XI. Zusammenkunft der Julius-Hirschberg-Gesellschaft
16.-18. Oktober 1997 Leiden

Summaries



Antonia M. Luyendijk-Elshout:
Begeisterte Newtonianer!
Boerhaave und Albinus über den Mechanismus des Sehens (1702-1721)



At the beginning of the eighteenth century NEWTON's Doctrines were eagerly accepted in the Leiden University. Herman BOERHAAVE applied the mechanistic theories to the fundamentals of ophthalmology in his lectures De Visu, which he addressed to the students in 1707/1708. His pupil and colleague in anatomy, Bernhard Siegfried ALBINUS, was interested in the structure of the eye, which he analyzed in a meticulous way. Both scientists contributed to a better understanding of ophthalmology.

Adresse: Dr. A.M. Luyendijk-Elshout, Prins Bernhardlaan 50, NL-2341 KL Oegstgeest

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Hans Remky (München):
Lorenz Heister (1683-1758), Boerhaave-Schüler, Mitbegründer der wissenschaftlichen Augenheilkunde in Deutschland


HEISTER gehört zu den hervorragenden vielseitig gebildeten BOERHAAVE-Schülern, die den Übergang von der Chemiatrik und Physiatrik über den Eklektizismus von BOERHAAVE zum Animismus wesentlich beeinflußt haben, zu den großen Systematikern der Aufklärung. Unzählige Studenten und Chirurgen haben jahrzehntelang seine in vielen Auflagen und mehreren Sprachen erschienenen Hauptwerke "Compendium Anatomicum" und "Chirurgie" benutzt. Die Geburtshelfer verdanken ihm die Einführung der Zangenentbindung in Deutschland, die Botaniker rühmen seinen Hortus medicus, sein Herbarium und sein "Systema plantarum". HEISTER war in Amsterdam von RUYSCH und in Leiden von BOERHAAVE sowie durch die eben erschienenen Bücher von MAÎTRE-JAN und von BRISSEAU für die Augenheilkunde begeistert worden; als Feldarzt konnte er bei einer Sektion wie BRISSEAU bestätigen, daß die Linse Sitz der Cataract ist. Im Kampf um die "neue Starlehre" entbrannte ein heftiger Streit mit WOOLHOUSE, gegen dessen Angriffe sich HEISTER mit drei Schriften wehrte. Schon vor seinem Studium hatte HEISTER Operationen von EYSENBARTH gesehen, später auch abschreckende Ergebnisse von TAYLOR, des "schwarzen Schafes" unter den Schülern von BOERHAAVE; diese Eindrücke bestärkten ihn in der Forderung, die Staroperation nur sorgfältig ausgebildeten Chirurgen zu überlassen. Die Einführung der Cataract-Extraktion in Deutschland hat er nicht mehr erlebt. PLATNER, ebenfalls BOERHAAVE-Schüler, und besonders MAUCHART, von HIRSCHBERG neben HEISTER als Mitbegründer der wissenschaftlichen Augenheilkunde in Deutschland bezeichnet, haben bei ihm hospitiert. HEISTER war auch einer der ersten, die ANELs neue Methode der Behandlung von Tränenfisteln übernahmen und verbesserten.

Adresse: Prof. Dr. H. Remky, Augenklinik Remky, Arabellastr. 5, D-81925 München

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Manfred Skopec (Wien):
Gerard van Swieten, Begründer der ersten Wiener Medizinischen Schule


Die Entwicklung der Medizin in Österreich bzw. in der Habsburgischen Monarchie wurde relativ spät von Wien aus beeinflußt. Wohl wurde die Wiener Medizinische Fakultät bereits im Rudolfinischen Stiftsbrief vom 12. März 1365 begründet, aber von einer medizinischen Schule als einer Stätte medizinischer Ausbildung und Forschung mit eigenen Methoden, unverwechselbarem Profil und entsprechender Wirkung in die Weite kann man erst seit Gerard VAN SWIETEN (1700-1772), d.h. von der Mitte des 18. Jahrhunderts an, sprechen. Seine Reform, die Einführung des klinischen Unterrichts, also des Unterrichts am Krankenbett, im Jahr 1754 hat die sogenannte Erste Wiener Medizinische Schule groß gemacht. Ihre bedeutendste Errungenschaft, die Erfindung der Perkussion der Brust - Beklopfen des Brustkorbes und Deutung des Klopfschalles - durch Leopold AUENBRUGGER 1761, wurde aber eigentlich erst in der Zweiten, von Carl VON ROKITANSKY und Joseph SKODA begründeten Wiener Medizinischen Schule wirksam. Die Leistungen des Boerhaave-Schülers VAN SWIETEN als "Theresianischer Gesundheitsminister" werden im Referat erörtert.

Adresse: Doz. Dr. M. Skopec, Inst. für Geschichte der Medizin der Univ. Wien, Währinger Straße 25, A-1090 Wien

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Aloys Henning (Berlin):
Beiträge der Familie Boerhaave zur Medizin in Rußland


PETER I. von Rußland ist bei seiner Reise nach Holland während der »Großen Gesandtschaft« mit Herman BOERHAAVE in Leiden zusammengetroffen. Dieser wurde beim Ableben des Zaren 1725 als medizinische Kapazität schriftlich konsultiert. Mit Blick auf seinen berühmten Onkel bekam 1741 Herman KAAU BOERHAAVE (1705-1753) einen Ruf nach Petersburg als Hofarzt. Er wurde Erster Leibarzt der Zarin ELISABETH und 1748 Direktor der Medizinischen Kanzlei, der obersten russischen Medizinalbehörde. Bedingung seiner russischen Anstellung war das Mitbringen des wissenschaftlichen Nachlasses seines Onkels nach St. Petersburg. Ab 1746 ebnete Herman KAAU BOERHAAVE seinem Bruder Abraham (1715-1758) den Weg zur Professur für Anatomie und Physiologie an der russischen Akademie der Wissenschaften. Im Bestand der nachgelassenen Vorlesungsskripten Herman BOERHAAVEs in St. Petersburg findet sich eine ophthalmologische von 1707. Zu den seit 1746 von Albrecht VON HALLER edierten Hermanni Boerhaave Praelectiones Publicae de Morbis Oculorum, die in verschiedene westeuropäische Sprachen übersetzt wurden, gesellte Vasilij TITOVICH 1798 in Moskau verspätet auch eine russische Version, die das erste Lehrbuch der Augenheilkunde in Rußland darstellt. Adresse: Dr. A. Henning, Osteuropa-Institut der Freien Universität Berlin, Arbeitsbereich Geschichte und Kultur, Garystr. 55. D-14195 Berlin

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Gerhard Holland (Duisburg):
Abhandlungen und Lehrbücher der Augenheilkunde in lateinischer Sprache


Es begann mit CELSUS. Alle weiteren wichtigen Autoren der Antike und Spätantike von GALENOS bis PAULUS VON AEGINA schrieben Griechisch. Sie dienten den Arabern als Quellen. Viele arabische Beiträge wie der Kanon der Augenheilkunde von IBN SINA oder das Erinnerungsbuch für Augenärzte von ALI B. ISA wurden ins Lateinische übersetzt. Aus dem Mittelalter sind zu nennen: BENEVENUTUS GRAPHEUS (practica oculorum), Meister ZACHARIAS (liber oculorum), PETRUS HISPANUS (liber de oculis) und ferner GUY DE CHAULIAC, der in seinem lateinischen Lehrbuch der Chirurgie auch die Augenheilkunde abhandelt. Am Beginn der Neuzeit stehen der Chirurg FABRICIUS AB AQUAPENDENTE und FABRICIUS HILDANUS. Es folgen Lorenz HEISTER und vor allem Herman BOERHAAVE mit seiner berühmten Vorlesung "de morbis oculorum". Den Schluß bilden drei Professoren der Ungarischen Schule: Josef Jakob PLENK, Wenzel TRNKA VON KRZOWITZ und schließlich Johann Gottlieb FABINI, dessen "doctrina de morbis oculorum in usum auditorum suorum" das letzte in lateinischer Sprache geschriebene Lehrbuch der Augenheilkunde ist.

Adresse: Prof. G. Holland, Esmarchstr. 51, D-42105 Kiel

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Hans Remky, W. Locher (München):
Zur Geschichte der Keratoplastik, Rückblick auf Keratoprothesen-Implantation und Hornhauttransplantation 1789-1900


1792 wurde zum ersten Mal eine Keratoplastik vorgenommen: Denis Nicolas PELLIER (Erlangen) implantierte einer Patientin die 1789 von seinem Bruder Guillaume PELLIER DE QUENGSY (Toulouse-Montpellier) vorgestellte Keratoprothese. 1838, 25 Jahre nach HIMLYs experimentellen Hornhauttransplantationen, wagte KISSAM (New York) als erster eine Hornhautüberpflanzung (Heterotransplantation) beim Menschen. Beide Versuche endeten mit dem Verlust des operierten Auges. Obwohl schon 1837 und erneut 1872 Verwendung artgleicher Transplantate empfohlen worden war, sind auf menschliche Augen bis 1905 immer wieder tierische Hornhäute überpflanzt worden; Abstoßungen waren häufig, eine teilweise klare Einheilung konnte nur einmal beobachtet werden. Versuche, mit künstlichen Hornhäuten bessere Ergebnisse zu erhalten, enttäuschten trotz Entwicklung neuer Keratoprothesen; nur ausnahmsweise verblieben Implante länger als zwei Jahre in situ. Fortschritte der Keratoprothetik waren erst durch Verwendung von Acrylaten ab 1941 zu verzeichnen.
Zur Weiterentwicklung der Hornhauttransplantation regte 1840 eine Preisaufgabe der Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München an: die Preisträger erprobten die von Philipp von WALTHER vorgeschlagene lamelläre Keratoplastik im Tierexperiment, entwickelten einen Vorläufer des Trepans und ein neues Doppelmesser. Alle technischen Probleme der Keratoplastik sind bereits in der ersten Hälfte des l9. Jahrhunderts erkannt worden: Übereinstimmung von Form und Größe der auszutauschenden Teile, Fixierung des Bulbus während der Operation, Adaptation der künstlichen oder natürlichen Ersatzhornhaut. Zahlreiche, zum Teil sehr komplizierte und schon früh mechanisierte Instrumente wurden ersonnen, oft aber nie erprobt und schnell vergessen, manche aber nach vielen Jahrzehnten wiedererfunden. (Vollständige Literaturauswertung, umfangreiche Dokumentation)

Adressen: Prof. Dr. H. Remky, Augenklinik Remky, Arabellastr. 5, D-81925 München
PD Dr. med. W. Locher, M.A., Institut für Geschichte der Medizin der Ludwig-Maximilians-Universität München, Lessingstr. 2, D-80336 München

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Dieter Schmidt (Freiburg):
Das wissenschaftliche Werk des Professors Aurel von Szily aus Budapest, Freiburg i. B. und Münster i. W.


Aurel VON SZILY befasste sich mit der Anatomie der hinteren Irisschichten (1902) und der Morphogenese des Sehnerveneintritts bei Säugern, Fischen und Vögeln (1921, 1922). Angeregt durch seinen Vater berichtete er über Häufigkeit und Entstehung des Papillenkonus (1921) und von Kolobomen der Papille und Aderhaut (1907, 1926 und 1955) sowie der Grubenpapille (1913). Großes Aufsehen erregte er mit seinem Atlas der Kriegsaugenheilkunde (1917). Von großer Bedeutung sind seine umfangreichen experimentellen Untersuchungen über die Anaphylaxie und zur Frage der Entstehung der sympathischen Ophthalmie (1913-1916, 1924-1929).
1925 wurde V. SZILY Direktor der Univ.-Augenklinik in Münster/Westf. Zusammen mit H. MACHEMER führte er grundlegende Untersuchungen zur elektrolytischen Behandlung der Netzhautablösung durch (1933-1936). Seine Veröffentlichungen mit klinischen Themen befassten sich außerdem mit: der Pathologie der Tränenwege im Röntgenbild (1914 - 1920, 1927), pathologischen Veränderungen der Kornea (1913), angeborenen Katarakt (1910, 1918), angeborenen Ringstarlinse (1928), Vitaminmangel und Schichtstargenese (gemeinsam mit Eckstein 1923), vorderem Polstar (1930) sowie Befunden bei Rosazea (1928 -1932). Darüber hinaus berichtete er über das Osteom der Orbita (1919), das Melanom der Aderhaut (1920), die Zilienbildung der MEIBOMschen Drüsen (1923), die Xanthomatosis bulbi (1923), die Skleroperikeratitis progressiva, das epibulbäre pigmentierte Nävuskarzinom (1926), die operative Behandlung des Keratokonus (1928) und des chronischen Glaukoms (1929/30), kriminalistische Fragen (1928), den Wandertuberkel im Auge (1930), die Wirkung einer Reizkörpertherapie auf das Auge (1930), die Ätiologie der PARINAUDschen Krankheit (1935), die Frage hormonell bedingter Augenerkrankungen (1921, 1935), das Trachom (1935) sowie die Klinik und Behandlung der Augentuberkulose (1938). Auf dem internationalen Ophthalmologen- kongress in Kairo (1937) trug er über das Thema Schilddrüse und Auge vor, 1938 auf dem Ophthalmologenkongress in Oxford ("The DOYNE Memorial Lecture") über: "The contribution of pathological examinations to the elucidation of the problems of cataract".

Adresse: Dr. med. habil. Dieter Schmidt, Univ.-Augenklinik, Killianstr. 5, D-79106 Freiburg

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Dieter Schmidt:
The Scientific Contributions to Ophthalmology of Professor Aurel von Szily from Budapest, Freiburg i. B. and Münster i. W.


Aurel VON SZILY published his research on the anatomy of the posterior layers of the iris in 1902, and later investigated the entrance of the optic nerve into the eye and its morphogenesis in mammals, fishes and birds (1921, 1922). Encouraged by his father, he also published work on the frequency and development of the papillary conus (1921), the development of papillary and choroidal coloboma (1907, 1926 und 1955) and on the optic pit (1913). His atlas on the treatment of wartime eye injuries (1916) made a tremendous impression. His research also included extensive experimental investigations into anaphylaxis and the development of sympathetic ophthalmia (1913-1916, 1924-1929). In 1925, V. SZILY was appointed Director of the University Eye Hospital in Münster, in Westphalia. Together with H. MACHEMER, he carried out fundamental research on the electrolytic treatment of retinal detachment (1933-1936).
Out of his many publications on clinical themes, the following deserve special mention. The radiology of diseases of the lacrimal duct (1914-1920, 1927), pathological changes in the cornea (1913), congenital cataracts (1910, 1918, 1928), vitamine deficiency and cataract development (with ECKSTEIN, 1923), anterior pole cataract with fatty degeneration (1930). He also published articles on osteoma of the orbit (1919), choroidal melanoma (1920), the development of cilia in the MEIBOMian glands (1923), xanthomatosis bulbi (1923), sclero-perikeratitis progressiva and the malignant pigmented epibulbar nevus (1926), findings in rosacea (1928-1932), the surgical treatment of keratoconus (1928) and chronic glaucoma (1929/30), ophthalmology applied to the detection of crime (1928), migrating tuberculosis of the eye (1930), the effect of irritation therapy on the eye (1930), the etiology of PARINAUD's disease (1935), trachoma (1935), the clinical management and treatment of tuberculosis of the eye (1938) and eye discases of hormonal origin (1921, 1935). At the International Congress on Ophthalmology in Cairo (1937), he reported on thyropathy and the eye. In 1938 he was invited to attend the Oxford Congress on Ophthalmology, and gave the DOYNE Memorial Lecture on "The contribution of pathological examinations to the elucidalion of the problems of cataract".

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Sabine Fahrenbach, Leipzig:
Die goldenen Jahre, Hubert Sattler (1844-1928) und die Augenheilanstalt in Leipzig


Es wird über die Zeit berichtet, in der Hubert SATTLER die Augenklinik in Leipzig geleitet hat. Ihm und seinen Schülern ist es maßgeblich zu verdanken, daß jene Jahre zu den bedeutendsten in der Geschichte der Leipziger Augenheikunde zählen. Dabei soll ein Bild des Lebens an der "Heilanstalt für Augenkranke zu Leipzig. Stiftung bei der Universität" in all seinen verschiedenen Facetten entworfen werden. Dabei werden sowohl wissenschaftliche wie organisatorische Leistungen Sattlers zur Sprache kommen als auch seine Schüler gewürdigt werden, von denen einige die Entwicklung des Faches maßgeblich bestimmt haben und als Ordinarien an anderen Universitäten den Ruf der Leipziger Schule verbreiteten.

Adresse: Dr. Sabine Fahrenbach, Mockauer Str. 122/0105, D-04357 Leipzig

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G. Vesper (Leipzig):
Über die Farbenblindheit des englischen Wissenschaftlers John Dalton (1766-1844)


DALTON war als Naturwissenschaftler so berühmt, daß eine physikalisch-chemische Maßeinheit nach ihm benannt wurde. Sein Verwechseln der Farben Rot mit Grün und Rosa mit Blau analysierte er derart, daß diese erblich bedingte Farbenblindheit als Daltonismus bezeichnet wurde. DALTON vertrat die Theorie, die Farbenblindheit sei durch ein Filter vor der Retina ausgelöst. Zur weiteren Klärung ordnete er an, daß nach seinem Tode seine Augen entfernt und weiter untersucht würden. Mit neuester Technik konnte die Farbuntüchtigkeit DALTONS analysiert werden.

Adresse: San.-Rat Dr. G. Vesper, Harnackstr. 9, D-04317 Leipzig

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Frank Krogmann (Thüngersheim):
Das Leben und Wirken von Salomon Klein


Vor 60 Jahren, am 12.4.1937, starb in Budapest Univ.-Prof. i. R. Hofrat Salomon KLEIN der Nestor der österreichschen Augenheilkunde und einer der berühmtesten Okulisten der Wiener medizinischen Schule. KLEIN, geboren am 12.8.1845 in Miskolcz/Ungarn, studierte in Wien Medizin. 1870 Dr. der Medizin, 1872 Dr. der Chirurigie und Magister der Geburtshilfe. Assistent E. JÄGERs und MAUTHNERs. 1877 und 1878 vergebliche Gesuche um Zulassung zur Habilitation als Dozent der Augenheilkunde. 1876-1880 mühsame und viel beachtete Augenspiegelunter-suchungen an Geisteskranken. 1884 dann Privatdozent für Augenheilkunde, 1902 Titel eines ao. Professors, 1914 wirklicher ao. Professor an der Universität Wien, 1895 Vorstand der Augenabteilung der Poliklinik; leitender Augenarzt des Rothschildspitals und des Blindeninstituts auf der Hohen Warte. Im Alter von fast 80 Jahren legte er 1924 die Spitalspraxis nieder. KLEIN, bis ins höchste Alter erfolgreicher Operateur, galt als vortrefflicher Lehrer und verfaßte u. a. ein vielverwendetes "Lehrbuch der Augenheilkunde". Besondere Verdienste erwarb er sich um das Blindenwesen. Außerdem rege Tätigkeit auf volkswissenschaftlichem Gebiet. Auch unter den österreichischen Balneologen führende Rolle. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Budapest. Als KLEIN 1937, im Jahr vor dem "Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich, verstarb, konnte die Gesellschaft der Ärzte noch einen Nachruf halten und ihm ein ehrendes Gedenken erweisen.

Adresse: Frank Krogmann, Kirchgasse 6, D-97291 Thüngersheim

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Frank Krogmann (Thüngersheim):
Life and activity of Salomon Klein (1845-1937)


60 years ago, on 1937-04-12, univ.-prof. emeritus, privy council Salomon KLEIN, nestor of austrian ophthalmology and one of the most famous oculists of Vienna medical school, died in Budapest. He was born 1845-08-12 in Miskolcz/Hungary, studied medicine in Vienna. 1870 M. D., 1872 Ch. D. & magister of obstetrics. Assistant of E. JÄGER and MAUTHNER. 1877 and 1878 fruitless petitions for habilitation as lecturer of ophthalmology. Difficult and very remarkable examinations of mentally ill patients by the ophthalmoscope in the years 1876-1880. Habilitation in 1884. Title of senior lecturer in 1902, 1914 real senior lecturer at Vienna university. 1895 director of the dept. for eye-diseases at the policlinic; chief-oculist of Rothschild-hospital and of the blind asylum on Hohe Warte. Nearly 80 years old, he resigned hospital work. KLEIN, who was a successfull surgeon up to highest age, was a very good teacher and wrote a book about "Instruction of ophthalmology", which is often refered to. He earned special merits for blind people. Besides he was also supporting popular science. He also had a leadership under austrian balneologists. He spent his last years in Budapest. When KLEIN died in 1937, the year before Austria was "unied" with German empire, the society of the physicians in Vienna could still held an obituary and give him a honourable memory.

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F. Daxecker (Innsbruck):
Brillendarstellungen auf gotischen Flügelaltaren in Österreich


Die älteste Brillendarstellung im deutschen Sprachraum befindet sich am Altar von Schloß Tirol im Museum Ferdinandeum in Innsbruck, Tirol, und zwar auf einer Darstellung des Marientodes (1366-1373). Weitere Brillendarstellungen: Klosterneuburg (Niederösterreich), Albrechtsaltar, Stiftssammlung, Marientod (1439); St. Lorenzen ob Murau, Filialkirche St. Caecilia, Steiermark, Katharinenaltar, Disputation (1455-1460); Pettau (Ptuj), Pokrajinjski Muzej, Slowenien (damals zum Erzbistum Salzburg gehörend), Conrad Laib, hl. Bernhard von Siena mit einem Brillenfutteral (1460-1465), auf den Altären Michael PACHERS sind drei Brillen abgebildet: in Gries bei Bozen ein Pharisäer (1471-1475), in St. Wolfgang im Salzkammergut ein weinender Apostel (Marientod) und der hl. Lukas (1481); St. Florian (Oberösterreich), Stiftssammlung, Altar des Probstes Leonhard RIESENSCHMIED von St. Florian, Marientod (1487); Österreichische Galerie Belvedere Wien, Meister von Großgmain, hl. Augustinus (1498); Österreichische Galerie Belvedere Wien, Meister von Mondsee, hl. Augustinus (1490-1500); Diözesanmuseum Graz (Steiermark), Altar aus Hirschegg, Marientod (1503); Krenstetten, Niederöstereich, Stephan-Altar, Disputation (1500-1520); Museum Ferdinandeum, Innsbruck, Matheis STÖBERL, Jesus unter den Schriftgelehrten, ein Schriftgelehrter mit Brillenfutteral (Anfang 16. Jh.); zusätzlich: Museum Ferdinandeum, Innsbruck, Brillenabbildung im Schwazer Bergbuch, Bernhard Lässl (1556) und ein Lesestein, Ludwig KONRAITER (hl. Ottilie, 1485-1490), Stift Wilten, Innsbruck.

Adresse: Prof. Dr. F. Daxecker, Univ.-Klinik für Augenheilkunde und Optometrie, Anichstrasse 35, A-6020 Innsbruck

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Jörg Draeger, Corinna Hendriock (Hamburg):
Der Gesichtsfeldbegriff seit der Antike, Frühe Untersuchungsmethoden


Schon in der Antike ist die herausragende Bedeutung des Gesichtssinnes erkannt und beschrieben worden - neben der Sehschärfe war es bald auch die Wahrnehmung des Umfeldes, die beobachtet und beschrieben, deren Störungen wahrgenommen wurden. Die ersten Quellen, die durchaus schon physikalische Definitionen enthalten, gehen auf PTOLEMÄUS zurück. Bis zur Entwicklung wirklich quantifizierender "Meß"-Methoden hat es dann allerdings sehr lange gedauert. Auf die verblüffende Vielfalt paralleler Entwicklungen im vergangenen Jahrhundert wird eingegangen.

Adressen: Prof.Dr. J. Draeger, Univ.-Augenklinik, Martinistr. 52, D-20251 Hamburg;
cand. med. Corinna Hendriock, Christian-Förster-Straße 29, D-20253 Hamburg

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H. Roth (Düsseldorf):
Die Entdeckung der Haidinger'schen Büschel durch den Mineralogen Wilhelm Haidinger im Jahr 1844 und ihre Bedeutung für die Augenheilkunde


Der österreichische Geologe und Mineraloge Wilhelm Karl Ritter VON HAIDINGER (1795-1871 ) entdeckte 1844 durch Zufall bei der Untersuchung von Kristallen die Fähigkeit des menschlichen Auges, die Polarisationsrichtung von linear polarisiertem Licht zu erkennen. Berühmte Zeitgenossen wie Sir David BREWSTER nahmen diese Entdeckung sehr interessiert auf und versuchten den Effekt zu verstehen.
Die Tatsache, daß es nur unter der Voraussetzung einer funktionstüchtigen Makula gelingt, die Polarisationsrichtung des Lichtes zu erkennen, d.h. die damit verbundenen HAIDINGER-Büschel zu sehen, hat Augenärzte seither stets interessiert. CÜPPERS setzte 1956 das Konzept in ein pleoptisches Gerät, den sogenannten Koordinator um. Bei Untersuchungen mit Hilfe der HAIDINGER'schen Büschel konnten viele Erkenntnisse über das Funktionieren der Makula gewonnen werden. Bis heute ist das Geheimnis, wie es wirklich funktioniert, daß die Makula die Polarisationsrichtung des Lichtes feststellt, auch von Physiologen und Physikern nicht vollständig gelüftet worden.

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Peter Speiser (St.Gallen):
Die Geschichte der Angiographie des Augenhintergrundes


NOVOTNY und ALVIS, zwei Medizinstudenten, waren 1960 die ersten, denen es gelang mit Hilfe des Kontrastmittels Fluoreszein-Natrium eine klinisch anwendbare Angiographie-Methode der Netzhaut zu entwickeln. FLOWER und HOCHHEIMER waren dann 1972 diejenigen, welche mit einem anderen Farbstoff, dem Indozyanin-Grün, die Gefässe der Aderhaut sichtbar machen konnten. Vorausetzung für die Entwicklung von angiographischen Methoden waren die Kenntnis der Gefäss-Anatomie (Unterscheidung von Arterien und Venen bereits im 3. Jh. v. Chr. durch HEROPHILOS und ERASISTRATOS), die Gefäss-Injektionsverfahren mit gerinnenden Substanzen (GRAAF, SWAMMERDAM und RUYSCH, l7. Jh. n. Chr.), die Entdeckung des Blutkreislaufes (HARVEY, l7. Jh.), die die Erfindung der intravenösen Injektion (Wren, 17. Jh.) sowie die Entdeckung der Röntgenstrahlen (Röntgen Ende l9. Jh.), die sofort die allgemeine Gefässdarstellung mit strahlendichten Kontrastmitteln zur Folge hatte.

Adresse: Prof. Peter Speiser, Tannenstrasse 56, CH-9010 St. Gallen


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