XXIII. Zusammenkunft der Julius-Hirschberg-Gesellschaft
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. – 4. Oktober 2009 in Heiden (Kanton Appenzell)

Abstracta

in alphabetischer Reihenfolge der Vortragenden des Programms


Marta Fischer, Regine Pfrepper (Leipzig):
Der russische Ophthalmologe Leonid Georgievič Belljarminov (1859–1930) – Erinnerung zum 150. Geburtstag

Die Biographie des Ophthalmologen Belljarminov ist typisch für die eines russischen Professors in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Belljarminov absolvierte ein Medizinstudium in Russland und bildete sich in einem mehrjährigen Studienaufenthalt, vor allem in Deutschland, weiter.
Nach Absolvierung der Militärmedizinischen Akademie (MMA) in St. Petersburg 1883 blieb Belljarminov zur Vorbereitung auf ein Professorenamt für weitere drei Jahre an der Akademie. Nach der Promotion reiste er für zwei Jahre zu weiteren Studien zur Augenheilkunde ins Ausland. In den Jahren 1886 bis 1888 qualifizierte er sich bei Hans Virchow, Wilhelm Waldeyer, Karl Schweigger, Julius Hirschberg und Hermann von Helmholtz in Berlin, Theodor Leber in Göttingen und Hubert Sattler in Erlangen sowie in einer Reihe von Augenkliniken weiter.
1888 kehrte er nach St. Petersburg zurück, wurde Privatdozent am Lehrstuhl für Augenheilkunde der MMA und im Jahre 1893, im Alter von 34 Jahren, Leiter des Lehrstuhls für Augenheilkunde, den er über 30 Jahre, bis 1924 leitete.
Belljarminov ist der Begründer der St. Petersburger Ophthalmologen-Schule, aus der neben Augenärzten und Privatdozenten elf Professoren für Augenheilkunde hervorgingen. Sein besonderes Interesse galt den Untersuchungen der Pupillenbewegung und des Augeninnendrucks. Nach ihm sind einige ophthalmologische Fachbegriffe benannt. Er war der Initiator der „fliegenden“ Augenabteilungen und Lazarette zur Blindheitsbekämpfung in Russland.
Belljarminov gilt auch als Beispiel für wissenschaftliche Beziehungen mit den Ländern in Westeuropa. Er veröffentlichte u. a. 15 Publikationen in deutschen ophthalmologischen und medizinischen Fachzeitschriften, war Mitglied des Redaktionskollegiums der Zeitschrift „Archiv für Augenheilkunde“, die später in „Albrecht von Graefes Archiv für Ophthalmologie“ aufgegangen ist, nahm an internationalen Kongressen teil und pflegte persönliche Kontakte zu seinen früheren deutschen Lehrern, z.B. zu Julius Hirschberg und Hans Virchow.

Marta Fischer, Dr. rer. nat. Regine Pfrepper, Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig c/o Universität Leipzig, Karl-Sudhoff-Institut, Käthe-Kollwitz-Str. 82, 04109 Leipzig, Deutschland

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Balder P. Gloor (Zürich):
Gonin, Vogt, Galezowski – wofür musste Galezowski herhalten?

Vogt hat Xavier Galezowski (1832–1907) unter den vielen, welche seit v. Graefe erfolglose Vorschläge zur Behandlung der Netzhautablösung gemacht haben, eine Sonderstellung eingeräumt, indem er ihm mehrfach insistierend die Priorität zuwies, die Netzhautablösung mit Drainage der retroretinalen Flüssigkeit und auf das Netzhautloch gerichteter Ignipunktur 15 Jahre vor Gonin sytematisch behandelt zu haben. Gonin allerdings hielt Vogts Ansicht für eine Fehlinterpretation der 1902 und 1903 erschienenen Texte Galezowskis. – Was hat Galezowski wirklich beschrieben? Wer war Galezowski? Wie schildern M.A. Dollfuss und J.P. Baillart die Behandlung der Netzhautablösung in jener Zeitperiode? Wurde Galezowski von Vogt instrumentalisiert und allenfalls wozu? – Diese ganze Geschichte hat Vorder- und Hintergründe, mit eingerechnet den Vorschlag, Gonin den Nobelpreis für Medizin zu verleihen. Sorgfältige Lektüre der von Vogt herangezogenen Texte, eine genaue Chronologie der Ereignisse und neuere Daten helfen, diese Geschichte zu erhellen.

Prof. Dr. Balder P. Gloor, Hinterbergstr. 91, 8044 Zürich, Schweiz

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Udo Hennighausen (Heide):
Das Schicksal der verfolgten Ophthalmologen/innen während der Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945), insbesondere das derjenigen jüdischen Glaubens oder jüdischer Herkunft; der aktuelle Stand eines laufenden Forschungsprojektes

Hintergrund, Fragestellung: In seinem 2007 erschienenen Buch „Augenheilkunde im Nationalsozialismus“ berichtet M. Rohrbach auch über das Schicksal der Augenärzte und Augenärztinnen jüdischen Glaubens oder jüdischer Herkunft während dieser Zeit.
Er beschränkt sich in seinem Buch vorwiegend auf die Vorgänge im Deutschen Reich in den Grenzen von 1937 und stützt sich bei seinen Recherchen überwiegend auf die Mitgliederlisten der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft. Ziel dieser Studie ist es, eine möglichst umfassende Untersuchung dieses Themas durchzuführen, welche über das von Rohrbach erforschte Gebiet hinausgeht.
Methoden: Angestrebt wird ein Studium der erreichbaren Literatur zu diesem Thema, insbesondere durch Kontaktaufnahme mit Medizinhistorischen Instituten und Opthalmologie-Historiker/innen in Deutschland und anderen betroffenen Ländern sowie ausgewählten Archiven, z. B. der Bibliothek des Jüdischen Museums in Berlin
Ergebnisse: Zum Zeitpunkt der Anmeldung dieses Vortrages hatte der Autor Informationen über 57 Ophthalmologinnen und Ophthalmologen jüdischen Glaubens oder jüdischer Herkunft während der Zeit des Nationalsozialismus gefunden, während Rohrbach über ca. 40 Schicksale berichtet. Es muss hinzugefügt werde, dass der Autor bislang vorwiegend im Gebiet des Deutschen Reiches geforscht hat und die Kontakte zu anderen Ländern bisher spärlich aber erfolgreich waren und zunehmen.
Schlussfolgerungen: Die bisherigen Ergebnisse dieser Studie zeigen die internationale Dimension dieses Themas: Der Autor würde gerne weitere Ophthalmogie-Historiker/innen für diese Aufgabe gewinnen, auch mit dem Ziel einer Präsentation im Rahmen des World Ophthalmology Congress (WOC) in Berlin in 2010.

Dr. med. Udo Hennighausen, Hamburger Straße 8, 25746 Heide, Deutschland

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Aloys Henning (Berlin):
Von Hof-Okulisten und privilegierten reisenden zu approbierten Augenärzten in Mitteldeutschland 1498–1810

Forschungen seit 2006 zur Familie von Sütphen aus mittelalterlichem Adel in Geldern haben die Lücke geschlossen, die zuvor für die Geschichte der Augenheilkunde in Sachsen und Brandenburg bestand: zwischen Georg Bartisch (1535 –1607) und Johann Andreas Eisenbarth (1668 –1727). Die als Protestanten 1572 aus Zutphen exilierten von Sütphens haben in 90 Jahren neun Okulisten und Schnittärzte für Sachsen und Brandenburg hervorgebracht und insgesamt zwölf ausgebildet. Ihre kaiserlichen Privilegia erhellen den Rang eines bedeutenden Vorgänger Bartischs, Heinrich Vogtherr des Älteren (1490 –1556), Hofaugenarzt Ferdinands I. (1521 –1564) in Wien. Eisenbarth als reisender Operateur ist gekennzeichnet vom Übergang von chirurgischen Zunftordnungen zu Approbationen nach dem brandenburgischen Medizinaledikt 1685. Die neuen Befunde erweisen im 18. Jahrhundert scharlataneske Okulisten wie Joseph Hillmer und John Taylor als historisch ,verspätete‘ Reisende nach Einführung landesweiter Medizinalordnungen. Sie ersetzten zünftische Meisterprüfungen für niedergelassene Barbier-Chirurgen durch vom Souverain erlassene Approbationsordnungen – die in Berlin 1718 Kurse am Collegium Medico-chirurgicum vorsahen – und ließen für Okulisten noch landesweite Privilegierungen zu. Da seit 1986 die Geschichte der Augenheilkunde in Berlin im 18. Jahrhundert anhand von 16 Okulisten und drei Hochschullehrern ans Licht gebracht wurde, dazu ihr ältester bekannter Vorgänger, der Hofaugenarzt Meister Herman des brandenburgischen Kurfürsten Johann II. (Cicero) 1498, ist heute die Entwicklung des Berufsbildes Augenarzt durch drei Jahrhunderte vor dem 19. Jh. darstellbar. Für die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts weisen sächsische Archivalien Bildungsgänge für Augenärzte deutlicher als preußische aus.

Dr. med. Aloys Henning, Spandauer Straße 105 K, 13591 Berlin, Deutschland

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Jutta Herde (Halle/S.)
Der Sohn aus Heiden, v. Graefe - Schüler und Begründer der Baseler Augenklinik Heinrich Schiess (1833 – 1914)

Der Abschluss der universitären Ausbildung von Heinrich Schiess 1856 fällt in die Zeit der großen Reformation der Ophthalmologie. Entstanden in Europa und speziell in Deutschland in mehreren Städten private und zögerlich auch universitäre Augenkliniken, so wurde in der Schweiz 1862 in Zürich durch Friedrich Horner die erste Augenheilanstalt eröffnet.
Heinrich Schiess kam am 3.1.1833 als ältester Sohn von 14 Kindern des Pfarrers Johann Heinrich Schiess und seiner Ehefrau Anna Margareth, geb. Bernet, in Heiden zur Welt. Des Vaters mehrfacher Wechsel der ihm übergebenen Pfarrämter sorgte für eine bewegte Kindheit von Heinrich mit Schulausbildung in Grabs, Schiers und seit 1852 auf dem Gymnasium in St. Gallen. Zusammen mit dem jüngeren Bruder Traugott bezog er 1852 die Universität zu Basel – Heinrich zum Studium der Medizin, Traugott für Kunstmalerei. Die 1854 für eine Preisarbeit erhaltenen 100 Louisdor ermöglichten Heinrich, das Studium an der berühmten Universität Würzburg, wo R. Virchow, H. Müller und R. Koelliker lehrten, fortzusetzen. 1856 kehrte er nach Basel zurück, legte die Staatsprüfung ab und wurde zum Dr. med. promoviert. Bevor er sich in seiner Vaterstadt Grabs als Landarzt niederließ, führte ihn eine Studienreise nach München zu Rothmund und nach Wien zu Eduard Jäger und Stellwag v. Carion. Während seiner vierjährigen Landarzttätigkeit von 1857 bis 1861 in Grabs reifte die zunehmende Hinwendung zur Augenheilkunde, bedingt durch erbliche hohe Myopie in der Familie und damit gewecktem Interesse im Studium, das viermonatige Praktikum bei A. v. Graefe in Berlin und ein Besuch mit seiner Frau 1860 bei v. Graefe im Freihof zu Heiden. 1859 heiratete er die wohlhabende Baseler Kaufmannstochter Rosina Margarethe Gemuseus (1833–1881). 1861 ging er nach Basel und widmete sich von nun an nur noch der Ophthalmologie. Schiess eröffnete 1861 in dem in der Missionsstrasse 28 neu gebauten Haus eine kleine Augenpraxis, die 1864 durch den Zukauf des angrenzenden Grundstückes an der Mittleren Str. 45 mit einer kleinen Bettenstation erweitert und dahin verlegt wurde – die erste Augenklinik und Poliklinik in Basel. Seit seiner Habilitierung 1863 an der Medizinischen Fakultät Basel hielt er regelmäßig Vorlesungen im Fach Ophthalmologie und Seminare zur Pathohistologie in seiner Privatklinik, der er 1865 eine Poliklinik anfügte. 1866 zog seine Klinik in ein geräumigeres Haus an der Allschwiler Straße um. 1867 wurde er zum a. o., aber erst 1876 zum ordentlichen Professor ernannt. Mehrfache Bemühungen um finanzielle Unterstützung von Seiten der Stadt und der Universität scheiterten, bis 1874 sein Aufruf über ein privates, 83 Bürger umfassendes Komitee erfolgreich Geld einspielte. Damit und nun auch mit einem Zuschuss der Universität wurde das Grundstück an der Mittleren Straße gekauft und eine neue Augenklinik gebaut. 1877 wurde die neue, nun universitäre Augenklinik eröffnet. Schiess leitete die Klinik bis 1896. Die ersten Anträge um Entbindung von seinem Amt wurden von der Fakultät abgelehnt. Der frühe Tod seiner Frau 1881 nötigte ihn zur Betreuung seiner zehn Kinder. Während seiner 35-jährigen Tätigkeit in der Ophthalmologie publizierte er 60 wissenschaftliche Arbeiten mit Schwerpunkt der klinisch-praktischen Beobachtung, Therapie und der Pathohistologie. Trotz erheblicher Sehminderung war er bis ins hohe Alter ein begeisterter Bergsteiger und Kunstliebhaber. Praktisch erblindet und die letzten Jahre von seiner Tochter Rosy betreut und gepflegt, starb Schiess 1914 in Grabs.

Prof. Dr. med. Jutta Herde, A. Schweitzer-Straße 16, 06114 Halle/Saale, Deutschland

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Danny Hirsch-Kaufmann Jokl (New York):
Zur Entdeckung der Glaskörperzellen durch Albrecht von Graefe

Albrecht von Graefe, Vater der modernen Augenheilkunde ist weltweit be-rühmt für seine Beschreibung und Behandlung des Glaukoms. Weniger bekannt ist seine Beobachtung, dass Zellen im Glaskörper das früheste Zeichen eines Netzhautrisses oder einer Ablösung darstellen. Im 20. Jahrhundert wurden diese Zellen beobachtet mit gleichem Netzhautzusammenhang und als „neue“ Entdeckung publiziert ohne zu wissen, dass was „neu“ scheint höchst wahrscheinlich vor 150 Jahren in der deutschen Literatur längst zu lesen war, was hier tatsächlich bei Albrecht von Graefe der Fall war.

Prof. Dr. med. Danny Hirsch-Kauffmann Jokl, 1 Stone Place, Bronxville, NY 10708, USA

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Gerhard Holland (Kiel):
Hugo Magnus (1842-1907)

2007 habe ich über den Ophthalmologen, Medizinhistoriker und Schriftsteller Hugo Magnus berichtet im Zusammenhang mit seinen Arbeiten über den Farbensinn und die Korrespondenz mit dem britischen Staatsmann W. E. Gladstone. Ziel der jetzigen Arbeit ist die Würdigung seines Gesamtwerkes. Hugo Magnus wurde 1842 in Neumarkt/Schlesien geboren, studierte nach dem Besuch des Königlichen Friedrich Gymnasiums zu Breslau Medizin an der dortigen Universität. 1867 erfolgte die Promotion mit einem anatomischen Thema. Hugo Magnus erhielt seine Ausbildung zum Augenarzt unter Middeldorf und Förster. 1873 Habilitation und Privatdozent für Augenheilkunde. 1883 Ernennung zum Professor extraordinarius, 1906 zum Geheimen Medizinalrat. Neben seiner Tätigkeit an der Universität unterhielt Magnus eine private Augenklinik. Ferner war er als Vertrauensarzt tätig in der Königlichen Eisenbahndirektion Breslau sowie in der Alters- und Invalidenversicherung für Schlesien. Magnus war ein vielseitiger und fruchtbarer Schriftsteller. Rund 130 Arbeiten sind bekannt, darunter zahlreiche Monographien und längere Abhandlungen. Neben aktuellen Themen aus der Augenheilkunde behandeln viele Arbeiten das Farbensehen, die Blindheit und Fragen der Begutachtung. Von besonderer Bedeutung sind seine Arbeiten zur medizinischen Kulturgeschichte und vor allem zur Geschichte der Augenheilkunde wie „Die Geschichte des grauen Stars“, „Die Anatomie des Auges bei den Griechen und Römern“ und sein umfangreichstes Werk „Die Augenheilkunde der Alten“, das 1901 erschien, zwei Jahre nach Hirschbergs „Geschichte der Augenheilkunde im Altertum“. Hugo Magnus war ferner in Zusammenarbeit mit zahlreichen anerkannten Fachkollegen Herausgeber der „Augenärztlichen Unterrichtstafeln für den akademischen und Selbstunterricht“, von denen zwischen 1892 und 1907 25 Tafeln erschienen. Darüberhinaus war er seit 1902 zusammen mit Neuberger und Sudhof Herausgeber der „Abhandlungen zur Geschichte der Medizin“. Wenige Monate nach seinem Tod 1907 erschien seine letzte, umfangreiche Arbeit „Die Entwicklung der Heilkunde in ihren Hauptzügen“, herausgegeben von seiner Ehefrau und dem Medizinhistoriker Pagel. Diesem Werk verdanken wir eine Zusammenstellung der literarischen Arbeiten von Hugo Magnus, ohne die es kaum möglich wäre heute mehr als 100 Jahre nach seinem Tod das Gesamtwerk zu würdigen. Uthoff schreibt 1907 in einem Nachruf: „Sein wissenschaftliches Denkmal hat er sich selbst errichtet und es wird Bestand haben für die Zukunft“. Hat Uthoff recht behalten?

Prof. Dr. med. Gerhard Holland, Esmarchstraße 51, 24105 Kiel, Deutschland

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Manfred Jähne (Schneeberg):
Zur Cataract-Operation beim erzgebirgischen Wildschützen Karl Stülpner (1762-1841)

Die am meisten mit Legenden umwobene Person des Sächsischen Erzgebirges war Karl Heinrich Stülpner. Als Wildschütz war er ein erzgebirgischer Volksheld und ist als verwegener Jäger und Beschützer der Armen etwa gleich zu setzen mit Robin Hood in England. Stülpner lebte in einer Zeit historischer Umbrüche in Europa: Französische Revolution mit den Kriegen Napoleons, anschließend Befreiungskriege. Im Kurfürstentum, ab 1806 Königreich Sachsen, herrschte soziale Ungerechtigkeit und es begann die Industrialisierung. Stülpner wurde als achtes Kind einer Tagelöhnerfamilie 1762 in Scharfenstein nahe Zschopau geboren. Ab 1780 war er kursächsischer Musketier und ab 1785 ständig auf der Flucht, desertierte mehrfach und wechselte dann oft zwischen Sachsen und Böhmen seinen Unterschlupf. Als treffsicherer Schütze versorgte er für seinen Lebensunterhalt Reiche und hohe Militärs mit Wildbret. Ab 1828 „traf ihn das große Unglück, durch den Staar zu erblinden“. Chronisten schrieben, dass sich „Stülpner 1831 beim Wundarzt und Stadtrichter Seyfarth in Mittweida der Star-Operation unterzog und danach auf dem linken Auge wieder sah“. Abbildungen mit einer Starbrille zierten später Stülpners autobiografisches Buch. Er starb 1841 völlig verarmt und entkräftet in seinem Geburtsort. Die vita des Christian Gotthold Seyfferth (1772–1831), Medicinae Practicus und Stadtrichter in Mittweida, wird anhand von Archivunterlagen und einer Chronik dargestellt. Auch der Sponsor dieser 25 Taler teuren Operation ist bekannt. Es ist anzunehmen, dass der Augenoperateur Seyfferth in der Vor-Graefe-Ära sich dieser Methode der Extractio cataractae bediente, wie sie im „Lehrbuch der Ophthalmologie“ von Christian Georg Theodor Ruete (1810–1867), ab 1852 erster Ordinarius für Augenheilkunde in Leipzig, später publiziert wurde.

MedR PD Dr. med. habil. Manfred Jähne, Seminarstraße 22e, 08289 Schneeberg, Deutschland

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Gerhard Keerl (Düsseldorf):
Die Gründung des Club Jules Gonin vor fünfzig Jahren

Am Anfang war der Xenon-Photokoagulator! Nachdem Prof. Gerd Meyer- Schwickerath („M-S“) in Hamburg Sonnenfinsternisschäden von 1946 beobachtet hatte, kam ihm der Gedanke, künstlich Narben an der Netzhaut zu erzeugen. Nach Jahren der Zusammenarbeit mit der Firma Zeiß – Oberkochem konnte er 1957 den ersten klinisch erprobten Lichtkoagulator vorstellen. Zunächst war das Ziel, Makulalöcher und Netzhautrisse zu verschließen und rissverdächtige Areale und umschriebene Netzhautablösungen abzuriegeln. In der Folge fanden an der Bonner Klinik unter seiner Leitung Einführungslehrgänge statt.
Unter Mitwirkung der Augenklinik Lausanne konnte M-S. vom 14. – 17. September 1959 das „I. Kolloquium über die Photokoagulation“ mit internationaler Beteiligung von insgesamt 62 Teilnehmern organisieren. Die Tagung verlief sehr persönlich durch die Schweizer Gastgeber Professor Streiff und insbesondere Dr. René Dufour. Während der Tagung entstand der Gedanke, eine neue Gesellschaft zu gründen, die sich speziell mit der Netzhautpathologie befassen sollte. Am Ende der Tagung war aus dem Kolloqium über die Photokoagulation, und getauft auf den genius loci, die
I. Tagung des Club Jules Gonin geworden.
Wenn auch der Xenon-Photokoagulator durch verschiedene Laser, für die der Koagulator Pionier war, überholt worden ist, so entwickelte sich der Club Jules Gonin in Anpassung an die Fortschritte des Faches zu der bedeutenden Vereinigung von Spezialisten der vitreo-retino-chorioidalen Pathologie und Chirurgie.

Dr. med. Gerhard Keerl, Droste-Hülshoff-Str. 2, 40474 Düsseldorf

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Guido Kluxen (Wermelskirchen):
Erste Beobachtungen, die richtungweisend zur Entdeckung der Vitamin A – Mangelerkrankungen führten

Albrecht von Graefe ist an Beobachtungen, die richtungweisend zur Entdeckung der Vitamin A – Mangelerkrankungen führten, mitbeteiligt. Celsus, dem bekanntesten römischen Autor medizinischer Schriften, der gelegentlich auch der „lateinische Hippokrates“ genannt wird, wird die Erstbeschreibung einer Austrocknungsentzündung der Augen zugeschrieben, die bei den Griechen die Bezeichnung Xerophthalmie hatte. Die Wirkung von Leber in der Behandlung von Nachtblindheit war in Europa schon im Mittelalter bekannt. Jedoch wurde zu dieser Zeit kein Zusammenhang zwischen einer Xerosis der Augen und der Nachtblindheit gesehen. Diese Beobachtungen folgten zu Graefes Zeit durch Hubbenet und Bitôt.

Prof. Dr. med. Guido Kluxen, Brückenweg 1, 42929 Wermelskirchen, Deutschland

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Peter Kober (Schwelm):
Die augenärztliche Versorgung von Kriegsverletzungen bei der Deutschen Wehrmacht im II. Weltkrieg 1939 – 1945

Im Rahmen der Kriegschirurgie hat die Versorgung von Verletzungen der Augen sicher immer eine mehr oder weniger wichtige Rolle gespielt. Allerdings waren die Möglichkeiten wirklich wirkungsvoller Versorgung in früheren Zeiten noch sehr gering. Andererseits war aber auch die Zahl der Augenverletzungen in den Kriegen vergangener Zeiten geringer als, bedingt durch die veränderte Waffentechnik, in den Kriegen des 20 Jahrhunderts.
Es fällt auf, dass es zwar sehr umfangreiche und detailreiche Einzelberichte über die Tätigkeit von Sanitätsdiensten an der Front und bei den rückwärtigen Einrichtungen der Versorgung Verwundeter gibt, aber eine systematische Darstellung des gesamten Sanitätswesens der Deutschen Wehrmacht im II. Weltkrieg und damit auch der Bedeutung der Augenheilkunde dabei fehlt, während interessanterweise eine mehrbändige Darstellung des preußisch – deutschen Sanitätswesens sowohl für den Krieg 1870/71, als auch des deutschen für den I. Weltkrieg vorliegt.
So kann sich eine Darstellung des oben genannten Thema nur darauf beschränken, einzelne Aspekte aufzuzeigen und einzelne Persönlichkeiten zu nennen, sowie einen kurzen historischen Abriss der Entwicklung der wissenschaftlich fundierten Kriegschirurgie überhaupt zu geben

Dr. med. Peter Kober, Zamenhof-Weg 4, D-58332 Schwelm

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Frank Krogmann und Ralf Vollmuth (Thüngersheim/Würzburg):
Der Militärarzt und Ophthalmologe Johann Adam Schmidt (1759 – 1809)

Der Vortrag bietet einen Überblick zu Leben und Werk des Militär- und Augenarztes Johann Adam Schmidt, der am 12. Oktober 1759 in Aub/Unterfranken geboren wurde und in Würzburg seine Ausbildung als Chirurg erhielt. Schmidt wurde Unterchirurgus im Bayerischen Erbfolgekrieg und vervollständigte seine Ausbildung in Wien, wo er über verschiedene Stationen zum Professor an der medizinisch-chirurgischen Joseph-Akademie und zu einer der führenden Persönlichkeiten des österreichischen Militärsanitätswesens aufstieg. Auch als Augenarzt erlangte Johann Adam Schmidt sowohl aufgrund seiner praktischen Tätigkeit als auch durch seine wissenschaftlichen Arbeiten hohes Ansehen. Johann Adam Schmidt verstarb am 19. Februar 1809, so dass im Jahr 2009 sowohl seines 250. Geburtstags als auch des 200. Todestages zu gedenken ist. Er hinterließ eine Vielzahl von Publikationen und erlangte nicht zuletzt als Arzt Beethovens Bekanntheit, der ihm das Trio für Klavier, Klarinette oder Violine und Violoncello (Es-Dur) Opus 38 widmete.

Frank Krogmann, Kirchgasse 6, 97291 Thüngersheim, Deutschland
PD Dr. med. dent. Ralf Vollmuth, Inst. für Gesch. der Medizin der Univ. Würzburg, Oberer Neubergweg 10a, 97074 Würzburg, Deutschland

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Gisela Kuntzsch-Kullin (Braunschweig):
Brille bei Edgar Allan Poe und Brille heute. Brillenkunde im Wandel der Zeiten

Der amerikanische Schriftsteller Edgar Allan Poe, dessen 200. Geburtstag wir in diesem Jahr feiern, schrieb die Erzählung „Die Brille“. Die Pointe dieser skurrilen Geschichte soll in der Zusammenfassung noch zurückgehalten werden, um die Spannung auf den Vortrag nicht zu nehmen. Es sei nur so viel vorweggenommen, dass der Hauptheld, ein gutaussehender junger Amerikaner, als einzigen Makel „schwache Augen“ hatte und sich aus Eitelkeit weigerte, eine Sehhilfe zu tragen. Was ihm durch dieses Verhalten geschieht, ist makaber, aber erfreulicherweise rückgängig zu machen. Er ist fortan nach diesem Dilemma nicht mehr ohne Brille anzutreffen.
Wie weit war die Brillenentwicklung im 19.Jahrhundert? Im Vortrag wird in Wort und Bild die Historie der Brille demonstriert, angefangen mit dem sogenannten Lesestein über Nietbrille, Bügelbrille, Scherenbrille, Gelenkbrille, Klemmbrille, Monokel, Kneifer, Schläfenbrille, Lorgnette bis zur heutigen Ohrenbrille. Spezialbrillen, modische Raffinessen und „Markenzeichen“ von Prominenten finden dabei auch Erwähnung.
Die gezeigten Exponate der „Brillen-Galerie“ stammen aus musealen Sammlungen und aus meiner Privatsammlung.
Zum Schluss werden kulturgeschichtliche Aspekte der Brillenakzeptanz beleuchtet.
Beispiele aus der Literatur zeigen uns Abneigung, Abhängigkeit und Liebe zur Brille, dem wohl ältesten optischen Instrument der Menschheit.

Dr. med. Gisela Kuntzsch-Kullin, Wilhelmitorwall 11, 38118 Braunschweig, Deutschland

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Jens Martin Rohrbach (Tübingen):
100 Jahre Universitäts-Augenklinik Tübingen

Nachdem Gustav von Schleich (1851–1928) 1895 den Tübinger Lehrstuhl für Augenheilkunde übernommen hatte, stellte er sehr bald fest, dass die bisherige, 1875 eingeweihte Augenklinik seines Vorgängers Albrecht Eduard Nagel (1833–1895) mit ihren 40 Betten den Anforderungen der Zeit nicht mehr genügte. Die Gründe hierfür waren insbesondere der erhebliche Fortschritt der Augenheilkunde im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts sowie die Einführung der Krankenversicherung 1883, die immer mehr Menschen den Zugang zu einer augenärztlichen Versorgung ermöglichte. So begann Gustav Schleich gemeinsam mit dem Oberbaurat Albert Beger aus Stuttgart zielstrebig mit den Planungen für einen Klinikneubau. Nachdem die Geldmittel im Juli 1905 bewilligt worden waren und der erste Spatenstich im April 1906 erfolgt war, nahm die neue Klinik den Betrieb am 1. Januar 1909, also vor nunmehr 100 Jahren, als „Königlich Württembergische Augen-Klinik Tübingen“ auf. Die ursprünglich projektierten Kosten in Höhe von 585.000 Reichsmark wurden um knapp 20% überschritten. Bei der Errichtung des Gebäudes war man den seinerzeit gültigen Bauprinzipien für Augenkliniken im Deutschen Reich weitgehend gefolgt. Es waren dieses unter anderem die Ausrichtung der Gebäude-Längsachse in Ost-West-Richtung und die Trennung von ambulanter sowie stationärer Krankenversorgung, Lehre, Forschung und (dezentralisierten) Versorgungseinrichtungen durch horizontale und vertikale Gliederung des Gebäudes. Bei Erstbezug hatte die Klinik 110 Betten bei einem Personalbestand von 32 Personen.
Seit der Inbetriebnahme wurde das Innere der im Jugendstil errichteten, heute unter Denkmalschutz stehenden Klinik wiederholt verändert, während die äußere Fassade bis auf einen Anbau nach Westen in den späten 1920igern weitgehend original erhalten blieb. Die in der Klinik erbrachten wissenschaftlichen Leistungen haben nachhaltig zum Fortschritt der Ophthalmologie national wie auch international beigetragen. Die Feierlichkeiten zum 100. Jahr der Tübinger Augenklinik im Jahre 2009 stehen nicht nur im Zeichen der dankbaren Rückschau. Sie sollen darüber hinaus auch auf die Notwendigkeit eines Klinikneubaus in der näheren Zukunft aufmerksam machen.

Prof. Dr. med. Jens Martin Rohrbach, Department für Augenheilkunde der Universität, Schleichstr. 6–12, 72076 Tübingen, Deutschland

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Gabriela Schmidt-Wyklicky (Wien):
Die Beziehungen des Graefe-Schülers Louis de Wecker (1832–1906) zur Wiener ophthalmologischen Schule und zur oesterreichisch-ungarischen Monarchie

Der aus Frankfurt a. M. stammende Ludwig Wecker studierte an den Universitäten Würzburg, Berlin, Wien und Paris. Seine wesentlichsten Lehrer in der Augenheilkunde waren in Berlin Albrecht von Graefe (1828–1870) sowie in Wien Ferdinand von Arlt (1812–1887), Friedrich Jaeger von Jaxtthal (1784–1871) und dessen Sohn Eduard (1818–1884). 1855 nach Wien gekommen, arbeitete Wecker durch 18 Monate an Jaegers privater Augenklinik. Die empfangene Unterweisung behielt Wecker stets in warmherziger Erinnerung und verfasste für Vater und Sohn Jaeger einen sehr persönlich gehaltenen Nachruf. In Paris von Julius Sichel (1802–1868) und Louis-Auguste Desmarres (1810–1882) ausgebildet, führte Wecker bald eine gutbesuchte private Augenklinik mit ausgedehnter operativer Tätigkeit. Von ihm stammte hierzu auch eine große Anzahl modifizierter oder neu konstruierter ophthalmologischer Instrumente. Wecker erlangte damit großes fachliches Ansehen, wenn auch Julius Hirschberg (1843–1925), ein weiterer Graefe-Schüler, Weckers Neuerungssucht und dessen Geschäftssinn hervorgehoben hat. Weckers zweibändiges Lehrbuch, das 1863 – 1866 erschien, war seinem Lehrer v. Graefe gewidmet und wirkte nicht nur für die Entwicklung der französischen Augenheilkunde richtungweisend. Aus politischen Gründen suchte Wecker um die österreichische Staatsangehörigkeit an, die ihm 1870 auch zuerkannt wurde. Im selben Jahr veröffentlichte Wecker gemeinsam mit Eduard Jaeger von Jaxtthal eine Übersetzung von Jaegers epochalem Atlas der Erkrankungen des Augenhintergrundes. Als Anerkennung wurde Wecker mit einem Orden ausgezeichnet, der noch 1870 zu Weckers Nobilitierung führte. Weiterhin in Paris ansässig, erhielt Lous de Wecker laut Hirschberg 1884 allerdings die französische Staatsbürgerschaft. Erwähnenswert ist auch, dass Ernst Fuchs (1851–1930) 1878 die Pariser Augenkliniken besuchte. Wecker war damals abwesend, doch standen sie später noch in wissenschaftlichem Kontakt.

Univ.-Doz. Dr. med. univ. Gabriela Schmidt-Wyklicky, Institut für Geschichte der Medizin der Medizinischen Universität Wien, Währingerstraße 25, 1090 Wien, Österreich

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Markus O. Schreier (Solothurn):
Vom guten und bösen Blick

Bei einer kleinen Gruppe von 13 Augenpatienten, alles Immigranten aus Afghanistan, Süditalien, Griechenland, Haiti, Mexiko und der Türkei, wurde nach dem bösen Blick gefragt. Orakel, ob Krankheitssymptome die Folge des bösen Blicks seien, Heilrituale und protektive Maßnahmen wurden erfragt. Die Heilrituale bewegen sich auf einer spirituell-religiösen Ebene je nach Ethnie mit katholischen, griechisch-orthodoxen oder islamischen Elementen. Das Auge als aussendendes und empfangendes Organ und seine Wirkung auf die Umwelt werden diskutiert. In einem zweiten Teil wird versucht, den guten und den bösen Blick in einem größeren Zusammenhang zu erfassen.

Markus O. Schreier, Augenarzt FMH, Zuchwiler Strasse 41, 4500 Solothurn, Schweiz

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Doris Sonderegger – Marthy (Walenstadt):
Das Kopfwehloch in der Kapelle St. Georg, Berschis (Kanton St. Gallen, Schweiz)

Das Kopfwehloch in der Hinterseite des Altars der St. Georgen – Kapelle in Berschis ist in der ältesten Kapelle des Kantons St. Gallen zu finden. Diese Kapelle ist die einzige zweischiffige, romanisch gewölbte Gottesstätte nördlich der Alpen mit nur einer Apsis. Der erste schriftliche Nachweis eines Kopfwehloches stammt aus dem 17. Jahrhundert. Gläubige mit Kopfweh pilgerten zu dieser Kapelle, um Linderung von ihren Leiden zu erlangen, nachdem sie den Kopf betend und sich beugend in das Loch in der Rückseite des Altars gesteckt hatten.
In der Schweiz und im nahen Frankreich finden sich weitere Kopfwehlöcher in Kirchenaltären: Kapelle St. Jost, Ennetbürgen (Kanton Nidwalden), Kapelle St. Placidus, Disentis (Kanton Graubünden) und in der Kirche von Saint-Dizier-l’Evêque, Frankreich, unweit von Pruntrut (Kanton Jura).

Doris Sonderegger – Marthy, PF 120, 8880 Walenstadt, Schweiz

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Gregor Wollensak (Berlin):
Johann Georg Waibel – Bürgermeister von Dornbirn und Augenarzt

Johann Georg Waibel wurde am 28.8.1828 in Dornbirn (Vorarlberg) als ältester Sohn des Gemeindekassiers Josef Andreas Waibel geboren. Nach dem Besuch des Staatsgymnasiums in Feldkirch und des Lyzeums in Salzburg beteiligte er sich 1848 mit einer Kompanie von Tiroler Akademikern an den Gefechten bei Ponte Caffaro in Südtirol. 1849–1850 studierte er u. a. Medizin an der Universität München, von 1850–1852 an der Humboldt-Universität in Berlin, wo es ihm so gut gefiel, dass er später den Beinamen „der Berliner“ bekam. Von 1852 bis 1856 setzte er sein Medizinstudium in Wien fort und erwarb dort das medizinische und chirurgische Doktorat. 1860 eröffnete er eine Praxis in Höchst/Vorarlberg in der Nähe des Bodensees, danach in Tschagguns im Montafon und schließlich 1863 in seiner Heimatstadt Dornbirn. Neben seinem Spezialgebiet der Augenheilkunde war Dr. Waibel auch als praktischer Arzt tätig und führte zum Beispiel Herniotomien durch. Außerdem war er auch als Gerichtsarzt mit Autopsien beschäftigt. Während dieser Zeit begründete er den „Dornbirner Turnverein“ und den „Verein der Ärzte von Vorarlberg“. Er war politisch bei den Liberalen engagiert und wurde am 16.2.1869 zum Bürgermeister von Dornbirn gewählt. Da er danach weniger Zeit zur Verfügung hatte, beschränkte er seine ärztliche Tätigkeit zunehmend auf die Augenheilkunde. Als Bürgermeister machte er sich u. a. verdient um die Einführung eines gedruckten Gemeindeblattes, den Bau von neuen Schulen, ein neues Schulgesetz, die Erweiterung des Straßennetzes, den Bau einer Stickereifachschule und des neuen Postgebäudes und die Einführung einer Sparkasse. Von 1870 bis 1908 war er auch im Vorarlberger Landtag und von 1878 bis 1897 Mitglied des österreichischen Reichrates. Am 29.3.1883 heiratete er seine Frau Aurelia. Diese starb 20 Jahre später in 1903. Danach half ihm seine Nichte Sophie im Haushalt. Dr. Waibel pflegte gute und freundschaftliche Kontakte zu dem Vorarlberger Schriftsteller Franz Michael Felder und Franz Xaver Moosmann in Schnepfau, dem Herausgeber des „Bregenzerwälder Blattes“. Er starb am 22.10.1908 an den Folgen eines Schlaganfalls. Dr. Waibel war fast 40 Jahre lang Dornbirns Bürgermeister gewesen.

PD Dr. med. Gregor Wollensak, Wildentensteig 4, 14195 Berlin, Deutschland

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