte A. Nieden die Textquellen noch fand sein Sohn Prof. Hermann Nieden in des Vaters Unterlagen Hinweise auf diese. Nieden verarbeitete Verse von Euripides, Sophokles, Horaz, Shakespeare, Goethe, Schiller, Grillparzer, Lavater, Voß, Madame de Stäel-Holstein, Geibel, Blüthgen u. a. weniger bekannten Poeten. A. Nieden versah nach Abschluss seiner bei Theodor Saemisch (1833–1909) in Bonn durchlaufenen Ausbildung eine Augenarztpraxis in Bochum. Die Eruierung der Verse der Nahsehprobentafeln von Nieden verdanken wir Friedrich Karl Leydhecker, (7.7.1911–9.2.1944), Bruder von Prof. Wolfgang Leydhecker (1919–1995), 1939 während seiner Assistentenzeit an der Universitäts-Augenklinik zu Halle unter Wilhelm Clausen (1878–1961). Bedenkt man die Zeitspanne des Quellenmaterials von 450 v. Chr. bis 1898, so ist Fr. K. Leydhecker bis in ewige Zeit dieser akribischen literaturhistorischen Sisyphusarbeit ehrfurchtsvoll zu danken. Fr. K. Leydhecker, der seit 1937 in Halle tätig war, erzielte dank seiner außerordentlichen Begabung, seines wissenschaftlichen Interesses und seines Arrangements frühzeitig hohe Anerkennung, die 1940 in seiner Habilitation gipfelte. Bereits 1940 wurde er jedoch vom Naziregime zur Armee eingezogen. Er starb 1944 an der Ostfront. Es werden die Persönlichkeiten A. Nieden und Fr. K. Leydhecker vorgestellt und die Herkunft der Nieden -Texte besprochen.
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Gerhard Holland
Johann Gottfried Herder und seine Tränenfistel
Johann Gottfried Herder litt seit dem fünften Lebensjahr an einer Tränenfistel. Es gibt zahlreiche Hinweise auf dieses Leiden während seiner Zeit in Mohrungen, Königsberg und Riga. 1770 kam Herder nach Straßburg, wo er sich von dem damals berühmten Cbirurgen Lobstein an der Tränenfistel operieren lassen wollte. Wenige Tage nach seiner Ankunft in Straßburg lernte er Goethe kennen, der in „Dichtung und Wahrheit“ die Operation beschrieb. Durch Goethes Aufzeichnungen, vor allem aber durch die intensive Korrespondenz mit Freunden, Bekannten und mit Karoline Flachsland, die er kurz vorher in Darmstadt kennengelernt hatte und die 1773 seine Ehefrau wurde, sind wir über den Behandlungsverlauf, der schließlich mit mehreren Operationen sechs Monate dauerte, genauestens informiert. „Die Kur ist fehlgeschlagen“, so schreibt Herder schließlich an Karoline Flachsland, d.h. die Operation ist mißlungen, und so steht es bis heute in den vielen Herderbiograpbien. Doch ist sie wirklich mißlungen? Dieser Frage wird in der vorliegenden Arbeit nachgegangen. Während der folgenden 32 Jahre in Bückeburg und Weimar, wo Herder 1803 starb, gibt es, so weit wir feststellen konnten, keinerlei Hinweise auf Beschwerden durch die Tränenfistel, dafür aber zahlreiche Hinweise auf seine sonstigen Leiden. Schlußfolgerung: Die Operation in Straßburg ist nicht mißlungen! Auf jeden Fall wurde die Tränenfistel beseitigt, der Tränenabfluß konnte wahrscheinlich wieder hergestellt werden und schließlich kam es zu keiner das Gesicht entstellenden Narbenbildung, wie die vielen Darstellungen von Herder zeigen.
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Manfred Jähne
Ein beiderseitiges Augentrauma entschied die Schlacht bei Auerstedt 1806
Während der Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806 war Karl II. Wilhelm Ferdinand (1735–1806), Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel und Bruder von Anna Amalia in Weimar, 71jährig als Generalfeldmarschall der Oberbefehlshaber der Preußischen Armee.
Bei Hassenhausen zerschmetterte ihm am 14. Oktober 1806 eine französische Gewehrkugel durch einen Kopfschuß das rechte Stirnhirn, beide Orbitae mit Kontusuion beider Nervi optici und der Bulbi. Der Herzog starb knapp einen Monat später an den Folgen seiner schweren Verletzung.
Der preußische Regimentschirurg Dr. J. A. Völker behandelte und begleitete den verwundeten und erblindeten Karl II. auf dessen Flucht vor Napoleon bis Ottensen bei Hamburg.
Sein Leibarzt Brückmann sowie die Wundärzte Heyer, Spangenberg und Unzer kümmerten sich ebenfalls um den Herzog.
Völker musste ihn nach dem Tode obduzieren und sogar einbalsamieren.
Leider hatte sich der Herzog von Braunschweig während des Krieges nicht um einen militärischen Stellvertreter bemüht. Seine ihm fünf untergeordneten Kommandeure handelten eigenwillig. So hatte Napoleons General Davout, obwohl zahlenmäßig unterlegen, leichtes Spiel und konnte bei Auerstedt über Preußen und Sachsen siegen.
Lessing war des Herzogs Bibliothekar, auch Goethe und Karl II. von Braunschweig kannten sich persönlich.
Dieses Kriegstrauma wird augenärztlich und anatomisch analysiert und mit den Verletzungen der späteren Kriegsophthalmologie bis in die heutige Zeit verglichen.
Der Beitrag wird mit zahlreichen zeitgenössischen Abbildungen belegt.
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Paulus de Jong
Die früheste Benutzung des Begriffes „Drusen“ und die Erkenntnis von Drusen in der Pathogenese der Alters-Makuladegeration (AMD)
Wahrscheinlich hat Wedl (1855) als Erster Drusen auf der inneren Seite der Chorioidea eines alten Mannes beschrieben, obwohl er noch keine Ahnung hatte, wass sie bedeuteten. Er benannte sie aufgrund des Fehlens des Nucleus und der Zell-Membran.
Donders beschrieb im Jahre 1855 auch „netzförmig miteinander verbunden dunkle Streifen mit weissliche stark lichtreflectirenden Körperchen in der Netzhaut einer 70-jährigen Frau.” Er nannte sie Colloidkugeln.
Heinrich Müller schrieb im Jahre 1856 „Untersuchungen ueber die Glashäute des Auges, insbesondere die Glaslamelle der Chorioidea und ihre senilen Veränderungen.“ Er fing an mit kugeliger oder drusiger Form, drusigen Körpern, drusiger Oberfläche und drusigen Verdickungen, um dann zu enden mit Drusen.
Kurz wird eingegangen auf den langen Weg, bevor Drusen als Merkmal von AMD anerkannt wurden.
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Gerhard Keerl
Zur ophthalmologischen Nomenklatur in den Reichen der Natur
In einem fast zweieinhalb Jahrtausende alten Buch wurde der „Mensch“, beauftragt, „jeglichem Vieh und Vogel unter dem Himmel und Tier auf dem Felde seinen Namen“ zu geben. Der „Mensch“ und alle seine späteren Generationen taten dies, verwechlungsreich jeder in seiner Sprache.
Erst seit Anfang des 18. Jahrhunderts taufte der Schwede Carl von Linne alle ihm bekannt gewordenen Pflanzen und Lebewesen unverwechselbar in der Lingua latina.
Für den Ophthalmologen sind Lebewesen, Pflanzen und Mineralien interessant, die auf ophthalmologische Begriffe getauft worden sind. Dafür werden mit Bildern unterstützte Beispiele aus den verschiedenen Reichen der Natur in englischer, deutscher und lateinischer Sprache angeführt.
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Guido Kluxen
Das große Vorbild der Tropenmedizin: Albert Schweitzer (1875–1965)
Schweitzer war ein bemerkenswerter undefinierbarer materialistisch eingestellter Idealist, ein Theologe, mit dem die meisten Theologen nicht übereinstimmten, ihm aber auch keine Fehleinschätzung beweisen konnten, und er war ein Konservativer, der den Forstschritt der Einheimischen befürwortete. Dieser alte weiße Mann ging mit seinem Tropenhelm ruhelos und unermüdlich zwischen den Leuten und Tieren in Lambaréné einher, oder er spielte Bach-Choräle auf seinem alten Klavier. Er arbeitete selbst hart und trieb andere zur Arbeit an und glaubte, dass das auch zur Medizin gehörte und die Heilung förderte. Er ermunterte die Afrikaner, ihr Land aufzubauen und sich zu entwickeln, ob sie es nun so wollten oder auch nicht. Es werden ein paar tropenmedizinische Aspekte, insbesondere was die Augenheilkunde anbetrifft, im Text angeschnitten.
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Hans-Reinhard Koch
Jaques Daviels Kampf um Anerkennung
Jaques Daviels Weg nach oben verlief nicht so geradlinig und konsequent, wie uns das die Geschichtsschreibung der letzten 130 Jahre meist glauben macht. Angeregt durch den Chevalier John Taylor entschloss er sich im Jahr 1734, Augenoperateur zu werden. Auch sein erster Ansatz einer Innovation der Kataraktchirurgie, ein Starstich mit zwei Nadeln, war vermutlich bei John Taylor abgeguckt. Wichtig auf seinem Weg an die Spitze der Zunft waren seine – nicht immer glücklichen – Presseaktivitäten, vor allem im „Courrier d‘Avignon“ und der „Gazette d‘Amsterdam“ sowie sein ambivalentes Verhältnis zu Sauveur François Morand. Sein Versuch, 1743 in die „Académie Royale des Sciences“ aufgenommen zu werden, scheiterte an Morand und an einem publizistischen Schnellschuss. Erst sein zweites Innovationskonzept, die Extraktion der Starlinse aus der Hinterkammer, sollte den Durchbruch bringen. Aber auch hier waren Hindernisse zu überwinden. Ein anonymer Informant berichtete der „Académie Royale de Chirurgie“, seine operativen Ergebnisse mit dem neuen Verfahren seien miserabel. Ohne Namensnennung publiziert ein Doktorand der medizinischen Fakultät Daviels tatsächliche Ergebnisse einen Monat vor dessen Vortrag vor der Akademie. Und sein Schüler Béranger versucht, ihm die Priorität streitig zu machen. Seinen Siegeszug verdankt er schließlich treuen Freunden, königlicher Protektion und eigenem Kampfgeist.
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Frank Krogmann
Der erste in Deutschland stattgefundene internationale Ophthalmologenkongress 1888 in Heidelberg.
Vom 8. bis 11. August 1888 fand in Deutschland erstmals ein internationaler Ophthalmologenkongress statt. Es war der VII. seiner Art. 251 Teilnehmer aus aller Welt kamen in Heidelberg zusammen.
Die österreichische Delegation konnte mit einer Attraktion aufwarten, denn dieser gehörte eine Augenärztin an: Dr. Rosa Kerschbaumer aus Salzburg! Aufrgund einer Sondergenehmigung des Kaisers durfte diese praktizieren, obwohl Frauen in den meisten Ländern noch gar nicht studieren durften.
Im Rahmen des Vortrages wird auf die wissenschaftlichen, aber auch auf die die organisatorischen und gesellschaftlichen Ereignisse eingegangen.
Weitere internationale Kongresse in Deutschland erfolgten 1966 in München und 2010 in Berlin.
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Gisela Kuntzsch-Kullin
Zur Brillenakzeptanz – eine literarische Anthologie
Im Vortrag wird zunächst aus augenärztlicher Sicht eingegangen auf Empfindungen eines Brillenträgers und dessen Brillenakzeptanz. Es folgt nach historisch – literarischer Spurensuche eine Vorstellung verschiedener Erzählungen und eines Romans. Die gefundenen Brillenschicksale in der Literatur sind ganz unterschiedlich, allen gemeinsam ist aber: Der Mensch mit Brille sieht anders und sieht auch anders aus. Ingeborg Bachmann, Heike Herold, Italo Calvino, Arthur Miller und Erwin Strittmatter beschreiben interessante und nachdenkenswerte Brillenakzeptanzen, sowohl die des Brillenträgers als auch die seiner Umgebung.
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Peter Roggenkämper
Die Geschichte des therapeutischen Einsatzes von Botulinumtoxin
Schon der Autor einer ersten systematischen Beschreibung des klinischen Bildes des Botulismus, der schwäbische Arzt und Dichter Justinus Kerner, wies auf einen möglichen therapeutischen Einsatz von Botulinumtoxin (von ihm als „Wurstgift" bezeichnet) hin (1822). Es dauerte aber über 150 Jahre, bis durch den amerikanischen Augenarzt Alan Scott diese Substanz therapeutisch eingesetzt wurde und zwar zur Behandlung des Schielens (1978). Diese Indikation hat sich zwar nicht durchgesetzt, aber seit Mitte der 1980er Jahre hat sich Botulinumtoxin als segensreiches Therapeuticum in zahlreichen Bereichen der Medizin, vor allem in der Neurologie, erwiesen.
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Dieter Schmidt und Andrzej Grzybowski
Vincenz Fukalas Bedeutung in der chirurgischen Behandlung hochgradig kurzsichtiger Augen
Vincenz Fukala hatte aufgrund seiner theoretischen Überlegungen und seiner Erfahrung an zahlreichen Patienten beweisen können, dass die operative Entfernung einer klaren Linse bei Jugendlichen mit einer hochgradigen Myopie vorteilhaft war. Er ließ sich bei seinen Bemühungen nicht beirren, trotz des energischen Widerspruchs zahlreicher Autoritäten, insbesondere durch Frans Cornelius Donders, Ernst Fuchs und Albrecht von Graefe. Zwar wurde behauptet, dass in früheren Jahrzehnten bereits einzelne Operateure einen Eingriff bei hochgradiger Myopie gelegentlich gewagt hatten, jedoch war die Furcht vor Komplikationen einer Operation in der damaligen Zeit so ausgeprägt, dass sich ein operatives Vorgehen nicht etablieren konnte. Der Franzose Vacher in Orléan hatte nach Fukala, unabhängig von ihm, Operationen bei hochgradiger Myopie durchgeführt. Durch Fukalas zielbewusstes Streben gelang es ihm, seine skeptischen Kollegen zu überzeugen, so dass er mit seiner Methode der Linsendiszision die Zweckmäßigkeit des operativen Vorgehens zeigen konnte. Die erste Linsendiszision hatte er am 3.4.1887 durchgeführt. Bereits Ende des Jahres 1889 hatte er 16 Patienten erfolgreich operiert. Die Operation von hochgradig kurzsichtigen Augen wurde allmählich von zahlreichen Ophthalmologen in vielen Ländern ausgeführt. Außerdem hatte Fukala operative Verfahren des Ektropiums bei chronischen Lidrandentzündungen sowie orbitale Operationen für Augenprothesen nach einer Enukleation eingeführt. Er befasste sich zudem mit Glaukom- und Kataraktoperationen und mit konservativen Behandlungen entzündeter Augen. Von großem Interesse sind seine historischen Publikationen über die Augenheilkunde im Altertum.
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Gabriela Schmidt-Wyklicky
Über die Ansätze zur Prävention und Pflege von Augenkrankheiten im Rahmen der Wiener Schule des 19.Jahrhunderts: Von der Volksaufklärung bis zur wissenschaftlichen Publizistik
1812 erfolgte die Gründung der I. Universitäts-Augenklinik im Wiener Allgemeinen Krankenhaus. Der erste Klinikvorstand, Georg Joseph Beer (1763–1821) hatte bereits 1800 im echten Geiste philanthropischer Volksaufklärungeine Monographie mit dem Titel ,Pflege der gesunden und geschwächten Augen, nebst einer Vorschrift, wie man sich bey plötzlichen Zufällen an den Augen, welche nicht eine eigentliche medizinisch-chirurgische Kenntniß fordern, selbst helfen kann‘, verfasst. 1818 konnte Beer noch eine zweite Auflage seines Aufklärungswerkes herausbringen. Übersetzungen ins Französische 1802-1819, Italienische 1803, Englische 1813, Holländische 1828 und Portugiesische 1836 folgten. Beers 2. Nachfolger im Lehramt Ferdinand Ritter von Arlt (1812–1887) publizierte 1846 eine Abhandlung mit dem Titel ,Die Pflege der Augen im gesunden und kranken Zustande, nebst einem Anhange über Augengläser, allgemein fasslich dargestellt‘. 1856 und 1865 erschienen noch zwei weitere Auflagen. Arlts Schüler Ernst Fuchs (1851–1930), der von 1885–1915 die II. Augenklinik in Wien leitete, errang mit seiner Monographie über ,Die Ursachen und die Verhütung der Blindheit‘. 1884 sogar den 1. Preis der „Society for the Prevention of Blindness in London“. Klinische Beispiele und Statistiken aus verschiedenen europäischen Ländern komplettieren diese preisgekrönte Darstellung, die 1885 auch in englischer, französischer und russischer Sprache erschien.
Die verschiedenen Darstellungsweisen und Zielsetzungen dieser 3 Schriften mit dem besonderen Schwerpunkt der Prophylaxe von Augenschädigungen bis hin zur Erblindung werden durch zahlreiche Beispiele miteinander verglichen.
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Gottfried Vesper
Entoptische Wahrnehmungen bei dem norwegischen Maler Edward Munch (1863–1944).
Munch ist in der bildenden Kunst ein Wegbereiter des malerischen Expressionismus. Die meisten seiner Bilder sind vom Pessimismus geprägt.
Bei bestehendem Bluthochdruck hat er 1930 plötzliche Seheinschränkung des rechten Auges. Munch fertigt Aufzeichnungen an, um den Krankheitsverlauf zu dokumentieren.
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W. H. Vogel und E. Jaeger
Die Geschichte des „Wills Eye Hospital“ in Philadelphia, USA
Wills Eye Hospital gegründet in 1832 und eröffnet in Philadelphia ist das älteste Krankenhaus in den USA welches sich nur auf Augenkrankheiten spezialisiert. Das Vermächtnis eines reichen Quakers namens James Wills machte es möglich, ein „Krankenhaus für die Blinden und Lahmen“ zu eröffnen. Das erste Krankenhaus hatte 70 Betten und 4 von einer Universität graduierte Aerzte besuchten es einmal bis zweimal die Woche. In 1837 spezialisierte sich das Krankenhaus ausschliesslich auf Ophthalmology und öffnete es auch für zahlende Patienten. Es bot in 1839 den ersten spezial Kurses für Opthalmologie an. Zwischen 1872 und 1891 wurden ungefähr 1428 Katarakt Operationen ausgeführt meistens durch „Couching“ aber auch durch Keratonyxis und Extractionen. Obgleich Patiententage sich von 23 auf 12 Tage verringert hatten, wurde ein neues Krankenhaus in 1931 bezogen. Dieses hatte 6 Stockwerke und 200 Betten. Reese war einer der ersten Ophthalmologen in den USA, der in diesem Hospital intraokulaere Linsen nach Kataraktoperationen benutzte. Es wurden zwischen 1952 und 1956 ungefähr 300 Operationen durchgeführt. Zu dieser Zeit begann auch eine intensivere Forschung und ein neues Forschungsgebäude wurde eingeweiht. Kelman, ein früherer Assistenzarzt des Krankenhauses, entwickelt später die Technik der Phakoemulsifikation in 1967. Da die Versorgung der Patienten und Forschung immer bedeutender wurde, wurde beschlossen, dass sich Wills Eye mit Thomas Jefferson University verbinden sollte, welches Jefferson Medical College als bedeutende Komponente hatte. In 1980 wurde ein neues Krankenhaus mit 8 Stockwerken und about 25 000 m2 in Universitätsnähe eröffnet. Fortschritte in der Ophthalmologie und Chirurgie erforderten bald weniger Krankenhausbetten dagegen mehr Platz für Chirurgie und ambulante Behandlung. In 2002 wurde ein neues Gebäude mit 9 Stockwerken auf einer öffentlichen Garage eröffnet. Zuzüglich wurden mehrere Behandlungspraxen in verschiedenen Vororten eröffnet. Heute arbeiten ungefähr 200 Ophthalmologen und 88 konsultierende Aerzte am Wills Eye. Es werden jährlich ungefähr 20 000 Patienten in der Kataraktklinik und Allgemeinklinik, 13 000 in der Notfallstation und ungefähr 150 000 Patienten in der Kornea, Neuro-Ophthalmology, Okuloplastik, Onkologie, Kinderophthalmologie, Retina, Vitrectomy, Schwersehstation und Kontaktlinsenabteilung behandelt. Zwar ist Wills Eye mit Thomas Jefferson Universität affiliiert ist es jedoch immer noch unter Aufsicht vom Philaelphia Board of City Trust seit 1859. Das Geschenk eines frommen Mannes ist von kleinen Anfängen in über 178 Jahren zu einem grossen Krankenhaus gewachsen, welches nun die Augenprobleme von vielen Tausenden von Patienten betreut.
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