Vor 10 Jahren, am 21. September 1986 wurde in Aachen die 84. Tagung der Deutschen
Ophthalmologischen Gesellschaft eröffnet. Am Abend des gleichen Tages konstituierte sich während des
Festbanketts nach zweijähriger Vorarbeit die Julius Hirschberg Gesellschaft. Ihr Gründungskomité - H. M.
Koelbing/Zürich, H. Remky/München, R. Sachsenweger/Leipzig, H. Slezak/Wien - hatte unter dem
Ehrenvorsitz von Wolfgang Münchow gestanden, dem leider nicht vergönnt war, die ersten Aktivitäten der
Gesellschaft zu erleben: er starb 2 Wochen später, drei Tage vor seinem 63. Geburtstag.
Das Gründungskomité hatte sich eine deutschsprachige Vereinigung vorgestellt, deren Tätigkeit nich
t durch politische Grenzen eingeengt sein dürfe. Da die überwiegende Mehrzahl der deutschsprachigen
Augenärzte ihren fachlichen Stammbaum auf Ferdinand von Arlt zurückführen kann, wurde Wien als Sitz
der neuen Vereinigung gewählt, die sich nach dem größten Historiker unseres Faches Julius Hirschberg
Gesellschaft nennen soll.
Das Gründungskomité nahm sofort seine Arbeit auf. Im Frühjahr 1987 erhielten die Mitglieder die erste
Ausgabe des seither zweimal jährlich erscheinenden Mitteilungsblattes Nuntia-Documenta-Annotationes".
Im Juni 1987, anläßlich der Tagung der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft in Gmunden
fand die erste Mitgliederversammlung statt, die den vorgelegten Statutenentwurf billigte, einen Vorstand
wählte und die Einladung annahm, ihre Zusammenkunft in Wien im Rahmen der Feier des 175. Jubiläums
der 1. Augenklinik abzuhalten.
Die Gesellschaft ist seitdem jährlich zusammengekommen: 1988 im Deutschen Medizinhistorischen
Museum Ingolstadt, 1989 an den Jahreskongreß der Schweizerischen Ophthalmologischen Gesellschaft
angelehnt in St. Gallen mit Besuch der Klosterbibliothek und Fahrt zum GRAEFE-Gedenkstein in Heiden,
1990 in München gemeinsam mit der Société Francophone dHistoire de lOphtalmologie mit Führung durch
die Abteilung Optik des Deutschen Museums, 1991 im Deutschen Hygiene-Museum Dresden mit Eröffnung
einer Ausstellung der Forschungssammlung Münchow, 1992 auf Einladung des Europäischen Kongresses
gemeinsam mit der SFHO in Brüssel, 1993 im Medizinhistorischen Institut und -Museum Wien mit
anschließendem Besuch einer ophthalmologischen Sonderausstellung im Semmelweis-Museum Budapest,
1994 anläßlich des 100. Todestages von Helmholtz in Potsdam. Die Einladung, 1995 in Mailand eine
Sitzung im Rahmen des Europäischen Kongresses abzuhalten, konnte wegen schlechter Bedingungen
nicht angenommen werden; die Zusammenkunft 1995 fand daher in der Kartause Ittingen (Thurgau) statt
und war mit einer Führung durch das Medizinhistorische Museum Zürich verbunden. Die Julius Hirschberg
Gesellschaft freut sich, ihre 10. Zusammenkunft an ihrem 10. Geburtstage als Gast der Deutschen
Ophthalmologischen Gesellschaft abhalten zu können; sie bedauert aber auch, daß die SFHO die
Einladung zu einer gemeinsamen Zusammenkunft in Mannheim nicht annehmen konnte.
Bisher sind bei Zusammenkünfte der Julius Hirschberg Gesellschaft 182 Vorträge gehalten worden, deren
Autoreferate seit 1990 in den Sitzungsbereichen des Zentralblattes Ophthalmologie erscheinen. Mitglieder
der Julius Hirschberg Gesellschaft haben zum Symposium Vom Augendienst zur modernen Ophthalmologie"
an der Augenklinik Halle im Oktober 1994 15 und zum Berliner Graefe-Symposium im Dezember 1995 7
Beiträge geliefert, weitere 18 Vorträge stehen auf dem heutigen Programm.
Die Aktivitätsbilanz läßt deutlich das starke Interesse für Geschichte der Augenheilkunde erkennen, aber
auch eine Schwäche unserer Gesellschaft: ihre Mittel ermöglichten bisher die Herausgabe von nur zwei
Sammelbänden, so daß viele Manuskripte noch auf ihre Veröffentlichung warten müssen. Obwohl eine
historische Vereinigung viel schwieriger Sponsoren findet als eine klinische Gesellschaft, hoffen wir bald
einen dritten Band vorlegen zu können.
Die Julius Hirschberg Gesellschaft hat zur Zeit rund 220 Mitglieder, erfreulich viele von ihnen aus
nicht-deutschsprachigen Ländern. Dem Vorstand sind daher Berater aus Frankreich, Holland, Polen und
Schweden beigeordnet worden. Unter unseren nicht-augenärztlichen Mitgliedern sind mehrere
Medizinhistoriker zu nennen, aber auch für die Geschichte der Augenheilkunde hochinteressierte
Vertreter ganz anderer Berufe, z. B. ein ehemaliger Elektroingenieur, der zu einem der besten Kenner der
Entwicklung der Ophthalmoskope geworden ist. Als wichtige Aufgabe sieht es unsere Gesellschaft an, junge Augenärzte für die Geschichte der Augenheilkunde zu begeistern, die alles andere als langweilig ist - was Hörer der folgenden Vorträge am Ende der Sitzung sicher bestätigen werden.
Die Julius Hirschberg Gesellschaft hat die von ihrem Gründungskomité gesteckten Ziele weitgehend
erreicht. Möge sie auch in ihrem zweiten Dezenium erfolgreich bleiben.
Kontaktanschrift
Prof. Dr. H. Remky
Augenklinik Remky
Arabellastraße 5
D-81925 München
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