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Presseerklärungen


105. DOG-Kongress in Berlin
Nachlese zum 105. Kongress der DOG 

Festrede
Vision DOG

Prof. Dr. Anselm Kampik, München, Generalsekretär der DOG


Prof. Dr. Anselm Kampik, München, Generalsekretär der DOG


Lieber Herr Präsident,
verehrte Festversammlung,

150 Jahre DOG:

Gerade eben haben wir die Historie, das Gedenken an und die Gedanken zur wechselvollen Geschichte der DOG gehört.
Wir sind einerseits betroffen, wie sehr die Politik die Anliegen der DOG zeitweilig unterwandert hat. Wir können andererseits aber auch mit Stolz und Begeisterung darauf blicken, in welchem Ausmaß Mitglieder der DOG die Augenheilkunde, national und international betrachtet, regelrecht geprägt und mitbestimmt haben, man könnte sogar sagen, die Augenheilkunde erfunden haben
Es waren 150 Jahre der unaufhörlich neu realisierten Visionen für die Augenheilkunde und damit 150 Jahre permanenter Entwicklung der Augenheilkunde zu einst nicht geahnten heutigen Perspektiven.

Sie Alle wissen, welchen Aufschwung die Augenheilkunde zur Verhütung von vermeidbarer Erblindung und zur Verbesserung von Lebensqualität bis heute genommen hat.
Verantwortlich für diese Entwicklung ist aber nicht nur die sehr wichtige Spitzenforschung und Elitebildung, wie es heute heißt, sondern auch die Umsetzung der neuen Erkenntnisse für den einzelnen Patienten in der Praxis des einzelnen Augenarztes. Forschung, Fortbildung und Weiterbildung waren und sind eine Einheit in der DOG seit 150 Jahren. Auch das ist eine besondere Stärke der DOG – im internationalen Maßstab betrachtet.
Die heutige Umsetzung dieses Konzeptes von Forschung, Fortbildung und Weiterbildung der DOG sind die Jahrestagung der DOG und die Augenärztliche Akademie Deutschland, die AAD.

All dies war und ist DOG – als Verpflichtung und Herausforderung für die Zukunft.
 
Augenheilkunde ist heute nicht mehr das „kleine Fach“ im Windschatten der großenmedizinischen Fächer. An vielen Universitätsklinika gehören die Augenkliniken zu den wesentlichen Stützen der Klinika, was Volumen und Qualität der Krankenversorgung auf höchstem Niveau anbelangt aber auch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit in unserer monetär diktierten Umwelt betrifft.

Augenheilkunde bedeutet auch das Wissen, dass wir Augenärzte bis zum Jahre 2030 wohl 50 Prozent mehr Patienten zur versorgen haben, wofür Ressourcen personeller und materieller Art zwingend folgen müssen, wenn Blindheit und Sehbehinderung nicht weiter zunehmen soll.

Vision für das Auge, Vision für die Augenheilkunde ist somit eine Herausforderung für die notwendige Forschung und weitere Umsetzung der Forschung für den Patienten.

Vision für das Auge, Vision für die Augenheilkunde, Vision DOG ist daher eine Notwendigkeit in der Erarbeitung neuer Strategien.

Zur schlaglichtartigen Beschreibung der Lage heute - drei kurze Momentaufnahmen:

1.  Wir befinden uns in einer Zeit, in der die Fortschritte der Wissenschaft auf allen Gebieten proliferieren, ja kaum noch überschaubar sind. Von der Genetik, der Molekularbiologie, der Biochemie, der Pharmakologie, und der Nanotechnologie – um nur einige Gebiete zu nennen - gehen Impulse aus, die in verschiedensten Fachrichtungen der Medizin Lösungen in Diagnostik und Therapie anbieten. Beispielhaft seien die Erfolge in der Onkologie genannt, die uns heute eine erfolgreiche Therapie der feuchten AMD an die Hand gegeben haben.
Neben den klassischen Forschungsfeldern, wie fachspezifischer Grundlagenforschung, klinisch basierte Studien und chirurgischen Weiterentwicklungen in der Augenheilkunde, wird uns in Zukunft also die translationale Forschung beschäftigen, die überprüft, ob Ergebnisse in einem Fachgebiet eventuell auch in einem anderen Fachgebiet eine Option bieten. Voraussetzung hierfür ist jedoch die profunde Kenntnis des eigenen Fachgebietes Augenheilkunde ebenso wie der Blick über den „Tellerrand“.

2. Wir befinden uns heute in einem Klima der Forschungsförderung, in dem – zwar gut gemeint - nur noch die besten Wissenschaftler gefördert werden und vornehmlich interdisziplinäre Vorhaben Unterstützung erfahren sollen – Schlagwort: Elite. Doch die Fähigkeit zu einem Spitzenforscher und einer Elite in der Wissenschaft muss nicht weniger mühsam erworben werden, wie die „handwerkliche“ Fertigkeit eines Konzertpianisten oder die ärztliche Kunst des sorgfältigen und ethisch bewusst handelnden Augenarztes.
Gerade die Basisförderung der Wissenschaft und der Weiterbildung unseres klinischen und wissenschaftlichen Nachwuchses bedarf der ausdrücklichen Förderung durch die Gesellschaft und damit gerade auch unserer wissenschaftlichen Fachgesellschaft. Erst dann kann die Vision der großen Forschungsergebnisse Wirklichkeit werden.

3. In der augenärztlichen Praxis und Klinik ist die Abgrenzung von medizinischer Versorgung, finanziert über die Krankenkassen und medizinisch sinnvollen  Leistungen, die stillschweigend durch die Politik als individuelle Leistungsanforderung des Patienten selbst deklariert wird, fließend geworden. Die Definition des medizinisch Notwendigen steht im Raum und kann entweder durch die Politik, durch den Einzelnen oder aber durch die Autorität wissenschaftlicher Fachgesellschaften auf der Basis evidenzbasierter Erkenntnisse erarbeitet werden. Aber – sie muss deklariert werden, wollen wir nicht weiter in der „Scheinheiligkeit“ von Aussagen verharren, wie „Alles medizinisch Notwendige wird bezahlt werden.“

Drei ausgewählte exemplarische Momentaufnahmen der gegenwärtigen Situation, in der sich die Augenheilkunde heute befindet.

Vision DOG ist in dieser Situation Verpflichtung und Herausforderung zugleich:

Vision DOG als Verpflichtung, weil wir das Erreichte bewahren, forttragen und weiterentwickeln müssen, ohne dabei die Einheit des gesamten Fachgebietes Augenheilkunde zu verlieren. Dabei müssen die Subspezialitäten der Augenheilkunde integriert sein. Von daher kommt den Sektionen innerhalb der DOG und der Zusammenarbeit mit anderen Fachgesellschaften eine besondere Rolle zu. Von daher kommt unseren internationalen Verflechtungen eine besondere Rolle zu.

Vision DOG als Herausforderung, weil sich die Rahmenbedingungen immer schneller wandeln. Wir erleben derzeit eine epochale Änderung im Selbstverständnis unseres Gesundheitswesens, insbesondere durch die Anforderungen und Erwartungen unserer Patienten, durch uns Ärzte selbst, und durch eine von einer „Gesundheitsökonomie“ getriebenen Politik, die die Augenheilkunde in kei­ner Weise verschont. Auch die ophthalmologische Forschung ist unmittelbar betroffen. Der DOG kommt dabei die Aufgabe zu, auch unter diesen, zum Teil erschwerten Bedingungen, alle Anstrengungen zu unternehmen, damit eine funktionierende Infrastruktur für die ophthalmologische Wissenschaft und die Forschung erhalten bleibt, ja mehr noch,  weiter ausgebaut und gestärkt wird.

Wie übersetzt sich dies für eine notwendigerweise zu gestaltende Zukunft der DOG? Wie übersetzt sich dies in eine denkbare Handlungsnahweisung für die DOG?

Die DOG wird sich in Zukunft folgenden Komplexen in besonderer Weise stellen müssen:

  1. Dienstleistung:
    Die DOG wird ihre Dienstleistungen für die Mitglieder in den Bereichen Wissenschaft, Forschung, Innovation, Aus-, Fort- und Weiterbildung intensivieren. Hierfür sind wir jetzt mit den derzeitigen Strukturen von Satzung und  Geschäftsstelle vorbereitet.

  2. Kooperation:
    Die DOG wird eine Intensivierung der Kooperationen mit den anderen augenärztlichen Verbänden und Organisationen in Praxis, Klinik und Universität anstreben müssen, damit die Einheit des Faches Augenheilkunde gewährleistet bleibt.
  1. Forschungsförderung:
    in Zeiten der sich zusehends verknappenden allgemein zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel der Grundausstattung wird die DOG Mittel als Anschubfinanzierung bereit stellen sollen, um weiter gehende Förderungen zu ermöglichen, wenn die Anliegen des Forschungsvorhabens eine Weiterentwicklung der Augenheilkunde verspricht.
    Hierzu gehört auch Mithilfe der Organisation der DOG bei Informationen zu den Möglichkeiten der immer komplexeren Förderstrukturen im nationalen und europäischen Rahmen.
  1. Positionierung:
    Die DOG wird sich gegenüber Gesellschaft und Politik noch deutlicher und akzentuierter als die sachverständige Vertretung der wissenschaftlichen Augenheilkunde darstellen müssen, um auf Basis gesicherter Erkenntnisse eine unangreifbare Beratung von Politik und Gesundheitsökonomie liefern zu können.  Diese erklärt dann auch per se die Interessen der Augenärzte ohne primär wirtschaftliches Interesse. Nur auf einer solchen Grundlage kann die Bewertungen von Leistungen erfolgen.

  2. Integration nach Innen:
    Die DOG muss die Integration des Fachgebiets unter Berücksichtigung und Würdigung aller Subspezialitäten unter ihrem Dach der wissenschaftlichen Fachgesellschaft der Augenheilkunde erreichen, um mit einer gewichtigen Stimme auftreten zu können.

  3. Integration nach Außen:
    Die DOG wird eine Intensivierung der internationalen Integration und Kooperation mit anderen ophthalmologischen Fachgesellschaften, insbesondere auf europäischer Ebene anstreben müssen. Hierfür wird es erforderlich sein, dass die nationalen wissenschaftlichen Fachgesellschaften zusammen mit den supranationalen europäischen Gesellschaften einen Dachverband bilden. Erste Bemühungen sind die langjährigen Kooperationen mit der SFO, die jetzt zu der Föderation ophthalmologischer Gesellschaften in Europa, der FeOph geführt haben. Ziel wird es sein müssen, auf europäischer Ebene die Belange der Augenheilkunde darzustellen und die Gemeinsamkeiten der Probleme und Lösungsmöglichkeiten für die Augenheilkunde in Europa zu erarbeiten und hierfür eine supranationale Möglichkeit der Kooperation der unabhängigen Fachgesellschaften zu erreichen. Auf dieser integrierten Basis wird eine Einbindung in die globale Kooperation der internationalen Augenheilkunde weiter verbessert werden können.

Schließlich wird die DOG im Jahre 2010 als Ausdruck dieser Kooperationsbereitschaft die Augenärzte der Welt zum World Ophthalmology Congress hier in Berlin zu Gast haben und dabei nach Kräften zeigen, dass die Vision DOG weiter Gestalt annehmen wird. Und wir werden hoffentlich zeigen können, dass die DOG eine glückliche Gesellschaft geblieben ist, und die Freundschaft der Augenärzte der Welt Teil der fröhlichen Feiern sein wird, die unsere Jahrestagungen immer begleitet haben.

Wir alle sind überzeugt, dass die DOG mit 150 Jahren so jung geblieben ist, dass unaufhörlich neu realisierte Vision für das Auge, und damit weiterhin Jahre der permanenten Entwicklung der Augenheilkunde zu nochmals nicht geahnten Perspektiven für die Augenheilkunde in den kommenden Jahren und Jahrzehnten führen wird.

Dies ist Vision DOG.

  • Forschungsförderung - Nachhaltige und intensive Förderung von Forschung, Wissenschaft und Innovation auch und gerade in Zeiten der sich zusehends verknappenden Mittel.

Die Förderung der ophthalmologischen Wissenschaft und Forschung ist und bleibt die vornehmste Aufgabe der Gesellschaft. Diese Ziele ergeben sich aus der Historie der Gesellschaft ebenso wie aus den gemeinnützigen und förderungswürdigen Zwecken, wie sie in der Satzung niedergelegt wurden. Die DOG verfolgt diese Ziele auf vielfältige Weise. Sie hält wissenschaftliche Kongresse und Fortbildungsveranstaltungen ab, gibt wissenschaftliche Zeitschriften heraus und richtet Sektionen, Kommissionen und Arbeitsgruppen ein, für die vielfältigen Aufgaben und Bereiche, in welchen eine wissenschaftliche Fachgesellschaft tätig sein muss. Insbesondere fördert die DOG die wissenschaftliche Ophthalmologie durch Preise, Stipendien und Forschungsförderungen. Gerade in einer Zeit, in welcher die Ressourcen immer knapper werden, ist es Aufgabe einer wissenschaftlichen Fachgesellschaft durch gezielte Förderung Ausfälle, die durch wegbrechende Finanzierungsquellen für Forschung und Wissenschaft entstehen, zu überbrücken und, wo möglich, zu kompensieren. Hiermit kann eine Anschubfinanzierung ermöglicht werden, die die Einwerbung weiterer Mittel Dritter ermöglichen soll. Die DOG hat dies in Angriff genommen:

Bis zum Jahr 2005 beliefen sich die jährlichen Ausschreibungen für Preise und Forschungsförderungen auf einen Betrag zwischen 110.000 und 120.000 Euro per anno In dieser Summe enthalten sind dabei DOG eigene Mittel ebenso wie Mittel, die von dritter Seite, insbesondere von der Industrie, zur Verfügung gestellt wurden.

Seit dem Jahr 2006 hat die DOG ihren Eigenanteil deutlich aufgestockt, so dass der Betrag der ausgeschriebenen Preise und Förderungen, die über die DOG vergeben werden, sich auf einen Gesamtbetrag von knapp unter 300.000 Euro per anno belaufen.

Aufgrund einer guten Entwicklung der Aktivitäten, vor allem aber aufgrund eines soliden und nachhaltigen Wirtschaftens, ist die DOG wieder in der Lage, sich jetzt und in der Zukunft in diesem doch beachtlichen Umfang ihren zentralen Aufgaben zu widmen: der unmittelbaren Förderung von Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Augenheilkunde.

Von zentraler Bedeutung für die Zukunft wird es dabei sein, die wissenschaftliche Laufbahn für junge und begabte Ärzte als attraktive Perspektive zu erhalten. Nur wenn der Nachwuchs an begabten, motivierten und gut ausgebildeten Ophthalmologen nicht abreißt, wird die wissenschaftliche Augenheilkunde in Deutschland an den Ergebnissen und Fortschritten der vergangenen 150 Jahre anknüpfen und den wissenschaftlichen Fortschritt mit der gleichen Dynamik vorantreiben können. Diese Aufgabe wird eine der zentralen Aufgaben der DOG in den kommenden Jahren und Jahrzehnten bleiben. Die wissenschaftlichen Fachgesellschaften insgesamt dürfen nicht müde werden, Politik und Gesellschaft immer wieder darauf hinzuweisen, dass wissenschaftlicher Fortschritt einer intensiven und nachhaltigen Förderung bedarf. Dabei ist Forschung kein Selbstzweck. Gerade im Bereich der Medizin im Allgemeinen, aufgrund der demografischen Entwicklung in Deutschland im Bereich der Augenheilkunde aber ganz besonders, wirken sich Fortschritte in Wissenschaft und Forschung unmittelbar zum Wohle der Menschen und der Gesellschaft sowie deren Lebensqualität insgesamt aus. 

  • Positionierung - Deutliche und akzentuierte Positionierung der Gesellschaft als sachverständige Vertretung der wissenschaftli­chen Augenheilkunde und Formulierung von Leitlinien und Empfehlungen als Referenzwerte und verlässliche Standards.

Die DOG wird von Vertretern und Organen von Politik, Selbstverwaltung und Gesellschaft mehr und mehr aufgefordert zu vielen politischen, gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Fra­gestellungen Stellung zunehmen und an Entscheidungs- und Entwicklungsprozessen mitzuwirken: Die Einführung und Weiterentwicklung eines Fallpauschalensystems, Weiterentwicklungen der Weiterbildungs­ordnungen, Stellungnahmen zu Innovationen in Diagnose und Therapie, Regelungen zum Fortbildungscurriculum, die Integration und Harmonisierung auf europäischer Eben sind Beispiele für diese immer wichtiger werdende Aufgaben.

Dabei sieht sich das Gesundheitssystem in Deutschland einem immer stärkeren Druck der Ökonomisierung ausgesetzt. Die Frage, ob und wie bestimmte Therapieformen und Behandlungsmöglichkeiten eingesetzt werden sollen, wird zunehmend nicht mehr vorwiegend aus medizinischer Sicht, sondern mehr und mehr aus ökonomischer Sicht bewertet. Aus diesem Spannungsfeld ergeben sich vielfältige Fragestellungen, nicht zuletzt auch solche ethischer Natur.

Wissenschaftlichen Fachgesellschaften wie der DOG kommt dabei die Aufgabe zu, den aktuellen wissenschaftlichen Stand in Diagnose und Therapie zusammenzufassen und in Form von Leitlinien, Stellungnahmen und Empfehlungen zu veröffentlichen. Sie informieren damit einerseits die Partner der Selbstverwaltung, Kostenträger, die Organe und Vertreter von Staat und Gesellschaft, Selbsthilfegruppen und betroffene Patienten und deren Angehörigen über den aktuellen Stand in Diagnose und Therapie darüber, was aus wissenschaftlich-medizinischer Sicht sinnvoll ist. Andererseits erhalten Ärzte durch fundierte und aktuelle Erklärungen der Fachgesellschaften eine wichtige Argumentationshilfe im Falle von Auseinandersetzungen über die spezifische Behandlung konkreterer Krankheitsfälle.

In dieser Hinsicht gilt es in den nächsten Monaten und Jahren, die vorhandene Infrastruktur auszubauen, um einen umfassenden Katalog an Leitlinien und Empfehlungen zu formulieren und diesen jeweils auf dem aktuellen Stand zu halten. Um diesen Katalog zu pflegen müssen die erforderlichen Ressourcen aktiviert und erweitert und der Austausch mit anderen ophthalmologischen Gesellschaften und Organisationen intensiviert werden.

  • Integration nach Innen - Integration des Fachgebiets unter Berücksichtigung und Würdigung aller Subspezialitäten unter dem Dach der wissenschaftlichen Fachgesellschaft.

Um der Weiterentwicklung der Augenheilkunde Rechnung zu tragen haben sich im internationalen Rahmen Subspezialitäten der Augenheilkunde gebildet, für die sich teils national, teils international neue Gesellschaften gegründet haben mit dem sinnvollen Ziel, diesen Subspezialitäten eine besondere Schubkraft zu verleihen. Damit sollte der Fortschritt auf diesen Gebieten, wie z.B. Retinologie, Kornea, Strabologie oder Neuroophthalmologie in besonderer Weise gefördert werden, was per se sinnvoll ist. Die Gefahr besteht jedoch dabei, dass das ohnehin als „klein“ wahrgenommene Fach Augenheilkunde dadurch geschwächt wird, wenn „politisch“ nicht klargestellt bleibt, dass diese Subspezialitäten zur Augenheilkunde gehören. Um die notwendige Integration der Subspezialitäten sicherzustellen, hat die DOG  durch die Bildung von Sektionen eine Anbindung der Spezialgebiete der Augenheilkunde unter das gemeinsame Dach der wissenschaftlichen Gesellschaft der Augenheilkunde ermöglicht. Mit der kürzlich durchgeführten Satzungsänderung wurden die Sektion mittlerweile auch in der Verfassung der Gesellschaft fest verankert und verfügen in den Gremien der DOG über Sitz und Stimme.

Mit der Integration aller Bereiche des Fachs unter dem Dach der DOG wird nicht nur das Auseinanderdriften und damit die Marginalisierung der Augenheilkunde verhindert. Es wird damit vielmehr vor allem auch eine Basis geschaffen, auf der sich Spezialgebiete gegenseitig „befruchten“ und in einen intensiven Austausch treten können. Der wissenschaftliche Fortschritt innerhalb in der Augenheilkunde wird damit entscheidend gefördert und das Fach insgesamt deutlich gestärkt. Denn nur in der Kooperation aller Kräfte innerhalb der wissenschafts-basierten Augenheilkunde wird sich das Fach Augenheilkunde in dem sich immer mehr abzeichnenden „Kampf“ um Ressourcen einen Platz erobern können, der mit der in der Öffentlichkeit wahrgenommenen hohen Bedeutung des Sehens in unserer visuell betonten Welt vereinbar ist.

Das Fach wird sich auch in der Zukunft weiter entwickeln. Neue Subspezialitäten werden sich möglicherweise bilden, bereits bestehende werden sich verändern. Der DOG kommt dabei die Aufgabe zu, solche Prozesse zu beobachten, zu begleiten und damit neue Entwicklungen frühzeitig zu erkennen, aufzunehmen und ihnen einen unterstützenden Rahmen zu bieten, um auch auf diese Weise den Fortschritt der ophthalmologischen Wissenschaft zu fördern.  

  • Integration nach Außen - Intensivierung der internationalen Integration und Kooperation mit anderen ophthalmologischen Fachgesellschaften, insbesondere auch auf der europäischen Ebene

Im Rahmen der verstärkten europäischen Integration und der Änderungen der Rahmenbedingungen, die diese mit sich bringen, aber auch durch die internationale Zusammenarbeit in Fragen der Blindheitsverhütung, der Forschungsförderung, der Entwicklung internationaler Leitlinien und Behandlungsstandards und der Intensivierung des internationalen wissenschaftlichen Austauschs wird eine Zusammenarbeit der unterschiedlichen nationalen wissenschaftlichen Fachgesellschaften eine Notwendigkeit sein, die die DOG proaktiv mitgestalten sollte. Dabei können die nationalen Fachgesellschaften diese Aufgaben nicht auf supranationale Gesellschaften wie etwa die Societas Ophthalmologica Europeae (SOE) und die European Academy of Ophthalmology (EAO) abwälzen. Sie müssen ihre Verantwortung in diesem Prozess selbstbewusst, aktiv und unter Wahrung ihrer nationalen Identitäten und Eigenständigkeit wahrnehmen. Die DOG ist dazu bereit. Mit den Gesellschaften Frankreichs, Italiens und anderer europäischer Länder betreibt die DOG bereits seit mehreren Jahren bi- aber vor allem auch multilateral eine intensive und fruchtbare Zusammenarbeit, aus der inzwischen die Keimzelle einer Föderation europäischer ophthalmologischer Fachgesellschaften entstanden ist. 

Die DOG verstand sich von ihrer Gründung an als internationale Gesellschaft. Auch angesichts dieser Tradition wird der DOG eine wesentliche Rolle zukommen, eine europäische Struktur der augenheilkundlichen Gesellschaften zu formen und mit Leben zu erfüllen. Die Einbindung der europäischen augenheilkundlichen Spezialgesellschaften wird dabei von zentraler Bedeutung sein.

Auch auf globaler Ebene intensiviert sich die Zusammenarbeit zwischen den Gesellschaften und findet ihren Ausdruck in zahlreichen Initiativen. Die DOG begrüßt und fördert diese Entwicklung. Die DOG beteiligt sich aktiv am Projekt Vision 2020 der Weltgesundheitsorganisation, das sich zum Ziel gesetzt hat, die vermeidbare Erblindung weltweit zu beseitigen. Ferner ist die Deutsche Augenheilkunde über die DOG in die Arbeit des International Council of Ophthalmology (ICO) gut eingebunden.
Ein weiterer wichtiger Meilenstein in internationaler Hinsicht ist der World Ophthalmology Congress (WOC), den die DOG im Jahre 2010 in Berlin ausrichten wird und bei welchem wir die Ehre haben werden, die Augenärzte der Welt in Deutschland als unsere Gäste begrüßen zu dürfen.

  • Kooperation - Intensivierung der Kooperationen mit den anderen augenärztlichen Verbänden und Organisationen in Praxis, Klinik und Universität

Aufgrund der Änderungen im Gesundheitswesen in Deutschland und aufgrund der Änderungen in der Selbstwahrnehmung der Aufgabenbereiche von Praxis, Klinik und Universitätskliniken in Deutschland mit unterschiedlichen Problembereichen hat sich in den letzten Jahrzehnten - im Gegensatz zu anderen Ländern -  in Deutschland eine zunehmende Zahl von Interessensvertretungen für die Augenheilkunde etabliert. Die seit gut 50 Jahren älteste Gruppierung ist der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V., mit dem die DOG seit Jahren eine konstruktive Zusammenarbeit pflegt. Da der Berufsverband die berufsständige Vertretung darstellt und die DOG die wissenschaftliche Gesellschaft der Augenärzte ist, ergaben sich über die Jahre Ergänzungen, die die Zusammenarbeit gefördert haben und als deren Resultat gemeinsame Fachkommissionen gegründet wurden. Formalisiert wurde die Zusammenarbeit über die Gründung einer gemeinsamen Gesellschaft, der AAD-GbR, der gemeinsame Aufgaben übertragen wurden, wie die Ausrichtung der Augenärztlichen Akademie Deutschland (AAD) und die Betreuung der kontinuierlichen medizinischen Weiterbildung (CME) und die Betreuung der Weiterentwicklung der DRGs.  Viele dieser Aufgaben werden gerade im Hinblick der zunehmenden Ökonomisierung des Gesundheitswesens von immer größerer Bedeutung sein. Die Fortführung der intensiven und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit dem Berufsverband wird damit weiterhin eine zentrale Aufgabe für die kommenden Jahre sein.

Die Zusammenarbeit mit der Vereinigung Ophthalmologischer Lehrstuhlinhaber (VOL) und der Vereinigung Ophthalmologischer Chefärzte (DOCH) ist naturgemäß im Interesse der wissenschaftlichen Ausrichtung der DOG eine Notwendigkeit, ohne dass hierbei die Gruppierungen der ambulanten Operationszentren außer Acht gelassen werden düfen. Für die Zukunft wird es notwendig sein, in einer mehrfach initiierten Arbeits­gemeinschaft augenärztlicher Verbände in Deutschland unter Mitwirkung der DOG eine Struktur zu finden, die ein potentiell mögliches Gegeneinander unterschiedlicher Interessensgruppen in der Augenheilkunde im Interesse der Förderung und Weiterentwicklung des Fachgebiets insgesamt zu neutralisieren versteht. Aufgrund der heutigen Struktur der DOG mit Integration aller fachlichen Gruppierungen ist sie in der Lage, geballte fachliche Kompetenz in diesen Prozess einzubringen, um Synergien zu erreichen, die für alle Gruppierungen innerhalb der Augenheilkunde national und international von Nutzen sind.

  • Dienstleistung - Intensivierung der Dienstleistungen der DOG für ihre Mitglieder in den Bereichen Wissenschaft, Forschung, Innovation, Aus-, Fort- und Weiterbildung.

In den letzten 25 Jahren hat sich die Anzahl der Mitglieder der DOG von 1.800 bis auf heute nahezu 5.300 stetig erhöht. Die DOG ist damit nicht nur die älteste wissenschaftliche Fachgesellschaft der Welt, sondern gehört auch zu den mitglieder­stärksten Gesellschaften in Deutschland. Auch dies ist Ausdruck der Dynamik und des Potentials der Gesellschaft. An dieser Stelle sei aber auch darauf hingewiesen, dass jedes einzelne Mitglied über den Mitgliedsbeitrag unmittelbar zur Förderung der ophthalmologischen Wissenschaft und Forschung beiträgt. Die Bereitschaft unserer Mitglieder, sich in diesem Maße für das Fach zu engagieren, ist beeindruckend.

Die DOG fühlt sich ihren Mitgliedern daher verpflichtet und ist im Rahmen ihrer Möglichkeiten bestrebt, sicherzustellen, dass ihre Mitglieder aus der Mitgliedschaft in der Gesellschaft einen möglichst hohen Nutzen ziehen. Dies erreicht sie durch die Verbreitung wissenschaftlicher ophthalmologischer Erkenntnisse über ihre Zeitschriften, durch die Förderung des wissenschaftlichen Austauschs auf Kongressen, Symposien und Tagungen, durch die Bereitstellung einer Plattform im Internet, um auch hier den wissenschaftlichen Austausch zu fördern.

Darüber hinaus versteht sich die DOG auch als Interessenvertreter der wissenschaftlichen Augenheilkunde und wirkt in dieser Funktion in vielfältiger Weise an politischen und wissenschaftlichen Fra­gestellungen mit.

Eine Gesellschaft wie die DOG wird nur durch ihre Mitglieder mit Leben erfüllt. Ohne sie kann keine Gesellschaft existieren. Es muss daher eine der zentralen Aufgaben der DOG sein und bleiben, durch ein interessantes und attraktives Paket an Leistungen und Angeboten ihre aktiven Mitglieder weiter an sich zu binden und weiterhin stetig neue Mitglieder im In- und Ausland zu gewinnen.

  • Ausblick

Viele Neuerungen wurden in den letzten Jahren umgesetzt und angestoßen, neue Impulse wurden gesetzt, um die kommenden Herausforderungen meistern zu können. Die Satzung wurde überarbeitet und verbessert, die Sektionen wurden in die Gesellschaft integriert und verfasst, die Geschäftsstelle wurde umgestaltet und professionalisiert, ein Geschäftsführer als administrativer Leiter wurde eingesetzt, das Geschäftsführende Präsidium dadurch in erheblichem Umfang von administrativen Aufgaben entlastet und Vieles mehr. Auch wenn bereits viel unternommen wurde, die Notwendigkeit der Anpassung an sich immer rascher wandelnde Rahmenbedingungen wird auch in der Zukunft bestehen bleiben. Dabei wird es für die Gesellschaft insbesondere von Bedeutung sein, die folgenden Aufgaben aktiv anzugehen und zu gestalten:

    • Die nachhaltige materielle aber auch die ideelle Forschungsförderung
    • Das Bemühen um die Erhaltung der Attraktivität der wissenschaftlichen Laufbahn.
    • Erarbeitung von fundierten Stellungnahmen und Leitlinien als Referenzen
    • Die nachhaltige Integration des Fachgebiets auf nationaler Ebene
    • Einbindung in eine Föderation Europäischer Ophthalmologie und die internationale und supranationale Positionierung der DOG vor allem im Konzert des wachsenden Europas und in der Welt

Mit der Konzentration auf diese Kernaufgaben wird die DOG dazu beitragen, dass die Augenheilkunde in Zukunft einen adäquaten Platz in unserer visuell dominierten Gesellschaft einnimmt und eine Perspektive für die Besten in der Medizin bietet. Auch und nicht zuletzt auf diese Weise kann die DOG das Ziel unterstützen, das die WHO mit der Kampagne „Vision 2020 – The Right for Sight“ verfolgt, nämlich die vermeidbare Erblindung weltweit zu beseitigen und damit die Lebensqualität Aller zu verbessern.

 
         
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