Egon Alzner (Bad Dürrnberg):
Wilhelm Werneck (1787–1842), Militärarzt, Augenarzt und Forscher – in Vergessenheit geraten
Medizinstudium in Pavia, von 1809 bis 1832 Arzt in der österreichischen Armee, 1810–1812 Schüler bei Schmidt und Beer in Wien, Privataugenklinik in Salzburg 1825–1842. Viele seiner Forschungsberichte sind verloren gegangen, wohl hat er auch verabsäumt, manche seiner Arbeiten rechtzeitig zu veröffentlichen. Als einer der ersten hat er die Kontagiosität der ägyptischen Körnerkrankheit postuliert – erst Jahrzehnte später wurde dieses Wissen Allgemeingut. Bekannt wurden seine histologischen Untersuchungen von Augengewebe, nicht nur vom Menschen sondern auch von Säugetieren, Vögeln, Fischen und Amphibien – ein erster Ansatz einer ophthalmologischen Gewebelehre. Als erster Augenarzt beschreibt er Koagulationsbehandlungen am Auge mit Sonnenlicht – 115 Jahre vor Meyer-Schwickerath.
Sein Grab ist am Salzburger Sebastians-Friedhof, die Erinnerung an ihn ist in Salzburg jedoch verblasst.
Dr. med. univ. Egon Alzner, EMCO-Privatklinik, Prof. Martin Hell Str. 7-9, 5422 Bad Dürrnberg, Österreich
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Franz Daxecker (Innsbruck):
Heilpflanzen der Augenheilkunde in: Wiener Dioskurides, Medicina antiqua und Macer floridus
Die augenheilkundlichen Heilpflanzen im Wiener Dioskurides (1. Jh. n. Chr.), im Macer floridus (11. Jh.) und in Medicina antiqua (13. Jh. n. Chr.) werden verglichen und zeigen zahlreiche Übereinstimmungen. Im Wiener Dioskurides werden 17, in Medicina antiqua 20 und im Macer floridus 34 Pflanzen beschrieben.
Univ.-Prof. Dr. med. univ. Franz Daxecker, Gufeltalweg 9a, 6020 Innsbruck, Österreich
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Heinz Dopsch (Salzburg):
Paracelsus auf dem Weg nach Salzburg
Beim Ausbruch des Salzburger Bauernkriegs war der Arzt Theophrastus Bombastus von Hohenheim, der sich später Paracelsus nannte, Anfang Juni 1525 aus der Stadt Salzburg geflohen. Solange Kardinal Matthäus Lang das Erzbistum Salzburg regierte, war für Paracelsus eine Rückkehr ausgeschlossen. Die letzten Lebensjahre brachten dem Hohenheimer mit dem Druck der „Großen Wundarznei“ in Augsburg 1536 – dem einzigen medizinischen Werk, das zu seinen Lebzeiten erschien – einen wichtigen Erfolg. Sein Weg führte dann über Eferding nach Mährisch Kromau, wo Paracelsus bei der Behandlung des böhmischen Erbmarschalls Johann von der Leipnick scheiterte. Eine Audienz des Paracelsus in Wien bei König Ferdinand I., dem er eine „Prognostication“ gewidmet hatte, ist in der Forschung umstritten. Der Tod seines Vaters rief den Hohenheimer dann nach Villach, wo er den Kärntner Ständen seine „Kärntner Schriften“ widmete. Er war bereits „schwachen Leibs“, als der Tod des Kardinals Lang 1540 die lang erhoffte Rückkehr nach Salzburg ermöglichte. Dort verfasste er am 21. September 1541 sein Testament und starb drei Tage später an einer Quecksilbervergiftung, die er durch die Einnahme einer Überdosis Quecksilber zur Bekämpfung einer schweren Erkrankung selbst herbeigeführt hatte.
O. Univ.-Prof. Dr. Heinz Dopsch, Inst. f. Geschichte, Rudolfskai 42, 5020 Salzburg, Österreich
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Jörg Draeger (Hamburg):
Zur historischen Bedeutung der Ophthalmologie für die Seefahrt
Hintergrund: Schon im Altertum spielte die Seefahrt für Handel und Fischerei eine große Rolle. Die Schiffsführer orientierten sich zunächst an markanten Objekten an Land, nutzten aber bald auch die Gestirne zur Navigation. Dies stellte von vornherein hohe Anforderungen an die Punktsehschärfe des Schiffsführers, dann wurden zur Erleichterung der Navigation Markierungszeichen aufgestellt, Leuchttürme, Sehzeichen als Tag- und Nachtmarken.
Methoden: In unserer Arbeit wird über die Entwicklung dieser Orientierungshilfen bis zur Neuzeit berichtet.
Ergebnisse: Schon früh zeigte sich der Zusammenhang mit der erforderlichen Sehschärfe, dem intakten Gesichtsfeld, aber auch dem Farbensehen, der Dunkeladaptation und der Kontrastwahrnehmung.
Diese Beobachtungen führten verhältnismäßig früh zur Entwicklung von Anforderungskatalogen für die Zulassung zum Schiffsführer, zunächst national und international nach ganz unterschiedlichen Maßstäben.
Schlussfolgerung: Über diese Zusammenhänge zwischen Entwicklung der Orientierungshilfen und normierter Kontrolle der Sehleistungen wird ausführlich berichtet.
Prof. Dr. med. Jörg Draeger, Univ.-Augenklinik, Martinistr. 52, 20246 Hamburg, Deutschland
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Albert Franceschetti (Meyrin):
Schweiz, Feminismus und medizinisches Studium
Es ist bemerkenswert dass die Schweiz, die sehr traditionsreich war, eine hervorragende Rolle am Ende des XIX. Jahrhundert bei der Zulassung der Frauen zur Medizin gespielt hat. Man darf nicht vergessen, dass das Frauenstimmrecht erst 1971 in die Bundesverfassung aufgenommen wurde und dass Frauen und Männer erst 1981 in der Bundesverfassung gleich gestellt wurden.
Die Gründe dafür sind verschieden, innerschweizerisch oder auch international: hochbegabte, oft jüdische Frauen, die meistens von Russland kamen, revolutionäre Flüchtlinge aus dem Ausland, Opposition zwischen konservativen und revolutionären Gruppen (z. B. die Radikalen in Genf), finanzielle Überlegungen.
Ein Jahrhundert später haben wir mehr Frauen als Männer im Medizinstudium. Das ist sicher erfreulich vom Standpunkt der Geschlechtergleichheit. Die Tatsache, dass Ärztinnen häufig eine Teilzeitarbeit haben und auch schlechter bezahlte Stellen annehmen, könnte einen negativen Einfluss auf die Qualität der ärztlichen Versorgung in der Schweiz haben.
Dr. Albert Franceschetti, Professor Franceschetti Stiftung, 1, av. J.-D. Maillard, 1217 Meyrin, Schweiz
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Robert F. Heitz (Strasbourg):
Der einzigartige Blick einiger Augen aus altägyptischer Zeit
Die Augen einiger Statuen aus der Zeiz des Alten Ägyptischen Reiches (2345–2181 v. Chr.) besitzen die sonderbare Eigenschaft, dass ihr Blick den Bewegungen des Betrachters folgt.
Die Untersuchung dieser Augen erklärt die optischen Eigenschaften dieser einzigartigen Erscheinung in der Kusntgeschichte.
Dr. med. Dr. phil. Robert F. Heitz, 23 A, rue Trubner, 67000 Strasbourg, France
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Aloys Henning
Zur Bedeutung privilegierter Okulisten und Schnittärzte im 17. Jahrhundert
Bei der XXI. JHG-Zusammenkunft in Halle 2007 kam erstmalig ein Okulisten-Netzwerk aus Nachfahren und Schülern eines reformierten niederländischen Exulanten aus mittelalterlichem Adel zum Vortrag, die im 17. Jahrhundert u.a. Mitteldeutschland augenärztlich versorgten, kaiserlich und kurfürstlich privilegiert. Ihre Bedeutung konnte in Halle nur umrissen werden wegen der Fülle neuer, zuvor unbekannter medizingeschichtlicher Fakten. Bis heute ließen sich in jener Zeit in Sachsen und Brandenburg 26 Okulisten nachweisen. Von ihnen waren – soweit aus Quellen ersichtlich – insgesamt 14 landesherrlich privilegiert: neun kaiserlich; zwölf besaßen kurfürstliche Privilegia, zum Teil vielfach von verschiedenen Kurfürstentümern: zehn sächsische, sieben brandenburgische, ein kurkölnisches und ein kurmainzisches. Die personbezogene landes- bzw. reichsweite Praxiserlaubnis für Okulisten und Schnittärzte galt ihrer reisenden Praxis. Sie kennzeichnet einen im 17. Jahrhundert wesentlichen Typ augenärztlicher Versorgung in Korrespondenz zur seinerzeitigen Bevölkerungsdichte, insbesondere im Dreißigjährigen Krieg. Die gleichzeitige Bezeichnung privilegierter Okulisten und Schnittärzte als Leibärzte scheint auf ihre Verpflichtung zu verweisen, dem privilegierenden Landesherrn auf Anforderung als medizinische Spezialisten zu dienen – im Unterschied zu seinerzeit raren besoldeten Hofokulisten, wie 1590 in Dresden Georg Bartisch, den Brandenburger Johann Dietrich Schertling in Königsberg 1667 und Moskau 1676, gefolgt 1696 in der preußischen Residenz von Dr. med. et chir. Joseph Viviani.
Dr. med. Aloys Henning, Spandauer Straße 104K, 13591 Berlin, Deutschland
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Jutta Herde (Halle):
Julius Jacobson und die Überwindung des „Nothstandes im Cultus Preussen“
Julius Jacobson (18.8.1828–14.9.1889), Sohn eines angesehenen, musisch veranlagten Arztes und der Großherzoglichen Sachsen-Weimarischen Hofopernsängerin Hermine Jacobson, geborene Haller, blieb seiner Heimatstadt Königsberg (heute Kaliningrad) treu. Nach absolvierter Schul- und Universitätsausbildung und erworbenem Doktortitel in der Medizin 1853/54 erfüllte er sich den Wunsch, bei und mit Albrecht von Graefe zu arbeiten. Die drei- bis viermonatige Ausbildung bei seinem göttlichen Idol A. von Graefe sowie der von diesem arrangierte Operationskurs bei Ferdinand von Arlt in Prag prägten J. Jacobsons ärztliches und insbesondere augenärztliches Spektrum und seine Maxime, die Wissenschaft nicht als Mittel zum Zweck, sondern zum Wohle der Menschheit zu nutzen. Jacobson ließ sich 1854 in Königsberg allgemeinärztlich und chirurgisch mit schwerpunktmäßiger Bevorzugung der Augenheilkunde nieder. Die Versehung einer Armenarztstelle während seines „Fahneneids“ und die Assistenzarztzeit an der chirurgischen Klinik bei Prof. Seerig waren für seine weitere allgemeinärztliche und chirurgische Tätigkeit sehr dienlich. Mit der 1858 erfolgten Habilitation begannen Jacobsons akademische Laufbahn und der unerbittliche Kampf für den separaten Lehrstuhl für Ophthalmologie. Hatte er sich zunächst in seinem Wohnhaus 2 Betten für operative Patienten geschaffen, so war die Anmietung eines kleinen Hauses als Privatklinik dank finanzieller Unterstützung durch einen Patienten ein gewisser Fortschritt. Die Zuweisung von zwei kleinen Zimmern im Leichenhaus des pathologischen Institutes durch den Kurator war hingegen fast inakzeptabel. Jacobson arbeitete in der Klinik, Lehre und Forschung sowie schriftstellerisch unermüdlich. Enttäuscht berichtete er über seine Erfahrungen der ersten Abendveranstaltung auf der Ophthalmologischen Gesellschaft Heidelberg 1863, wo vorzugsweise über Taler, Gulden und Pfunde, aber am wenigsten über Katarakte, Glaukome etc. diskutiert wurde. Im Kampf um die Wahrheit in Wissenschaft und Ophthalmologie nahm Jacobson kein Blatt vor den Mund, was ihm viele Feinde einbrachte. Außer von Graefe und von Arlt akzeptierte und vertraute er nur vier Ophthalmologen: A. von Hippel, Dr. Borbe, Dr. Annuske und im Alter E. Javal. Verteidigend und schützend stellte er sich vor Kritiker an von Graefes Errungenschaften und Theorien bis über dessen Tod hinaus. 1868 erschien seine Streitschrift „Die Augenheilkunde an preussischen Universitäten, ein Nothstand im Cultus“, der er 1869 und 1872 „Zur Reform des ophthalmologischen Universitäts-Unterrichtes“ folgen ließ. Mit der Zuerkennung der ordentlichen Professur und somit des Lehrstuhles für Ophthalmologie 1873 nahm der Siegeszug an allen preußischen Universitäten seinen Lauf – das, was A. von Graefe nicht gelang. Mit der Einweihung des Neubaus der Klinik und Poliklinik für Ophthalmologie hatte er sein Ziel erreicht. Von Graefes Wunsch, Jacobson als seinen Nachfolger zu wissen, konnte nicht entsprochen werden, da Jacobson die von Graefesche Klinik nicht finanzieren konnte, das von Graefesche Ordinariat annulliert wurde und er selbst letztendlich Bedenken hegte, von Graefes Amt gerecht zu werden – kurz: „dort ein Gebirgskoloss, hier endlich Aussicht auf ein Ordinariat und geordnete klinische Zustände.“ Seiner Feder verdanken wir zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten. Von Graefe nannte ihn den Mitvater der neuen Staroperationsmethode und sein Gewissen. In Julius Jacobson verehren wir einen der bedeutendsten Ophthalmologen der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland.
Prof. Dr. med. Jutta Herde, A. Schweitzer-Str, 16, 06114 Halle/Saale, Deutschland
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Gerhard Holland (Kiel):
Der Arzt und Staatsmann Johann Friedrich Struensee und sein Beitrag zur Augenheilkunde
Johann Friedrich Struensee wurde 1737 als Sohn eines pietistischen Pastors in Halle geboren. Nach dem Schulbesuch in den Franckeschen Stiftungen studierte er von 1752–1757 Medizin an der Universität Halle. 1757 wird sein Vater Hauptpastor in dem damals dänischen Altona. Struensee folgt dem Vater und wird gerade 20-jährig Stadtphysikus von Altona. 1768 begleitet er als Reisearzt den dänischen König Christian VII. nach England und Frankreich und wird nach Rückkehr im Januar 1769 dessen Leibarzt. Struensee gewinnt das Vertrauen des geistig und psychisch labilen Königs und zunehmend an politischem Einfluss in Kopenhagen. Im Juli 1771 wird er Geheimer Kabinettsminister und erhält damit fast unumschränkte Vollmachten, erlässt nahezu 1800 Dekrete ganz im Sinne der Aufklärung. Doch diese Neuerungen und auch sein Verhältnis zur Königin Caroline-Mathilde bringen ihm Feinde. 1772 wird er verhaftet und hingerichtet.
Während seiner 10-jährigen ärztlichen Tätigkeit in Altona ist Struensee auf fast allen Gebieten der Medizin publizistisch aktiv, schreibt u.a. gegen Aberglauben und Kurpfuscherei, setzt sich für die Pockenschutzimpfung ein, erkennt die Ursache der Maul- und Klauenseuche und veröffentlicht 1763 die wichtige Arbeit „Von der neuen Methode den Staar zu operieren“. Bereits wenige Jahre nach Daviels Veröffentlichung beschreibt er exakt die neue Methode, führt sie selber aus und empfiehlt die Pupillenerweiterung bei der Staroperation durch Atropin. Auch sieht er die Erkrankung der Geburtswege der Mutter als Ursache der damals oft zur Erblindung führenden Bindehautentzündung der Neugeborenen.
Prof. Dr. med. Gerhard Holland, Esmarchstraße 51, 24105 Kiel, Deutschland
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Manfred Jähne (Aue):
Samuel Theodor Quelmalz (1696–1758) und die Ophthalmia neonatorum
Julius Hirschberg widmete in seinem 3. Buch „Geschichte der Augenheilkunde in der Neuzeit“ fünf Seiten im Kapitel § 420 „Samuel Theodor Quelmalz und die Augeneiterung der Neugeborenen“. Anlässlich des 250. Todesjahres von S. Th. Quelmalz (Schreibweise auch Quellmaltz) scheint es verlockend, nachzuforschen: Wer war Quelmalz (S Th Q), welche Geschichte hat die Therapie und letztendlich die Prophylaxe der Ophthalmia neonatorum?
S Th Q wurde in der sächsischen Bergstadt Freiberg 1696 geboren. Er studierte in Leipzig und Wittenberg Medizin und Philosophie. In Leipzig war er ab 1737 nacheinander Professor für Physiologie, Anatomie, Therapie und hatte ab 1757 bis zu seinem Tode 1758 die Dekanswürde der Medizinischen Fakultät inne.
Seine bedeutendste medizinische Leistung ist eine akademische Schrift aus dem Jahre 1750:
S Th Q hat als Erster in der medizinischen Weltliteratur mit seiner Veröffentlichung den Augen-Eiterfluss der Neugeborenen beschrieben und als Ursache den eitrigen Scheidenfluss der gebärenden Mutter bzw. die ursprüngliche Gonorrhö des Vaters nachgewiesen.
Diese Monografie von S Th Q war in der Ära vor der Bakteriologie ihrer Zeit weit voraus und fand keine zeitgenössische medizinische Beachtung.
Der Begriff „Ophthalmia neonatorum“ (O. n.) wurde 1798 durch den berühmten Halleschen Arzt Johann Christian Reil (1759–1813) geprägt. Johann Christian Juengken (1793–1875) habilitierte sich in Berlin sogar über das Thema O. n.
Carl Ferdinand von Graefe (1787–1840) führte erstmals die wässrige Lösung des Höllensteinstiftes als Argentum nitricum fusum in die Behandlung der O. n. ein. Sohn Albrecht von Graefe (1828–1870) führte diese Therapie fort und dessen Cousin Alfred Graefe (1830–1899) in Halle empfahl neben eigenen Erfahrungen diese Therapie ebenfalls.
130 Jahre nach der Publikation von S Th Q ging der Leipziger Ordinarius für Geburtshilfe, Carl Sigmund Franz Credé (1819–1892), einen bedeutsamen Schritt weiter und stellte an Stelle der Frühbehandlung erkrankter Neugeborener die Prophylaxe eines jeden Kindes in den Vordergrund. Ab 1. Juni 1880 – die Nachwelt feiert dieses Datum als den Internationalen Kindertag – ließ Credé allen Neugeborenen eine 2%ige Argentum-nitricum-Lösung in jedes Auge eintropfen. In 6 Monaten hatte er unter 200 Geburten nur eine einzige Infektion, letztlich wurde aber dieses Kind nicht getropft!
Vor Einführung der sog. Credé’schen Prophylaxe erblindeten 1/10 der Neugeborenen an einer O. n. Über 20 % der Insassen deutscher Blindenheime waren daran erblindet. Im Infiltrationsstadium waren außerdem Schwester und Arzt stark gefährdet. So erblindete auch daran später der erste Leipziger außerordentliche Professor für Ophthalmologie, Friedrich Philipp Ritterich (1820–1890).
Eine wertvolle Darstellung zur O. n. von Otto Haab (1850–1931) mit einer Aquarell-Zeichnung aus dem Jahre 1899 rundet dieses Referat ab.
MedR PD Dr. med. habil. Manfred Jähne, Seminarstraße 22e, 08289 Schneeberg, Deutschland
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Guido Kluxen (Wermelskirchen):
Armauer Hansen (1841–1912) und okuläre Lepra, die Präparate zu schwach angefärbt
Armauer Hansen hatte ab 1868 Zugang zu den Leprösen Norwegens. Für ihn war nach einer Studienreise nach Wien und Bonn 1870/71 klar, dass es sich bei der Lepra um eine Infektionskrankheit handeln musste. Kurz bevor er sich sicher war, den Leprabazillus entdeckt zu haben, erschien zum ersten Mal eine separate Studie über die okuläre Lepra in Gemeinschaftsarbeit mit dem Ophthalmologen Ole Bull. Darin beschreibt er in histologischen Präparaten eine gelb-braune Masse, die lepraspezifisch zu sein schien. In deren Bereich entdeckte er etwas später den Leprabazillus ungefärbt in den Schnitten, dann etwas deutlicher mit Osmium angefärbt. Andere Mitbeobachter konnten diese Entdeckung faktisch nicht nachvollziehen. Hansen schien irgendetwas Unbedeutendes, was mit der Krankheit nichts zu tun hatte, in seinen Präparaten beobachtet zu haben. Sie sollten sich irren.
Von einem Besuch des 24-jährigen Bakteriologen Albert Neisser, einem Schüler von Robert Koch, im Jahre 1879 in Bergen versprach sich Hansen endlich, dass dieser ihm bei der Anfärbung des Bazillus helfen könnte. Neisser und Hansen probierten die Weigert-Koch’sche Färbemethode, die aber zunächst genau so zu einem enttäuschenden Ergebnis führte. Man kann mutmaßen, dass Neisser die Präparate mit Hansen in Bergen absichtlich zu schwach anfärbte. Denn kaum wieder in Breslau zurück, fand Neisser spektakuläre Funde in ihm zur Verfügung gestellten Material aus Norwegen. Er zögerte nicht, seine Ergebnisse zu publizieren, ohne mit Hansen nochmals Kontakt aufgenommen zu haben.
Prof. Dr. med. Guido Kluxen, Brückenweg 1, 42929 Wermelskirchen, Deutschland
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Frank Krogmann (Thüngersheim):
Karl David Lindner (1883–1961) – In Salzburg fand er sein Ende
Der in Wien geborene Karl David Lindner absolvierte seine medizinischen Studien in Wien und Paris und begann seine fachspezifische Ausbildung 1908 unter Hofrat Prof. Dr. Ernst Fuchs an der II. Univ.-Augenklinik Wien. Für seinen Beitrag zur Entdeckung des Trachom-Erregers erhielt er von der DOG einen Preis. 1916 habilitierte er sich, übernahm 1924 die Leitung der Augenabteilung der Wiener Poliklinik, wurde 1927 Vorstand der II. Univ.-Augenklinik Wien und somit Nachfolger Friedrich Dimmers. Lindner führte seine Klinik durch die Zeit des Anschlusses Österreichs an das Deutsche Reich und den Weltkrieg 1939/45. Im Vortrag wird über das Leben und Wirken Lindners berichtet, unter Berücksichtigung der Zeit des Nationalsozialismus. Im Vortrag wird auch auf die – selbst vor seiner Familie – geheim gehaltene Glaukom-Erkrankung eingegangen. 1961 ereilte ihn in Salzburg am Vortragspult vor der ÖOG im Kreise seiner Kollegen, Freunde und Schüler plötzlich der Tod.
Frank Krogmann, Kirchgasse 6, D-97291 Thüngersheim, Deutschland
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Gisela Kuntzsch-Kullin (Braunschweig):
Farbsinngestörte Künstler und Malerei
Angeborene Farbsinnstörung (in der Literatur auch als Farbfehlsichtigkeit, Farbsinnanomalie oder Farbenblindheit benannt) ist ein erblicher rezessiv geschlechtsgebundener Defekt. 8 % der Männer und 0.4 % der Frauen sind betroffen. Am häufigsten sind Dichromasien und hierbei Störungen des Rot-Grün-Sinnes. Man unterscheidet zwei Ausprägungsgrade: Protanopie und Deuteranopie. Bei dem Protanopen ist das Spektrum am langwelligen Ende stark verkürzt, er ist rot-blind. Der Deuteranope ist grün-blind. Beide verwechseln Rot und Grün, d. h., sie sehen beide Farben nicht normal, da ihr Farbsystem nur aus zwei (statt drei) Komponenten besteht. Eine abgeschwächte Form dieser Störung liegt bei der Protanomalie (Rotschwäche) und Deuteranomalie (Grünschwäche) vor. Solche Personen (anomale Trichromaten) verwechseln Rot und Grün unter ungünstigen Bedingungen.
1794 beschrieb der britische Chemiker Dalton erstmals die Rot-Grün-Blindheit, an der er selbst litt und die dann auch als Daltonismus bezeichnet wurde. Etwa zeitgleich befasste sich Goethe mit der Farbenlehre und später mit dem möglichen Einfluss der Farbschwäche auf die Malkunst.
1978 hat der uns allen bekannte Augenarzt Wolfgang Münchow unter 342 untersuchten Künstlern der Stadt Dresden 31 Rot-Grün-Gestörte gefunden, es lag also das gleiche Verhältnis wie in der allgemeinen Bevölkerung vor.
Die Frage, lässt sich die Farbsinnstörung eines Künstlers mit der Malerei vereinbaren kann nach eingehenden Literaturstudien und Kunstbetrachtungen bejaht werden. Angeborene Farbsinnstörung und malkünstlerische Begabung schließen sich keineswegs aus, sondern können unabhängig nebeneinander bestehen. In welcher Form und unter welchen Umständen die Seh- und Malweise farbsinngestörter Maler erfolgen kann, wird ausführlich im Vortrag besprochen. Auf Kompensationsversuche, Hilfsmöglichkeiten und Erkennungstaktiken wird eingegangen, denn alle haben Schwierigkeiten bei der Verwendung und Unterscheidung von Rot und Grün.
Anlass für die Autorin, sich mit dieser Thematik zu beschäftigen, war die Besichtigung eines kleinen Heimatmuseums in Ballenstedt im Harz, wo wunderschöne Bilder des dortigen ehemaligen Hofmalers Wilhelm von Kügelgen gezeigt wurden. In einem im Museum erworbenen Kunstband erfuhr die Autorin von der Rot-Grün-Schwäche des Künstlers.
Bei Kügelgen und anderen farbsinngestörten Malern hat die Umgebung erst nach deren Tod von der Farbsinnstörung Kenntnis erhalten. Das hing zum einen damit zusammen, dass es als peinlicher Makel galt und verheimlicht wurde und zum anderen der davon kenntnishabende Augenarzt unter Schweigepflicht stand.
Im Beitrag wird der Lebenslauf W. von Kügelgens beschrieben(1802–1867), aber auch von anderen farbsinngestörten Künstlern wird berichtet. Es folgen Beschreibungen über Malerschicksale von Georg Einbeck (Pole 1871–1951), Florimond van Loo (Belgier 1823–?), Joseph Achten (Österreicher 1822–
1867), Paul Manship (Amerikaner 1885–1965), Charles Meryon (Franzose 1851–1868) und Paul Henry (Ire 1876–1958).
Künstlern wie Seurat, Whistler, Leger, Sisley, Constable und Turner wurde zeitweilig eine Farbsinnstörung nachgesagt, konnte aber weitgehend wieder entkräftet werden, da wohl die begrenzte Farbpalette der Künstler als deren stilistische Ausrichtung bewusst zu dekorativen Zwecken eingesetzt wurde und letztlich der Farbsinn der Künstler nicht untersucht wurde.
Heute deuten Betrachter von Bildern Abweichungen der Farbkomposition als provokative Absicht. Die Möglichkeit, dass auch unter den gegenwärtigen Malern mancher Farbenuntüchtiger ist, der uns sein „Weltbild“ aufzudrängen versucht, ist nicht von der Hand zu weisen.
Dr. med. Gisela Kuntzsch-Kullin, Wilhelmitorwall 11, 38118 Braunschweig, Deutschland
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Erik Linnér (Göteborg):
Carl von Linné über das Auge und seine Erkrankungen
Carl von Linné (1707–1778) ist in der Tat sogar noch 300 Jahre nach seiner Geburt in einem Pfarrhaus im Süden Schwedens eine höchst faszinierende Persönlichkeit. Den meisten Leuten wird er in Erinnerung bleiben für sein binäres botanisches Klassifikationssystem, aber er hatte ein universelles Interesse an allen Lebewesen einschließlich der Menschen und klassifizierte sie nach derselben Art.
Fredrik Berg, Emeritus der Augenheilkunde an der Universität Uppsala, befasste sich mit der älteren Geschichte der Augenheilkunde in Schweden und forschte auch nach Carl von Linné. Mein Vortrag basiert auf seiner Arbeit und diese Zusammenfassung enthält einige Beispiele. Auf medizinischem Gebiet gab Linné gut besuchte Vorlesungen über Diätetik und Pathologie, enthaltend auch einige ophthalmologische Angelegenheiten. Er betrachte das Sehsystem als das wertvollste Geschenk der göttlichen Vorsehung und das Sehen als den bedeutendsten unserer Sinne. Über Farben drückte er seine Meinung aus, dass Grün das herrlichste sei, während Weiß die Augen schwach mache. Künstliches Licht sei nicht empfehlenswert für die Augen, nicht nur für Schmiede und Glasbläser, sondern auch für Schulkinder, die ihre Hausaufgaben beim offenen Feuer erledigen. Während einer Reise nach Lappland stellte er fest, dass die Lappen an schwachen Augen litten. Er bezeichnete ihre Augenerkrankung als „amblyopia lapponica“. Nach einem Aufstand in einer schwedischen Provinz im Jahre 1743 wurden die Rebellen inhaftiert und bekamen nur Haferbrei, aber kein Fett. Es wurde berichtet, dass sie fast erblindeten. Linné war überzeugt, dass es lebensnotwendig ist, eine gewisse Art von Fett zu essen, ansonsten würden Augen schwach werden. Berg stellte fest, dass diese Augensymptome durch einen Vitamin A-Mangel verursacht wurden.
Prof. Dr. med. Erik Linnér, Lilla Danska vägen 6, SE 412 74 Göteborg, Schweden
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Norman B. Medow (New York):
Die Entwicklung der Kataraktchirurgie bei Kindern
Einführung und Historie: Vieles ist über die Kataraktchirurgie beim Erwachsenen bekannt, aber nur wenig gibt es zur Geschichte der kindlichen Kataraktchirurgie. Unter Verwendung der Literatur, Bücher und Artikel, die vorwiegend vom 18. bis zum 20. Jahrhundert geschrieben wurden, konnten klare Ideen zur Kataraktchirurgie bei Kindern gewonnen werden.
Zusammenfassung: In Schriften von Susruta, Galen, Bartisch, Paré oder Beer fand die kindliche Kataraktchirurgie keinerlei Erwähnung. Die erste Diskussion beginnt in der frühen Hälfte des 19. Jahrhunderts und geht mit der Entwicklung der Anästhesie einher. Dies war auch sehr wahrscheinlich der Hauptgrund dafür, dass früher nicht über diese Form der Kataraktoperation geschrieben wurde. Viel Kontroverses bestand über die Zeit hinweg – frühzeitige oder späte Operation oder gar keine Operation. In dieser Präsentation werden die diversen Widersprüche erläutert bis hin zur Gegenwart, in der immer noch Gegensätzlichkeiten bestehen. Wann ist der beste Op-Zeitpunkt, früh oder spät, und was ist zu tun, Operation mit oder ohne Implantat?
Norman B. Medow, 225 East 64th Street, New York, N.Y. 10065, USA
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Fraser Muirhead (Tiburon CA):
"Ein wandernder Flecken der Hornhaut"
1834 hat James Wardrup in seinem Buch “The Morbid Anatomy of the Human Eye, Second Edition, Volume One, pp. 71–23, 1834“, eine kurze englische Übersetzung von einem deutschen Artikel veröffentlicht. In der Übersetzung hat Wardrup geschrieben, „Manniske of Frankenhausen mentions a curious instance, where a foreign body, which stuck on the conjunctiva … advanced to the central part of the cornea.” "I made an incision … and saw with the assistance of a microscope, a black body lying in the incision. I removed it with the point of the knife … and found it to be the wing case of a beetle.”
Ich fand die Übersetzung vor zwanzig Jahren und bestellte eine Kopie des ursprünglichen Berichts. 1798 wurde der ursprüngliche Artikel mit dem Titel "Ein wandernder Flecken der Hornhaut, welcher von der Flügeldecke eines Käfers entstanden war” veröffentlicht. Der Autor, D. Manniske, ein Arzt aber kein Augenarzt, beschrieb, wie er einen Fremdkörper von der Hornhaut eines Landgeistlichen abnahm. Ich las, dass der Autor ein "Handmicroscop” benutzt hat, um den Einschnitt zu inspizieren.
Wer war dieser unbekannte Arzt D. Manniske? Wo lebte er? Und wie hat er die Operation ohne Anästhetikum getan? Was hat er für ein Mikroskop benutzt? Was hat er noch getan? Ich fand nichts über ihn in den üblichen Nachschlagewerken.
Doch habe ich durch das Internet viel gefunden. Er war Wilhelm August Gottlieb Manniske aus Frankenhausen, im ehemaligen Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt. Er lebte von 1769 bis 1835.
Ich habe seine Stadt besucht und sein Haus und das ursprüngliche Krankenhaus gesehen.
In meinem Vortrag beschreibe ich sein Leben und seine Stadt. Er war ein sehr fortschrittlicher Arzt, obwohl er in solch einer kleinen Stadt lebte. Er folgte allen modernen Fortschritten seiner Zeit. Er begründete ein Krankenhaus für mittellose und arme Leute, das noch in einem modernen Gebäude existiert. Außerdem hat er ein Solbad gegründet. Sein Haus und sein ursprüngliches Krankenhaus stehen noch. Wie er die Operation möglicherweise getan hat, und die Art des Mikroskops bleiben noch unklar.
Obwohl Manniske praktischer Arzt war, hatte er Ende des 18. Jh. die Notwendigkeit erkannt, während der Augenchirurgie besser sehen zu können. 90 Jahre also bevor Zehender seine "binokulare Cornea-loupe” erfunden hatte und 80 Jahre bevor Sämisch sein eigenes Instrument erfand, war Manniske mit dem technischen Mitteln seiner Zeit auf dieses Bedürfnis eingegangen. Er benutzte ein kleines Handmikroskop, um eine einfache Augenoperation vorzunehmen. Obwohl er das Handmikroskop lediglich dazu verwandte, die Wunde zu untersuchen, sollten wir anerkennen, dass er etwas völlig Neues tat, und ihm seine Erfindung hoch anrechnen. Ein sehr interessanter Mann!
Fraser Muirhead, MD FRCS(C), 4200 Paradise Drive, Tiburon, CA 94920, USA
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Hans Remky (München):
Thalamus-Blutung und Gesichtsfeld-Störung
Die Häufigkeit intravitaler Nachweise von Thalamus-Blutungen hat mit der Verfeinerung nicht-invasiver Untersuchungsmethoden zugenommen.
Die subjektive Bewertungsskala klinischer Symptome reicht bis in den Grenzbereich der Wahrnehmung.
Ein 85-jähriger Mann bemerkte nach linksseitiger Thalamus-Blutung mehrmals eine sehr kurz dauernde Störung seines rechten Gesichtsfeldes: Das Zentrum erschien „brodelnd“ wie die Oberfläche kochenden Wassers und „schmolz“ ein. Durch das entstandene „Loch“ wurde ein um einige Prozente verkleinerter Teil des gleichen Gesichtsfeldes sichtbar. Dieses durch kräftigere Färbung leicht unterscheidbare Bild schien mehrere Zentimeter tiefer im Raum zu liegen. Das „zweite“ Bild glich sich aber dem ursprünglichen Gesichtsfeld schnell an. Die beschriebenen Beobachtungen stammen von einem mit Problemen der Pathophysiologie vertrauten Augenarzt.
Univ.-Prof. Dr. med. Hans Remky, Biedersteinerstr. 57, 80802 München, Deutschland
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Matthias R. Sachsenweger (Landshut):
Rudolf Sachsenweger – ein Leipziger Ordinarius im Spannungsfeld des kommunistischen Staates
Rudolf Sachsenweger, wurde am 29. Februar 1916 in Nahlendorf in der damaligen preußischen Provinz Sachsen als Sohn des Lehrers und Kantors Hugo Sachsenweger geboren. Nach Abschluß des Abiturs im Reformgymnasium Weißenfels, das er mit der Note „sehr gut“ bestand, besuchte er zunächst die Lehrerbildungsanstalt in Lauenburg/Pommern, wo er 1937 die Ausbildung als Schulamtsbewerber „mit Auszeichnung“ abschloß. Danach studierte er in Halle/Saale Geschichte, Mittelhochdeutsch, Psychologie und Philosophie, bis er 1938 eingezogen wurde.
Den 2. Weltkrieg verbrachte er als Soldat an verschiedenen Frontabschnitten, durfte aber von 1941 bis 1943 in Jena und Rostock mit dem Studium der Medizin beginnen, um danach als Feldunterarzt an die Ostfront zurückzukehren. In der Zeit von 1945 bis 1949 war er in russischer Kriegsgefangenschaft in Estland, konnte jedoch nach Entlassung das angefangene Studium 1951 mit der Note „sehr gut“ beenden. Er legte 1955 seine Facharztausbildung an der Universitäts - Augenklinik in Halle ab, wo er sich ein Jahr später habilitierte.
1958 wurde er als Nachfolger von Karl Velhagen auf den Lehrstuhl für Augenheilkunde der Universität Leipzig berufen, wo er sich bis zu seiner Emeritierung 1981 wissenschaftlich profilieren und internationale Anerkennung erlangen konnte. Insgesamt hat er in der Zeit über 200 wissenschaftliche Veröffentlichungen und 50 Buchtitel geschrieben.
Er wurde 1961 in den internationalen Gonin-Club gewählt. Bald darauf wurde er Ehrenmitglied der Academia Barraquer in Barcelona, Vorstandsmitglied der International Strabological Association, der European Strabismological Association und der European Glaucoma Society. Seit 1960 war er Mitglied der Société Francophone d’Ophtalmologie, seit 1972 der Leopoldina, 1979 Ehrenmitglied der DOG, 1980 Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig und der Academia Internationalis Ophthalmologica in Chicago. 1980 wurde er in Brighton für vier Jahre zum Präsidenten der European Ophthalmological Society gewählt, zweifellos der Höhepunkt seines beruflichen Lebens. 1967 erhielt er den Albrecht von Graefe - Preis der DOG. Zu seinem 80. Geburtstag im Jahre 1996 hat ihm die Leipziger Universität die Ehrendoktorwürde verliehen.
Er hat sich in der DDR nie politisch instrumentalisieren lassen, ist nie Mitglied der SED oder des Staatssicherheitsapparates gewesen. Seine wertkonservative politische Grundüberzeugung hat ihm in der DDR Nachteile und Schwierigkeiten eingebracht, über die exemplarisch berichtet wird.
Prof. Dr. med. Matthias R. Sachsenweger, Veldener Str. 16a, 84036 Landshut, Deutschland
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Dieter Schmidt (Freiburg):
Charles L. Schepens (1912–2006), Erfinder der binokulären indirekten Ophthalmoskopie und entscheidender Förderer der modernen Netzhautchirurgie
Charles Schepens wurde 1912 in Mouscron (Belgien) als jüngster Sohn von 6 Kindern geboren. Sein Vater war Arzt für Allgemeinmedizin. Charles Schepens studierte Medizin in Belgien und wurde Arzt, so wie drei seiner älteren Brüder.
Im Alter von 30 Jahren wurde er als Widerstandskämpfer von der Gestapo verfolgt. Er war gezwungen, seinen Namen zu wechseln. Er übernahm ein Sägewerk in Mendive in den Pyrenäen, wo er sich mit seiner Familie aufhielt. Da er auch bis dorthin verfolgt wurde, war er gezwungen, unter großen Strapazen bis nach Spanien zu flüchten. Von dort aus gelang es ihm, nach England zu entkommen. Dort begann er erneut, als Augenarzt zu arbeiten. Bis zu seiner Übersiedlung 1947 mit seiner Familie nach Boston arbeitete er als Augenarzt im Moorfields Eye Hospital. Er entwickelte dort das binokulare indirekte Ophthalmoskop, das seitdem routinemäßig weltweit als entscheidendes Instrument für Netzhautoperationen verwendet wird. Das indirekte Ophthalmoskop stellt die Grundlage der modernen Netzhautchirurgie dar. In Boston gründete Schepens die erste Retina-Abteilung am Massachusetts Eye & Ear Infirmary. Seine Netzhautabteilung war einzigartig, sie zählte bald zu den bedeutendsten der ganzen Welt. Er publizierte mit seinem hervorragenden Team mehr als 300 Arbeiten und mehrere Bücher. Schepens beschrieb neue Untersuchungsmethoden und Augenkrankheiten, beispielseweise die familiäre exsudative Vitreoretinopathy (auch als Criswick-Schepens-Syndrom bezeichnet), und vor allem entwickelte er neue Operationstechniken. Schepens war der Begründer und erster Präsident der Retina Society, und er war der „Inaugural Laureat of the American Academy of Ophthalmology“. In Frankreich wurde im Alter von 94 Jahren geehrt, indem er zum Mitglied der „Légion d’Honneur“ ernannt wurde.
Prof. Dr. med. Dieter Schmidt, Univ.-Augenklinik, Killianstr. 5, 79106 Freiburg, Deutschland
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Gabriela Schmidt-Wyklicky (Wien):
Ein ophthalmohistorisches Kleinod: Die pathohistologische Sammlung von Ernst Fuchs (1851–1930) in Wien
Im Institut für Geschichte der Medizin der Medizinischen Universität Wien befindet sich die legendäre Sammlung der histologischen Augenpräparate von Ernst Fuchs, der von 1885–1915 Vorstand der II. Universitäts-Augenklinik im Allgemeinen Krankenhaus war. Zu seiner Zeit galt er als einer der hervorragendsten Ophthalmopathologen weltweit. Die Sammlung umfasst ca. 40.000 Schnitte, welche bis heute noch nicht katalogisiert sind. Die Präparate sind in einem eigens dafür angefertigten Holzkasten in 74 stehenden Holzkassetten untergebracht, die bis zu je 1000 Stück fassen können.
Die Entstehung dieser Sammlung geht noch auf die Assistentenzeit von Fuchs an der I. Universitäts-Augenklinik in Wien unter Ferdinand von Arlt (1812–1887) zurück. Fuchs fertigte in eigenen Protokollbüchern stenographische Aufzeichnungen zu den jeweiligen Krankheitsbildern der Patienten an, welche er seither – offenbar entsprechend der histologischen Verarbeitung – fortlaufend nummerierte. Die erste dieser eigenhändigen Eintragungen stammte vom 16. Oktober 1876. Zusammen mit der fortlaufenden Nummerierung der histologischen Präparate wurden u. a. aber auch die Namen der jeweiligen Patienten, die Protokollnummer, das Datum der Operation, einige Details zur Krankengeschichte und der Krankensaal dokumentiert. Die letzte Nennung von Ernst Fuchs, der sich 1915 in den Ruhestand hatte versetzen lassen, erfolgte übrigens erst am 20. Oktober 1919. Die Präparate wurden von Fuchs nicht nur zu Dokumentationszwecken angefertigt und gesammelt, sondern auch für den mikroskopischen Unterricht herangezogen.
In Zusammenarbeit mit der „Fuchs-Stiftung zur Förderung der Augenheilkunde“, welche an der Salzburger Universitäts-Augenklinik beheimatet ist, wird schon seit einigen Jahren nicht nur eine Katalogisierung dieser in ihrem Umfang und ihrem hervorragenden Erhaltungszustand wohl einzigartigen Sammlung unternommen, sondern auch eine umfassende Biographie von Ernst Fuchs erarbeitet. Gegenwärtig wird versucht, alle jene Krankheitsbilder, die mit dem Namen „Fuchs“ verknüpft sind, in seiner Sammlung aufzufinden, die entsprechenden Präparate zu photographieren und mit der ursprünglichen Originalbeschreibung zu verknüpfen. Eine erste Auswahl betreffend Erkrankungen der Hornhaut, die Fuchs einst beschrieben hat, soll diese Vorgangsweise illustrieren.
Univ.-Doz. Dr. med. univ. Gabriela Schmidt-Wyklicky, Institut für Geschichte der Medizin der Medizinischen Universität Wien, Währingerstraße 25, 1090 Wien, Österreich
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Sibylle Scholtz und Gerd U. Auffarth (Heidelberg):
Kunst oder Krankheit – Der Einfluss der Katarakt auf die späteren Bilder von William Turner
Hintergrund: William Turner war einer der berühmtesten Künstler, seine Gemälde inspirieren seit Generationen Maler und Betrachter. Die Veränderungen des Malstils seiner Spätwerke können im Sinne einer fortschreitenden Katarakt interpretiert werden. Dieser Vortrag beschreibt den Einfluss der fortschreitenden Katarakt im Werk von William Turner.
Methode: Historisch-kritische Literaturarbeit in Verbindung mit dem Vergleich der Werke Turners um den Einfluss der sich entwickelnden Katarakt in den späteren Bildern William Turners auszuwerten.
Ergebnisse: William Turner wurde 76 Jahre alt und hat sich keiner Katarakt-OP unterzogen. Es kann davon ausgegangen werden, dass er unter den Auswirkungen einer maturen Katarakt litt. Die optischen Effekte eines an einer Katarakt Erkrankten können in engem Zusammenhang mit der getrübten Augenlinse gebracht werden: Zunehmender Detailverlust und Veränderungen in der Farbauswahl sind symptomatisch für eine fortgeschrittene Katarakt, was auch in den Bildern William Turners nachzuvollziehen ist.
Zusammenfassung: In den Spätwerken William Turners kann der Einfluss seiner Kataraktentwicklung sehr gut nachvollzogen werden: Turner gestaltete seine späteren Bilder zunehmend detailärmer und bevorzugte verstärkt gelbe und braune Farbtöne. Da zu Zeiten Turners eine Katarakt-Operation noch als durchaus gefährlich galt, entschloss sich der Künstler zu keiner Operation. Da Turner auch im Alter ein äußerst produktiver Maler war hat der Betrachter heute die Möglichkeit den Einfluss der voranschreitenden Katarakt dieses großen Künstlers in dessen Spätwerken nachzuvollziehen.
Dr. sc. hum. Sibylle Scholtz, Institut für Geschichte der Medizin, sibylle.scholtz@gmx.de
Prof. Dr. med. Gerd-Uwe Auffarth, Universitätsaugenklinik, Universität Heidelberg, Deutschland, gerd_auffarth@med.uni-heidelberg.de
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Sabine Veits-Falk (Salzburg):
Hubert Sattler, Rosa und Friedrich Kerschbaumer. Lokale Aspekte zur Geschichte der Augenheilkunde in Salzburg
Drei Schüler Ferdinand von Arlts standen in enger Beziehung zur Stadt Salzburg, dem Tagungsort des JHG-Kongresses 2008.
Hubert Sattler (1844–1928) wurde in Salzburg geboren. Er war der Enkel des Salzburger Malers Johann Michael Sattler, der das berühmte Rundpanorama der Stadt Salzburg schuf, und Sohn des gleichnamigen, für seine Kosmoramen von internationalen Schauplätzen bekannten Malers. Die Auseinandersetzung mit dem „Sehen“ spielte in der Familie eine große Rolle – Hubert Sattlers Interesse galt jedoch nicht so sehr der künstlerischen Perspektive, sondern dem Sehorgan. Er studierte Medizin an der Universität Wien, spezialisierte sich auf Augenheilkunde und wurde Assistent von Ferdinand von Arlt.
Auf seine Assistentenstelle folgte Friedrich Kerschbaumer (1847–1906), der die einzige weibliche Arlt-Schülerin Rosa Kerschbaumer (1851–1923) heiratete. Das Ehepaar Kerschbaumer übersiedelte 1877 nach Salzburg und gründete eine private Augenheilanstalt. 1890 erhielt Rosa Kerschbaumer als erste Frau der Habsburgermonarchie eine Sondergenehmigung, als Ärztin zu praktizieren und die Klinik leiten zu dürfen. Im Jahr 1900, als Rosa Kerschbaumer Salzburg schon verlassen hatte, publizierte sie ihr vielbeachtetes Werk „Das Sarkom des Auges“. Die Forschungen basierten auf ihrer schon in Salzburg angelegten anatomischen Sammlung und auf jener ihres „Freundes und Lehrers“ Hubert Sattler, der mittlerweile die Universitäts-Augenklinik in Leipzig leitete und auch das Vorwort zu ihrer wissenschaftlichen Arbeit verfasste.
Mag. Dr. phil. Sabine Veits-Falk, Stadtarchiv Salzburg, Glockengasse 8, 5020 Salzburg, Österreich
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Gregor Wollensak (Berlin):
Der Vorarlberger Bauer und Schriftsteller Franz Michael Felder
Franz Michael Felder wurde am 13. Mai 1839 in Schoppernau im Bregenzerwald als Sohn des Bauern Jakob Felder und seiner Ehefrau Maria geb. Moosbrugger geboren. Im Alter von 6 Monaten entdeckten die Verwandten an seinem rechten Auge Flecken. Im Alter von 15 Monaten wurde er daher zur Behandlung zu dem damals in der Gegend bekannten, vom Nachbardorf Au gebürtigen Augenarzt Josef Wurzer nach Ischgl im Paznauntal/Tirol gebracht. Unglücklicherweise operierte Wurzer im angetrunkenen Zustand das gesunde linke Auge, welches zur Erblindung dieses Auges führte, so dass Felder zeitlebens nur noch das schwache rechte Auge blieb. Später brachte man den Buben wegen der Augenerkrankung zum Dorfpfarrer von Schwarzenberg, aber eine Wunderheilung blieb aus. Trotzdem wurde Felder ein tüchtiger Bauer und Schriftsteller. Er schrieb u. a. Romane, Erzählungen, Gedichte, Satiren und eine Autobiographie. Der Germanist Ludwig Hildebrand aus Leipzig wurde zum literarischen Förderer Felders. Felder war auch sozialreformerisch tätig, u. a. gründete er die "Vorarlberg'sche Partei der Gleichberechtigung", eine Käsereigenossenschaft, einen Versicherungsverein der Bauern und 1867 eine der ersten Volksbüchereien von Österreich in Schoppernau. Felder machte sich hiermit in seinem Dorf nicht nur Freunde. Insbesondere mit dem Dorfpfarrer Johann Georg Rüscher gab es Auseinandersetzungen. Felder hatte insgesamt fünf Kinder. 1868 verstarb überraschend seine Frau Anna Katharina geb. Moosbrugger mit nur 30 Jahren. Nicht lange danach, am 26. April 1869, verstarb Felder an einer Lungentuberkulose und Schlaganfall.
PD Dr. med. Gregor Wollensak, Wildentensteig 4, 14195 Berlin, Deutschland
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